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DIE ALLGEMEINEN BRIEFE
DIE IRRLEHRE-BRIEFE

2. PETRUS 1 – 3
JUDAS 1

TEIL 41

HAUSAUFGABE

BIBEL: 2. Petrus 1-3; Judas 1 aufmerksam durchlesen

FRAGEN ZUM NACHDENKEN: Schreibe kurze Antworten auf folgende Fragen, bevor die Unterlagen durchgelesen werden.

a) Wie stellen sich Petrus in 2.Petr.1,1 und Judas in Judas 1,1 vor? Was kann man ihrer bestimmten Art sich vorzustellen entnehmen?

b) Beschreibe die geistliche Stufenleiter in 2.Petr.1,5-7.

c) Mit welcher Absicht schrieb Petrus seinen zweiten Brief? (1,14-15)

d) In 2,10-22 werden einige Merkmale der Irrlehrer angegeben. Zähle so viele wie möglich auf (mindestens 10 Merkmale).

e) Fasse 3,1-16 in eigenen Worten zusammen. Warum lässt Gott die Wiederkunft Jesu Christi so lange verziehen?

f) Wie beschreibt Judas die Irrlehrer in V.16?

UNTERLAGEN: NT-Teil 41 aufmerksam durchlesen

EINLEITUNG ZU DEN ALLGEMEINEN BRIEFEN

Die Irrlehre-Briefe:
2. Petrus
Judas
1. – 3. Johannes

Diese Briefe behandeln das Problem der zunehmenden Irrlehren in der Gemeinde. Diese Irrlehren wurden von Männern verbreitet, indem sie Ideen und Verhaltensweisen verkündigten, welche völlig konträr zu der Lehre des Herrn und seiner Apostel standen. Diese Menschen wurden von der Gemeinde des ersten Jahrhunderts unmissverständlich als Irrlehrer und Ketzer identifiziert (2.Petrus 2,1; 2,15; 3,17; Judas 4+18; 1.Joh.2,18-19; 2,22; 4,1-3).

Diesem Problem musste auch Paulus begegnen, und zwar in Bezug auf die Frage Gesetz oder Glaube (siehe Apg.15,1-29 und Galaterbrief) und in Bezug auf die Person und das Werk Jesu Christi (siehe Kolosserbrief).

In der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts, d.h. beginnend mit dem Dienst des Paulus bis hin zu der Zeit als der Apostel Johannes seinen Dienst in Ephesus vollendete, wurden gewisse Tendenzen in der Irrlehre deutlich. Der allgemeine Begriff für diese Irrlehre, welche in der Gemeinde immer deutlicher wahrgenommen werden konnte, war – der Gnostizismus. Dieser Begriff wurde für verschiedene mystische und philosophische Systeme der hellenistischen Welt verwendet. (Das Wort kommt von „Gnosis“ und bedeutet „ein Wisser“ oder „ein Kenner“ oder im übertragenen Sinn „ein Erleuchteter“).

Diese verschiedenen mystischen und philosophischen Systeme hatten eine gemeinsame Grundlage – sie behaupteten, dass es nur einen Gott gäbe, der allein in Vollkommenheit und Licht wohnt. Dieser schuf, als Widerspiegelungen seiner Person, „sekundäre“ Götter. Diese „sekundären“ Götter aber sind von diesem Gott des Lichtes und der Vollkommenheit teilweise abgefallen. Je weiter sie sich nun von ihm entfernen, desto finsterer und unvollkommener werden sie und alles was sie schaffen. Die Welt, d.h. die ganze Materie, wurde von einem dieser abgefallenen Götter geschaffen und war daher böse und finster. Der Mensch, da er Materie ist und in dieser Welt geboren wurde, war auch böse und finster. Der einzige Lichtblick war der Funke des Göttlichen, der in ihm war. Die Gnostiker behaupteten, dass der Mensch, wenn er das erkennen und sich von dieser Welt der Materie befreien würde mit diesem einzigen Gott des Lichtes und der Vollkommenheit in Verbindung treten könnte. Die Errettung wurde durch das Vermehren des Wissens oder der Erkenntnis über diese unsichtbare Welt und durch die Befreiung von den Lüsten und Bedürfnissen des Leibes erwirkt. Ein Gnostiker, der sozusagen „erlöst“ war und mit dem großen Weltgeist in Verbindung getreten ist, fühlt sich nicht mehr verpflichtet, die moralischen Werte des Lebens zu halten. Er zeigte die „Befreiung“ seines Leibes entweder durch ein Leben der Askese oder der Ausschweifung. Gegen diese völlig verkehrten Auffassungen schrieb der Apostel Johannes im 1.Johannesbrief; sein Grundsatz lautete – Glaube an Jesus Christus verpflichtet zu einem moralischen Wandel gemäß den Worten Jesu Christi und seiner Apostel.

Der Gnostizismus bildete auf zweifache Art einen Angriff gegen das Christentum, und zwar stellte er die zwei Grundsätze des christlichen Glaubens, die Menschlichkeit Jesu Christi, in Frage.

Diese beiden Grundsäulen der Gemeinde des ersten Jahrhunderts wurde durch zwei verschiedene Richtungen innerhalb des Gnostizismus angegriffen:

Docetismus - die Verleugnung der Menschlichkeit Jesu Christi
Kerinthiasmus - die Verleugnung der Göttlichkeit Jesu Christi

Docetismus – Das Wort bedeutet „scheinen etwas zu sein“

Die Materie war böse, argumentierten diese Irrlehrer, folglich war auch der menschliche Körper böse (nur der Geist war gut, da im Geist „der Funke des Göttlichen“ vorhanden war). Wie konnte Gott, der die Vollkommenheit und das Licht ist, in einem menschlichen (bösen) Körper kommen, fragten die Irrlehrer. Daher sagten sie, dass er gar nicht als Mensch gekommen ist, „es schien nur so zu sein“; die Jünger Jesu sahen nur „eine Erscheinung“. In 1.Joh.1,1-3 und 4,1-3 behandelt Johannes vor allem diese Irrlehren. Wenn die Gemeinde diese Irrlehre annahm, war die Gefahr sehr groß, dass der stellvertretende Tod Jesu Christi am Kreuz zunichte gemacht wurde. Wie konnte eine „Erscheinung“ auf dem Kreuze hängen?

Kerinthiasmus – Diese Lehre wurde nach ihrem Verfechter, Kerinthus, benannt

Diese Irrlehre behauptet, dass der Mensch Jesus zwar wirklich in Fleisch und Blut gekommen ist, nur war er nicht Gott. Der „Christus-Geist“ kam auf den Menschen Jesus nur während der dreijährigen Periode zwischen der Wassertaufe und der Kreuzigung. Dieser „Christus-Geist“ befähigte Jesus „Göttliche“ Taten zu vollbringen, etc. – aber er war nicht Gott.
Dieser Irrlehre begegnete Johannes in 1.Joh.1,3; 1,7; 2,22-23; 3,23; 4,15; 5,1; 5,20; indem er die Göttlichkeit Jesu Christi betonte. Durch Annahme dieser Irrlehre lief die Gemeinde Gefahr, den Wert des Stellvertretenden Todes am Kreuz in Frage zu stellen.

Wenn Jesus Christus nicht Gott war, welchen Wert hatte dann sein Sterben? Der Tod eines „gewöhnlichen“ Menschen konnte den Zustand eines anderen nicht im geringsten beeinflussen.

Die Hauptthemen der gnostischen Irrlehre kann man wie folgt zusammenfassen:

  1. die Verleugnung der Menschlichkeit Jesu Christi (1.Joh.4,2)
  2. die Verleugnung der Göttlichkeit (Sohnschaft) Jesu Christi (1.Joh.2,22-23)
  3. die Verleugnung des Erlösungswerkes Jesu Christi (2.Petr.2,1)
  4. die Verleugnung der Wiederkunft Jesu Christi (2.Petr.3,4)
  5. die Verleugnung der Herrschaft Jesu Christi (Judas 4)

Noch dazu betrachtete der Gnostizismus Sünde als ein intellektuelles und kein moralisches Problem. Der Betreffende musste nur mehr wissen erlangen, um die Errettung zu bekommen. Dadurch wurde Notwendigkeit einer Bekehrung verleugnet und die Lehre des Herrn „es sei denn, dass jemand von neuem geboren werde“ (Joh.3,3) zunichte gemacht.

2. PETRUSBRIEF

Von allen Briefen des NT wurde der 2.Petrusbrief am allerwenigsten akzeptiert, obwohl er bei den Kirchenkonzilen (Laodicäa, 363 n.Chr., und Karthago, 397 n.Chr.) zu dem Kanon des NT dazugezählt wurde.

Viele behaupten, dass es sich bei dem Brief um eine Fälschung handelt, und dass Petrus gar nicht der Schreiber war. In dem Brief gibt es jedoch einige Hinweise darauf, dass Petrus doch den Brief geschrieben hat:

  1. der Schreiber bezeichnet sich als „Simon Petrus, Knecht und Apostel Jesu Christi“ (1,1)
  2. er war Augenzeuge der Verklärung des Herrn (1,16-18)
  3. er hatte eine engere Beziehung zu Paulus (3,15-16)
  4. er verwendete Fischerterminologie in 2,14 und 2,18 – „anlocken“
  5. er schreibt über ähnliche Themen wie im 1.Petrusbrief, z.B. die Endzeit, die Prophetie, die Sintflut, die christliche Freiheit.
Es hat den Anschein, dass dieser Brief an dieselbe Leserschaft gerichtet war, wie der 1.Petrusbrief (siehe 2.Petr.3,11). Vielleicht ahnte Petrus bereits, dass sein Ende nahe war und ergriff deshalb die letzte Gelegenheit, um einige Wahrheiten, welche im Kampf gegen die Irrlehre sehr bedeutend waren, noch einmal zu unterstreichen. (Das Wort „erinnern“ kommt dreimal (1,12; 1,13; 3,1) und das Wort „vergessen“ zweimal (1,9; 3,8) vor.

Die Irrlehrer des Gnostizismus behaupteten, dass der Mensch durch viel Wissen und viel Erkenntnis befreit würde. Petrus widerspricht in seinem Brief dieser Behauptung und zeigt, dass nur die Erkenntnis des Herrn und seines Wortes helfen kann.

In den folgenden Punkten werden einige wichtige Informationen über den Brief kurz zusammengefasst:

1) Gruppe: die allgemeinen Briefe (die Irrlehre-Briefe)

2) Datum der Niederschrift. ca. 65/67 n.Chr. (kurz vor dem Tod des Petrus, der laut Überlieferung in den Händen Neros als Märtyrer starb)

3) Hintergrund: die Gemeinde in Jerusalem (Apg.1-12)

4) Leserschaft: Angesichts der zunehmenden Irrlehre und seines nahenden Todes, schrieb Petrus ein „letztes Testament“ über jene Wahrheiten, welche er für notwendig erachtete.

5) Absicht: Das Wesen des Glaubens zu offenbaren und die Gläubigen zu ermutigen, die Wirklichkeit ihres Glaubens unter Beweis zu stellen, indem sie täglich standhalten in den verschiedensten Prüfungen.

6) Schlüsselwort: „Erkenntnis“ (wörtlich „volle Erkenntnis“) – 12 mal 1,2; 1,3; 1,5; 1,6; 1,8; 1,16; 1,20; 2,20; 2,21; 3,3; 3,17, 3,18.

7) Schlüsselvers: „Da seine göttliche Kraft uns alles in Betreff des Lebens und der Gottseligkeit geschenkt hat durch die Erkenntnis dessen, der uns berufen hat durch Herrlichkeit und Tugend…“ (1,3)

8) Merkmale:

a) wichtige Aussagen hinsichtlich des Wesens der Heiligen Schriften (1,19-21)
Der heilige Geist ist der wahre „Schreiber“ der Heiligen Schriften (1,21), und da die Schriften eine Einheit bilden, muss jede Stelle in Anbetracht der Gesamtheit verstanden uns ausgelegt werden.

b) wichtige Aussagen hinsichtlich des Tages des Herrn (3,8-13)
Angesichts der Verleugnungen über das Kommen des Tages des Herrn (3,4) bestätigt Petrus, dass Gott, genauso wie er einst die Erde durch die Sintflut gerichtet hatte (3,6), sie auch noch einmal durch Feuer richten wird (3,10). Der Zeitpunkt dieses Gerichtes wird durch die Langmut Gottes aufbehalten (3,9). Das Kind Gottes soll angesichts des kommenden Tages des Herrn einen heiligen Wandel führen (3,11).

9) Unterteilung des 2.Petrusbriefes
die Erkenntnis der Person Jesu Christi im Zusammenhang mit verschiedenen Aspekten des christlichen Lebens bildet die Unterteilung des Briefes.

Karte 91 - Die Unterteilung des 2.Petrusbriefes

1,1-2

1,3-11

1,12-21

2,1-22

3,1-16

3,17-18

BEGRÜSSUNG

DIE ERKENNTNIS und DAS CHRISTLICHE LEBEN

DIE ERKENNTNIS und DAS WORT GOTTES

DIE ERKENNTNIS und DIE IRRLEHRE

DIE ERKENNTNIS und DIE WIEDERKUNFT

SCHLUSSWORT


EINTEILUNG DES 2. PETRUSBRIEFES

HAUPTGEDANKE:

„WACHSET ABER IN DER GNADE UND ERKENNTNIS UNSERES HERRN UND HEILANDES JESUS CHRISTUS“ (2.Petr.3,18)


1) BEGRÜSSUNG 1,1 - 2

2) DIE ERKENNTNIS UND DAS CHRISTLICHE LEBEN 1,3 - 11

3) DIE ERKENNTNIS UND DAS WORT GOTTES 1,12 - 21

4) DIE ERKENNTNIS UND DIE IRRLEHRE 2,1 - 22

5) DIE ERKENNTNIS UND DIE WIEDERKUNFT 3,1 - 16

6) SCHLUSSWORT 3,17 - 18

Gleich dem 2.Timotheusbrief gewinnt auch der 2.Petrusbrief an besonderer Bedeutung, weil er den letzten Brief dieses großen Mannes Gottes darstellt.

1) BEGRÜSSUNG 1,1 - 2

Hier stellt sich der Schreiber in allen Aspekten seines Lebens dar:

Simon - dies war sein wirklicher, man kann sagen, sein menschlicher Name (Joh.1,42; 21,15-16). Er war der Sohn Jonas

Petrus - sein geistlicher Name, dieser wurde ihm vom Herrn gegeben (Joh.1,42; Matth.16,18). Der Name bedeutet „ein Stein“.

Knecht - eigentlich steht „Sklave“, gr. „doulos“. Hier erinnert sich der Schreiber an Worte seines Herrn, welche er vor fast 30 Jahren gehört hatte – „der Größte aber unter euch soll euer Diener sein“ (Matth.23,11). Der Ausdruck „Knecht“ drückt seine geistliche Haltung aus.

Apostel - hier spricht er von seiner geistlichen Berufung

Gleich zu Beginn spricht Petrus von der Erkenntnis (gr.“epignosis“ = „volles, detailliertes und richtiges Wissen“) Jesu Christi. Sein Gebet für die Gläubigen bestand darin, dass sie in diese Erkenntnis immer tiefer eindringen sollen. Dieses Wort steht in Passivform. Am Ende des Briefes (3,18) gibt es aber ein Wort in der Befehlsform, d.h. Aktiv-Form, wodurch die zwei Seiten dieser Wahrheit dargestellt werden:

Diese Erkenntnis muss von Gott vermehrt werden. Sie wird aber in demselben Maße vermehrt, als wir in sie hineinwachsen! Diese Erkenntnis seiner Person, d.h. die Erkenntnis Gottes, ist das einzige was uns vor Irrlehren, vor allem dem teuflischen, betrügerischen Gnostizismus (und vor allen seinen modernen Erscheinungsformen – siehe New Age, das neue goldene Zeitalter des Wassermannes), bewahren wird. Wahre Gotteserkenntnis führt zu zunehmender Demut, nicht zu Hochmut und Überheblichkeit bzw. zum Vertrauen auf die eigenen Fähigkeiten.

2) DIE ERKENNTNIS UND DAS CHRISTLICHE LEBEN 1,3 - 11

In diesem Abschnitt kommt die so genannte Stufenleiter des christlichen Lebens vor. Zunehmende Erkenntnis der Person Jesu Christi, stellt eine Herausforderung zum Weitergehen im Herrn dar. Es gibt acht „Stufen“, welche aber nicht in sich abgeschlossene Erfahrungen sind, sondern Betonungen, welche im christlichen Leben vorkommen.

Aber nicht Erkenntnis allein ist notwendig, sondern es verlangt auch Fleiß. Das gr. Wort ist „sponde“ und bedeutet „Ernsthaftigkeit, Eifer und manchmal auch Eile“.

Petrus sagt: „Wer dies nicht tut ist blind, kurzsichtig, und hat die Reinigung seiner Sünden vergessen.“ Dieser Ausdruck ist hoch interessant, denn wörtlich bedeutet es: „Vergesslichkeit genommen zu haben“ – im gr. „lethe lambano“. „Lethe“ war in der griechischen Mythologie der Strom der Unterwelt. Die Seelen der Verstorbenen tranken daraus, um die Zeit ihres irdischen Daseins zu vergessen. Petrus sagt hier, dass Gläubige auch zeitlebens so handeln können, als ob sie aus diesem Strom getrunken hätten, wenn sie im Herrn nicht vorangehen.

3) DIE ERKENNTNIS UND DAS WORT GOTTES 1,12 - 21

Im ersten Kapitel des Briefes ist viel von „diesen Dingen“ die Rede: V.8; V.9; V.10; V.12 und V.15. Der Grund des Briefes wird in den Versen 14-15 kund getan. Petrus weiß, dass er bald zum Herrn gehen muss „wie auch unser Herr Jesus Christus mir kund getan hat“. Er will, dass die Gläubigen auch nach seinem Abschied „jederzeit“ die Möglichkeit haben, sich „diese Dinge“ ins Gedächtnis zu rufen – daher schreibt er ihnen einen Brief. Weiters gibt er Einblick in die Entstehung des Wortes Gottes.

4) DIE ERKENNTNIS UND DIE IRRLEHRE 2,1 - 22

Petrus spricht klar davon, dass es falsche Lehrer geben wird. Die Geschichte der Gemeinde beweist dies nur zu deutlich. Das Motiv dieser Irrlehrer wird Gewinnsucht sein (V.3). Die Folge ihrer betrügerischen Arbeit wird sein, dass „der Weg der Wahrheit verlästert werden wird“ (V.2)

In den Versen 3-9 beschreibt der Apostel das Gericht, welches über die Irrlehrer kommen wird. Es ist auch sicher, Diese Menschen haben offenbar den Punkt erreicht, den nur Gott kennt, wo Buße und Umkehr nicht mehr möglich ist.

Als Beispiele für das bevorstehende Gericht führt er auf:

In den Versen 10-22 werden die Kennzeichen der falschen Lehrer aufgezeigt:

5) DIE ERKENNTNIS UND DIE WIEDERKUNFT 3,1 - 16

Petrus erinnert sie an die Wiederkunft des Herrn, von der sie schon gehört hatten (V.1-2). Doch diese Wiederkunft wird ein Gegenstand von Spott und Lästerung der Irrlehrer, welche sie in Zweifel stellen werden. Den Hauptgedanken dieses Abschnittes findet man in den Versen 8-9. Petrus will hier die Wahrheit von Ps.90,4 betonen: „Denn tausend Jahre sind in deinen Augen wie der gestrige Tag, wenn er vergangen ist, und wie eine Wache in der Nacht.“ Die Wiederkunft wegen der angeblichen Wartezeit in Frage zu stellen, sei falsch, argumentiert Petrus. Diese Einstellung zeigt völliges Unverständnis für das Wesen und die Wege Gottes. Gott steht nicht unter den Zwängen eines Zeit-Raum-Kontinuums. Aber Gott ist treu – was er sagt, erfüllt er auch; wenn auch, für menschliche Verhältnisse, mit Verspätung. Als Beispiel führt der Apostel nochmals die Tage Noahs an. Während der langen Wartezeit bis zum tatsächlichen Gericht mögen viele gelacht und gespottet haben; aber das Gericht kam! Der wunderbare Grund für das Zögern Gottes (von menschlicher Warte aus als Zögern angesehen) ist: „Er will nicht, dass irgend welche verloren gehen, sondern dass alle zur Buße kommen“ (V. 9).

In V.10 werden dann die gewaltigen Ereignisse beschrieben, welche im Zusammenhang mit dem Tag des Herrn stehen. Dieser Tag des Herrn und die Wiederkunft Jesu Christi sollte für die Gläubigen an Ansporn sein, ein heiliges Leben zu führen (V.11-18).

6) SCHLUSSWORT 3,17 - 18

Letztlich endet der Apostel mit einer Warnung, einer Ermutigung und einer Lobpreisung.

JUDASBRIEF

Der Schreiber des Briefes stellt sich als „Judas, Knecht Jesu Christi und Bruder des Jakobus“ (1,1) vor. Er war aller Wahrscheinlichkeit nach einer der leiblichen Brüder des Herrn (Matth.13,55) und ein Bruder von Jakobus, dem Schreiber des Jakobusbriefes (Jak.1,1). Er war auch einer der führenden Brüder der Gemeinde in Jerusalem (Gal.1,19).

Judas, der Schreiber des Briefes, gibt gleich am Anfang Auskunft über die Absicht seines Schreibens. Es war zuerst seine Absicht über „unser gemeinsames Heil“ (V.3) zu schreiben, er wurde jedoch „genötigt“ (vielleicht durch eine Nachricht über das zerstörerische Werk der Irrlehrer) „euch zu schreiben und zu ermahnen, für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen“ (V.3).

Zwischen dem Judasbrief, dem Jakobusbrief und dem 2.Petrusbrief bestehen große Ähnlichkeiten.

Judas schrieb im gleichen Stil wie sein Bruder Jakobus. Wie Jakobus verwendet auch er andere Quellen für seinen Brief:

Der Judasbrief behandelt die selben Themen wie der 2.Petrusbrief:

2.Petrusbrief

Judasbrief

………………
die gefallenen Engel
die Sintflut
Sodom und Gomorra
………………
der Weg Balaams
………………

Israel in der Wüste
die gefallenen Engel
………………
Sodom und Gomorra
der Weg Kains
der Irrtum Balaams
der Widerspruch Korahs

In den folgenden Punkten werden einige wichtige Informationen über den Brief kurz zusammengefasst:

1) Gruppe: die allgemeinen Briefe (die Irrlehre-Briefe)

2) Datum der Niederschrift. ca. 65/67 n.Chr. (wahrscheinlich liegt zwischen dem Judasbrief und dem 2.Petrusbrief nur eine kurze Zeitspanne)

3) Hintergrund: unbekannt, vielleicht die Gemeinde in Jerusalem (Apg.1-12)

4) Leserschaft: unbekannt, vielleicht dieselbe wie bei dem 2.Petrusbrief bzw. 1.Petrusbrief

5) Absicht: Ermahnung, „für den einmal den Heiligen überlieferten Glauben zu kämpfen“ gegen die Irrlehrer, die sich „nebeneingeschlichen“ haben. (3-4)

6) Schlüsselwort:„bewahrt“
3 mal für die Gläubigen – Vers 2, 21, 24
3 mal für die Gottlosen – Verse 6 (2x), 13

7) Schlüsselvers: „Dem aber, der euch ohne Straucheln zu bewahren und vor seiner Herrlichkeit tadellos darzustellen vermag mit Frohlocken, dem alleinigen Gott, unserem Heilande, durch Jesum Christum, unseren Herrn, sei Herrlichkeit, Majestät, Macht und Gewalt vor aller Zeit und Ewigkeit! Amen.“ (V.24-25)

8) Merkmale:

a) die Verwendung des AT
als Beispiel, um die Gläubigen zu warnen

um das Wesen der Irrlehrer zu offenbaren

b) die Verwendung der Apokryphen und der Pseudepigraphen
In den Versen 9, 14 und 15 nimmt Judas Bezug auf Begebenheiten, die in den Büchern der Apokryphen und in der Pseudepigrapha-Literatur vorkommen. Die zwei Bücher sind „Die Himmelfahrt Mose“ und „Das Buch Henoch“. Die Tatsache, dass Judas diese Bücher verwendete, bedeutet jedoch nicht, dass er sie als göttlich inspirierte Schrift anerkannte. Paulus hatte auch Quellen verwendet, welche nicht im Kanon der Heiligen Schrift enthalten waren (siehe Apg.17,28; Titus 1,12).

9) Unterteilung des Judasbriefes
Es geht im die Bewahrung vor Irrlehren und den Kampf um den Glauben.

Karte 92 - Die Unterteilung des Judasbriefes

V.1 – 2

V. 3 – 4

V. 5 – 16

V. 17 – 23

V. 24 - 25

EINLEITUNG

ERMUNTERUNG

BEISPIEL

ERMAHNUNG

SCHLUSSWORT

eine Begrüßung

eine Verteidigung des Glaubens

eine Abweichung vom Glauben

ein Fortschritt im Glauben

ein Lobpreis



EINTEILUNG DES JUDASBRIEFES

HAUPTGEDANKE:

JESUS CHRISTUS, UNSER BEWAHRER – WANDLE OHNE STRAUCHELN


1) EINLEITUNG: EINE BEGRÜSSUNG 1 - 2

2) ERMUNTERUNG: EINE VERTEIDIGUNG DES GLAUBENS 3 - 4

3) BEISPIEL: EINE ABWEICHUNG VOM GLAUBEN 5 - 16

4) ERMAHNUNG: EIN FORTSCHRITT IM GLAUBEN 17 - 23

5) SCHLUSSWORT: EIN LOBPREIS GOTTES 24 - 25

So wie viele andere Briefe des NT ist auch dieser kurze Brief von großen Gegensätzen gekennzeichnet:

entweder

oder

Kämpfen für den Glauben ……

den heimlich eingeschlichenen Irrlehrern erliegen

Bewahrt werden vor dem Straucheln ……

bewahrt zum Gericht des großen Tages

Bewahrt werden für Jesus Christus ……

bewahrt für das Dunkel der Finsternis in Ewigkeit

Erbauung im allerheiligsten Glauben ……

Spaltungen verursachen durch irdische (wörtl. seelische) Gesinnung

Im Heiligen Geist beten und in der Liebe Gottes bewahrt werden ……

spotten ohne Geist und in eigenen Lüsten der Gottlosigkeit wandeln

1) EINLEITUNG: EINE BEGRÜSSUNG 1 - 2

Judas stellt sich als Bruder des Jakobus vor und ist als solcher ein leiblicher Bruder des Herrn Jesus (siehe Matth.13,55 und Mrk.6,3). Doch er hebt nicht diese menschliche Beziehung hervor, sondern betont die geistliche Beziehung: „Judas, Knecht Jesu Christi“.

2) ERMUNTERUNG: EINE VERTEIDIGUNG DES GLAUBENS 3 - 4

Der Grund für das Schreiben des Briefes wird klar erwähnt. Vier Merkmale der Irrlehrer werden bekannt gegeben (wobei Ähnlichkeiten zu der Beschreibung im 2.Petrusbrief festzustellen sind):

3) BEISPIEL: EINE ABWEICHUNG VOM GLAUBEN 5 - 16

Bevor Judas die Irrlehrer oder „Träumer“ (V.8) erwähnt, führt er noch drei Begebenheiten an, bei denen Gottes Gericht über Gottlose erging:

Wiederum werde drei Aspekte erwähnt, welche den Weg der Irrlehrer beschreiben (V.11):

Um die Verurteilung noch zu verstärken, wendet sich Judas nun von biblischen Bildern weg und nimmt Bilder aus der Natur zu Hilfe. Vier Bilder werden hier erwähnt:

Vers 12-13:

  1. Wolken ohne Wasser, von Winden hingetrieben
  2. spätherbstliche Bäume, fruchtleer
  3. wilde Meereswogen, die ihre eigenen Schändlichkeiten ausschäumen
  4. Irrsterne, denen das Dunkel der Finsternis….

Letztlich beschreibt Judas nochmals die Irrlehre, indem er ihr drei Eigenschaften zuschreibt:

Vers 16:

  1. Murrende, mit ihrem Lose Unzufriedene
  2. nach ihren Lüsten wandeln
  3. ihr Mund redet stolze Worte
  4. Vorteils halber bewundern die Personen

4) ERMAHNUNG: EIN FORTSCHRITT IM GLAUBEN 17 - 23

„Ihr aber, Geliebte…“ (V.17) – Nun kommt eine Ermahnung an die Gläubigen angesichts der Sünde der Irrlehrer. Judas verwendet in V.18 fast dieselben Worte wie Petrus in 2.Petr.3,3. In den V.20-23 gibt er wichtige Hinweise für die Gläubigen in der Endzeit:

„euch selbst erbauend auf einen allerheiligsten Glauben“ WIE ? „betend im Heiligen Geist“
„erhaltet euch selbst in der Liebe Gottes“ WIE ? „die Barmherzigkeit unseres Herrn Jesus Christus erwartet zum ewigen Leben“

Irrlehrer, Spötter, Lästerer und Streitsüchtige sollte die Gemeinde zurechtweisen. Andere, welche auf Irrwegen gehen, sollten die Gläubigen zu retten versuchen.

5) SCHLUSSWORT: EIN LOBPREIS GOTTES 24 - 25

Judas schließt diesen kurzen Brief mit einer der gewaltigsten Lobpreisungen im NT. Unter anderem spricht er von Gott als Heiland. Dieser Titel wird im NT üblicherweise Jesus Christus gegeben (insgesamt 15 mal); doch sieben mal wird auch Gott im NT als Heiland bezeichnet:

  1. „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist hat frohlocket in Gott, meinem Heilande“ (Luk.1,47)
  2. „Paulus, Apostel Jesu Christi, nach Befehl Gottes, unseres Heilandes“ (1.Tim.1,1)
  3. „Denn dieses ist gut und angenehm vor unserem Heiland-Gott…“ (1.Tim.2,3)
  4. „Zu seiner Zeit aber sein Wort geoffenbart hat durch die Predigt, die mir anvertraut worden ist nach Befehl unseres Heiland-Gottes…“ (Tit.1,3)
  5. „auf dass sie die Lehre, die unseres Heiland-Gottes ist, zieren in allem.“ (Tit.2,10)
  6. „als aber die Güte und die Menschenliebe unseres Heiland-Gottes erschien…“ (Tit.3,4)
  7. „…dem alleinigen Gott, unserem Heilande, durch Jesum Christum, unseren Herrn…“ (Judas 25).

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