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DIE CHRISTUS- ODER GEFÄNGNIS-BRIEFE

KOLOSSERBRIEF 1 – 4
PHILEMON 1

TEIL 33

HAUSAUFGABE

BIBEL: Kol.1-4 und Philemon 1 aufmerksam durchlesen

a) Lese Apg. 28,30-31. Was kann über die Zeit, in welcher Paulus die Christus- (oder Gefängnis-) Briefe geschrieben hat, gesagt werden?

b) Welche gewaltige Wahrheit wird in 1,13 zum Ausdruck gebracht?

c) In 1,15-19 gibt es fünf Schlüssel-Ausdrücke, welche die Person Jesu Christi beschreiben. Einer davon ist z.B. „Er ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ (V.15); nenne die anderen vier Ausdrücke.

d) Versuche „herauszuhören“, welche Geschichte hinter dem Philemonbrief steckt. Was veranlasste Paulus, den Brief zu schreiben?

e) Wer waren die zwei Menschen, welche den Kolosser- und den Philemon-Brief nach Kolossä brachten?

FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen, bevor die Unterlagen durchgelesen werden.

UNTERLAGEN: NT-Teil 33 aufmerksam durchlesen

EINLEITUNG ZU DEN CHRISTUS- ODER GEFÄNGNIS-BRIEFEN

Gruppe 3 - die Christus- oder Gefängnis-Briefe

Kolosser
Philemon
Epheser
Philipper

Gemäß Apg. 28,30-31 blieb Paulus „in seinem eigenen gemieteten Haus“ als Gefangener des römischen Kaisers. Als römischer Staatsbürger hatte er von seinem Recht Gebrauch gemacht und sich auf den Kaiser berufen (Apg. 25,11). Nun musste er in Rom auf seine Verhandlung warten.

Während dieser Zeit durfte er predigen und lehren und der Herr segnete seinen Dienst (Phil. 1,13; 4,22). Es war aber auch während dieser Zeit, dass er vier der „tiefsten“ Briefe im NT schrieb: die Christus-Briefe, auch Gefängnis-Briefe genannt. Ihre Hauptbetonung ist die Person Jesu Christus.

Die Betonung der Heils-Briefe könnte man als „Christus für uns“ bezeichnen, während bei den Christus-Briefen die Betonung auf „Christus in uns“ gelegt wird. Warum gibt es zwischen diesen zwei Hauptgruppen der Briefe des Paulus nicht nur einen Unterschied in Bezug auf das Thema, sondern auch in der Schreibweise?

Vielleicht kann dieser Unterschied teilweise durch die geänderten Umstände des Paulus erklärt werden. Die Heils-Briefe hatte Paulus während seiner Reisen geschrieben. Sie entstanden inmitten einer hektischen Zeit seines Lebens, als er stets mit den Irrlehren der jüdischen Gesetzeslehrer usw., konfrontiert war. Aus dieser „aggressiven“ Zeit im Leben des Paulus stammen diese „aggressiven“ Briefe.

Im Gegensatz dazu entstanden die Christus-Briefe in einer Zeit der „Ruhe“ bzw. in einer Zeit, in welcher Paulus zumindest 2 Jahre lang keine Reisen unternehmen konnte. In seinem eigenen Heim hatte Paulus nun Zeit und Ruhe, um über seinen wunderbaren Herrn Jesus „nachzudenken“. Es wurden ihm auch andere Aspekte des Herrn Jesus Christus klar, und zwar nicht nur was er für die Gläubigen getan hatte, sondern auch wie er als Person ist (Kol. 1,15-22; Eph. 1,20-23; Phil. 2,5-11).

DIE GRÜNDUNG DER GEMEINDE IN KOLOSSÄ

Während seiner dritten Missionsreise verbrachte Paulus eine lange Zeit in Ephesus (Apg. 19,10). Ausgehend von diesem wichtigen Zentrum Asiens, wurde das Evangelium überall hingebracht. Wahrscheinlich war es Epaphras, ein Mitarbeiter von Paulus, der das Evangelium von Ephesus nach Kolossä gebracht hatte (Kol. 1,7-8; 4,12-13). Die in Kolossä gegründete Gemeinde traf sich aller Wahrscheinlichkeit nach im Haus des Philemon (Philemon 1).

Kolossä war eine kleine Stadt in Phrygien, die am südlichsten Ufer des Flusses Lycus lag und eine Nachbarstadt der beiden viel wichtigeren Städte Laodicea und Hierapolis war (Kol. 2,1; 4,13; 4,16). Kolossä war auf zwei der wichtigsten Handelsrouten zwischen Ephesus bzw. Smyrna und dem Osten situiert und war dadurch in der Mitte der Einflüsse des Westens und des Ostens.

KOLOSSERBRIEF

Am Ende der dritten Missionsreise kam Paulus nach Jerusalem (Apg. 21,30-36). Dort wurde er verhaftet und zuerst nach Cäsarea und dann nach Rom gebracht. Während Paulus in Rom war (Apg. 28,30-31) kam Epaphras zu ihm, um über die Lage in der Gemeinde zu berichten, vor allem aber, um Paulus von der sogenannten „IRRLEHRE KOLOSSÄ“ zu erzählen, welche die Gemeinde zu zerstören drohte. Diese Irrlehre war eine Mischung von verschiedenen Elementen:

  1. Philosophie (2,8-15) - von griechischen Philosophen
  2. Gesetzestreue (2,16-19) - vom Judentum
  3. Mystische Askese (20,20-3,4) - von den mystischen Religionen

Diese Irrlehre, ein Beispiel von Synkretismus, drohte die vollkommene Person Jesu Christi und sein Werk für die Gläubigen zu überschatten.

Als Antwort auf diese Irrlehre schrieb Paulus den Kolosserbrief. Gemeinsam mit dem Brief an Philemon schickte er ihn durch Tychikus und Onesimus (Kol. 4,7-9). In diesem Brief begegnet Paulus dieser Irrlehre mit einer wunderbaren OFFENBARUNG DER PERSON JESU CHRISTI:

Jesus Christus ist das Ebenbild Gottes (1,15)
Jesus Christus ist der Schöpfer des Universums (1,15-17)
Jesus Christus ist das Haupt der Versammlung (1,18)
Jesus Christus ist die Fülle der Gottheit (1,19)
Jesus Christus ist der Erretter der Welt (1,20)

Einige wichtige Informationen werden in den folgenden Punkten kurz zusammengefasst:

1) Gruppe die Christus- oder Gefängnis-Briefe

2) Datum und Niederschrift: ca. 60/61 n.Chr. Während der Gefangenschaft, von Rom aus geschrieben (Apg. 28,30-31)

3) Leserschaft: die Gemeinde in Kolossä

4) Absicht: Die sogenannte „Irrlehre Kolossä“ (2,8 - 3,4) drohte die Gemeinde zu zerstören. Diese Irrlehre war eine Mischung von verschiedenen Elementen:

Diese Irrlehre „überschattete“ die vollkommene Person Jesu Christi und Sein Werk für den Gläubigen. Paulus argumentiert nicht, sondern begegnet dieser Irrlehre mit einer Offenbarung der Person Jesu Christi: Jesus Christus, das Haupt der Gemeinde.

5) Schlüsselwort: „Fülle“ (1,9; 1,19; 1,25; 2,2; 2,9-10; 4,12; 4,17)

6) Schlüsselvers: „und er ist das Haupt des Leibes, der Versammlung, welcher der Anfang ist, der Erstgeborene aus den Toten, auf dass er in allem den Vorrang habe.“ (1,18)

7) Merkmale: Jesus Christus, das Haupt der Gemeinde (1,9-23)

Er hat in allem den Vorrang:

  1. in der Beziehung zu seinem Vater (V.15): „das Bild des unsichtbaren Gottes“ (2.Kor. 4,4)
  2. in der Schöpfung (V.15-17): „der Erstgeborene aller Schöpfung“ (Hebr. 1,2)
  3. in der Gemeinde (V.18): „der Anfang“ (1.Kor. 15,20-23; Apg. 3,15)
  4. das Heil betreffend (4.19-23): „der Erstgeborene aus den Toten“ (Offb. 1,5; Röm. 8,29; Hebr. 2,14-18)

8) Die Unterteilung des Kolosserbriefes:

Der Hauptteil des Briefes hat mit einer gewaltigen Offenbarung über die Person Jesu Christi zu tun. Dies ist auch die Grundlage für die Unterteilung.

Karte 70 – Die Unterteilung des Kolosserbriefes

JESUS CHRISTUS - DAS HAUPT DER GEMEINDE

1,1-8

1,9 - 2,3

2,4 - 3,4

3,5 - 4,6

4,7-18

EINLEITUNG

DIE GÖTTLICHKEIT UND SOUVERÄNITÄT JESU CHRISTI

DER SIEG JESU CHRISTI ÜBER DIE WELT, DAS FLEISCH UND SATAN

DER AUSDRUCK DER PERSON JESU CHRISTI IM LEBEN DES GLÄUBIGEN

SCHLUSSWORT

Er ist Gott!

Er ist der Sieger!

Er ist die Fülle!



EINTEILUNG DES KOLOSSERBRIEFES

HAUPTGEDANKE:

JESUS CHRISTUS – DAS HAUPT DER GEMEINDE


1) EINLEITUNG 1,1-8

2) DIE GÖTTLICHKEIT UND SOUVERÄNITÄT JESU CHRISTI 1,9 - 2,3

3) DER SIEG JESU CHRISTI ÜBER DIE WELT, DAS FLEISCH UND SATAN 2,4 - 3,4

4) DER AUSDRUCK DER PERSON JESU CHRISTI IM LEBEN DES GLÄUBIGEN 3,5 - 4,6

5) SCHLUSSWORT 4,7-18



1) EINLEITUNG 1,1-8

Paulus (mit Timotheus) grüßt die heiligen und treuen Brüder in Kolossä. In V.7 liest man von „… Epaphras, unserm lieben Mitknecht, der ein treuer Diener Christi für euch ist“. Es ist anzunehmen, dass die Gemeinde durch Epaphras gegründet wurde. Der Geist Gottes erwähnt eine seiner Eigenschaften: Epaphras ist treu. Die geistlichen Qualitäten eines Dieners Gottes werden in seinen geistlichen Kindern fortgepflanzt. Die Brüder in Kolossä waren treu.
In V.3 stellt Paulus das gewaltige Thema seines Briefes vor: der Herr Jesus Christus. Im Laufe des Briefes wird immer mehr über diese Person geoffenbart.

HERR - stellt die souveräne Gottheit dar
JESUS - stellt die errettende Gottheit dar
CHRISTUS - stellt die geoffenbarte Gottheit dar

2) DIE GÖTTLICHKEIT UND SOUVERÄNITÄT JESU CHRISTI 1,9 - 2,3

Paulus argumentiert in diesem Brief nicht, sondern versucht auf eine positive und erbauliche Art und Weise die Übertrefflichkeit des Christus vor Augen zu führen. Er betont den Vorrang des Christus und stellt vier grundlegende Bereiche fest, in welchen Christus diesen Vorrang hat:

  1. in der Beziehung zu seinem Vater (V. 15)
  2. in der Schöpfung (V. 15-17)
  3. in der Gemeinde (V.18)
  4. bezüglich des Heils (V.19-23)
Paulus hebt diesen Vorrang des Christus so hervor, um der Irrlehre zu begegnen, welche besagt, dass Christus nur ein „Untergott“ ist, nur eine Emanation von dem einen wahren Gott. Dies war der Kern des Gnostizismus. In der Lehre des Gnostizismus gab es nur einen Gott, der allein in Vollkommenheit und Licht wohnte. Er schuf „sekundäre“ Götter als Emanationen oder Wiederspiegelungen seiner Person. (Jesus Christus war in den Augen der Verkünder dieser Irrlehre von Kolossä so ein „sekundärer Gott“).

In V.9 beginnt der Apostel mit einem Gebet, welches in den Versen 9-11 klar definiert ist, im Laufe der weiteren Verse aber immer mehr in die Darstellung der Göttlichkeit und Souveränität Jesu Christi (ab V.12) verschwindet.

Die Grundlage für die Worte des Apostels ist die Tatsache, dass die Kolosser (und alle anderen Gläubigen) aus der Gewalt der Finsternis errettet und in das Reich des Sohnes seiner Liebe versetzt worden sind (V.13).

errettet aus: „rhuomai“ bedeutet die
völlige Errettung aus….

versetzt in: „methistemi“ setzt sich aus zwei
Wörtern zusammen:
„meta“ – bedeutet „Änderung“
„histemi“ – bedeutet „befähigen zu stehen“

Ab V. 15 führt Paulus die gewaltigen Wahrheiten über den Christus an. Dabei gibt es fünf Schlüsselausdrücke, welche für diese Offenbarung wichtig sind:

1) das Bild des unsichtbaren Gottes (V. 15)

Das Wort „Bild“ ist im Griechischen „eikon“ und bedeutet „Bildnis oder Darstellung eines Originals“. In Joh. 14,9 sagte der Herr Jesus: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“. Jesus Christus ist das Sichtbarwerden und das völlige Bildnis des unsichtbaren ewigen Gottes.

2) der Erstgeborene aller Schöpfung (V. 15)

Das Wort „Erstgeborene“ ist im Griechischen „prototokos“. Es wird in Lk. 2,7 für den Herrn, als den Erstgeborenen der Jungfrau Maria, verwendet; d.h. sie hatte vorher keine Kinder gehabt, Jesus war das erste Kind, welches sie gebar. Viel häufiger aber wird das Wort für den Herrn in Beziehung zu seinem Vater verwendet. In diesen Versen steht nicht die physische Geburt im Vordergrund, sondern die Vorrangstellung eines Erstgeborenen. Die betreffenden Stellen sind:

a) Kol. 1,15 - die ewige Beziehung mit dem Vater bestand schon vor der Schöpfung und der Herr Jesus rief die Schöpfung ins Leben

b) Kol. 1,18; Offb. 1,5 - in Bezug auf die Auferstehung war Christus der Erste

c) Röm. 8,29 - in Bezug auf die Gemeinde ist er das Haupt

d) Hebr. 1,6 - in Bezug auf seine Wiederkunft, wenn er alles wieder in Ordnung bringen wird


3) das Haupt des Leibes (V. 18)
das Wort „Haupt“ ist im Griechischen „kephale“ und bedeutet, abgesehen von dem normalen Verständnis des Wortes, „die Vorrangstellung, das wichtigste Teil“

  1. das Haupt über alles Eph. 1,22
  2. das Haupt, Christus Eph. 4,15
  3. Christus, das Haupt der Versammlung Eph. 5,23
  4. das Haupt jedes Fürstentums und jeder Gewalt Kol. 2,10
  5. das Haupt des Leibes Kol. 2,19

4) der Anfang (V. 18)

Das griechische Wort für „Anfang“ ist „arche“, der Stamm „arch“ bedeutet „etwas das Wert hatte“; das Zeitwort „archo“ ist „erster zu sein“ und „archon“ war ein „Herrscher“ oder „Fürst“,

5) der Erstgeborene aus den Toten (V. 18) - (wurde oben behandelt)

3) DER SIEG JESU CHRISTI ÜBER DIE WELT, DAS FLEISCH UND SATAN 2,4 - 3,4

In 2,4 – 3,4 wird die „Irrlehre Kolossä“ geoffenbart. Da diese Lehre von Paulus nicht systematisch behandelt wird, ist es sehr schwer genau festzustellen, was diese Lehre beinhaltete. Einige Hinweise werden jedoch gegeben:

a) eine falsche Philosophie (2,8-15)
Paulus gibt als Antwort darauf: „Christus – in ihm wohnt die ganze Fülle der Gottheit leibhaftig; und an dieser Fülle habt ihr teil in ihm“. (2,9-10)

b) eine Gesetzestreue (2,16-19)
Paulus antwortet darauf, dass das Gesetz und die Dinge des Alten Bundes nur „ein Schatten des Zukünftigen“ waren (2,17)

c) eine mystische Askese (2,20-23) - Paulus sagt, dass diese Askese „fleischlich“ ist (2,23) und überhaupt keinen geistlichen Gewinn bringt. Christus ist „unser Leben“ (3,4) und der Gläubige soll suchen „was droben ist, nicht nach dem, was auf Erden ist“ (3,2)

Ohne Personen klar zu definieren, werden die Gegner des Evangeliums vorgestellt:

Über die drei Betonungen der Irrlehre Kolossä hinaus, wird in diesem Abschnitt auch noch Offenbarung über den totalen Sieg Jesu Christi über die Welt, das Fleisch und den Satan gegeben. Diese drei Elemente bedeuten die ganze Feindschaft und Rebellion gegen Gott:

Die Welt: „Wenn jemand die Welt lieb hat, in dem ist nicht die Liebe des Vaters“ (1.Joh. 2,15)
„wisst ihr nicht, dass Freundschaft mit der Welt Feindschaft mit Gott ist“ (Jak. 4,4)
„Wenn euch die Welt hasst, so wisst, dass sie mich vor euch gehasst hat“ (Joh. 15,18)

Was ist die Welt? Die Welt ist die geistliche Dimension, in welcher die Rebellion und die Feindschaft gegen Gott stattfindet.

Das Fleisch: „Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.“ (Joh. 3,6)
„Denn ich weiß, dass in mir, das heißt in meinem Fleisch, nichts Gutes wohnt“ (Röm. 7,18)
Denn fleischlich gesinnt sein ist Feindschaft gegen Gott, weil das Fleisch dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn es vermag's auch nicht“ (Röm. 8,7)

Was ist das Fleisch? Das Fleisch ist das geistliche Mittel, wodurch die Rebellion und die Feindschaft gegen Gott ausgedrückt werden.

Der Satan: „…dass sie sich bekehren von der Finsternis zum Licht und von der Gewalt des Satans zu Gott“ (Apg. 26,18)
„Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! ...“ (Mt. 4,9-10)
„Und es wurde hinausgeworfen der große Drache, die alte Schlange, die da heißt: Teufel und Satan, …“ (Offb. 12,9).

Wer ist Satan? Der Name „satanos“ kommt etwa 55 mal in der Schrift vor und bedeutet „der Widersacher“. Satan ist der geistliche Anführer, der die Rebellion und die Feindschaft gegen Gott leitet.

Diese drei Aspekte und den Sieg Jesu Christi darüber kann man wie folgt darstellen:

DIE REBELLION UND DIE FEINDSCHAFT GEGEN GOTT

4) DER AUSDRUCK DER PERSON JESU CHRISTI IM LEBEN DES GLÄUBIGEN 3,5 - 4,6

Im übrigen Teil des Briefes behandelt Paulus die Verantwortung des Gläubigen, der nun den alten Menschen und dessen Handlungen ablegen bzw. töten soll und den neuen Menschen anziehen soll (3,5-17).

Er spricht dann drei Gruppen (jeweils bestehend aus zwei Personen) an, in denen sich dieser neue Mensch offenbaren soll:

a) Frauen sollen ihren Ehemännern untergeordnet sein (3,18)
Ehemänner sollen ihre Frauen lieben (3,19)

b) Kinder sollen ihren Eltern in allem gehorsam sein (3,20)
Väter sollen ihre Kinder nicht zum Zorn reizen (3,21)

c) Sklaven sollen ihren Herren in allem gehorsam sein (3,22-25)
Herren sollen ihre Sklaven gut behandeln (4,1)

5) SCHLUSSWORT 4,7-18

Tychikus und Onesimus, die den Brief mitgebracht haben, werden von Paulus gelobt.

Tychikus ist:
a) der geliebte Bruder
b) der treue Diener
c) der Mitknecht im Herrn

Onesimus ist:
a) der treue Bruder
b) der geliebte Bruder
c) der „einer der Euren ist“ (Mitglied der Gemeinde in Kolossä)

Paulus schließt mit Grüßen an verschiedene Mitglieder der Gemeinde und setzt dann seine Unterschrift unter den diktierten Brief, um die Möglichkeit einer Fälschung auszuschließen.

PHILEMONBRIEF

Dieser Brief ist ein Beispiel für die Privatkorrespondenz des Paulus. Er wurde während der ersten römischen Gefangenschaft geschrieben (Apg. 28,30-31), nachdem Paulus mit dem Sklaven Onesimus in Verbindung gekommen war. In diesem Brief werden die menschlichen Qualitäten von Paulus klargelegt; seine Barmherzigkeit, seine Milde, sein Engagement für andere, aber auch seine Ehrlichkeit und sein Gefühl für das was richtig ist. In diesem Brief wird auch die Bedeutung von Brüderlichkeit und Vergebung geoffenbart.

Tychikus und Onesimus überbrachten den Brief Philemon, welcher der Herr von Onesimus war.

1) Gruppe: 3 - Die Christus-Briefe

2) Datum der Niederschrift: ca. 60/61 n.Chr. während der Gefangenschaft von Rom aus geschrieben (Apg. 28,30-31)

3) Hintergrund: Während seiner Gefangenschaft in Rom hatte Paulus Onesimus, einen Sklaven, der von seinem Herrn, Philemon, weggelaufen war, kennengelernt. Onesimus, der Philemon wahrscheinlich bestohlen hatte (V.18) und dann in Rom im Gefängnis landete, ist durch Paulus zum Glauben gekommen (V.10). Obwohl Paulus ihn bei sich behalten wollte (V.13) dachte er, dass es besser wäre, wenn er zu seinem Herrn Philemon zurückkehrte.

4) Leserschaft: Philemon, Gemeindemitglied in Kolossä (Philemon 2; 10; Kol. 4,9; 4,17)

5) Absicht: Philemon zu bitten, dass er Onesimus vergibt, da er jetzt zurückgekehrt ist: „… nicht länger als einen Sklaven, sondern mehr als einen Sklaven, als einen geliebten Bruder …“ (V. 16)

6) Schlüsselwort: „aufnehmen“ (V. 12; 15; 17; siehe Röm. 15,7)

7) Schlüsselvers: „Wenn er aber dir Schaden angetan hat oder etwas schuldig ist, das rechne mir an.
Ich, Paulus, schreibe es mit eigener Hand: Ich will's bezahlen:“ (V.18-19)

8) Merkmale:

die göttliche Vergebung versinnbildlicht

  1. Die Übertretungen des Onesimus (V.11; 18)…...….. die Schuld der Menschheit
  2. die Barmherzigkeit des Paulus (V.10)…………...…. das Wesen Gottes
  3. die Fürsprache des Paulus (V.10, 18, 19)…………... die Menschwerdung Jesu Christi
  4. Paulus als Stellvertreter für Onesimus (V.18-19)…... das Opfer Jesu Christi
  5. die Wiederherstellung des Onesimus (V.15)……...... die göttliche Vergebung
  6. die neue erhöhte Stellung des Onesimus (V.16)...…. das Kind Gottes „in dem Herrn“

9) Unterteilung des Philemonbriefes

Karte 71 – Die Unterteilung des Philemonbriefes

„Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus“ (Eph. 4,32)

V. 1-3

V. 4-7

V. 8-21

V. 22

V. 23-25

BEGRÜSSUNG

GEBET FÜR DEN DIENST DES PHILEMON

BITTE FÜR DIE WIEDERHERSTELLUNG DES ONESIMUS

AUSSICHT AUF DIE BEFREIUNG DES PAULUS

SCHLUSSWORT

In den meisten anderen Briefen verwendet Paulus seine Autorität als Apostel. In diesem Brief jedoch nicht. der äußerst taktvolle und vertrauliche Stil des Briefes lässt auf eine tiefe Beziehung zwischen Paulus und Philemon schließen. Die echte, göttliche Liebe (griech. agape) ist in Paulus und Philemon bereits zu diesem Maß gewachsen, dass Paulus nicht mehr seine Autorität (obwohl er es könnte) einsetzt. Echte Liebe sucht nicht das ihre, sondern das des anderen.

Das Wort „agape“ kommt mit verschiedenen Abwandlungen insgesamt 5 mal vor; und zwar in den Versen 1, 5, 7, 9 und 16.

Wenn man von dieser Betonung des Briefes ausgeht, könnte er auch wie folgt eingeteilt werden:

V. 1-7 - Liebe dient
V. 8-20 - Liebe vergibt
V. 21-25 - Liebe gehorcht

Das Wesen der göttlichen Liebe (agape) in einem Gläubigen besteht darin, dass er sein Leben willentlich und völlig selbstlos total an den Willen Gottes ausliefert bzw. hingibt. Vergleiche Joh.3,16, wo die gleiche Aussage über die Liebe Gottes gemacht wird.

Der Kern dieses kurzen Briefes ist die Antwort in V.18-19 auf die Frage, welche der Brief aufwirft: was geschieht mit der Schuld des Onesimus?

Die Antwort lautet: „Wenn er … etwas schuldig ist, so rechne dies mir an. Ich, Paulus, habe es mit meiner Hand geschrieben, ich will bezahlen“.

Die Ausdrücke „rechne dies mir an“ und „ich will bezahlen“ wurden im Buchhaltungs- und Juswesen verwendet. Von dem Theologischen Standpunkt aus versinnbildlichen diese Ausdrücke das stellvertretende Werk Jesu Christi für den Sünder – ER hat den Preis bezahlt; ER nahm die Schuld auf sich.

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