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RÖMERBRIEF 9 - 16

TEIL 32

HAUSAUFGABE

BIBEL: Römer 1 - 8 aufmerksam durchlesen.

FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen, bevor die Unterlagen durchgelesen werden.

UNTERLAGEN: NT-Teil 32 aufmerksam durchlesen
Wiederhole die wichtigsten Punkte des bisherigen Studiums der Heilsbriefe, Teile 26-31

II) DIE VERTEIDIGUNG DER GERECHTIGKEIT GOTTES: 9 - 11

In Röm. 3,1-2 fing Paulus mit einer Liste der Vorteile und Vorrechte der Juden an. An dieser Stelle erwähnt er nur einen Vorteil: „die Aussprüche Gottes“. In diesem Abschnitt des Briefes kehrt er nun zu dem Thema der Juden und ihrer Rolle im Plan Gottes zurück.

Er behandelt vor allem die Frage, ob Gott sein Wort in Bezug auf die Juden gehalten hat. Wenn die Verheißungen Gottes an sein Volk nicht länger bindend sind, dann kann man dem Wort Gottes überhaupt nicht vertrauen. Wenn Gott seine Verheißungen an Israel rückgängig gemacht hätte, welche Garantie könnten Kinder Gottes in Bezug auf die Gewissheit ihrer Rechtfertigung durch Glauben haben? Gott könnte dies genauso stornieren, wie die Verheißungen in Israel.

Es ist keine Übertreibung, wenn man behauptet, dass die Lehre über die Rechtfertigung durch Glauben mit den Antworten, welche der Apostel in Kap. 9,11 geben wird, steht oder fällt.

Paulus wird dahingehend argumentieren, dass Gott seine Verheißungen an Israel keineswegs vergessen hat. Man muss dafür aber das richtige Verständnis haben:

  1. Gott „goss“ nirgends im AT seine Verheißungen wahllos an das ganze Volk der Juden „aus“.
  2. Sogar in dieser jetzigen Zeit werden Juden durch die Barmherzigkeit Gottes errettet.
  3. An einem noch zukünftigen Tag wird Gott das Volk der Juden wieder verwenden, um diese Welt zu segnen.

Man kann die Kap. 9-11 des Römerbriefes wie folgt einteilen:

DIE ROLLE ISRAELS IM PLAN GOTTES

9

10

11

DIE VERGANGENHEIT

DIE GEGENWART

DIE ZUKUNFT

die Gnadenwahl Israels

der Ungehorsam und die Ablehnung Israels

die Wiederherstellung Israels

5) DIE ROLLE ISRAELS IM PLAN GOTTES 9,1 - 11,36


a) die Vergangenheit: die Gnadenwahl Israels (9,1-33)
b) die Gegenwart: der Ungehorsam und die Ablehnung Israels (10,1-21)
c) die Zukunft: die Wiederherstellung Israels (11,1-36)

ad a) die Vergangenheit: die Gnadenwahl Israels 9,1-33
Die Grundaussage findet man in den Versen 6-7:
„Aber ich sage damit nicht, dass Gottes Wort hinfällig geworden sei. Denn nicht alle sind Israeliten, die von Israel stammen; auch nicht alle, die Abrahams Nachkommen sind, sind darum seine Kinder. Sondern nur »was von Isaak stammt, soll dein Geschlecht genannt werden« (1.Mose 21,12)“

Das Wort Gottes (die Verheißungen Gottes) wird von Gott nicht storniert. Das Problem lag eher darin, dass die Juden das Wesen dieser Verheißungen nicht verstanden hatten.

Die einfache ethnische Zugehörigkeit zum Volk Israel bedeutet nicht automatisch ein Empfänger der Verheißungen Gottes zu sein. Gott machte im AT einen klaren Unterschied zwischen:

  1. natürlichem Israel (ethnische Zugehörigkeit)
  2. geistlichem Israel (laut Gottes souveräner Gnadenwahl)

Sogar ein Jude, der von Abraham abstammte, musste nicht unbedingt ein Empfänger dieser Verheißung sein. Innerhalb des Volkes gab es eine kleine, durch Gnadenwahl bestimmte Schar, der diese Verheißungen galten.

ad b) die Gegenwart: der Ungehorsam und die Ablehnung Israels 10,1-21
Wie bereits erwähnt, sind Kap. 9 und Kap. 10 komplementär. Sie betrachten das gleiche Problem von zwei verschiedenen Perspektiven:

9

10

ERKLÄRUNG VON DER GÖTTLICHEN PERSPEKTIVE

ERKLÄRUNG VON DER MENSCHLICHEN PERSPEKTIVE

die göttliche Souveränität wird betont

die menschliche Verantwortung wird betont


Israel scheiterte, weil es zwei wichtige Wahrheiten nicht verstanden hatte:

10,1 – 13

10,14 – 21

1) UNKENNTNIS DES WESENS DER GERECHTIGKEIT GOTTES 2) UNKENNTNIS DER UNIVRSELLEN VERKÜNDIGUNG DES EVANGELIUMS

ad c) die Zukunft: die Wiederherstellung Israels 11,1-36
Israel hat Gott abgelehnt. Scheinbar gibt es für die Juden keine Zukunft. Paulus verneint diese Vermutung jedoch und gibt zwei Aspekte bezüglich der Zukunft. Jede Wahrheit wird mit den Worten: „Ich sage nun“ (11,1 und 11,10) eingeleitet.

11,1-10

11,11-32

11,33-36

Ich sage nun:
„DIE VERWERFUNG ISRAELS IST NICHT ABSOLUT“

Ich sage nun:
„DIE VERWERFUNG ISRAELS IST NICHT ENDGÜLTIG“

DIE
LOBPREISUNG

die Stellung Israels in der Gegenwart

die Vorrangstellung Israels in der Zukunft

Nachdem Paulus zeigt, dass die Verwerfung Israels nicht endgültig ist, spricht er von der herrlichen Zukunft.

In 11,12-16 bringt er zuerst ein Wort der Ermutigung. Er unterstreicht diese Worte dann anhand von zwei Bildern:

  1. der Erstling und die Masse (Teig) – siehe 4.Mose 15,19-20
  2. die Wurzel eines Baumes und der ganze Baum
Anhand dieses zweiten Bildes setzt Paulus nun die Veranschaulichung fort und zeigt Gottes Wirken mit den Völkern.


DER ÖLBAUM

In 11,24 wird gezeigt, wie Gott sich den Juden zuwenden wird. Die Arbeit des Wiedereinpfropfens wird beginnen.

JETZT-eine Verstockung von fast ganz Israel
DANN-ganz Israel wird errettet werden

Was bedeutet der Ausdruck „ganz Israel“?

Hier existieren grundsätzlich drei Meinungen:

1) Gemeint sind die Juden und Heiden aller Zeiten, die gerettet werden. Diese Auslegung steht jedoch nicht im Einklang mit dem Gebrauch des Ausdruckes „Israel“ an anderen Stellen der Kapitel 9-11.

2) Gemeint sind die gesamten Juden aller Zeiten, die geglaubt haben. In 11,25 wird jedoch von einem „Geheimnis“ gesprochen und es ist kein Geheimnis, dass alle gläubigen Juden errettet werden!

3) Gemeint ist die nationale Bekehrung der Juden. Eine nationenweite Erweckung wird über die Juden kommen und sie werden sich „en masse“ zu Jesus Christus, ihrem Heiland, den sie erkennen werden, bekehren. Viele Stellen im AT sprechen davon. Eine der Stellen, wo es am deutlichsten herauskommt, ist Sach. 12.

Paulus erwähnt noch einmal die Einzigartigkeit des Volkes Israel im Plan Gottes:


Als der Apostel diese unbegreifliche Weisheit Gottes betrachtet, wird sein Herz voll von Lob und Anbetung für die Person, welche dahinter steht.

Er sagt: „Denn von ihm (die Quelle) und durch ihn (die wirkende Kraft) und zu ihm (das Ziel) sind alle Dinge“(11,36)

Paulus hat bewiesen, dass Gott absolut vertrauenswürdig ist. Er hat sein Wort auf keinen Fall von den Juden zurückgezogen. Alles was er verheißen hat, wird in Erfüllung gehen.

Der Zweifel, dass Gott vielleicht auch in der Frage der Rechtfertigung nicht ganz vertrauenswürdig ist, wird völlig beseitigt. Nun kann der Apostel, da diese Frage nun ein für allemal geklärt ist, mit der Offenbarung der praktischen Auswirkungen der Rechtfertigung durch Glauben im Alltagsleben des Kindes Gottes fortfahren.



III)DIE FOLGEN DER GERECHTIGKEIT GOTTES:12 - 16

Dies ist der letzte Abschnitt des Briefes. Paulus legt dar, wie sich die Gerechtigkeit Gottes im Alltag manifestiert.

Dieser Abschnitt ist zugleich eine Ausführung der Wahrheit des Kernverses Röm. 1,17:

„Der Gerechte aber wird aus Glauben leben“.

Die Betonung liegt auf „aus Glauben leben“.

1-8

12-15

DIE GERECHTIGKEIT GOTTES ANGERECHNET

DIE GERECHTIGKEIT GOTTES AUSGELEBT

Ich habe eine gerechte Stellung
vor Gott

Ich führe ein gerechtes Leben gemäß dem Wort Gottes


6) DIE GERECHTIGKEIT GOTTES IM ALLTAG 12,1–13,14

a) die Grundlage des verwandelten Lebens (12,1-2)
b) die Folgen des verwandelten Lebens in der Gemeinde (12,3-8)
c) die Folgen des verwandelten Lebens in der Gesellschaft (12,9-21)
d) die Folgen des verwandelten Lebens im Staat (13,1-14)

Zuerst beginnt der Apostel mit einer Ermahnung. Das gerechtfertigte Kind Gottes soll dem Herrn sein ganzes Leben hingeben. Dies allein ist die Grundlage für alles andere: für das Leben in der Gemeinde, in der Gesellschaft und im Staat. Ohne dieser Auslieferung an den Herrn sind Tätigkeiten für Gott in diesen genannten Bereichen sinnlos.


ad a) die Grundlage des verwandelten Lebens 12,1-2
Diese Verse beinhalten drei Befehle:

12,1

12,2

EINE ENTSCHIEDENE HANDLUNG

EIN ANDAUERNDER PROZESS

1) „eure Leiber hingeben“

NEGATIV
2) „stellt euch nicht dieser Welt gleich“

POSITIV
3) „sondern ändert euch“

Zeitform : AORIST

Zeitform: GEGENWART

Vier Punkte können festgehalten werden:

  1. Das verwandelte Leben beginnt mit einer entschiedenen Handlung: unsere Leiber Gott hinzugeben.
  2. Das verwandelte Leben beinhaltet eine völlige Veränderung der Gedankenwelt
  3. Das verwandelte Leben fordert Widerstand gegen den Druck dieser Welt.
  4. Das verwandelte Leben ermöglicht eine Feststellung des Willens Gottes.

ad b) die Folgen des verwandelten Lebens in der Gemeinde 12,3-8
Die erste Auswirkung eines verwandelten Lebens muss sich in der Gemeinde bemerkbar machen. Wer sich Gott gemäß Röm. 12,1-2 hingegeben hat, wird auch in der örtlichen Gemeinde seinen Dienst ausrichten.

Zwei Aspekte sind hier wichtig:

12,3

12,4-8

REALISTISCHE
SELBSTEINSCHÄTZUNG

RICHTIGE AUSÜBUNG DER
GEISTLICHEN GABEN à)

*) Nähere Informationen bezüglich geistlicher Gaben wurden in Teil 28 Seite 235 – 242, gegeben.

ad c) die Folgen des verwandelten Lebens in der Gesellschaft 12,9-21
Zuerst werden die Auswirkungen eines Gott hingegebenen Lebens in der örtlichen Gemeinde durch die Ausübung der geistlichen Gaben bemerkbar; in der weiteren Folge dann in der Gesellschaft. Zuallererst wirkt es sich bei den Gläubigen aus und dann bei den Ungläubigen; der bestimmende Faktor ist DIE LIEBE.

12,9-13 (und V. 16)

12,14-21

LIEBE
zu den GLÄUBIGEN

LIEBE
zu den UNGLÄUBIGEN

Liebe zu den Gläubigen (12,9-13 und V. 16)
Man könnte diesem Abschnitt die Überschrift geben: „Wie man mit anderen Menschen auskommt“.

Wieder erwähnt Paulus die praktischen Auswirkungen unserer Gerechtfertigten Stellung vor Gott im Alltag. Die Verpflichtung eines Kindes Gottes befindet sich auf der vertikalen und horizontalen Ebene. Den Weg zur richtigen vertikalen Beziehung findet man in Kap. 1-8; die horizontale Beziehung zu den Mitmenschen ist dann die Folge davon.

1) Die Liebe sei ungeheuchelt

2) Verabscheuet das Böse, haltet fest am Guten
Ein englischer Schriftsteller sagte einmal: „wir müssten die unendliche Schönheit der Heiligkeit und die unendliche Verdammungswürdigkeit der Sünde erkennen. Nur der ist sicher, der leidenschaftlich nach dem Guten strebt. Wer das Böse vorsichtig zu vermeiden versucht und am Guten nur aus Berechnung festhält, ist nicht sicher.“

3) In der Bruderliebe seid herzlich gegeneinander
Bruderliebe wird im Griechischen mit „philostorgos“ übersetzt; „storge“ ist die Liebe der Familienangehörigen untereinander. So sollen wir uns untereinander lieben, weil wir alle zu einer Familie gehören.

4) In Ehrerbietung einer dem anderen vorangehend

5) Im Fleiße (Eifer) nicht säumig
Im Leben eines Kindes Gottes gibt es keinen Platz für Lethargie.

6) Inbrünstig im Gebet
Menschen, die weder kalt noch warm waren, vermochte der auferstandene Christus nicht zu ertragen (Offb. 3,15-16).

7) Dem Herrn dienend
In den alten Handschriften wechseln zwei Lesearten einander ab. Manchmal heißt es „dem Herrn dienend“ und manchmal „der Zeit dienend“. Diese doppelte Leseart hat folgenden Grund: Vor allem bei häufiger vorkommenden Worten bedienten sich die Schreiber verschiedener Abkürzungen. Zu den gebräuchlichsten Methoden gehörte das Auslassen der Vokale:

z.B.: Herr - „kyrios“
Zeit - „kairos“

Diesen Aufruf des Paulus kann man aber mit einem modernen, uns geläufigen Ausdruck ganz gut wiedergeben: „ergreift jede Gelegenheit beim Schopfe“. Drei Dinge kehren nicht zurück: abgeschossene Pfeile, das gesprochene Wort, die verpassten Gelegenheiten.

8) In Hoffnung freuet euch
Als Alexander der Große zu seinen Feldzügen in den Orient aufbrach, verteilte er an seine Freunde alle möglichen Geschenke, wobei er in seiner Freigiebigkeit beinahe alles hergab, was er besaß. „Herr, du wirst selbst nichts mehr behalten“, sagte einer seiner Freunde zu ihm, „o, doch“, erwiderte Alexander, „meine Hoffnungen“.

9) In Trübsal harret aus

10) Im Gebet haltet an

11) An den Bedürfnissen der Heiligen nehmt teil
In einer Welt, die auf das Nehmen bedacht ist, soll der Christ auf das Geben bedacht sein.

12) Nach Gastfreundschaft trachtet


Liebe zu den Ungläubigen (12,14-21)

Die Einstellung eines Kindes Gottes einem Ungläubigen gegenüber sollte von echter Freundlichkeit und Anteilnahme gekennzeichnet sein.

Vor allem sollte das Kind Gottes nie Rache üben (12,19-21). Es gibt zwei Gründe dafür:

  1. Rache üben ist die Sache Gottes. Paulus zitiert 5.Mose 32,35, um diesen Aspekt der Person Gottes zu untermauern. Diese Worte sind dem Lied von Mose entnommen, welches viel Einsicht in die Person Gottes gibt.
  2. Gott will, dass das Kind Gottes das Böse mit dem Guten überwindet. Dies ist ein grundsätzliches geistliches Prinzip. Wenn man Böses mit Bösem vergilt, dann hat das Böse Frucht getragen, nämlich mehr Bosheit angerichtet. Das Böse gebiert immer mehr Bosheit. Der Apostel zitiert Spr. 25,21-22, um die richtige Einstellung zu offenbaren.

ad d) die Folgen des verwandelten Lebens im Staat 13,1-14
Dieser Abschnitt kann in zwei Teile unterteilt werden:

13,1-7

13,8-14

der Christ ist
BÜRGER DER ERDE

der Christ ist
BÜRGER DES HIMMELS

Gehorsam und Anerkennung werden gefordert

Liebe und Wachsamkeit sind notwendig

Auf den ersten Blick scheint es, als ob dieser Abschnitt (13,1-7) überhaupt nicht in den Zusammenhang hineinpasst. In 12,9-12 betont Paulus die Wichtigkeit der Liebe. In 12,19-21 wird der Christ im Besonderen aufgefordert, sich nicht zu rächen oder Vergeltung zu üben. In 13,8-14 wird die Betonung von Liebe wieder aufgenommen.

Die Offenbarung bezüglich der Stellung des Staates liegt zwischen diesen beiden Teilen Der Apostel will damit zum Ausdruck bringen, dass, obwohl der Christ verpflichtet ist nach dem Prinzip der Liebe zu leben, dies nicht für den Staat zutrifft. Der Staat darf Böses mit Bösem vergelten, da er das Werkzeug Gottes für die Eindämmung der Bosheit in der Gesellschaft ist. Wenn der Staat diese Autorität nicht hätte, dann gäbe es Chaos und Anarchie; ein Zustand, welcher ausgesprochen evangeliumsfeindlich ist.

Diese Zusammenhänge können wie folgt dargestellt werden:

DAS PRINZIP DER LIEBE

12,9-21

13,1-7

13,8-14

der Christ darf nicht Böses mit Bösem vergelten

DER STAAT DARF BÖSES MIT BÖSEM VERGELTEN

der Christ sollte ein anständiger und unterwürfiger Bürger sein

Folge:
Recht und Ordnung

7) DAS PROBLEM DER STARKEN UND SCHWACHEN IN DER GEMEINDE 14,1 – 15,13

In diesem Abschnitt behandelt Paulus ein Problem, welches die Gemeinde zu spalten drohte: das Problem der Starken und Schwachen. Die Prinzipien des verwandelten Lebens (Kap. 12-13) werden nun in einer konkreten Lebenssituation angewandt.

12 - 13

14

DIE PRINZIPIEN DES VERWANDELTEN LEBENS

DIE PRINZIPIEN IN EINEM BESTIMMTEN PROBLEM ANGEWANDT

Es ist nicht immer leicht zu wissen, wie man sich in bestimmten Situationen zu verhalten hat, obwohl die Wahrheit klar geoffenbart wurde.

Hierzu werden fünf Aspekte erwähnt:

  1. Das grundsätzliche Problem in Röm. 14 waren Meinungsverschiedenheiten über äußere Formen, welche für manche Gläubige religiöse Bedeutung hatten.
  2. Diese Formen (Feiertage und Essen) waren an sich nicht sündhaft.
  3. Mit dem Ausdruck „der Schwache im Glauben“ ist eher ein Bruder (Schwester) gemeint, der (die) geistlich unreif ist, als einer (eine), der (die) moralisch gefehlt hat.
  4. Die in Kap. 14 erwähnten Probleme wird es immer in Gemeinden geben, wo es Gläubige von unterschiedlicher geistlicher Reife gibt, vor allem wenn diese Gläubigen aus unterschiedlichen kulturellen Hintergründen kommen.
  5. Kap. 14 und 1.Kor. 8 behandeln fast das gleiche Problem.

Der Abschnitt 14,1 – 15,13 kann in drei Teile unterteilt werden.

14,1-12

14,13-23

15,1-13

DULDUNG IST NOTWENDIG

ZURÜCKHALTUNG WIRD BETONT

DER WANDEL DES CHRISTUS ALS BEISPIEL

8) PERSÖNLICHE PLÄNE DES APOSTELS 15,14-33

In 15,14-21 blickt der Apostel zurück auf vergangene Arbeit im Herrn. In 15,22-29 blickt er in die Zukunft.

Paulus machte, wie alle Gottesmänner, Pläne für die Zukunft – Pläne, die weit in die Zukunft reichten. Andererseits glaubte er fest an die Wiederkunft des Herrn. In seinem Denken konnte dieses Ereignis jeden Augenblick stattfinden und seine Pläne unterbrechen. Dies hielt ihn aber keineswegs davor zurück, diese Pläne trotzdem zu schmieden.

Paulus plante und betete. Diese Zusammensetzung von Planung und Gebet ist für das Reich Gottes entscheidend.

Die Pläne von Paulus waren dahingehend, schließlich Spanien zu erreichen (15,22-24). Möglicherweise bewogen Paulus zwei Gründe, dieses Ziel ins Auge zu fassen:

  1. Spanien lag im äußersten Westen Europas und bildete in gewisser Hinsicht die Grenze der zivilisierten Welt. Es ist anzunehmen, dass das Evangelium dort noch nicht gepredigt worden war, sonst hätte Paulus kein Interesse gehabt dorthin zu reisen. Nach welchem Prinzip er sich die Gegend aussuchte, wo er das Evangelium predigen wollte, hatte er bereits in 15,20 erläutert.
  2. Eine Art Genius machte sich zu jener Zeit in Spanien bemerkbar. Viele bedeutende Männer des römischen Weltreiches stammten aus Spanien. Der lateinische Dichter Lukas war Spanier, ebenso Martial, der Meister des Epigramms und Quintilian, welcher zu seiner Zeit der bedeutendste Lehrer der Redekunst war. Vor allem aber stammte Seneca, der große Stoiker, Erzieher und Berater von Kaiser Nero, als dieser seine Herrschaft antrat, aus Spanien. Vielleicht dachte sich Paulus, dass eine Spanienreise große Folgen für das Reich Gottes mit sich bringen könnte, obwohl er sich selbst darüber im Klaren war, dass große Intellekte und Intelligenzen alleine nichts ausrichten konnten (siehe 1.Kor. 1,19-31).

Paulus erhoffte sich, dass die Gläubigen in Rom ihn bei diesem Unternehmen sowohl geistlich, als auch finanziell unterstützen würden.

Aber bevor er dorthin reisen konnte, hatte er noch einen Dienst in Jerusalem zu erfüllen. Er sollte den Gläubigen in der Gemeinde in Jerusalem eine Geldgabe der Gemeinden in Mazedonien und Achaja überreichen (15,25-29). Dieser Dienst lag Paulus zu jener Zeit sehr am Herzen. Er sah dies als Abschluss seiner geistlichen Tätigkeit in Achaja und Mazedonien.

In 15,30-33 bittet Paulus die Gläubigen in Rom um ihre Unterstützung im Gebet und erwähnt drei klare Anliegen:

  1. die Gläubigen sollen mit Paulus im Gebet mitkämpfen
  2. Paulus soll von den Ungläubigen in Judäa errettet werden
  3. der Dienst von Paulus soll für die heiligen in Jerusalem angenehm sein

9) DER ABSCHLUSS DES BRIEFES 16,1-27

In 16,1-16 werden Grüße an die Freunde in Rom geschickt; es werden 27 Namen erwähnt. Paulus war stets voll Dankbarkeit. Er erinnert sich an die großen, aber auch an die kleinen Taten, welche für ihn getan wurden. Auch wenn sie vielleicht schon viele Jahre zurücklagen, waren sie dem Gedächtnis dieses großen Dieners Gottes nicht entwichen.

In 16,17-20 warnt Paulus wegen falscher Lehrer, welche süße Worte und schöne Reden halten.

Schließlich senden noch die Freunde, welche mit Paulus sind, ihre Grüße und Paulus beendet diesen gewaltigen Brief mit einer herrlichen Lobpreisung.

 

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