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1. PETRUS 1 - 5

TEIL 40

HAUSAUFGABE

BIBEL: 1. Petrus 1 - 5 aufmerksam durchlesen.

FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen, bevor die Unterlagen durchgelesen werden.

a) Zeichne eine Landkarte mit den Namen der Provinzen, welche in 1,1-2 erwähnt werden.

b) In 1,14; 2,2; 2,11; 2,17; 2,25 und 4,10 nennt Petrus sechs Bezeichnungen für die Gläubigen. Schreibe sie alle auf und füge einige erklärende Worte bei.

c) Welche Bezeichnungen verwendet Petrus für die Gläubigen in 2,1-10? (mindestens acht werden erwähnt). Warum verwendet er ausgerechnet solche Begriffe?

d) Wie sollen sich der Hausknecht und die Ehefrau verhalten? (2,18 – 3,6)

UNTERLAGEN: NT-Teil 40 aufmerksam durchlesen

1. PETRUSBRIEF

Von den drei Briefen, die sich mit dem Problem des Leidens beschäftigen, behandelt der 1.Petrusbrief dieses Thema am deutlichsten. Man könnte sagen, dass dieser Brief eine Auslegung der Worte von Paulus ist:

„Alle aber auch, die gottselig leben wollen in Christo Jesu, werden verfolgt werden.“ (2.Tim.3,12)

Der Brief wurde wahrscheinlich zwischen 63-65 n.Chr. geschrieben, d.h. genau während des Ausbruches der Christenverfolgung durch Kaiser Nero. Petrus erlebte diese Verfolgung und die Leiden der Gemeinde und schrieb diesen Brief an gläubige hellenistische Juden in der Diaspora.

Wie sollte die Einstellung des Gläubigen angesichts dieser Leiden sein? Petrus gibt darauf mindestens drei Antworten:

  1. Der Gläubige sollte geduldig ausharren, wie dies der Herr Jesus vor ihm getan hat. (2,20-24).
  2. Wenn man die richtige Einstellung zum Leiden hat, bringt es wunderbare Frucht im Leben des Gläubigen hervor (5,10).
  3. Jesus Christus kommt wieder! Alle Leiden und Verfolgungen sollten angesichts dieser Wahrheit ertragen werden. (1,7; 1,13; 4,13)

Petrus erwähnt auch drei Auswirkungen, wenn ein Christ die Leiden in der richtigen Einstellung erduldet:

  1. Leiden gibt manchmal die Möglichkeit, Zeugnis für den Herrn abzulegen (3,14-16)
  2. Leiden bringt Heiligung und Reinigung (3,17-22)
  3. Leiden schärft den Sinn des Gläubigen für die eigene Sünde und für die Gottlosigkeit seiner Umgebung (4,1-11)

Einige wichtige Informationen bezüglich des Briefes werden in den folgenden Punkten kurz zusammengefasst:

1) Gruppe: die allgemeinen Briefe (die Leidens-Briefe)

2) Datum der Niederschrift. ca. 63 - 65 n.Chr.

3) Hintergrund: die Gemeinde in Jerusalem (Apg. 1-12)

4) Leserschaft: „den Fremdlingen von der Zerstreuung (Diaspora) von Pontus, Galatien, Kappadocien, Asien und Bithynien…“ (1,1)

5) Absicht: den Gläubigen Hoffnung zu geben inmitten von Leiden und Verfolgungen

6) Schlüsselwort: „leiden“ (16 mal)

7) Schlüsselvers: „Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christo Jesu, nachdem ihre eine kleine Zeit gelitten habt, er selbst wird (euch) vollkommen machen, befestigen, kräftigen, gründen“ (5,10)

8) Merkmale:

die Betonung der Gnade
Das Wort kommt 10 mal vor (1,2; 1,10; 1,13; 2,19-20; 3,7; 4,10; 5,5; 5,10; 5,12); 5 mal davon steht es in Bezug auf Gott. In 5,10 wird Gnade als eine Eigenschaft seiner Person und als ein Ausdruck seines Charakters beschrieben. In 4,10; 5,5; 5,12 (auch erwähnt in 3,7) schenkt Gott Gnade. Gottes Einstellung allen Leidenden gegenüber ist gnädig (2,19-20). Die Gnade Gottes ist in ihrem Wesen aber auch verschiedenartig (4,10).

9) Unterteilung des 1. Petrusbriefes
Petrus betrachtet das Problem des Leidens von verschiedenen Gesichtspunkten. Dadurch ergibt sich auch die Unterteilung des Briefes.

Karte 88 - Die Unterteilung des 1.Petrusbriefes

1,1-2

1,3 - 2,10

2,11 – 4,7

4,8 – 19

5,1 – 11

5,12 – 14

BE-GRÜSSUNG

LEIDEN AUS VERSCHIEDENEN GESICHTS-PUNKTEN

LEIDEN UND DRUCK

LEIDEN UND DIENEN

LEIDEN UND EIN-STELLUNGEN

SCHLUSS-WORT



EINTEILUNG DES 1. PETRUSBRIEFES

HAUPTGEDANKE:

DER GLAUBE – GEGENWÄRTIG GEPRÜFT, ZUKÜNFTIG SIEGREICH


1) BEGRÜSSUNG 1,1 - 2

2) LEIDEN AUS VERSCHIEDENEN GESICHTSPUNKTEN 1,3 - 2,10

  1. die Hoffnung der Wiederkunft (1,3-12)
  2. die Wirklichkeit des neuen Lebens (1,13-25)
  3. die Verpflichtung der neuen Stellung (2,1-10)
3) LEIDEN UND DRUCK 2,11 - 4,7
  1. der Christ und die menschliche Ordnung (2,11-17)
  2. der Christ und die beruflichen und familiären Verpflichtungen (2,18-3,7)
  3. der Christ und sein Wandel (3,8-4,7)
4) LEIDEN UND DIENEN 4,8 - 19
  1. Dienen in der Gemeinde (4,8-11)
  2. Zeugnis für die Ungläubigen (4,12-19)
5) LEIDEN UND EINSTELLUNGEN 5,1 - 11

6) SCHLUSSWORT 5,12 - 14



1) BEGRÜSSUNG 1,1 - 2

Petrus stellt sich als Apostel Jesu Christi vor. Im späteren Verlauf des Briefes fügt er hinzu, dass er ein Gemeindeältester, ein Zeuge der Leiden des Christus und Teilhaber der Herrlichkeit (5,1) ist.

Hinsichtlich der Empfänger des Briefes kann man annehmen, dass es sich um jüdische Christen handelt, welche im römischen Reich zerstreut lebten. Petrus war der Apostel zu den Juden (Gal.2,7-8). Zu Pfingsten war er der Prediger, welcher den vielen in Jerusalem verweilenden Juden die gute Nachricht gebracht hatte (Apg.2). Seine Leserschaft befand sich in Pontus, Galatien, Kappadocien, Asien und Bythynien.

Karte 89 - Die Gegenden der Zerstreuung im 1. Petrusbrief

Dies war ihre menschliche, geographische Lage. Aber Petrus weist auch auf ihre geistliche Lage hin:

die ganze Dreieinigkeit Gottes:

Letztlich erwähnt der Apostel seinen Gruß: „Gnade und Friede sei euch vermehrt!“

2) LEIDEN AUS VERSCHIEDENEN GESICHTSPUNKTEN 1,3 - 2,10

ad a) Die Hoffnung der Wiederkunft (1,3-12)
In der Vergangenheit sind wir „wieder gezeugt“ worden – gr. „anagennao“ , bedeutet wortwörtlich „wieder zu gebären“ (kommt auch in 1,23 vor). Diese Wiedergeburt bewirkt eine zukünftige Hoffnung und geistliches Erbteil, aber auch gegenwärtige Schwierigkeiten:

Gottes Absicht mit diesen Versuchungen ist, dass der Glaube bewährt wird. Das Wort Versuchung ist im Griechischen „dokimion“ (dasselbe Wort wie in Jak.1,3) und bedeutet „das Prüfen von Metallen durch Feuer“; d.h. durch das Feuer wurden die Verunreinigungen und Fremdkörper entfernt. So ist es auch mit dem Glauben, durch den Feuertest der Versuchungen bleibt nur der reine Glaube über, und zwar „zu Lob und Herrlichkeit und Ehre in der Offenbarung Jesu Christi“.

ad b) Die Wirklichkeit des neuen Lebens 1,13 – 25
In diesem Abschnitt spricht Petrus von der gegenwärtigen Verantwortung ein heiliges (d.h. abgesondertes) Leben zu führen. Die Voraussetzung dafür ist, dass die Lenden der Gesinnung (gr. „dianoia“) umgürtet sind (1,13). Das Umgürten der Lenden war erforderlich, wenn jemand kämpfen, schnell gehen und ungehindert arbeiten musste. Der längere Mantel-Rock wurde um die Lenden gebunden und mit einem Gürtel befestigt. Auf diese Art und Weise konnte die Person ungehindert ihrer Sache nachgehen. Im geistlichen Kampf müssen die Lenden der „dianioa“ (Gesinnung oder Einstellung) ständig frei sein von irgendwelchen Behinderungen.

Die Wiedergeburt verpflichtet uns zu einem neuen Lebenswandel. Wir sollen nicht mehr nach den vorigen Lüsten gebildet werden, sondern heilig sein so wie Gott. Das Wort für nachgebildet ist im Griechischen „suschematizo“ und bedeutet „etwas dieselbe Form geben oder dasselbe Aussehen annehmen“. Es kommt auch noch in Röm.12,12 vor. Dies bedeutet, dass Menschen durch ihre Lüste geformt werden! Wenn man nichts dagegen unternimmt (z.B. als Ungläubiger oder fleischlicher Christ), wird man von seinen eigenen Lüsten in eine gewisse „Form“ gepresst bzw. man nimmt ein gewisses geistlich-moralisches Aussehen an. Als Kind Gottes gibt es daher zwei Möglichkeiten, eine geistlich-moralische Form anzunehmen:

Petrus sagt in Vers 14: „…als Kinder des Gehorsams“. In seinem Brief stellt er die Gläubigen insgesamt sechsmal mit verschiedenen Namen bzw. Rollen dar:


Karte 90 - Die sechs Bezeichnungen für Kinder Gottes im 1. Petrusbrief

BEZEICHNUNG

BETONUNG

„als Kinder des Gehorsams“ (1,14)

die Verpflichtung der Wiedergeburt zu einem neuen Lebenswandel, gekennzeichnet durch Gehorsam

„wie neugeborene Kindlein“ (2,2)

der große Hunger für das Wort Gottes; vorerst muss aber alle Bosheit, aller Trug, Heuchelei und Neid abgelegt werden, bevor man dieses Wort wirklich als nahrhaft empfindet; es bringt Wachstum.

„als Fremdlinge und als die ihr ohne Bürgerrecht seid…“ (2,11)

das Kind Gottes ist in, aber nicht von der Welt. Der Gläubige sollte vor anderen stets ein Zeugnis sein. Die fleischlichen Lüste aber kämpfen dagegen an und wollen dies verhindern und das Zeugnis verderben.

„als Knechte Gottes“ (2,17)

wiederum die Betonung auf die geistliche Haltung gegenüber der Welt und der Gemeinde

„wie Schafe“ (2,25)

alle anderen Bezeichnungen beziehen sich auf den Christ in der Nachfolge. Diese Bezeichnung aber spricht von seinem Zustand vor der Bekehrung – ein in die Irre gegangenes Schaf!

„als gute Verwalter der mancherlei Gnade Gottes“ (4,10)

jeder hat eine geistliche Gabe, welche für den Gemeinnutzen der Gemeinde eingesetzt werden sollte.

ad c) Die Verpflichtung der neuen Stellung 2,1 – 10
Hier ist die Rede von dem geistlichen Tempel, welcher von allen Gläubigen gebildet wird. Auch hier hat Petrus verschiedene Bezeichnungen für die Gläubigen:

Großteils hat wahrscheinlich die Leserschaft dieses Briefes, jüdische Christen, Verfolgungen und Not aus den Händen der Juden erlebt. Sie waren in den Augen der Juden Abtrünnige und wurden dementsprechend behandelt. Petrus wählt bewusst Begriffe, welche dem Verständnis der Juden des AT entstammen. All diese Bezeichnungen hätten diese Juden auf sich bezogen, aber Petrus (durch die Führung des Heiligen Geistes) wendet sich auf das kleine, verschmähte, bedrängte Häuflein von Gläubigen an.

3) LEIDEN UND DRUCK 2,11 - 4,7

a) der Christ und die menschliche Ordnung (2,11-17)
b) der Christ und die beruflichen und familiären Verpflichtungen (2,18-3,7)
c) der Christ und sein Wandel (3,8-4,7)

ad a) Der Christ und die menschliche Ordnung 2,11 – 17
Wie bereits zuvor erwähnt, geht es hier um das Zeugnis und die Einstellung des Kindes Gottes der Welt und ihrer Ordnung gegenüber. Die Gläubigen, an welche Petrus den Brief richtete, standen unter dem Druck der Behörden und den verschiedenen menschlichen Ordnungen. Der Apostel gibt Hinweise, wie sie sich diesen Instanzen gegenüber verhalten sollen.

ad b) Der Christ und die beruflichen und familiären Verpflichtungen 2,18 – 3,7
Hier geht es vorwiegend um zwei Gruppen von Menschen (Hausknechte – 2,18-28 und Ehefrauen – 3,1-6), welche, aufgrund ihrer schwachen gesellschaftlichen Stellung, dem Druck einer ungläubigen Umgebung besonders stark ausgesetzt waren. Auch hier hat der Apostel Worte bereit, wie sie sich in solchen Umständen verhalten sollen.

ad c) Der Christ und sein Wandel 3,8 – 4,7
Letztlich spricht er jeden einzelnen Christen an. Was auch immer die Umstände sein mögen, der Christ sollte immer unschuldig leiden, d.h. nicht aufgrund von Sünde oder Vergehen soll er angeprangert werden. Er macht die Aufforderung, auf Jesus Christus zu blicken und zu sehen wie er in seinem menschlichen Leben gewandelt ist.

4) LEIDEN UND DIENEN 4,8 - 19

a) Dienen in der Gemeinde (4,8-11)
b) Zeugnis für die Ungläubigen (4,12-19)

ad a) Dienen in der Gemeinde 4,8-11
Wie bereits erwähnt, hat jedes Kind Gottes eine (zumindest eine) von Gott gegebene Gabe. In Zeiten der Verfolgung sollte die Bereitschaft einander zu dienen ganz besonders stark sein.

ad b) Zeugnis für die Ungläubigen 4,12-19
Mit Hes.9,1ff (Gott beginnt sein Gericht bei seinem eigenen Volk ) in Gedanken sagt Petrus, dass das Gericht beim Hause Gottes beginnen muss. Er sieht die jetzigen Schwierigkeiten der Gläubigen als von Gott zugelassene Probleme, welche Reinigung und Heiligung bewirken. Das Kind Gottes sollte nicht dabei ertappt werden Dieb, Übeltäter oder „einer, der sich in fremde Sachen mischt“ zu sein. (4,15).

5) LEIDEN UND EINSTELLUNGEN 5,1 - 11

Der Brief endet mit einem Aufruf an die Gläubigen, die richtige Einstellung ihren Glaubensgenossen gegenüber zu haben. Drei große Gruppen werden angesprochen:

Ein Wort könnte man für alle diese drei Gruppen in den Mittelpunkt stellen, und zwar ist dies DEMUT.

6) SCHLUSSWORT 5,12 - 14

Petrus zeigt in diesem kleinen Schlusswort seine Verbundenheit mit Markus. Gemeint ist Johannes-Markus, der Schreiber des Markus-Evangeliums.


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