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DAS BUCH DER OFFENBARUNG 1 - 6

TEIL 44

HAUSAUFGABE

BIBEL: Offenbarung 1- 22 zügig durchlesen. WICHTIG dabei ist, während des Durchlesens jedes Mal zu vermerken, wenn der Ausdruck „das Lamm“ vorkommt, UND das Buch in vier Teile zu unterteilen:

1. Kapitel 1 - 3
2. Kapitel 4 – 16
3. Kapitel 17 – 20
4. Kapitel 21 - 22

FRAGEN ZUM NACHDENKEN:Aufgrund des umfangreichen Lesestoffes gibt es keine „Fragen zum Nachdenken“.

UNTERLAGEN: NT-Teil 44 aufmerksam durchlesen


DAS BUCH DER OFFENBARUNG

  1. Gruppe: die „apokalyptischen“ Schriften
  2. Datum der Niederschrift. ca. 90 – 100 n.Chr. auf der Insel Patmos
  3. Hintergrund: die Gemeinde in Ephesus und Asien (Apg.18,19-21; 19,1-41; 1.+2.Tim.)
  4. Leserschaft: die sieben Gemeinden in Asien (siehe Karte 99)

Karte 99 - die sieben Gemeinden in Asien

  1. Absicht:

    a) die verfolgten Gläubigen zu ermutigen und zu trösten
    b) eine Übersicht zu vermitteln in Bezug auf das göttliche Programm für die Welt, im besonderen für die Endzeit
  1. Schlüsselwort: „im Geiste“ (1,10; 4,2; 17,3; 21,10)
  2. Schlüsselvers: „Schreibe nun was du gesehen hast, und was ist, und was nach diesem geschehen wird.“ (1,19)
  3. Unterteilung der Offenbarung: Nimmt man die vier Gesichte als Grundgerüst für die Unterteilung, dann ergibt sich folgendes Bild:

Karte 100 - Die Unterteilung der Offenbarung

GESICHT 1

GESICHT 2

GESICHT 3

GESICHT 4

„im Geiste“
(1,10)

„im Geiste“
(4,2)

„im Geiste“
(17,3)

„im Geiste“
(21,10)

1,1-8

1,9 – 3,22

4 – 16

17,1 – 21,8

21,9 – 22,5

22,6 – 21

EINLEITUNG

CHRISTUS, DER HERR, und DIE GEMEINDE

CHRISTUS, DAS LAMM, und DAS GERICHT ÜBER DIE ERDE

CHRISTUS, DAS WORT GOTTES, und DIE FEINDE GOTTES

CHRISTUS, DER BRÄUTIGAM, und DIE GEMEINDE, SEINE BRAUT

SCHLUSS-WORT

EINTEILUNG DER OFFENBARUNG

HAUPTGEDANKE:

DIE WIEDERKUNFT JESU CHRISTI–
„UND DER GEIST UND DIE BRAUT SAGEN: KOMM!
UND WER ES HÖRT, SPRECHE: KOMM!“ (Offb.22,17)



1) EINLEITUNG 1,1 - 8

2) DAS ERSTE GESICHT: CHRISTUS, DER HERR, UND DIE GEMEINDE (1,9 – 3,22)

„im Geiste“ (1,10)

a) die Herrlichkeit Christi geoffenbart (1,9 - 20)
b) die sieben Sendschreiben an die Gemeinden in Asien (2,1 – 3,22)

3) DAS ZWEITE GESICHT: CHRISTUS, DAS LAMM, UND DAS GERICHT ÜBER DIE ERDE (4,1 – 16,21)

„im Geiste“ (4,2)

a) der Thron im Himmel (4,1 – 11)
b) das Lamm und das versiegelte Buch (5,1 – 14)
c) die sieben Siegel geöffnet (6,1 – 8,5)

Einschub: 144.000 versiegelt (7,1-8)
die große Volksmenge (7,9-17)

d) die sieben Posaunen geblasen (8,6 – 11,19)

Einschub: das kleine Buch (10,1-11)
der Tempel (11,1-2)
die zwei Zeugen (11,3-13)

e) der große rote Drache (12,1 – 17)
f) das Tier vom Meere (13,1 – 10)
g) das Tier von der Erde (13,11 – 18)

Einschub: die 144.000 (14,1-5)
Botschaft der Engel (14,6-20)

h) die sieben Schalen ausgegossen (15,1 – 16,21)

4) DAS DRITTE GESICHT: CHRISTUS, DAS WORT GOTTES, UND DIE FEINDE GOTTES (17,1 – 21,8)

„im Geiste“ (17,3)

a) der Fall von Babel (17,1 – 18,24)

Einschub: Freude im Himmel (19,1-10)
Christus geoffenbart (19,11-16)

b) das Tier besiegt (19,17 – 21)
c) Satan gebunden (20,1 – 3)

Einschub: das Tausendjährige Reich (20,4-6)

d) die letzte Rebellion und das letzte Gericht (20,7 – 15)
e) der neue Himmel und die neue Erde (21,1 – 8)

5) DAS VIERTE GESICHT: CHRISTUS, DER BRÄUTIGAM, UND DIE GEMEINDE, (21,9 – 22,5) SEINE BRAUT

„im Geiste“ (21,10)

a) das „Neue Jerusalem“ beschrieben (21,1 – 21)
b) das „Neue Jerusalem“ und die Erde (21,22 – 27)
c) das „Neue Jerusalem“ und das neue Leben (22,1 – 5)

6) SCHLUSSWORT 22,6 - 21

1) EINLEITUNG 1,1 - 8

Jesus Christus empfängt von seinem Vater eine Offenbarung, welche er wiederum an seinen Knecht Johannes weitergibt. Man kann wohl sagen, dass Johannes der berühmteste der damals lebenden Christen war. Er brauchte nicht mehr als seinen Namen zu erwähnen und jeder wusste, wer er war.

Diese Offenbarung kommt nicht nur von der höchsten menschlichen Autorität, sondern es steht auch die ganze göttliche Autorität dahinter. Das Lesen und das Studium dieses Buches ist mit einem geistlichen Segen von dem Herrn verbunden (V.3)

Die sieben Versammlungen in Asien waren die Empfänger dieses Briefes. „Gnade euch und Friede (V.4) von der ganzen Dreieinigkeit:
dem Vater – „von dem , der da ist und der da war und der da kommt“
dem Heiligen Geist – „von den sieben Geistern, die vor seinem Thron sind“
In der Offenbarung wird die Zahl sieben 54 mal erwähnt. Auch im Zusammenhang mit dem Heiligen Geist kommt diese Zahl der Vollkommenheit vor. In Jes.11,1-3 wird ein möglicher Hinweis gegeben auf den Geist in seiner siebenfachen Aufgabe.
dem Sohn – „von Jesus Christus“
Es folgen drei verschiedene Bezeichnungen für den Herrn (V.5)
der treue Zeuge: er allein ist berechtigt, Zeugnis über die Wahrheit abzulegen
der Erstgeborene der Toten: wahrscheinlich eine Erinnerung an Kol.1,18, wo Christus „der Erstgeborene aus den Toten“ genannt wird. Im Zusammenhang des Kolosserbriefes bedeutet dies, dass er der Beginn der neuen Schöpfung ist.
der Fürst der Könige der Erde: hier wird von seiner absoluten Autorität über das Geschehen auf der Erde gesprochen. In den kommenden Kapiteln wird dargelegt, dass auch Satan seine Macht und seinen Plan durch die Könige der Erde auszuführen vermag. Trotz alledem bleibt aber Jesus Christus der Fürst über diesen Königen.

2) DAS ERSTE GESICHT: CHRISTUS, DER HERR, 1,9 - 3,22

UND DIE GEMEINDE

a) die Herrlichkeit Christi geoffenbart (1,9 - 20)
b) die sieben Sendschreiben an die Gemeinde in Asien (2,1 – 3,22)

ad a) die Herrlichkeit Christi geoffenbart (1,9-20)
Der Apostel befand sich an dem Tag des Herrn „im Geiste“ (1,10)

In diesem ersten Gesicht war Johannes überwältigt von der Erscheinung der Herrlichkeit Christi, dem Herrn über Tod und Leben (1,18). Er war jener Jünger, der bei dem letzten Abendmahl sein Haupt auf die Brust Jesu gelegt hatte. Er war jener Jünger, „den der Herr liebte“, doch als er seinen auferstandenen, verherrlichten Herrn sah, fiel er nieder „zu seinen Füßen wie tot“ (1,17).

ad b) die sieben Sendschreiben an die Gemeinde in Asien (2,1-3,22)
Jeder Brief, den der Herr an die örtlichen Gemeinden sandte, hatte zuallererst Bedeutung für die jeweilige Lage dieser bestimmten Gemeinde, und dann noch eine allgemeine Bedeutung für alle Christen, welche sich in ähnlichen Umständen befinden. Der Herr verurteilte alle Gemeinden, außer Smyrna und Philadelphia. Der Herr lobte alle Gemeinden, außer Sardes und Laodicäa (siehe Karte 101)

Karte 101 - Ein Vergleich der sieben Sendschreiben

Bevor man nun die Sendschreiben näher betrachtet, ist es gut sich darüber im klaren zu sein, dass das Buch der Offenbarung voll von Symbolen ist. Diese sieben Sendschreiben richtete Gott nicht nur an die damals existierenden örtlichen Gemeinden, sondern sie stehen auch stellvertretend für die Entwicklung der Gemeinde Jesu Christi durch die Jahrhunderte hindurch:

Ephesus: die geistlich kraftvolle Urgemeinde des ersten Jahrhunderts

Smyrna: die Märtyrer-Gemeinde des zweiten und dritten Jahrhunderts unter der Verfolgung der römischen Herrscher

Pergamus: die korrupte Kompromiss-Gemeinde durch die Vereinigung von Staat und Kirche unter Konstantin. Der Einfluss der Kirche in weltlichen und politischen Angelegenheiten stieg im vierten und fünften Jahrhundert.

Thyatira: die finstere Zeit der Kirche Roms vom sechsten bis in das fünfzehnten Jahrhundert. Diese Kirche und ihre Betonung wird bis zur Wiederkunft Jesu bleiben.

Sardes: Der Aufstieg des Protestantismus durch die Reformation. Doch diese starke geistliche Bewegung blieb ihren Anfängen nicht treu. Bald kam Kompromiss und geistlicher Tod. Auch diese Betonung wird bis zur Wiederkunft Jesu vorhanden sein.

Philadelphia: die Gemeinde der modernen Erweckungen und die missionarische Gemeinde des 19. und 20. Jahrhunderts

Laodicäa: die Kirche des Abfalls ab dem 20. Jahrhundert, welche Christus verleugnet und von ihm verlassen wird. Er ist draußen!

Die nachfolgende Karte 102 zeigt die Entwicklung dieser Gemeinden in der Kirchengeschichte.

Anhand dieser sieben Gemeinden kann man nicht nur eine geschichtliche Entwicklung erkennen, sondern auch eine geistliche Entwicklung, welche scheinbar harmlos begann aber doch in vollkommenem Abfall endet.

John Newton sagte einmal: “ Jede Sünde birgt in sich das Wesen des Abfalls.” Scheinbar „kleine“ Sünden entwickeln eine eigene Dynamik und wenn sie nicht aufgehalten werden, enden sie in vollkommener Trennung von Gott.

Ephesus (2,1 - 7)

Die Gemeinde in Ephesus wurde von Paulus gegründet, als dieser die Stadt besuchte, wie in Apg.19 berichtet wird. Nach sehr bescheidenen Anfängen ist die Gemeinde so gewaltig gewachsen, dass von ihr aus ganz Asien evangelisiert wurde. Es ist anzunehmen, dass die sechs anderen Gemeinden von der Arbeit in Ephesus ausgehend evangelisiert und gegründet wurden (siehe Apg.19,10).

Die Gemeinde wird für ihre Fähigkeit der Unterscheidung gelobt. Sie hielt sich rein von dem Gift der falschen Apostel. Diese falschen Apostel stellten ein Problem dar, welches Paulus zeit seines Lebens immer wieder bekämpfen musste:

„Denn solche sind falsche Apostel, betrügerische Arbeiter, welche die Gestalt von Aposteln Christi annehmen. Und kein Wunder, denn der Satan selbst nimmt die Gestalt eines Engels des Lichtes an; es ist daher nichts Großes, wenn auch seine Diener die Gestalt als Diener der Gerechtigkeit annehmen, deren Ende nach ihren Werken sein wird.“ (2.Kor.11,13-15)

„…welches kein anderes ist, nur dass etliche sind, die euch verwirren und das Evangelium des Christus umkehren wollen.“ (Gal.1,7)

„Sehet auf die Hunde, sehet auf die bösen Arbeiter, sehet auf die Zerschneidung“ (Phil.3,2)

„Dies sage ich aber, auf dass niemand euch verführe durch überredende Worte.“ (Kol.2,4)

„Lasst euch von niemand auf irgendeine Weise verführen…“ (2.Thess.2,3)

„Gleicherweise aber wie Jannes und Jambres Mose widerstanden, also widerstehen auch diese der Wahrheit“ (2.Tim.3,8)

„Denn es gibt viele zügellose Schwätzer und Betrüger, besonders die aus der Beschneidung, denen man den Mund stopfen muss, welche ganze Häuser umkehren, indem sie um schändlichen Gewinnes willen lehren was sich nicht geziemt.“ (Titus 1,10-11)

Die Epheser haben gut gekämpft; noch viele Jahre danach führten sie erfolgreich einen erbitterten Kampf gegen falsche Lehre und die Vertreter derselben. Vielleicht klang ihnen noch die Warnung des Paulus (Apg.20,28-31) in den Ohren, wie er sie eindringlich vor den Gefahren der Irrlehrer innerhalb und außerhalb der Gemeinde warnte. Vielleicht erinnerten sie sich noch der vielen Tränen, welche er während seines dreijährigen Aufenthaltes bei ihnen um ihretwillen vergossen hatte.

Weiters hassten die Epheser die Nikolaiten. Grundsätzlich gibt es zwei Erklärungen für die Bedeutung dieses Wortes:

  1. Die Anhänger einer Sekte, welche einem gewissen Irrlehrer, Nikolaus, nachfolgten. Sie behaupteten zwar Christen zu sein, führten jedoch ein ausschweifendes Leben.
  2. Das Wort „Nikolaiten“ besteht aus zwei griechischen Wörtern „nikan“, bedeutet „zu überwinden“ und „laos“, bedeutet „das Volk“. Viele meinen, dass die Nikolaiten hier in Ephesus den Beginn einer priesterlichen Klasse von Gläubigen innerhalb der Gemeinde darstellten, welche sich über das „normale Volk“ erhoben. Diese Bedeutung scheint eher zu stimmen, denn in Pergamus hatten sich ihre Werke zu einer Lehre entwickelt (2,15).

Bei all ihrem Eifer, ihren Bemühungen und Werken, hatten die Epheser aber dennoch den vergessen, um den es eigentlich geht. Sie haben ihre erste Liebe verlassen! Jesus Christus will in erster Linie Gläubige, die ihn lieben, und danach Gläubige, die für ihn arbeiten. Die Epheser hatten diese Wahrheit verwechselt.

Smyrna (2,8 - 11)

Man sagte, Smyrna sei die schönste Stadt Asiens gewesen. Verschiedentlich wurde sie „die erste Stadt“, „die Schönheit Asiens“ oder „die Stadt der Kraft und Schönheit“ genannt. Gott aber sieht nicht auf das äußerliche Bild. Er sah auf das, was im Verborgenen war, nämlich einen unglaublichen Hass und die damit verbundene Verfolgung seiner Kinder.

Das Wort Smyrna kam von Myrrhe, ein wohlriechendes Gummiharz, welches aus dem Myrrhenstrauch gewonnen wurde. Es wurde zur Einbalsamierung der Toten verwendet (Joh.19,39); auch war es eines der Bestandteile des heiligen Öles in der Stiftshütte (2.Mose 30,23); Könige, der Bräutigam und die Braut verwendeten es als Duftmittel (Ps.45,8; Hohelied 3,6).

Diese leidende Gemeinde war ein Wohlgeruch für ihren Herrn. Das Leiden war von dreifacher Art (V.9):

  1. Drangsal
    - sie standen unter ungeheurem Druck; siehe, wie sich Christus dieser Gemeinde vorstellte – auch er hat solchen Druck erlebt!
  2. Armut
    - aufgrund ihres Glaubens waren sie in der reichen Stadt Smyrna die Ärmsten der Armen. Ihr Glaube brachte für sie finanzielle Einbußen.
  3. Lästerung
    - dazu kam noch, dass sie von denen, welche behaupteten Gott zu kennen, gelästert, verspottet und verhöhnt wurden.

Wie auf Karte 102 ersichtlich ist, stellt die Gemeinde in Smyrna die Zeit der Christenverfolgung dar. Sie wurden gejagt wie wilde Tiere; sie mussten sich heimlich treffen; es war die Zeit der Katakomben und des Amphitheaters, wo sie den Löwen vorgeworfen wurden. Viele fanden den Tod. Aber der Herr Jesus verspricht: „Wer überwindet, wird keinen Schaden erleiden werden von dem zweiten Tode“ (2,11).

Pergamus (2,12 - 17)

Pergamus war nicht so groß wie Ephesus oder so schön wie Smyrna, aber es war die wichtigste Stadt Asiens, da hier der Sitz der Provinzregierung war. Pergamus war eine Kulturstadt mit der zweitgrößten Bibliothek der Welt. Die Bürger waren kaisertreu und beteten viele fremde Götzen an; darunter befand sich auch der griechische Gott der Heilkunde, Asklepios, der in Schlangengestalt dargestellt wurde. Diese Gottheit wurde anlässlich einer Seuche auch in Rom übernommen, wo er als Äskulap verehrt wurde:

In Pergamus fand dieser Gott viele seiner eifrigsten Verehrer.

Jesus bezeichnete diesen Ort, wo „der Thron Satans“ situiert war. Diese Aussage bekräftigt andere Aussagen des Wortes Gottes, wonach Satans Thron sich nicht in der Hölle, sondern hier auf Erden befindet:

er ist „der Fürst der Welt“ (Joh.14,30)
er ist „der Gott dieser Welt“ (2.Kor.4,4)
er ist der Chef der „Weltbeherrscher dieser Finsternis“ (Eph.6,12)

Der Ausdruck „wo der Satan wohnt“ (V.13) bestätigt die Annahme, dass er dort wirklich zu Hause war. Das Wort ist im Griechischen „katoikeo“ und bedeutet „permanent zu wohnen“ (siehe Eph.3,17; Kol.1,19; 2,9; Matth.4,13).

Die Frage aber ist: „Warum sollte Satan seinen irdischen Wohnsitz in Pergamus aufschlagen? Warum nicht in Rom, Athen, Alexandrien, Jerusalem, Antiochien oder Ephesus? Warum ausgerechnet in dem relativ kleinen Pergamus?“ Vier Gründe können dafür vorsichtig angegeben werden:

  1. Er musste sein Hauptquartier in Pergamus aufschlagen, weil der Herr Jesus ihn dorthin befohlen hat.
  2. Er geht dorthin, wo ihn die Menschen am meisten willkommen heißen. Die Bewohner Pergamus hatten wahrscheinlich eine offene Tür für ihn.
  3. Geographisch gesehen ist Pergamus strategisch sehr günstig gelegen; genau auf allen der wichtigsten Verkehrswege durch Asien und gleichsam weit entfernt von Rom und Jerusalem. Die bösen Engel Satans hatten somit einen strategisch günstigen Ort, von wo aus sie alle wichtigen Gemeinden des ersten Jahrhunderts erreichen konnten.
  4. Er wählte Pergamus gemäß geistlicher Prinzipien, welche die falsche Gottesanbetung betreffen. Das Zentrum aller falschen Religion war Babel. Von dort aus entwickelte sich ein System der falschen Religion, die so genannte Anbetung der Mutter und des Kindes, welche von Babel aus bald die ganze Welt erfasste:


Früh in der Entwicklung dieses satanischen Systems der Mutter-Kind-Anbetung kam eine Priesterschaft hervor, welche sich als Vermittler zwischen Gott und den Menschen verstand. Der Hohepriester dieser elitären Priesterklasse trug den Namen „der größte oder Hauptbrückenbauer“. Als Babel und seine Tempel zerstört wurden, floh der Hohepriester samt seiner Priesterschaft nach Pergamus!! In späterer Folge zogen sie weiter nach Rom:

Babel - Pergamus - Rom

Auf lateinisch hieß dann sein Name „Pontifex Maximus“, welcher auch in seine Mistra eingraviert war. Seit Augustus nahmen die römischen Kaiser dann diesen Titel für sich in Anspruch und dies behielten alle Kaiser bis zu Gratian bei. Papst Leo I hat diesen Titel dann zum ersten Mal für das Papsttum in Anspruch genommen und er wird auch bis zum heutigen Tag von allen Päpsten getragen (abgekürzt wird er mit P.M.).

Pergamus war daher ein Ort, wo der höchste Repräsentant „der Pontifex Maximus“, der satanischen Religion, für eine Zeit seinen Sitz gehabt hatte. Kein Wunder, dass sein Auftraggeber, der Satan persönlich, auch dort wohnte!

Inmitten dieser unglaublichen Finsternis stand die kleine Gemeinde im Großen und Ganzen treu. Antipas (gr. „gegen alles“) stand gegen alle Finsternis, Unwahrheit und falsche Lehre. Für seinen kompromisslosen Stand musste er mit seinem Leben bezahlen.

Dennoch gab es bereits große Einbrüche – die Lehre Bileams und die Lehre der Nikolaiten. (Das Thema der Nikolaiten wurde bereits behandelt). Bileam wird im NT dreimal erwähnt:

der Weg Bileams (2.Petr.2,15)
der Irrtum Bileams (Judas 11)
die Lehre Bileams (Offb.2,14)

Seine Geschichte findet man in 4.Mose 24,25 – 25,5. Er wurde von Balak, dem König der Moabiter, angeheuert, um die Israeliten zu verfluchen. Das konnte er nicht tun. Weil er aber die Belohnung von Balak nicht verlieren wollte, zeigte er ihm, wie er durch List und Betrug das Volk Gottes auf eine andere Art zu Fall bringen konnte – durch Hurerei und Götzendienst. Beinahe wäre sein Plan geglückt. 24.000 Israeliten, welche sich auf diesen Trick eingelassen hatten, wurden an einem Tag von einer Plage heimgesucht.

Satans Strategie war daher von zweifacher Art:

die Lehre der Nikolaiten
(von außen)

Unterdrückung von Gottes Volk, die Regierung einer elitären Priesterklasse, welche lehrte, Zugang zu Gott wäre nur durch ihre Vermittlung möglich, usw.

die Lehre Bileams
(von innen)

Kompromiss mit der Welt, der Weg des Fleisches, großzügige Beurteilung der Sünde, usw.

Thyatira (2,18 - 29)

Thyatira war die kleinste der sieben Städte in Asien, doch an dieser Gemeinde wurde der längste Brief geschrieben. Obwohl diese Gemeinde außerordentlich fleißig war, lag ihr großes Problem darin, dass sie Jesebel duldete (2,20). Das Wort ist im Griechischen „eao“ und bedeutet „allein lassen/in Ruhe lassen“. Diese Gemeinde ließ diese falsche Prophetin schalten und walten wie sie wollte. 1.Könige 16-21 und 2.Könige 9 geben Auskunft über diese Frau. Grundsätzlich können 10 Punkte in Bezug auf diese Person festgehalten werden:

  1. Sie trug einen falschen Namen, denn Jesebel bedeutet „keusch/rein“. Wenn je jemand falsch benannt wurde, dann war es Jesebel.
  2. Sie war eine Heidin und Tochter Ethbaals, des Hohepriesters der Astarte (Baal/Astarte war eine weitere Entfaltung des satanischen Systems der Mutter-Kind-Anbetung). Jesebel war ein Feind Gottes und hatte nur die eine Absicht, das Werk Gottes zu zerstören.
  3. Sie verfolgte die Propheten Gottes und brachte sie um.
  4. Sie brachte auch Naboth um, damit sie (und ihr Mann) dessen Weinberg bekommen konnten.
  5. Über sie und ihren Mann, König Ahab, wird gesagt: „Es ist gar keiner gewesen wie Ahab, der sich verkauft hätte, um zu tun was böse ist in den Augen Jahwes, welchen Jesebel, sein Weib, anreizte.“ (1.Kön.21,25).
  6. Sie sammelte 450 Propheten des Baals und 400 Propheten der Ascherim um sich. Sie aßen alle an ihrem Tisch.
  7. Sie verführte das Volk Gottes durch die massive Einführung des Götzendienstes.
  8. Sie war eine Ehebrecherin, eine Hexe und eine falsche Prophetin (2.Kön.9,22).
  9. Sie versuchte Jehu durch äußere Verführung davon abzuhalten, den Willen Gottes zu tun. (2.Kön.9,30)
  10. Sie blieb unbußfertig bis zu ihrem fürchterlichen Ende.

Der Herr nimmt diese Frau als stellvertretendes Beispiel für ein religiöses System, welches die Gemeinde Thyatira kaputtmachen sollte.

Der Herr Jesus warnte sein Volk, von ihr, ihrer Lehre und ihrer Verführung fernzubleiben.

Sardes (3,1 – 6)

Die Stadt Sardes war einst berühmt und einflussreich. Sie stand auf einem hohen Felsen, umgeben von dicken Mauern. Doch zweimal in ihrer Geschichte wurde die Stadt eingenommen, und zwar beide Male aus demselben Grund. Die Bewohner waren von der Nichteinnehmbarkeit ihrer Stadt so überzeugt, dass sie überhaupt keine Wachposten aufstellten. Die Feinde erkletterten den Felsen, fanden einen Weg in die Stadt und nahmen sie ein. Nach der zweiten Niederlage verlor die Stadt ihre Wichtigkeit und war im Niedergang begriffen, als der Herr Jesus den Brief an die Gemeinde in dieser Stadt richtete. Das Traurige war, dass die Gemeinde der Stadt in welcher sie sich befand, in vielerlei Hinsicht ähnelte.

Der Herr Jesus gibt fünf Hinweise, wie sie zu dem wahren Weg zurückfinden könnten:

  1. „Sei wachsam!“ (V.2) – um das Bild zu gebrauchen, der Feind ist im Begriff den Felsen zu erklettern!
  2. „stärke das Übrige, das sterben will“ (V.2) – es gibt noch Hoffnung!
  3. „Gedenke nun, wie du empfangen und gehört hast“ (V.3) – es scheint, dass sie von der Lehre der Nikolaiten, Bileams oder Jesebels nicht geplagt wurden. Sie hatten doch die klare Wahrheit!
  4. „bewahre es“ (V.3) – lass die Wahrheit nicht aus!
  5. und tue Buße“ V.3)

Philadelphia (3,7 – 13)

Der Name bedeutet „die Bruderliebe“ oder „die Liebe der Brüder“. Über diese Gemeinde sagte der Herr, dass er die Schlüssel zu der Tür hat und sie wird nach seinem Willen geöffnet bzw. geschlossen. Diese Gemeinde hatte nur wenig Kraft, aber weil er die Tür offen hielt, haben sie viel erreicht! Dies ist das Bild der missionierenden Gemeinde des neunzehnten Jahrhunderts, wo die größten Missionare der Welt hinausgingen in jede Ecke dieser Erde. Bereits im 18.Jahrhundert begann der Geist Gottes die Herzen zu bewegen – Graf Zinzendorf, die morävischen Brüder, John Wesley, George Whitefield, William Carey oder Finney, Moody, Spurgeon, Hudson Taylor und so viele, viele mehr. Ihre Kraft war gering. Aber weil der Herr die Tür aufmachte, erreichten sein eine nie zuvor erreichte Evangelisation der Welt.

Laodicäa (3,14 – 22)

Die Stadt Laodicäa war ein Finanz- und Handelszentrum, berühmt für seine Medizin, vor allem für die Behandlung von Augenleiden. Die in Laodicäa hergestellte Augensalbe war weltberühmt. Wunderschöner schwarzer Stoff, zur Verarbeitung für vornehme Kleidung, wurde in dieser reichen Stadt hergestellt. Materiell gesehen hatte die Stadt wirklich alles! Diese Einstellung übertrug sich auf die Herzen der Gemeindeglieder. Sie dachten auch, sie hätten alles. Es war alles in Ordnung. Allein der Herr Jesus musste sagen, dass sie NICHTS haben! Sie waren gewohnt zu kaufen und zu verkaufen. Nun sollten sie von ihm kaufen, was sie dringend benötigten.

Zusammenfassung der Briefe

Wenn man alles zusammenstellt, dann geht klar hervor, was der Herr Jesus gelobt, was er zurückgewiesen und was er getadelt hat.

Er lobte (direkt oder indirekt):

Er tadelte bzw. wies zurück (direkt oder indirekt):

3) DAS ZWEITE GESICHT: CHRISTUS, DAS LAMM, UND DAS GERICHT ÜBER DIE ERDE (4,1 – 16,21)

Der Schlüsselausdruck „im Geiste“ kommt in 4,2 vor. Um den Ablauf des Buches zu verstehen, muss man zurückgehen zu dem Vers 1,19:

„Schreibe nun was du gesehen hast, und was ist, und was nach diesem geschehen wird.“

Hier wird der Plan des Ablaufes des Buches der Offenbarung gegeben:

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