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DIE GEMEINDE-BRIEFE

1. TIMOTHEUSBRIEF 1 - 6

TEIL 36

HAUSAUFGABE

BIBEL: 1. Timotheus 1-6 aufmerksam durchlesen

FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen, bevor die Unterlagen durchgelesen werden.

a) Lies die folgenden Bibelstellen in der angegebenen Reihenfolge: 2.Tim. 1,5; Apg. 14,1; 2.Tim. 3,11; Apg. 14,19-20; 1.Tim. 1,2; 2.Tim. 1,2; 1.Kor. 4,17; Apg. 16,1-4; 2.Tim. 2,10; Phil. 2,20-21. Schreibe eine ausführliche Darstellung der Person Timotheus und seiner Verbindung zu Paulus.

b) Welchen Dienst hatte Timotheus zu verrichten?

c) Wozu soll man das Gesetz (die 10 Gebote) gebrauchen? (1,8-10)

d) Wie sah sich Paulus vor der Bekehrung? (1,13-16)

e) Was ist der wichtigste Dienst der örtlichen Gemeinde? (Kap.2)

f) Wie soll ein Ältester sein? (3,1-7)

UNTERLAGEN: NT-Teil 36 aufmerksam durchlesen

EINLEITUNG ZU DEN GEMEINDE-BRIEFEN

Gruppe:
4 - die Christus- oder Gemeinde-Briefe:
1. Timotheus
Titus
2. Timotheus

Diese Briefe, auch Pastoral-Briefe genannt, wurden während der Zeit nach der Befreiung des Paulus aus der römischen Gefangenschaft (Apg. 28,30-31 geschrieben. Sie waren an zwei Beauftragte des Paulus gerichtet, an Timotheus in Ephesus und an Titus in Kreta, und enthielten wichtige Informationen bezüglich der Organisation der örtlichen Gemeinde in einer Zeit zunehmender Irrlehre und Verfolgung.

TIMOTHEUS

Auf der ersten Missionsreise (ca.45n.Chr.) kamen Paulus und Barnabas auch nach Lystra an der Ebene von Lykaonien und predigten das Evangelium den Juden und Griechen, von denen viele gläubig wurden, unter ihnen wohl auch die jüdische Mutter Eunike und die Großmutter Lois (2.Tim. 1,5; Apg. 14,1). Schon damals wurde der junge Timotheus Zeuge des ernsten Kampfes für das Evangelium, als er wahrscheinlich die Steinigung des Paulus miterlebte (2.Tim. 3,11; Apg. 14,19-20). In dieser Zeit wurde Timotheus an den Herrn Jesus Christus gläubig, sodass Paulus ihn sein geliebtes Kind im Herrn nennen konnte (1.Tim. 1,2; 2.Tim. 1,2; 1.Kor. 4,17). Timotheus kannte die Heilige Schrift (das AT) jedoch schon von Kindheit an. Er wurde darin von den beiden jüdischen Frauen unterwiesen, bevor er an Jesus glaubte.

Auf der zweiten Missionsreise (ca.50 n.Chr.), also 5 Jahre später, kam Paulus wieder nach Lystra. Timotheus war inzwischen im Glauben gewachsen und hatte bei den Brüdern der dortigen Gemeinde, und darüber hinausgehend, ein hervorragendes Zeugnis (Apg. 16,1-2). Paulus, der sich aufgrund des Streites wegen Johannes-Markus von Barnabas getrennt hatte, nahm nun neben Silas, anstelle von Markus, den jungen Timotheus als Gehilfen mit auf seine weitere Reise (Apg. 15,37-40). Da aber überall bekannt war, dass der Vater von Timotheus Grieche war, beschnitt er Timotheus um der Juden willen (Apg. 16,3).

Ungefähr 20 Jahre gemeinsames Leben und Dienen sollten den um ca.15 – 20 Jahre jüngeren Timotheus mit dem Apostel Paulus verbinden. Zusammen legten sie auf ihren Reisen mehrere tausend Kilometer unter mannigfaltigen Gefahren zurück und erduldeten als Jochgenossen zusammengebunden all diese mühevollen und gefährlichen Strapazen „um der Auserwählten willen“ (2.Tim. 2,10) und erlebten so eine kaum zu überbietende gegenseitige Stärkung und Freundschaft. Auf dieser Basis wird Timotheus der Gehilfe des Apostel Paulus, sein Mitarbeiter, Reisebegleiter, Sohn, Vertrauter und Freund. Ohne die Treue und Nähe dieses wahrhaft „Gleichgesinnten“ hätte Paulus wahrscheinlich kaum so viel ausrichten können (Phil. 2,20-21).

Schon sehr bald musste Timotheus lernen auf eigenen Füßen zu stehen und selbständig zu reisen und zu arbeiten. Bereits auf seiner ersten Reise wurde er von Paulus getrennt und blieb zusammen mit Silas in Beröa zurück (Apg. 17,14). Von dort aus reisten sie weiter nach Athen, wo sie Paulus wieder trafen (V.15).

Die folgende Karte zeigt die Ereignisse der letzten 5 Jahre im Leben des Paulus, soweit man sie aufgrund von Hinweisen in der Schrift rekonstruieren kann.

Karte 75 – Die letzten 5 Jahre des Lebens von Paulus

n.Chr.

PAULUS

GESCHICHTLICHE EREIGNISSE

63

Verhandlung in Rom – Freispruch
in Mazedonien – Philippi (Phil. 2,24)
in Asien – Kolossä (Philemon 22)

64

nach Spanien (Röm. 15,24-28

Großbrand in Rom
Christenverfolgung unter Nero

65

---

66

in Asien – Ephesus (1.Tim. 1,3)
in Mazedonien (1.Tim. 1,3)

der jüdisch-römische Krieg

67

schreibt 1.Timotheusbrief
in Asien – Milet (2.Tim. 4,20)
in Achaja – Korinth (2.Tim. 4,20
in Epirus – Nikopolis (Titus 3,12)
schreibt Titusbrief

68

wieder verhaftet
nach Rom gebracht
schreibt 2. Timotheusbrief
Verhandlung und Hinrichtung in Rom

Tod von Nero

1. TIMOTHEUSBRIEF

Timotheus war in Ephesus. Paulus schrieb diesen Brief, um seinem jungen Mitarbeiter persönlichen Rat, sowie auch Anweisungen für die örtliche(n) Gemeinde(n) in Ephesus zu geben.

Der persönliche Rat bezog sich auf:

Die Anweisungen für die Gemeinde(n) bezogen sich auf:

Einige wichtige Informationen werden in den folgenden Punkten kurz zusammengefasst:

1) Gruppe:
4 - die Gemeinde-Briefe

2) Datum der Niederschrift.
ca. 67 n.Chr.

3) Hintergrund:
Apg. 19,1-41; 20,17-38 (siehe auch „Timotheus“, Seite 315 - 316)

4) Leserschaft:
Timotheus, Beauftragter von Paulus in der Gemeinde in Ephesus

5) Absicht:
„Dies schreibe ich dir in der Hoffnung, bald zu dir zu kommen; wenn ich aber zögere, damit du weißt, wie man sich verhalten muss im Hause Gottes, das die Gemeinde des lebendigen Gottes ist, die Säule und Grundfeste der Wahrheit. “ (3,15-16)

6) Schlüsselwort:
Lehre, lehren (ca. 17 mal)

7) Schlüsselvers:
„Habe acht auf dich selbst und auf die Lehre.“ (4,16)

8) Merkmale:

a) der christliche Diener

9)Unterteilung des 1. Timotheusbriefes

In diesem Brief wechselt Paulus zwischen Anweisungen bezüglich der Ordnung in der Gemeinde und persönlicher Worte an seinen Mitarbeiter. Dieser Wechsel, der wie folgt dargestellt wird, dient als Grundlage für die Unterteilung:


KAPITEL

ANWEISUNGEN FÜR DIE GEMEINDE

PERSÖNLICHER RAT AN TIMOTHEUS

1

Irrlehre

2

Gebet und Anbetung

3

Führerschaft

4

Einstellung zum Dienst

5

Sorge tragen für die Witwen
Dienst der Führerschaft

6

persönliches Zeugnis

Karte 76 – Die Unterteilung des 1. Timotheusbriefes

1,1-2
BEGRÜSSUNG

1,3-20

2,1-15

3,1-13

3,14-16

4,1-6,21a

6,21b
SCHLUSS-WORT

HINWEISE FÜR TIMOTHEUS

HINWEISE FÜR DIE GEMEINDE

HINWEISE FÜR DIE GEMEINDE

EINSCHUB

HINWEISE FÜR TIMOTHEUS UND DIE GEMEINDE

Irrlehre

Gebet und Anbetung

Die Führerschaft

Die Menschwerdung Jesu Christi

Die Gemeinschaft

EINTEILUNG DES 1. TIMOTHEUSBRIEFES

HAUPTGEDANKE:

DIE ÖRTLICHE GEMEINDE ALS
DER PFEILER UND DIE GRUNDFESTE DER WAHRHEIT

1) BEGRÜSSUNG 1,1 - 2

2) HINWEISE FÜR TIMOTHEUS - Irrlehre 1,3 - 20

3) HINWEISE FÜR DIE GEMEINDE – Gebet und Anbetung 2,1 - 15

4) HINWEISE FÜR DIE GEMEINDE – die Führerschaft 3,1 – 13

5) EINSCHUB – die Menschwerdung Jesu Christi 3,14 - 16

6) HINWEISE FÜR TIMOTHEUS UND DIE GEMEINDE 4,1 – 6,21a

7) SCHLUSSWORT 6,21b

Der 1.Timotheusbrief wurde zu einer Zeit geschrieben, als es in den verschiedenen Gegenden bereits viele örtliche Gemeinde gab. Die apostolische Arbeit bestand nun nicht nur darin neue Gemeinden zu gründen, sondern vielmehr der örtlichen Führerschaft zu helfen, um die notwendige Gemeinde-Ordnung durchzuführen, sowie vor der Gefahr der immer mehr zunehmenden Irrlehren zu warnen.

Man kann das 1. Jahrhundert n.Chr. grundsätzlich in zwei Abschnitte unterteilen:

  1. Verbreitung des Evangeliums und Aufbau der Gemeinden
  2. Verfolgung der Gläubigen und Zunahme der Irrlehren

Die Zunahme der Irrlehren im ersten Jahrhundert kann man durch verschiedene Hinweise im Wort Gottes wie folgt erkennen:

ORT/GEMEINDE

ART DER IRRLEHRE

Galatien

das Judentum (Gesetzeswerke oder Glauben)
||

Kolossä


der Synkretismus (die Irrlehre Kolossä)
(Angriff gegen die Person Jesu Christi)
||

Ephesus


der judaistische Gnostizismus
||

überall


der Gnostizismus *)

*) Eine umfassende Erklärung über den Begriff „Gnostizismus“ ist im Teil 41 in dem Abschnitt „das Problem der Irrlehre“ zu finden.

1) BEGRÜSSUNG 1,1 - 2

Paulus nennt Timotheus (sein) „meinem echten Kind im Glauben“. Für Kind wird das griechische Wort „teknon“ verwendet. Es gibt drei verschiedene Worte, welche im NT häufig für „Kind“ verwendet werden:

„huios“ - betont die Vorrechte der Beziehung (Vater/Kind oder Mutter/Kind)
„paidion“ - betont die Notwendigkeit der Erziehung
„teknon“ - betont die Geburt und Herkunft des Kindes

Es ist anzunehmen, dass Timotheus durch Paulus zum Glauben gekommen ist, daher war er sein „Kind“.

In seinen anderen Briefen spricht der Apostel in der Begrüßung immer nur von „Glauben und Frieden“. In den Gemeinde-Briefen an seine zwei Mitarbeiter Timotheus und Titus fügt er „Barmherzigkeit“ hinzu.

2) HINWEISE FÜR TIMOTHEUS - Irrlehre 1,3 - 20

In diesem Abschnitt kommt das Schlüsselwort „Lehre, lehren“ bereits viermal vor: V.3 (2 mal), V.7 und V.10.

In V.3 wird der geistliche Dienst des Timotheus dargestellt: (ich bat dich) „…damit du einigen Weisung erteilen solltest, nichts anderes zu lehren …“. Das Wort „erteilen/gebieten“ ist gr. „parangello“ und bedeutet eigentlich „eine Botschaft deutlich mitteilen“. Grundsätzlich war es die Aufgabe von Timotheus, das Eindringen von Irrlehre in die Gemeinde zu verhindern. Das Wort kommt in 1,18 noch einmal vor. Man kann den Zusammenhang wie folgt darstellen:

Die besondere Art der Irrlehre in Ephesus war der judaistische Gnostizismus. Diese Großstadtgemeinde wurde von innen bedroht (Apg. 20,28-30), und zwar durch ein falsches Gesetzesverständnis (1,3-7), sowie durch die falsche Frömmigkeit der gnostischen Lehrer, welche die Gemeindeordnung durch Speise- und Ehevorschriften abänderten. Damit wollten sie einen neuen Weg der Erkenntnis zu Gott bahnen (4,1-5). In 1,8-10 zeigt der Apostel, wozu das Gesetz eigentlich da ist; Gott gab das Gesetz (die zehn Gebote), um Sünder von ihrer Sündhaftigkeit zu überführen, damit sie den einzigen Ausweg in Jesus Christus wählen. Das Gesetz wurde NICHT gegeben, um durch den Versuch die Gebote einzuhalten gerettet zu werden.

In 1,13-16 gibt Paulus Einblick in sein Leben vor der Bekehrung; er selbst legt die Betonung auf drei Bereiche seines früheren Lebens:

  1. ein Lästerer (gr. „blasphemos“) – jemand, der Böses redet (im NT fast ausschließlich für böses Reden gegen Gott verwendet)
  2. ein Verfolger (gr. „dioktes“)
  3. ein Gewalttäter (gr. „hubristes“) – ein überheblicher, anmaßender, brutaler Mensch

So beurteilte Paulus, dass er war, bevor er Jesus Christus begegnete. Doch Barmherzigkeit wurde ihm zuteil (V.13). Im Laufe seines christlichen Lebens konnte Gott bei ihm eine Eigenschaft feststellen, nämlich TREUE. Wegen dieser Treue stellte der Herr Paulus in seinen Dienst.

Am Ende dieses Abschnittes nennt Paulus zwei der Irrlehrer, welche der Gemeinde große Schwierigkeiten bereiteten – Hymenäus und Alexander. Bei Alexander handelt es sich wahrscheinlich um Alexander, den Schmied, welcher in 2.Tim. 4,14-15 erwähnt wird. Er hat der apostolischen Lehre widerstanden. Hymenäus wird in 2.Tim. 2,17-18 erwähnt. Seine besondere Irrlehre war: „die Auferstehung sei schon geschehen“. Als Folge dieser Irrlehre wurde der Glaube von etlichen zerstört oder umgestürzt. Paulus überließ sie dem Satan; dies ist wahrscheinlich ein ähnliches Verfahren, wie in 1.Kor. 5,3-5, wo jemand aus der örtlichen Gemeinde ausgeschlossen wurde.

3) HINWEISE FÜR DIE GEMEINDE – Gebet und Anbetung 2,1 - 15

Die örtliche Gemeinde ist der Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit (3,15). Nun folgen verschiedene Hinweise wie die örtliche Gemeinde funktionieren soll, um dieser Rolle in einer verlorenen Welt gerecht zu werden. An allererster Stelle kommt das öffentliche Gebet (Kap.2). Hier wird im Besonderen die Notwendigkeit erwähnt, für zivile Autorität (d.h. Könige, Regierungen, usw.) zu beten. Ihre Aufgabe ist es, Ordnung, Ruhe und Frieden im Lande zu bewahren. Im Normalfall sind dies die notwendigen Voraussetzungen, um das Evangelium zu verbreiten und zu verkündigen. Gott will, dass „alle Menschen errettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen“ (2,4). Diese Wahrheit wird durch die betende, missionierende Gemeinde – „den Pfeiler und die Grundfeste der Wahrheit“ – vermittelt.

Dieses Kapitel kann wie folgt unterteilt werden:

2,1 – 7

2,8 – 18

DIE RICHTUNG DES GEBETES DER MISSIONIERENDEN GEMEINDE

DIE ROLLE DER MÄNNLICHEN UND WEIBLICHEN BETER IN DER MISSIONIERENDEN GEMEINDE

Paulus spricht in 2,8 von der geistlichen Haltung der Männer – ihre Gebete sollen begleitet sein von einem Leben der Heiligung („heilige Hände“) und in der Einheit des Geistes („ohne Zorn und zweifelnde Überlegung“) geschehen. Dies kommt auch in Mt. 18,19 zum Ausdruck. „Wiederum sage ich euch: „Wenn zwei von euch auf der Erde übereinkommen (gr.“sumphoneo“ – in Harmonie miteinander sein) irgendeine Sache zu erbitten, so wird sie ihnen werden von meinem Vater, der in den Himmeln ist.“

In 2,9-15 schreibt der Apostel über die geistliche Haltung der Frauen im Gebet. Ihre Einstellung soll nach außen anders zum Ausdruck gebracht werden wie bei den Männern. Die richtige Einstellung wird sich auch in dem Aussehen der Frau bemerkbar machen (V.9-10). In den V.11-15 gibt der Apostel weitere Hinweise bezüglich der Haltung der Frau in der Gemeinde. Vers 11 führt öfters zu Missverständnissen – „Eine Frau lerne in der Stille in aller Unterordnung“. Das griechische Wort für „still“ ist „hesuchia“ und bedeutet „eine Ruhe, welche von innen kommt, welche niemand stört“. Das Wort wird auch in Apg. 22,2 und 1.Petr. 3,4 verwendet. Vor allem in Apg. 22,2 wird die Bedeutung des Wortes „Stille“ gezeigt – zuerst stand Paulus vor einer aufgebrachten Menschenmasse, dann wurden die Menschen ruhig. Als Paulus dann auf hebräisch zu reden begann, wurden die Menschen noch ruhiger.
Die Ruhe kam von jedem Individuum der Menge, welches sich entschied nun ruhig zu sein, um hören zu können was gesagt wurde. Der Vers (1.Tim. 2,11) bedeutet nicht, dass eine Frau in der örtlichen Gemeinde ihren Mund nie aufmachen darf. Sie spielt eine wichtige Rolle im Gebet und in der Anbetung, doch sollte sie nicht lehren, d.h. eine Stelle der öffentlichen, geistlichen Autorität ausüben.

4) HINWEISE FÜR DIE GEMEINDE – die Führerschaft 3,1 – 13

Nach den Worten bezüglich öffentlichen Gebetes wird ein weiterer wesentlicher Punkt für „die Säule und Grundfeste der Wahrheit.“ angeschnitten, nämlich die geistliche Führerschaft. In 3,1-7 ist die Rede von Ältesten und in 3,8-13 von Diakonen. In der Schrift gibt es nur ein Amt der geistlichen Führerschaft, und das ist das Amt des Ältesten (der Diakon ist für materielle Angelegenheiten in der Gemeinde verantwortlich). Der Älteste wird in der Schrift auch Hirte (Eph. 4,11) und Bischof oder Aufseher (Apg. 20,28) genannt.

Was der Feind zu tun versucht, ist die Bildung und das Heranwachsen einer geistlichen Führerschaft zu verhindern. Eine andere Möglichkeit ist eine bereits existierende Führerschaft kaputt zu machen. Wenn ihm dies gelingt, ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Gemeinde auseinander fällt. Paulus erwähnt die Voraussetzungen, welche ein Bruder haben muss, um dieses Amt zu erfüllen (dieser Punkt wird in Teil 37 eingehender behandelt). Die Qualifikation für einen Diakon ist der eines Ältesten sehr ähnlich.

5) EINSCHUB – die Menschwerdung Jesu Christi 3,14 - 16

In V. 15 kommt die wichtige Aussage über die örtliche Gemeinde:

Viele Bibellehrer glauben, dass Vers 16 ein Teil eines christlichen Liedes des ersten Jahrhunderts ist. Ja, einige meinen sogar, dass es sich um eine Strophe eines Liedes handelt, welches Paulus selbst komponiert hatte. Der Grund für diese Annahme besteht darin, dass Paulus im NT des Öfteren das Singen erwähnt (Eph. 5,19; Kol. 3,16; Apg. 16,25; 1.Kor. 14,15). Er Interessiert sich für das Singen zur Ehre Gottes. Weitere wichtige Begriffe des geistlichen Verständnisses von Paulus kommen in folgenden Stellen vor:

Gottseligkeit 1.Tim. 2,2; 4,7-8; 6,3; 6,5-6; 6,11; 2.Tim. 3,5; Titus 1,1;
das Fleisch (im Sinne von Menschlichkeit) Röm. 1,3; 8,3; 9,5; Eph. 5,15; Kol. 1,22
gerechtfertigt Röm. 1,4; 3,4; 8,10-11
gepredigt unter den Nationen (dies war der Dienst von Paulus) Gal. 2,7

6) HINWEISE FÜR TIMOTHEUS UND DIE GEMEINDE 4,1 – 6,21a

a) hinsichtlich des prophezeiten Abfalls (4,1-5)
b) hinsichtlich des Dienstes von Timotheus (4,6-16)
c) hinsichtlich verschiedener Situationen in der örtlichen Gemeinde (5,1-6,10)
d) hinsichtlich der geistlichen Berufung des Timotheus (6,11-21a)

ad a) Hinsichtlich des prophezeiten Abfalls 4,1 – 5
In Mt. 24,4 sagte der Herr Jesus Christus ausdrücklich: „Seht zu, dass euch niemand verführe!
5Denn viele werden unter meinem Namen kommen und sagen …“ In 1.Tim. 4,1 steht: „der Geist aber sagt ausdrücklich, dass in späteren Zeiten manche vom Glauben abfallen werden, indem sie auf betrügerische Geister und Lehren von Dämonen achten …“. Die Personen der Dreieinigkeit bestätigen „die geistliche Atmosphäre“, welche in den letzten Tagen vorherrschen wird, nämlich die Prägung des Gnostizismus, mit der Betonung auf Askese.

ad b) Hinsichtlich des Dienstes des Timotheus 4,6-16
In diesen Versen gibt Paulus seinem geliebten Sohn wichtigen geistlichen Rat. Wenn man betrachtet wie Paulus Timotheus anredet, sieht man wie sehr Paulus ihn schätzte:

„Timotheus, meinem echten Kind im Glauben“ (1,2)
„mein Kind Timotheus“ (1,18)
„du aber, Mensch Gottes“ (6,11)
„Timotheus“ (6,20)

In diesem Abschnitt kommt das Schlüsselwort „Lehre“ viermal vor (V.6; V.11; V.13; V.16).

ad c) Hinsichtlich verschiedener Situationen in der örtlichen Gemeinde 5,11 – 6,10
In Kap.5 wird die Verantwortung des Timotheus für die verschiedenen Gruppen innerhalb der Gemeinde erwähnt. Timotheus soll in jedem Fall Respekt und Keuschheit haben

  1. ältere Männer (5,1)
  2. jüngere Männer (5,2)
  3. ältere Frauen (5,2)
  4. jüngere Frauen (5,2)
  5. die Witwen (5,3-16)
  6. die Ältesten (5,17-20)

ad d) Hinsichtlich der geistlichen Berufung des Timotheus 6,11-21a
Letztlich warnt Paulus vor der Gefahr der Geldgier. Es ist immer besser, das Vertrauen auf Gott zu setzen „… noch auf die Ungewissheit des Reichtums Hoffnung zu setzen ...“ (6,17). So warnt Paulus seinen jungen Mitarbeiter vor den Gefahren, welche in der örtlichen Gemeinde auf ihn zukommen könnten. Er ermahnt ihn, in allem ein Mann Gottes im Dienste seines Herrn zu sein.

7) SCHLUSSWORT 6,21b

Am Anfang des Briefes grüßt Paulus seinen geliebten Mitarbeiter mit Gnade, Barmherzigkeit und Friede. Nun am Ende des Briefes schließt er mit den Worten: „Die Gnade sei mit euch!“ Wenn man die drei Segnungen – Gnade, Barmherzigkeit und Friede betrachtet, ist es vielleicht die Gnade, welche der Diener Gottes am allermeisten benötigt!

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