[ vorheriger Teil| Inhalt | nächster Teil ]

DIE ALLGEMEINEN BRIEFE
DIE LEIDENS-BRIEFE

JAKOBUS 1 - 5

TEIL 38

HAUSAUFGABE

BIBEL: Jakobus 1-5 aufmerksam durchlesen

FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen, bevor die Unterlagen durchgelesen werden.

a) An wen ist der Brief geschrieben? (1,1)

b) Welchen Unterschied gibt es in den zwei Arten von Versuchungen, welche in 1,2-18 erwähnt werden?

c) Versuche 1,2-6 in eigenen Worten zusammenzufassen.

d) Mit welchen Dingen vergleicht Jakobus die menschliche Zunge in 3,1-12?

e) Vergleiche die göttliche und die irdische Weisheit. (3,13-18)

UNTERLAGEN: NT-Teil 38 aufmerksam durchlesen

EINLEITUNG ZU DEN ALLGEMEINEN BRIEFEN

Zwischen den Briefen von Paulus und den übrigen acht Briefen im NT gibt es einige markante Unterschiede in Bezug auf Stil und Inhalt. Sie zeugen jedoch alle von demselben Herrn und tragen dieselbe göttliche Autorität. Man nennt sie die „allgemeinen Briefe“, da die meisten nicht an eine bestimmte Gruppe oder Person geschrieben wurden, sondern eher für eine weitreichende Leserschaft bestimmt waren:

keine bestimmte Leserschaft
- Hebräerbrief
- 1. Johannesbrief



allgemeine Leserschaft:
- Jakobusbrief
- 1. + 2. Petrusbrief
- Judasbrief

- bestimmte Individuen:

2. + 3. Johannesbrief

Man kann diese allgemeinen Briefe grundsätzlich in zwei Gruppen unterteilen, und zwar jeweils gemäß dem behandelten Problem:

  1. die Leidens-Briefe – das Problem des Leidens (Jakobus-, Hebräer- und 1.Petrusbrief)
  1. die Irrlehre-Briefe – das Problem der Irrlehre (2.Petrus-, Judas- und 1. – 3.Johannesbrief)

Karte 83 - Die Kategorien der Briefe im NT

Die Endzeit-Briefe

1. + 2. Thessalonicher

DIE BRIEFE VON PAULUS
(13)

Die Heils-Briefe

Galater
1. + 2. Korinther
Römer

Die Christus-Briefe

Philemon
Kolosser
Epheser
Philipper

Die Gemeinde-Briefe

1. Timotheus
Titus
2. Timotheus

Die Leidens-Briefe

Jakobus
Hebräer
1. Petrus

DIE ALLGEMEINEN BRIEFE
(8)

Die Irrlehre-Briefe

2. Petrus
Judas
1. – 3. Johannes



EINLEITUNG ZU DEN LEIDENS-BRIEFEN

Die Leidens-Briefe

Jakobus
Hebräer
1.Petrus

Die Gemeinde des ersten Jahrhunderts wurde von Prüfungen und Leiden nicht verschont. Paulus hatte es Timotheus ganz deutlich gesagt:

Alle aber auch, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, werden verfolgt werden.“ (2.Tim. 3,12)

Dieses Problem des Leidens beschäftigte die Schreiber des Jakobus-, Hebräer- und 1.Petrusbriefes im besonderen. Sie werfen Licht auf die verschiedenen Arten von Leiden, auf die Ursachen dafür und geben praktischen Rat, wie sich der Gläubige inmitten von Leiden verhalten soll.

Karte 84 - Die Leidens-Briefe

Die verschiedenen Arten des Leidens
Einige Arten von Leiden werden in diesen Briefen nur allgemein beschrieben, wie

„mancherlei Versuchungen“ (Jak.1,2; 1.Petr.1,6)
„ungerecht leiden“ (1.Petr.2,19)
leiden „um der Gerechtigkeit willen“ oder „für Gutes tun“ (1.Petr.3,14; 3,17)
„das Feuer des Leidens“ (1.Petr.4,12)
„Züchtigung“ (Hebr.12,11)

Andere Arten von Leiden hingegen werden ganz deutlich formuliert, wie

„der Lohn der Arbeiter… der euch vorenthalten ist“ (Jak.5,4)
„verurteilt… getötet“ worden (Jak.5,69)
„Schmähungen“… „Gefangenschaft“… „und Raub eurer Güter“ (Hebr.10,32-34)
„Verleumdungen“ (1.Petr.3,16)
„im Namen (für den Namen) Christi geschmäht“ werden (1.Petr.4,14)

Vor allem im 1.Petrusbrief wird das Thema des Leidens eingehend behandelt. In diesem Brief kommt das Wort „leiden“ 16 mal vor.

Die Ursachen des Leidens
Prüfungen und Verfolgungen wurden durch den Widerstand von Individuen oder Gruppen, welche nicht Christen waren, verursacht – z.B. die Unterdrückung der Armen durch die Reichen (Jak.2,6; 5,4-6), öffentlich zur Schau gestellt und verschmäht zu werden (Hebr.10,33; 1.Petr.3,16; 4,14-16).

Verschiedene Drangsale wurden durch offizielle oder gerichtliche Verfolgung auf die Gläubigen gebracht. Einige waren im Gefängnis, andere wurden ihrer Güter beraubt (Hebr.10,34). Es ist fast unmöglich genau festzustellen, welcher Zeitpunkt hier gemeint ist. Nachstehend sind drei verschiedene Möglichkeiten angeführt:

a) Die Apostel und Gläubigen wurden in Jerusalem misshandelt und eingesperrt. (Apg.4,3; 4,21; 5,18; 5,40-41; 12,1-3)

b) Ca. 49 n.Chr. befahl Kaiser Klaudius, dass alle Juden (darunter auch einige Christen – Apg.18,2) Rom verlassen müssen. Dieser Befehl brachte auch Verfolgung der Gläubigen mit sich.

c) Ca. 64 n.Chr. fing die furchtbare Christenverfolgung unter Kaiser Nero an.

Manchmal kann der Wille Gottes für seine Kinder auch Leiden, Drangsal und Prüfungen bedeuten. Einige Schriftstellen zeigen diese Wahrheit ganz klar (Hebr.10,36; 12,7-9; Jak.5,11; 1.Petr.1,7; 2,19-20; 3,14; 3,17; 4,13; 4,16; 4,19; 5,10). Die Absicht Gottes dabei ist die Heiligung und Reinigung seiner Kinder.

Der Christ kann aber auch durch eigenes Verschulden und durch Sündhaftigkeit Leiden und Drangsal auf sich bringen (Jak.4,1-2; Hebr.12,12-13; 1.Petr.2,20).

Die Ratschläge in den Briefen
Wenn der Gläubige sich in Drangsal befindet, kann er entweder gegen Gott rebellieren oder sich dem Herrn im Vertrauen darauf hingeben, dass Gott „alle Dinge zum Guten“ verwenden wird.

Einige der Früchte dieser demütigen Herzenseinstellung werden in den Briefen erwähnt:

  1. die Krone des Lebens (Jak.1,12)
  2. eine große Belohnung (Hebr.10,34-36)
  3. die friedsame Frucht der Gerechtigkeit (Hebr.12,10-13)
  4. die Bewährung des Glaubens (Jak.1,1-2)
  5. die endgültige Errettung bei der Wiederkunft Christi (1.Petr.1,6-9)
  6. in den Fußstapfen Jesu folgen (1.Petr.3,14-16)
  7. eine Gelegenheit zum Zeugnis (1.Petr.3,14-16)
  8. der Beistand Gottes (1.Petr.5,10)

JAKOBUSBRIEF

Für die jüdischen Schreiber des AT war der Glaube etwas Praktisches und Ethisches, nicht etwas Theoretisches oder Erdachtes wie dies bei den Philosophien und Religionen der Heiden der Fall war. Die geoffenbarte Wahrheit sollte eine Richtlinie für das Leben des Individuums sein.

Der Jakobusbrief passt genau in diese Kategorie hinein. Er betont mehr die Pflicht als das Theoretische Wissen. Abgesehen von den zwei Erwähnungen des Namens Christi (1,1; 2,1) und der Erwähnung der Wiederkunft („parousia“) des Herrn (5,7), könnte dieser Brief sowohl im AT als auch im NT stehen.

Das zentrale Thema des Briefes ist „der Glaube“ und wie dieser in den Umständen des Lebens getestet und geprüft wird. Eine Wahrheit will Jakobus herausstreichen: Wenn der Glaube echt ist, wird er standhalten und heranreifen.

In 1,1 stellt sich der Autor dieses Briefes vor als „Jakobus, Knecht Gottes und des Herrn Jesus Christus…“

Im NT gibt es vier Männer namens Jakobus:

  1. Jakobus, der Bruder von Johannes, der Sohn des Zebedäus (Math.4,21) – er wurde später von König Herodes Agrippa I getötet – (Apg.12,1-2)
  2. Jakobus, der Sohn des Alphäus – einer der 12 Apostel (Math.10,3)
  3. Jakobus, entweder der Vater oder der Bruder von Judas (nicht Judas Iskariot), einem der 12 Apostel (Luk.6,16)
  4. Jakobus, einer der vier Brüder des Herrn (Matth.13,55)

Traditionsgemäß wird dieser Brief mit dem vierten Jakobus, dem Bruder des Herrn, in Verbindung gebracht.

Die Schrift vermittelt uns folgendes Bild von seinem Leben:

Joh.7,3-5 - zu diesem Zeitpunkt war er noch ungläubig
1.Kor.15,7 - wahrscheinlich kam er durch diese Erscheinung des auferstandenen Christus zum Glauben
Apg.1,14 - er war von Anfang an bei der Gemeinde in Jerusalem dabei
Apg.12,17; 15,13 – 29; 21,18; Gal.2,9 - er wurde einer der Führer der Gemeinde in Jerusalem

Jakobus, „der Apostel der guten Werke“, wie er genannt wurde, schrieb diesen Brief wahrscheinlich sehr früh. Der Brief widerspiegelt alle Aspekte des jüdischen Christentums während der ersten Jahre der Gemeinde. Er wurde an alle gläubigen Juden, die sich in der Diaspora befanden, geschrieben.

In den folgenden Punkten werden einige wichtige Informationen über den Brief kurz zusammengefasst:

1) Gruppe: 5 - die allgemeinen Briefe (die Leidens-Briefe)

2) Datum der Niederschrift. ca. 45 n.Chr. (der Jakobusbrief wurde als erster Brief des NT geschrieben)

3) Hintergrund: die Gemeinde in Jerusalem (Apg.1-12)

4) Leserschaft: den zwölf Stämmen, die in der Zerstreuung sind“ (Jak.1,1)

5) Absicht: Das Wesen des Glaubens zu offenbaren und die Gläubigen zu ermutigen, die Wirklichkeit ihres Glaubens unter Beweis zu stellen, indem sie täglich standhalten in den verschiedensten Prüfungen.

6) Schlüsselwort: der Glaube, glauben (19 mal) (1,3; 1,6; 2,1; 2,5; 2,11-26 [14 mal]; 5,15)

7) Schlüsselvers: „Seid aber Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen.“ (1,22)

8) Merkmale:

a) Die Verwendung von anderen Quellen
Jakobus verwendet in seinem Brief hauptsächlich drei andere Quellen – das AT, die Apokryphen und die Worte Jesu (die Bergpredigt).

AT:
Jakobus schreibt von Abraham, Rahab, Hiob und Elia, von den zehn Geboten und anderen Satzungen. Es werden aber auch noch verschiedene andere Bücher des AT erwähnt.

die Apokryphen:
Jakobus nimmt Bezug auf mindestens 15 Stellen in „Ecclesiasticus“, einem der Bücher der Apokryphen.

die Worte Jesu (die Bergpredigt):
Jakobus zitiert die Worte Jesu zwar nicht, nimmt aber mehr als irgendein anderer Schreiber des NT Bezug auf sie.

JAKOBUS

DIE BERPREDIGT (Math.)

JAKOBUS

DIE BERGPREDIGT (Math.)

1,2
1,4
1,5; 5,15
1,9
1,20
2,13
2,14-16

5,10-12
5,48
4,7-12
5,3
5,22
5,7; 6,14-15
7,21-23

3,17-18
4,4
4,10
4,11
5,2
5,10
5,12

5,9
6,24
5,3-4
7,1-2
6,19
5,12
5,33-37

a) Die siebenteilige Gesetzmäßigkeit der Sünde – eine grundlegende Aussage über Versuchung und Sünde (1,13-15)
Grundsätzlich – Gott versucht niemanden!

  1. die eigene Lust (das persönliche Lustprogramm) versucht

  2. die Lust zieht das Individuum fort, durch Ansprechen der eigenen Sehnsüchte und Wünsche
  3. die Lust lockt das Individuum, wie ein Fisch oder ein Tier durch einen Köder gelockt wird
  4. die Lust zeugt die Sünde, wenn sie durch den Willen die Zustimmung erhalten hat
  5. die Lust gebiert und bringt hervor die Sünde im Leben des Individuums
  6. die geborene Sünde bleibt nicht klein, sie wächst! Sie entwickelt eine Eigendynamik!
  7. die vollendete oder ausgewachsene Sünde gebiert den Tod im Leben des Individuums, d.h. die Beziehung des Gläubigen mit Gott ist unterbrochen; in der Bibel bedeutet Tod immer Trennung!

b) Der Einfluss des Jakobus auf den Apostel Petrus

Jakobus, der Apostel der guten Werke, übte auf Petrus vor allem in der Betonung der Pflichten des Christen (Gutes zu tun) Einfluss aus. nachstehend werden einige fast parallele Stellen angeführt:

JAKOBUS

1. PETRUS

AUSSAGE

1,2-4

1,6-7

Freude in Versuchungen

1,10

1,24

das Fleisch ist wie Gras

4,6-7; 4,10

5,5-9

Gnade für die Demütigen

5,20

4,8

Liebe für die Geschwister


9) Unterteilung des Jakobusbriefes

Der Jakobusbrief behandelt verschiedene Aspekte des Glaubens. Der Brief ist mit Autorität geschrieben (in 108 Versen gibt es 60 Zeitwörter in der Befehlsform). Den Inhalt des Briefes kann man in 10 kurzen Aufsätzen oder Predigten zusammenfassen. (Diese Aufsätze oder Predigten sind in ihrem Stil den Büchern des ATs „die Sprüche“ und „der Prediger“ sehr ähnlich:

Der Test des Glaubens

  1. geprüft durch Versuchungen (1,2-18)
  2. das Hören und das Tun des Wortes Gottes (1,19-27)

Die Wesenszüge des Glaubens

  1. das Ansehen der Person (2,1-13)
  2. der Glaube und seine Werke (2,14-26)
  3. wie soll ein Christ reden? (3,1-12)

Die Werke des Glaubens

  1. die göttliche und die irdische Weisheit (3,13-18)
  2. die Kennzeichen der Fleischlichkeit (4,1-12)

Die Anwendung des Glaubens

  1. das Vertrauen auf Gott (4,13-17)
  2. die Unterdrücker werden gerichtet (5,1-11)
  3. verschiedene Wahrheiten (5,12-18)

Aus dieser Zusammenfassung ergibt sich folgende Unterteilung:

Karte 85 - Die Unterteilung des Jakobusbriefes

1,1

1,2-27

2,1-3,12

3,13-4,12

4,13-5,20

EINLEITUNG

DER TEST DES GLAUBENS

DIE WESENSZÜGE DES GLAUBENS

DIE WERKE DES GLAUBENS

DIE ANWENDUNG DES GLAUBENS

zwei Predigten

drei Predigten

zwei Predigten

drei Predigten



EINTEILUNG DES JAKOBUSBRIEFES

HAUPTGEDANKE:

„DER GLAUBE OHNE WERKE IST TOT“ – VERSCHIEDENE ASPEKTE DES GLAUBENS

1) EINLEITUNG 1,1

2) DER TEST DES GLAUBENS 1,2 - 27

Zwei Predigten:
1) geprüft durch Versuchungen (1,2-18)
2) das Hören und das Tun des Wortes Gottes (1,19-27)

3) DIE WESENSZÜGE DES GLAUBENS 2,1 - 3,12

Drei Predigten:
3) das Ansehen der Person (2,1-13)
4) der Glaube und seine Werke (2,14-26)
5) wie soll ein Christ reden? (3,1-12)

4) DIE WERKE DES GLAUBENS 3,13 - 4,12

Zwei Predigten:
6) die göttliche und die irdische Weisheit (3,13-18)
7) die Kennzeichen der Fleischlichkeit (4,1-12)

5) DIE ANWENDUNG DES GLAUBENS 4,13 - 5,18

Drei Predigten:
8) das Vertrauen auf Gott (4,13-17)
9) die Unterdrücker werden gerichtet (5,1-11)
10) verschiedene Wahrheiten (5,12-18)



1) EINLEITUNG 1,1

Die Begrüßung, „den zwölf Stämmen, die in der Zerstreuung sind“ galt nicht Israel, sondern hat eher eine symbolische Bedeutung und weist auf die ganze Gemeinde („das neue Israel“ – Gal.3,7-9; 6,16) im gesamten römischen Reich hin.


2) DER TEST DES GLAUBENS 1,2 - 27

Zwei Predigten:
1) geprüft durch Versuchungen (1,2-18)
2) das Hören und das Tun des Wortes Gottes (1,19-27)

Predigt 1

Geprüft durch Versuchungen 1,2-18
Jakobus spricht bereits in diesem frühen Brief das Problem an, welches im Laufe der Jahre immer größer wird, nämlich die Leiden der Kinder Gottes: „Achtet es für lauter Freude, meine Brüder, wenn ihr in mancherlei (gr. „poiklos“ = „verschiedene Natur“) Versuchungen (gr. „peirasmos“ = „eine Untersuchung durch einen Test“) fallet…“. Der Apostel meint, dass man in solchen Situationen Freude haben sollte, weil diese Prüfung „das Ausharren“ bewirkt. Das Ausharren ist im Griechischen „hupomone, was übersetzt ein „darunter bleiben“ bedeutet. Das ist die Eigenschaft, welche Gott bei seinen Kindern bewirken will.

Eine moderne Zusammenfassung von 1,2-6 gibt den Sinn sehr gut wieder: „Drängen sich Prüfungen und Versuchungen in euer Leben, meine Brüder, so betrachtet sie nicht als Störungen, sondern heißt sie als Freude willkommen! Erkennt, dass sie gekommen sind, euren Glauben zu prüfen und Geduld in euch hervorzubringen. Und wenn einer von euch im Laufe der Zeit mit einem bestimmten Problem nicht fertig wird, braucht er sich nur an Gott zu wenden, der seine Gaben an alle großmütig verteilt und es nicht zulässt, dass jemand sich dumm und schuldig dabei vorkommt!“

Im späteren Verlauf des Abschnittes spricht Jakobus von einer anderen Art der Versuchung. Das Wort in 1,13 ist im Griechischen auch „peirasmos“.

Auf den ersten Blick scheinen die Verse 1,13-15 im Widerspruch zu anderen Aussagen im Wort Gottes zu stehen. Es steht:

1) „Gott kann nicht versucht werden vom Bösen“ – in 1.Kor.10,9 steht, dass die Israeliten Gott (den Christus) versuchten.

2) „Gott versucht niemand“ – in Hebr.11,17 steht, dass Abraham von Gott versucht wurde.

Aus dem Zusammenhang geht jedoch hervor, dass die Versuchungen in 1,2-6 von außen kommen. Gott kann dieses Testen wohl verwenden, um seine Kinder zu einem siegreicheren Leben zu führen. Die Versuchungen in 1,13-15 kommen von innen und werden durch die Sündhaftigkeit des Menschen ausgelöst. Gott ist niemals die Ursache von Sünde und sündhaften Trieben. Sie stammen nicht von ihm. (Siehe unter Merkmale b), „die siebenteilige Gesetzmäßigkeit der Sünde“ Seite 346).

Predigt 2

Das Hören und das Tun des Wortes Gottes 1,19-27
Das Entscheidende ist nicht allein Gottes Wort zu hören, sondern das Gehörte in die Praxis umzusetzen und es zu tun. Dazu sind zwei Schritte notwendig:

  1. „in das vollkommene Gesetz nahe hineinschauen“ (1,25) – Das Wort „nahe hineinschauen“ ist im Griechischen „parakupto“ und bedeutet „sich zu beugen, damit man hineinschauen kann“. Dieses Wort wird auch in Luk.24,12 verwendet: „Petrus aber stand auf und lief zu der Gruft; und sich hineinbückend, sieht er die leinenen Tücher…“
  2. „und darin bleibt“ (1,25) – man muss im Wort Gottes bleiben, bevor es in unseren Leben zu wirken beginnt:

A.W.Tozer schrieb: „Das Endziel aller biblischen Lehre ist eine moralische Handlung des Individuums. Die Wahrheit greift die Festung des menschlichen Herzens an. Sie ist nicht zufrieden bis sie alles in der Festung erobert hat. Der Wille muss hervortreten und seine Waffen niederlegen. Der Wille muss danach „habt acht“ stehen und den neuen Befehlen lauschen, welche er mit Freude auszuführen hat. Wenn dies nicht erreicht wird, dann hat die biblische Lehre ihr Ziel bei weitem verfehlt.“

3) DIE WESENSZÜGE DES GLAUBENS 2,1 - 3,12

Drei Predigten:
3) das Ansehen der Person (2,1-13)
4) der Glaube und seine Werke (2,14-26)
5) wie soll ein Christ reden? (3,1-12)

Der Brief beinhaltet immer wieder Gegenüberstellungen - z.B.

Versuchungen von außen

Versuchungen von innen

Hörer des Wortes

Täter des Wortes

in diesem Abschnitt geht es um:
ein reicher Mann

ein armer Bettler

der Glaube

die Werke

aus dem Munde - Segen

aus dem Munde - Fluch

Predigt 3

Das Ansehen der Person 2,1-13
Gott ist ein barmherziger Gott. Er erbarmt sich über Weisen und Witwen in ihrer Not (1,27). Auch hat er die Armen in sein Reich aufgenommen (2,5). Manchmal aber handeln seine Kinder im Widerspruch dazu. Sie lassen sich von dem Äußerlichen verleiten. Sie sehen den goldenen Ring und das prächtige Kleid, bzw. das unsaubere Kleid. Das sind Verstöße gegen das königliche Gesetz (2,8).

Predigt 4

Der Glaube und seine Werke 2,14-26
Dies ist einer der berühmtesten Abschnitte des Jakobusbriefes. Aufgrund eines falschen Verständnisses des Inhaltes dieser Zeilen, wollte Martin Luther den Jakobusbrief aus seiner Übersetzung streichen. Er dachte, dass Jakobus, im Gegensatz zu Paulus, die Rechtfertigung durch Werke lehrte.

Dieser Abschnitt kann wie folgt zusammengefasst werden:

In 2,19 sagt Jakobus: „Du glaubst, dass Gott einer ist, du tust wohl; auch die Dämonen glauben und zittern.“ Das Wort „zittern“ ist gr. „phrisso“. Das Wort wird im NT nur an dieser Stelle erwähnt. Es bedeutet grundsätzlich „rau zu sein, wie wenn sich die Haare aufstellen“. Im übertragenen Sinn bedeutet dann dieses Wort „Angst zu haben und daher zu zittern“. Wenn die Dämonen über die Person Gottes nachdenken, „stehen ihnen die Haare zu Berge“ – sie haben Angst!

Predigt 5

Was soll ein Christ reden? 3,1-12
Man könnte diese Predigt auch „der Christ und seine Zunge“ nennen. In diesem Abschnitt verwendet Jakobus eine sehr bildhafte Sprache. Nach einer kurzen Einleitung (3,1-2) offenbart er die ungeheure Wichtigkeit der Zunge anhand von kleinen Bildern – diese werden jedes Mal durch das Wort „siehe“ eingeleitet:

(der Zaum, gr. „chalinos“, kommt auch in Offb.14,20 vor – in der Verbform „chalinagogeo“ kommt es noch in Jak.1,26 und 3,2 vor. In seiner einfachsten Form war „chalinos“ eine Schlinge, welche in das Maul des Pferdes geführt wurde, um die notwendige Führung zu erzielen).

In 3,5 fasst Jakobus zusammen -

In 3,6 fasst Jakobus nochmals zusammen -

„und die Zunge ist ein Feuer“

In 3,7-12 spricht er dann von der Unmöglichkeit, die Zunge zu bändigen und von der Inkonsequenz der Zunge, nämlich einmal Segen und einmal Fluch auszusprechen. Die Antwort liegt darin, dass die Zunge die Ausdrucksmöglichkeit des Herzens ist, „denn aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ (Matth.12,34). Die Zunge, d.h. unsere Sprache wiederspiegelt den Inhalt unseres Herzens!

4) DIE WERKE DES GLAUBENS 3,13 - 4,12

Zwei Predigten:
6) die göttliche und die irdische Weisheit (3,13-18)
7) die Kennzeichen der Fleischlichkeit (4,1-12)

Wiederum führt Jakobus Gegenüberstellungen an. In Predigt 6 wird die göttliche Weisheit mit der menschlichen Weisheit verglichen.

Predigt 6

Die göttliche und die irdische Weisheit 3,13-18
Man kann die jeweiligen Eigenschaften wie folgt darstellen:

Predigt 7

Die Kennzeichen der Fleischlichkeit 4,1-12
Wiederum die gewohnte Gegenüberstellung:

entweder: Freund Gottes - oder: Freund der Welt

Diesen Abschnitt leitet Jakobus mit einer Beschreibung der „Freunde dieser Welt“ bzw. der „geistlichen Habenichtse“ ein:

„ihr gelüstet und ……………………………..habt NICHTS“ (V.2)
„ihr tötet und neidet und……………………...könnet NICHTS erlangen“ (V.2)
„ihr streitet und krieget und ………………….habt NICHTS…“ (V.2)
„ihr bittet und..………………………………..empfanget NICHTS…“ (V.3)

Das Problem wird in 4,8 angesprochen – „ihr Wankelmütigen“. Das griechische Wort dafür ist „dipsuchos“ und bedeutet eigentlich „doppelseelig“ (es kommt auch in 1,8 vor). Aus diesem Grund versucht man, gleichzeitig Freund Gottes und Freund der Welt zu sein. Die Schrift gibt darauf diese Antwort:

V.9 - 10:
„seid niedergebeugt“ (fühlet euch elend)
„trauert und weinet“
„euer Lachen verwandle sich in Traurigkeit“
„eure Freude (verwandle sich) in Niedergeschlagenheit“
„demütiget euch vor dem Herrn“

5) DIE ANWENDUNG DES GLAUBENS 4,13 - 5,18


Drei Predigten:
8) das Vertrauen auf Gott (4,13-17)
9) die Unterdrücker werden gerichtet (5,1-11)
10) verschiedene Wahrheiten (5,12-18)

Predigt 8

Das Vertrauen auf Gott 4,13-17
Hier richtet sich Jakobus nicht gegen das Plänemachen an sich, sondern das Plänemachen ohne Berücksichtigung des Willen Gottes. Wir sollen, ja wir müssen, Pläne für die Zukunft machen, aber diese Pläne sollen dem ewigen, vollkommenen Willen Gottes untergeordnet sein, sonst erleiden wir geistlichen Schiffbruch!

Predigt 9

Die Unterdrücker werden gerichtet 5,1-11
Wiederum macht Jakobus eine Gegenüberstellung, und zwar zwischen den Reichen, diejenigen welche sich auf ihre materiellen Reichtümer verlassen haben (5,1-6) und den Gläubigen, d.h. diejenigen welche sich auf den Herrn und seine Wiederkunft verlassen haben.

DIE REICHEN(5,1- 6)

DIE GLÄUBIGEN(5,7 – 11)

weinet und heulet ! (V.1)

habt nun Geduld ! [Ausharren] (V.7)
(Ausharren – das Thema von Predigt 1)

Reichtum – verfault !
Kleider – mottenfräßig !
Gold/ Silber – verrostet !
vorenthaltener Lohn der Arbeiter – schreit !

befestigt eure Herzen –
die Ankunft des Herrn ist nahe gekommen
seufzet nicht widereinander –
auf dass ihr nicht gerichtet werdet

DER HERR KOMMT ! - GERICHT

DER HERR KOMMT ! - ERLÖSUNG

Predigt 10

Verschiedene Wahrheiten 5,12-18
Grundsätzlich behandelt Jakobus im Schlusswort seines Briefes drei Themen:

  1. das Schwören mit Eid (V.12)
  2. das Verhalten in Not (V.13-18)
  3. das Verhalten gegenüber einem vom Weg abgeirrten Bruder (V.19-20)

[ vorheriger Teil| Inhalt | nächster Teil ]