[ vorheriger Teil| Inhalt | nächster Teil ]

EPHESERBRIEF 1 - 6

TEIL 34

HAUSAUFGABE

BIBEL: Apg.19,1 – 41; 20,17 – 38 und Eph.1 - 6 aufmerksam durchlesen.

FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen, bevor die Unterlagen durchgelesen werden.

a) Schreibe die Stellen auf, in welchen der Ausdruck „in den himmlischen (Örtern)“ vorkommt. In welchem Zusammenhang steht die jeweilige Erwähnung des Ausdruckes?

b) Schreibe die Stellen auf, in welchen der Ausdruck „jetzt“ vorkommt. In welchem Zusammenhang kommt die jeweilige Erwähnung vor?

c) Vergleiche die Gebete des Paulus in 1,15-19 und 3,14-21. Was kann man aus diesen Gebeten für die eigenen Gebete und Fürbitte lernen?

d) Woraus besteht die Waffenrüstung Gottes in 6,10-18? Nenne die einzelnen Teile und erkläre deren geistliche Bedeutung.

UNTERLAGEN: NT-Teil 34 aufmerksam durchlesen


EPHESERBRIEF

Dieser „himmlische“ Brief wurde während der ersten römischen Gefangenschaft geschrieben (Apg. 28,30-31).

Der Brief war an die „Heiligen und an Christus Jesus Gläubigen, die in Ephesus sind“ gerichtet. Die Worte „die in Ephesus sind“ wurden in zwei der wichtigsten Manuskripte (Vaticanus und Sinaiticus) die Bibelübersetzern zur Verfügung stehen, ausgelassen. Es ist daher möglich, dass der ursprüngliche Brief nur an „Heiligen und an Christus Jesus Gläubigen“ geschrieben wurde.

Über die genaue Bestimmung der Empfänger gibt es verschiedene Theorien:

a) Der Brief war eine Art Rundbrief an alle Gemeinden in Asien, wobei immer der Name der jeweiligen Gemeinde eingesetzt werden sollte. Der Name Ephesus ist uns geblieben, da Ephesus bei weitem die größte und wichtigste Stadt Asiens war.

b) Der Brief war an die Gemeinde in Laodizäa gerichtet (Kol. 4,16). Da Epheser und Kolosser Zwillingsbriefe sind, ist es möglich, dass der Epheserbrief tatsächlich der Laodizäa-Brief ist.

c) Der Brief war eine Art universeller Brief, an alle Gläubigen geschrieben und einfach an „Heiligen und an Christus Jesus Gläubigen“ gerichtet.

Die Stadt Ephesus kann man wie folgt kurz skizzieren:

Ephesus, „die Mutter Asiens“, war die erste Stadt der römischen Provinz Asien.

1. eine religiöse Stadt

a) der Tempel der Artemis, Göttin der Fruchtbarkeit, eines der sieben Wunder der damaligen Welt, war überaus wichtig
b) der Kult des „Augustus“, Anbetung des Kaisers
c) Zauberei und okkulte Praktiken (Apg. 19,19)

2. eine Handelsstadt:
eine der führenden Hafenstädte des römischen Reiches, gleichgestellt mit Alexandrien (Ägypten) und Antiochen (Syrien)

3.eine Kulturstadt:
Philosophie, Literatur, Theater, Musik

Einige wichtige Informationen bezüglich des Briefes werden in den folgenden Punkten kurz zusammengefasst:

1. Gruppe: 3 - die Christus-Briefe

2. Datum der Niederschrift.
ca. 60/61 n.Chr. während der Gefangenschaft von Rom aus geschrieben (Apg. 28,30-31).

3. Hintergrund:
Apg. 19,1-41; 20,17-38;

4.Leserschaft:
die Gemeinde in Ephesus (siehe Einleitung)

5. Absicht:
Von dem Inhalt des Briefes ist es nicht möglich zu erkennen, warum der Brief geschrieben wurde. Wir finden in diesem Brief die größte Offenbarung im NT über Jesus Christus und seine Gemeinde. Die Betonung liegt auf „die Gemeinde ist sein Leib“ und ergänzt den Kolosserbrief, der Jesus Christus als „das Haupt des Leibes“ zeigt.

6.Schlüsselwort:
„in der Himmelswelt“ (1,3; 1,20; 2,6; 3,10; 6,12)

Schlüsselvers: „ … Und alles hat er seinen Füßen unterworfen und ihn als Haupt über alles der Gemeinde gegeben,die sein Leib ist, die Fülle dessen, der alles in allen erfüllt. “ (1,22-23).

7. Merkmale:

„In den Himmlischen Örtern“:
Der griechische Ausdruck „epouranious“ (wortwörtlich: „über dem Himmel“ oder „den Himmel betreffend“ oder „in dem Himmel“) kommt im NT 19 mal vor, und zwar in folgenden Stellen:

Mt. 18,35

Eph. 1,3

Phil.2,10

Hebr. 9,23

Joh. 3, 2

Eph. 1,20

2. Tim. 4,18

Hebr. 11,16

1. Kor. 15,40

Eph. 2,6

Hebr. 3,1

Hebr. 12,22

1. Kor. 15,48

Eph. 3,10

Hebr. 6,4

1. Kor. 15,49

Eph. 6,12

Hebr. 8,5

Vorwiegend kommt das Wort im Epheser- und Hebräerbrief vor, d.h. in zwei Briefen, welche besonders „himmlische“ Themen behandeln.

Einige der erwähnten Stellen im NT kann man miteinander vergleichen und ergänzen, sodass es zu einem besseren Verständnis von „epouranious“ kommt. Darüber kann man 7 Aspekte zusammenfassen:

1. die himmlische Wirklichkeit
die Gegenwart Gottes – der Thron Gottes von dem alle Macht ausgeht (Mt. 18,35)
der himmlische Tempel – die Dimension der himmlischen Anbetung (Hebr. 8,5; 9,23)

2. die „Ursprungs-Dimension“ des Herrn (1.Kor. 15,47)
So wie wir das Bild (griech. „eikon“ = „Gleichnis“) Adams getragen haben, so werden wir auch das Bild („eikon“) des Christus tragen (1.Kor. 15,48-49)

3. der Herr brachte Gnade (Hebr. 6,4; Eph. 4,7) und Offenbarung (Joh. 3,12) in unsere irdische Dimension
im Gegensatz zum Gesetz „ist die Gnade und die Wahrheit durch Jesum Christum geworden“ (Joh. 1,17)

4. der Herr kehrte nach vollbrachtem Werk im Triumph zu dem Throne im Himmel zurück (Eph. 1,20; Phil. 2,10)
nun werden alle Feinde Jesu Christi unter Christi Füße gebracht
(Hebr. 1,13; Mt. 22,44; Apg. 2,34-35)

5. der Herr ruft Menschen nun vom Himmel aus (Hebr. 3, 1)

6. die gegenwärtige Stellung und Tätigkeit des Kindes Gottes
gesetzt mit Christus (Eph. 2,6)
die Dimension seines Erbes und seiner Reichtümer (Eph. 1,3)
die Dimension seines Ringens (Eph. 6,12)
die Haupttätigkeit des Kindes Gottes ist es, die mannigfaltige Weisheit Gottes kund zu tun (Eph. 3,10)
die sehnlichst erwartete (??) Heimat (Hebr. 11,16; 12,22)

7. die Treue Gottes ( 2.Tim. 4,18)
der Herr hat vor Grundlegung der Welt beschlossen, dass wir unmittelbar vor seinem Angesicht stehen sollen (Eph. 1,3–4); „Treu ist, der euch beruft; er wird es auch tun.“ (1. Thess. 5,24; Jud. 24–25)

8. Unterteilung des Epheserbriefes

Karte 72 - Die Unterteilung des Epheserbriefes

DIE GEMEINDE - DER LEIB JESU CHRISTI

1,1 – 2
EINLEI-TUNG

1,3–14

1,15-2,10

2,11-22

3,1-13

3,14-21

4,1-6,9

6,10-20

6,21 – 24
SCHLUSS-WORT

DIE GEMEINDE und
DIE ABSICHT GOTTES

DIE GEMEINDE und
DIE
KRAFT GOTTES

DIE GEMEINDE als BEHAU-SUNG GOTTES

DIE GEMEINDE als
DIE OFFEN-BARUNG GOTTES

DIE GEMEINDE und
DIE
FÜLLE GOTTES

DIE GEMEINDE und
DIE MASS-STÄBE GOTTES

DIE GEMEINDE und
DIE WAFFEN-RÜSTUNG GOTTES

EINTEILUNG DES EPHESERBRIEFES

HAUPTGEDANKE:

DIE GEMEINDE – DER LEIB JESU CHRISTI


1) DIE EINLEITUNG ZU DEM BRIEF 1,1 - 2

2) DIE GEMEINDE UND DIE ABSICHT GOTTES 1,3 - 14

3) DIE GEMEINDE UND DIE KRAFT GOTTES 1,15 - 2,10

  1. Kraft in der Auferweckung des Christus (1,15 – 23)
  2. Kraft in der Errettung der Gemeinde (2,1 – 10)
4) DIE GEMEINDE ALS BEHAUSUNG GOTTES 2,11 - 22

5) DIE GEMEINDE ALS DIE OFFENBARUNG GOTTES 3,1 - 13

a) Geheimnis des Christus (3,1 – 9)
b) Weisheit Gottes (3,10 – 13)

6) DIE GEMEINDE UND DIE FÜLLE GOTTES 3,14 - 21

7) DIE GEMEINDE UND DIE MASSSTÄBE GOTTES 4,1 - 6,9

a) geistliche Einheit (4,1 – 16)
b) moralische Einheit (4,17 – 5,21)
c) familiäre Verpflichtungen (5,22 – 6,9)

8) DIE GEMEINDE UND DIE WAFFENRÜSTUNG GOTTES 6,10 - 20

9) SCHLUSSWORT 6,21 - 24


Wie bei fasst allen Paulus Briefen, kommt auch im Epheserbrief zuerst die geistliche Offenbarung und danach praktische Ratschläge und Ermahnungen.


1) DIE EINLEITUNG 1,1 - 2

Paulus grüßt mit dem üblichen Gruß. Gott der Vater und der Herr Jesus Christus wollen zwei geistliche Segnungen für die Kinder Gottes, nämlich Gnade und Frieden.

2) DIE GEMEINDE UND DIE ABSICHT GOTTES 1,3 - 14

Paulus greift in die Ewigkeit zurück, als er das Wirken Gottes beschreibt. Er erwähnt die Lehre über die Erwählung, die Vorbestimmung, die Erlösung, die Annahme an Sohnesstatt und das Wirken des Heiligen Geistes. Als Abschluss des Wirkens Gottes sagt Paulus, dass er Gottes Absicht ist „alles unter ein Haupt zusammenzubringen in dem Christus“. Die Dreieinigkeit Gottes wirkt zusammen in der Ausführung des Planes Gottes und alles geschieht „zum Preise der Herrlichkeit seiner Gnade“ (1,6; 1,12; 1,14).
Das Wort „zusammenbringen“ ist im Griechischen „anakepholomai“ und bedeutet „addieren“ oder „zusammenfassen“. (In Röm. 13,9 kommt es nocheinmal vor: „Du sollst nicht ehebrechen, du sollst nicht töten, du sollst nicht stehlen, du sollst nicht begehren", und wenn es ein anderes Gebot gibt, ist in diesem Wort zusammengefasst: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“).
Der Heilige Geist ist die Anzahlung unseres Erbes. Das Wort „Anzahlung od. Unterpfand“ ist gr. „arrabon“ und stammt wahrscheinlich aus der phönitischen Sprache, wurde jedoch ins Griechische übernommen. Es bedeutet „das Angeld, welches zu bezahlen ist, wenn man etwas kaufen will“. Wurde der Kauf dann nicht getätigt, ging das Angeld verloren und es wurde von dem Verkäufer als Entschädigung behalten. In der Schrift wird es öfters für das Wirken des Heiligen Geistes im Leben eines Gläubigen verwendet (siehe 2.Kor. 1,22; 5,5). Im modernen Griechisch ist „arrabona“ ein Verlobungsring.

3) DIE GEMEINDE UND DIE KRAFT GOTTES 1,15 - 2,10

a) Kraft in der Auferweckung des Christus (1,15 – 23)
b) Kraft in der Errettung der Gemeinde (2,1 – 10)

ad a) Kraft in der Auferweckung des Christus (1,15 – 23)
Paulus betet für die Gläubigen, dass sie geistliche Erleuchtung bekommen, damit sie erkennen können:

- die Hoffnung seiner Berufung
- den Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes in den Heiligen
- die überschwängliche Größe seiner Kraft in den Glaubenden

Vers 19 ist der einzige Vers im ganzen NT, wo das Wort „Kraft“ in einer solch konzentrierten Weise vorkommt. Vier der fünf üblichen Ausdrücke werden in diesem Vers verwendet:

„dynamus“ - Kraft - die potentielle Kraft
„energia“ - Wirksamkeit - die aktive Kraft
„kratos“ - Macht - die überwindende Kraft
„ischyos“ - Stärke - die geoffenbarte Kraft

Als Gott den Herrn auferweckte, setzte er ihn „über“ (V.21) = „huperano“, bedeutet „weit, weit über“ die gesamte Engelswelt (hier vermutlich die Mächte der Finsternis, welche in den himmlischen Örtern kämpfen – 6,12) – nämlich weit, weit über „jedes Fürstentum und Gewalt und Kraft und Herrscher und jeden Namen …“

ad b) Kraft in der Errettung der Gemeinde 2,1 – 10
Diese überschwengliche Kraft Gottes wurde in der Auferstehung Jesu Christi und seiner Bestellung zum Haupt des Leibes geoffenbart (1,20–23). Sie wurde auch in der Wiedergeburt derjenigen wirksam, die „in ihren Sünden und Vergehungen tot waren“ (2,1-10).
Die zwei Worte in Vers 1 „Vergehungen und Sünden“ bilden zusammen die komplette, allumfassende Sünde des Menschen:

Aufgrund dieses allumfassenden Zustandes des Menschen, war er tot. Im biblischen Verständnis hat der Tod immer mit Trennung zu tun:

der physische Tod - DIE TRENNUNG DER Seele und des Geistes, eines Menschen (der unsichtbare Teil) von dem Leib (der sichtbare Teil)
der geistliche Tod - DIE TRENNUNG eines Menschen von Gott
der zweite Tod - DIE TRENNUNG eines Menschen von Gott für alle Ewigkeit

Der Ungläubige ist nicht nur getrennt von Gott, sondern er steht unter der Herrschaft Satans. In Vers 2 werden ihm zwei verschiedene Bezeichnungen gegeben:

1. „der Fürst der Macht der Luft“
– Satan kontrolliert die Geschehnisse auf Erden und in der unmittelbaren Atmosphäre der Erde. Dies ist sein Wirken von außen.

2. der Fürst des Geistes der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams“
– Dies ist das Wirken Satans von innen. Das Wort „wirksam“ ist „energeo“ und bedeutet „wirksame, energiegeladene Kraft“!
Was bewirkt er mit dieser Kraft? : Ungehorsam.
Ungehorsam auf der menschlichen Ebene und die dadurch resultierende Unterminierung jeglicher Ordnung.
Ungehorsam auf der geistlichen Ebene und die daraus resultierende Verlorenheit des Menschen.

4) DIE GEMEINDE ALS BEHAUSUNG GOTTES 2,11 - 22

Die Gemeinde besteht aus Juden und Heiden, die eins gemacht wurden, nachdem „die Zwischenwand der Umzäunung“ (2,14) abgebrochen wurde. Diese Einheit ist die Folge des Erlösungswerkes Jesu Christi, der „unser Friede“ ist (2,14), der „Frieden stiftend“ war (2,15), der auch kam und „Frieden verkündigte“ (2,17), „den Fernen, und den Nahen“. Jetzt ist diese Einheit der Haushalt Gottes (2,19), „ein heiliger Tempel im Herrn“ (2,21) und eine „Behausung Gottes im Geiste“ (2,22) geworden.

5) DIE GEMEINDE ALS DIE OFFENBARUNG GOTTES 3,1 - 13

a) Geheimnis des Christus (3,1-9)
b) Weisheit Gottes (3,10-13)

ad a) Geheimnis des Christus 3,1-9
Paulus erklärt, dass diese Wahrheit ein Geheimnis ist, „das in anderen Geschlechtern den Söhnen der Menschen nicht zu erkennen gegeben wurde (3,5). Jetzt ist aber das Geheimnis geoffenbart, und zwar „Die Nationen sollen nämlich Miterben und Mit-Glieder am gleichen Leib5sein und Mitteilhaber der Verheißung in Christus Jesus durch das Evangelium,“(3,6).

ad b) Weisheit Gottes 3,10-13
Einer der wichtigsten Ausdrücke in Epheserbrief ist „jetzt“. Dieser Ausdruck kommt in 2,2; 2,13; 3,5; 3,10 und 5,8 vor. In Kap.1 schaut Paulus zurück in die Ewigkeit der Vergangenheit „vor Grundlegung der Welt“ (1,4). In Kap.2 sieht er nach vor in die glorreiche Ewigkeit der Zukunft, wenn er von den „kommenden Zeitaltern“ (2,7) spricht. Man sieht darin die unglaubliche geistliche Spannweite des Epheserbriefes.

*) Natürlich gibt es keine „vergangene“ oder „zukünftige“ Ewigkeit, für Gott gibt es keine Zeitbegriffe; er ist ewig“ Doch wir brauchen solche Hilfsausdrücke, um den chronologischen Ablauf der Dinge festzuhalten und einzuordnen.

Was geschieht „jetzt“?

- der Fürst (Satan) des Geistes ist JETZT wirksam in den Söhnen des Ungehorsams (2,2)
- die, welche einst fern von Gott waren, sind JETZT durch das Blut des Christus nahe geworden (2,13)
- das Geheimnis des Christus, welches zuvor völlig verborgen war, ist JETZT den Aposteln und Propheten offenbart worden (3,5)
- die mannigfaltige Weisheit Gottes soll JETZT den bösen Mächten in den himmlischen (Örtern) kundgetan werden (3,10)
- einst waren wir Finsternis, JETZT sind wir Licht in dem Herrn (5,8)

6) DIE GEMEINDE UND DIE FÜLLE GOTTES 3,14 - 21

In diesem Abschnitt wird ein weiteres Gebet des Apostels für die Epheser geoffenbart. (Er wollte bereits in 3,1 beginnen – „deshalb“ – schob aber die Gedanken von 3,2-13 ein, um dann in 3,14 abermals zu beginnen „deshalb“). Bereits in 1,15-19 betete Paulus für den Geist der Weisheit und Offenbarung in der Erkenntnis seiner selbst“. Er betete für die Erleuchtung der Augen des Herzens, damit die Gläubigen eine dreifache Offenbarung bekommen:

  1. die Hoffnung seiner Berufung (1,18)
  2. den Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes (1,18)
  3. die überschwängliche Größe seiner Kraft (1,19)
Das zweite Gebet in 3,14-21 ist eine Fortsetzung und zugleich eine Erweiterung des ersten Gebetes. Zuerst berichtet Paulus über die physische Haltung, welche er beim Gebet einnahm – er „kniete“ (3,14). Obwohl es sicherlich keine Vorschrift ist, sollte Gebet, und besonders Fürbitte, auf den Knien verrichtet werden. Paulus betete grundsätzlich für zwei Dinge:
  1. „damit ihr imstande seid, mit allen Heiligen völlig zu erfassen“ (V. 18)
  2. zu erkennen (V. 19)
Dies sollte dazu führen, dass die Gemeinde „erfüllt sein möge zu der ganzen Fülle Gottes“ (V.19).

In V.18 spricht Paulus von der Multidimensionalität Gottes und seiner Liebe. Wir leben in drei Dimensionen. Als Paulus versucht Gottes Liebe zu beschreiben, spricht er von einer vierten Dimension, welche den Rahmen unseres Fassungsvermögens sprengt. Deswegen muss es geistlich erfasst werden und nicht menschlich.

7) DIE GEMEINDE UND DIE MASSSTÄBE GOTTES 4,1 - 6,9

a) geistliche Einheit (4,1 – 16)
b) moralische Einheit (4,17 – 5,21)
c) familiäre Verpflichtungen (5,22 – 6,9)

Wie in fast allen seinen Briefen gibt Paulus auch hier praktische Ratschläge, wie man das christliche Leben führen soll. Dieser Teil des Briefes kommt normalerweise nach der geistlichen Offenbarung. Im Falle des Epheserbriefes ist dies Kap. 4,1-6,24.

In diesem Abschnitt kommen vier Hauptbetonungen vor:

  1. „Nun – wandelt würdig der Berufung“ – das Leben der Einheit (4,1-16)
  2. „Nun – wandelt nicht wie die übrigen Nationen“ – das Leben der Veränderung (4,17-32)
  3. „Nun – wandelt in der Liebe“ – das Leben der Absonderung (5,1 – 6,9)
  4. „Übrigens – seid stark in dem Herrn“ – das Leben des geistlichen Kampfes (6,10 – 24)
Ein wichtiges Wort im praktischen Abschnitt des Briefes ist „wandeln“. Das griechische Wort dafür ist „peripateo“ und bedeutet „herumzugehen“ (buchstäblich oder im übertragenen Sinn). Es kommt im Epheserbrief 8 mal vor.

Das Wort Gottes sagt in Bezug auf den Gläubigen, dass

a) er in Neuheit des Lebens (Röm. 6,4)
b) nach dem Geiste (Röm. 8,4)
c) anständig (Röm. 13,13)
d) durch Glauben (2.Kor. 5,7)
e) in guten Werken (Eph. 2,10)
f) in Liebe (Eph. 5,2)
g) in Weisheit (Kol. 4,5)
h) in der Wahrheit (2.Joh. 4)
i) nach den Geboten des Herrn (2.Joh. 6)
j) nicht nach dem Fleische (Röm. 8,4)
k) nicht nach Menschenweise (1.Kor. 3,3)
l) nicht in Arglist (2.Kor. 4,2)
m) nicht durch Schauen (2.Kor. 5,7)
n) nicht in Eitelkeit des Sinnes (Eph. 4,17)
o) nicht unordentlich (2.Thess. 3,6)

ad a) geistliche Einheit 4,1-16
Gott hat die Gemeinde mit geistlichen Gaben und geistbegabten Männern so ausgerüstet, dass alle Gläubigen zu einer allgemeinen Reife geführt werden können. In dieser Vollendung wird die Einheit herrschen und die Glieder des Leibes Christi werden einander auferbauen.
Trotz aller Verschiedenheit gibt es eine vom Geist Gottes gewirkte siebenfache Einheit unter allen Kindern Gottes, welche wir bewahren müssen. Sie wird durch oder in dem Bande des Friedens bewahrt (4,1-6).

ad b) moralische Reinheit 4,17 - 5,21
Gott verlangt Reinheit. Wir sollen den alten Menschen ablegen und den neuen Menschen in allen Belangen des Alltags und in unseren zwischenmenschlichen Beziehungen anziehen. In so einem geisterfüllten Leben werden Freude, Dankbarkeit und Demut offenbar werden (5,18-21).
In 4,17 offenbart Paulus etwas, das für ein Verständnis des christlichen Lebens sehr wesentlich ist – „dass ihr nicht mehr wandeln sollt, wie auch die Nationen wandeln, in Nichtigkeit ihres Sinnes“ … Wir wandeln in unserem Sinn! Das griechische Wort dafür ist „nous“ und bedeutet normalerweise „Verstand“. Unser Wandel, d.h. unsere Lebensweise, wird von unserem Verstand oder unseren Gedanken bestimmt. Wir können nie unsere Lebensweise ändern, wenn wir nicht zuvor unsere Gedanken, bzw. wie wir über eine Sache denken, ändern. Das Wort Gottes will diese Gedanken ändern, damit die Lebensweise anders wird.

ad c) Familiäre Verpflichtungen 5,22 - 6,9
In Kol. 3,18 - 4,1 finden wir dazu eine Parallelstelle. Im Epheserbrief liegt die Betonung auf der Beziehung des Mannes zu seiner Ehefrau. Dies versinnbildlicht die Beziehung von Christus zu seiner Braut, der Gemeinde.

8) DIE GEMEINDE UND DIE WAFFENRÜSTUNG GOTTES 6,10 - 20

Die Offenbarungen bezüglich des Reiches Satans im NT sind im Epheserbrief einmalig. Paulus nennt einige satanistische Machtbereiche in dem Reiche Satans.

In 1,21 werden folgende vier Machtbereiche geoffenbart:

FÜRSTENTUM
griechisch „arche“, bedeutet „der Erste bezüglich Autorität, Zeit oder Wichtigkeit“. Andere Stellen, wo dieses Wort im Zusammenhang mit diesem satanistischen Machtbereich verwendet wird, sind Röm. 8,38; 1.Kor. 15,24; Eph. 3,10; 6,12; Kol. 1,16; 2,10; 2,15; Jud. 6.

GEWALT
griechisch „exousia“, bedeutet „Autorität ausüben“. Andere Stellen sind: Apg. 26,18; 1.Kor. 15,24; Eph. 2,2; 3,10; 6,12; Kol. 1,13; 1,16; 2,10; 2,15.

KRAFT
griechisch „dynamis“, bedeutet „Macht“. Andere Stellen sind: Röm. 8,34; 1.Kor. 15,24.

HERRSCHAFT
griechisch „kuriotes“, bedeutet „Herr, Meister, Machtausüber“. Eine andere Stelle ist: Kol. 1,16.

Die Terminologie in 6,12 scheint entweder auf einen weiteren Machtbereich oder eine Ergänzungsstelle zu den bereits oben erwähnten hinzudeuten:

Weltbeherrscher dieser Finsternis:
griechisch „kosmokrator“, das Wort besteht aus „kosmos“ (die Welt) und „kratos“ (Macht ausüben). Dieses Wort kommt, abgesehen von dieser Stelle, sonst nirgends im NT vor.

Aus den Stellen 1,21; 3,10 und 6,12 geht hervor, dass sich diese satanischen Machtbereiche in den himmlischen (Örtern) befinden.

Zusätzlich zu diesen obigen Informationen über das Reich Satans erwähnt Paulus in dem Brief fünfmal Einzelheiten über die Person Satans selbst (zwei der Stellen
wurden bereits auf Seite 298 - 299 erwähnt).

1. Er ist der Fürst der Macht der Luft (2,2)
Satan ist der „Archon“(gleicher Wortstamm wie „Fürstentümer“ - 1,21) der „exousia“ (gleiches Wort wie in 1,21) der „aer“ (bedeutet „die Atmosphäre“ – andere Stellen sind Apg. 22,23; 1.Kor. 9,26; 14,9; 1.Thess. 4,17; Offb. 9,2; 16,17).

2. Er ist der Fürst des Geistes der jetzt wirksam ist in den Söhnen des Ungehorsams (2,2)
Satan ist aber auch der „Archon“ des Geistes, welcher „jetzt“ in den Herzen von Ungläubigen wirksam ist (Söhne des Ungehorsams“ – der Ausdruck kommt auch in 5,6 und Kol. 3,6 vor; das griechische Wort vermittelt auch die willentliche Entscheidung des betreffenden Individuums, nicht glauben zu wollen, in Unglauben beharren zu wollen; dies ist eben die Eigenschaft jenes Geistes, welcher dem „archon“, Satan, untertan ist). Das griechische Wort für „wirksam“ ist „energeo“, es kommt häufig im NT vor; andere Stellen sind:

die Wirksamkeit Gottes (1.Kor. 12,6; Gal. 2,8; 3,5; Eph. 1,11; 1,20)
die Wirksamkeit des Heiligen Geistes (1.Kor. 12,11)
die Wirksamkeit des Wortes Gottes (1.Thess. 2,13)
die Wirksamkeit des Glaubens (Gal. 5,6)
die Wirksamkeit der Leidenschaften der Sünden (Röm. 7,5)

3. Er ist der Teufel (4,27)
Das Wort ist „diabolos“ und besteht aus zwei griechischen Wörtern „dia“ („durch“) und „ballo“ („zu werfen“). Man kann ihm, dem „Durcheinanderwerfer“, Raum geben, welchen er offenbar in Besitz nehmen kann!

4. Er ist der Teufel (6,11)
Er kommt mit List, um das Kind Gottes zu überwältigen. Diese Listen des Teufels (im Griechischen „methodia“ – buchstäblich bedeutet dieses Wort „ein Hinübergehen“, in dem Sinne von „Spuren verwischen“, usw.) werden durch andere Menschen an das Kind Gottes herangetragen (Eph. 4,14). Die einzige Hoffnung, gegen diese Listen bestehen zu können, besteht darin, mit der Waffenrüstung Gottes angetan zu sein.

5. Er ist der Böse (6,16)
Andere Stellen, wo Satan der Böse genannt wird, sind Mt. 13,38; 1.Joh. 2,13-14; 3,12; 5,18-19. Er beschießt das Kind Gottes mit feurigen oder brennenden Pfeilen (gr. „belos“ kommt vom gleichen Wortstamm wie „ballo“ – „zu werfen“, siehe oben „diabolos“), welche ganz besonders auf den Glauben gezielt sind.

Gott hat aber für das Kind Gottes eine Waffenrüstung bereitgestellt, welche ihm absoluten, allumfassenden, immerwährenden Schutz bietet. Die Voraussetzung ist – man muss sie nehmen (6,13).

9)    SCHLUSSWORT  6,21  -  24

Paulus schließt mit seinen üblichen Grüßen und nennt den Überbringer des Briefes –„Tyhikus, der geliebte Bruder und treue Diener im Herrn“ (6,21). Er wurde auch als Überbringer des Briefes nach Kolossä genannt (Kol. 4,7).


[ vorheriger Teil| Inhalt | nächster Teil ]