Anwendernotizen zu Joel

Joel

Zusammenfassung zum Buch Joel
Joe 1,1-20:    Klage über die Verwüstung durch die Heuschrecken
Joe 2,1-11:    Der Tag des Herrn - Gericht über sein Volk
Joe 2,12-17:  Aufruf zur Umkehr angesichts des Tages des Herrn
Joe 2,18-27:  Die Wendung zum Segen
Joe 3,1-4,21: Der Tag des Herrn - Segen über sein Volk, Gericht über die Feinde
Fußnoten

Zusammenfassung zum Buch Joel

Der Tag des Herrn

Joel spricht vom Tag des Herrn, der über sein Volk kommt. Das ist ein Tag der Vergeltung, der Tag, an dem Gott nicht länger zusieht [1], sondern handelt. Doch auch mitten in der Gerichtsankündigung ergeht Gottes Ruf zur Buße (2,12-17). Der Prophet sieht über den Tag des Herrn, der als Züchtigung über sein Volk kommen wird, hinaus auf den Tag des Herrn, wenn er das Gericht über die Feinde seines Volkes bringen wird. An jenem Tag wird Israel gesegnet sein. Der Herr wird ihm lauter Gutes tun - wie es immer sein Plan war - denn sie werden erkennen, dass er, Jahwe, ihr Gott ist und keiner sonst (2,27; 3,17). Diese Erkenntnis ist das Ziel des Handelns Gottes mit seinem Volk, sie ist das Heil seines Volkes. Seitenanfang

Joe 1,1-20: Klage über die Verwüstung durch die Heuschrecken

Eine in ihrem Ausmaß einzigartige Heuschreckenplage wird beklagt: Die ganze Ernte ist abgefressen, Nahrung und Freude sind dahin, es bleibt nichts übrig für Speis- und Trankopfer. Menschen und Tiere leiden. Es ist ein Tag des Herrn. Der Prophet klagt und schreit zum Herrn, und er ruft auch die Priester und die übrige Bevölkerung dazu auf.

Detail

  1. Da es keine Datierung in diesem Buch gibt, sind sich die Ausleger nicht einig, in welche Zeit es einzuordnen ist; die Reihung zwischen Hosea und Amos gibt auch kein klares Indiz für die zeitliche Einordnung. Es gibt einige Anhaltspunkte für die Datierung, aber nichts, was eine eindeutige Datierung ermöglicht:
    • Es ist nur von Ältesten die Rede, nicht von einem König.
    • Tempel und Tempeldienst sind vorhanden.
    • Als Feinde Israels werden Tyrus, Sidon, Ägypten und Edom erwähnt.
    • Assyrien und Babylon werden nicht ausdrücklich erwähnt.
       
    Diese Anhaltspunkte werden meistens auf 2 Arten interpretiert:
    1. frühe Datierung: ca. 835 v. Chr., zur Zeit des jungen Königs Joas. Er wurde mit 7 Jahren König, während seiner ersten Jahre wurde Israel eigentlich nicht vom König sondern von seinen Ratgebern, vor allem dem Hohepriester Jojada regiert. Assyrien und Babylon stellten noch nicht die größte feindliche Gefahr dar.
    2. späte Datierung: ca. 400 v. Chr., nach der Rückkehr aus dem babylonischen Exil. Es gab keinen König mehr, die Blüte Assyriens und Babyloniens liegt in der Vergangenheit.
       
    Die Tatsache, dass man das Buch nicht mit Gewissheit datieren kann, tut aber dem Wert und der Botschaft keinen Abbruch.
     
  2. Es handelt sich um ein Klagelied. Gott selbst klagt (1,6-7), der Prophet klagt (1,19-20), und verschiedene Bevölkerungsgruppen werden aufgerufen zu klagen:
    1. Betrunkene, Weinsäufer (1,5)
    2. Allgemeiner Aufruf zur Klage (1,8)
    3. Bauern, Winzer (11)
    4. Priester (13,14)
       
  3. Zwei Schauplätze werden in dieser Klage beleuchtet: die Landwirtschaft und das geistliche Leben (das Haus des Herrn). Es wird mehrmals zwischen diesen beiden Schauplätzen gewechselt. Man kann das Kapitel folgendermaßen gliedern: zwei Aussagen über die ganze Nation (1-8; 15), jeweils gefolgt von abwechselnden Abschnitten über Tempel und Landwirtschaft.
    • Klage über die Nation (1,1-8)
          A) Trauer im Haus Gottes (1,9)
              B) Klage über die Landwirtschaft (1,10-12)
          A) Aufruf zur Klage im Haus Gottes (1,13-14)
    • Wehe über den nahenden Tag des Herrn (1,15)
              B) Klage über die Vernichtung der Ernte (1,16a)
          A) Trauer im Haus Gottes (1,16b)
              B) Klage über den Schaden in der Landwirtschaft (1,17-20)
       
  4. Die Pflicht geistlicher Führer in Zeiten des Abfalls (1,13-14): Es gehört zum Dienst der Priester, dass sie für das Volk in den Riss treten. Geistliche Leiter, Lehrer und Vorbilder müssen besonders in Zeiten der geistlichen Blindheit, des Abfalls und des Gerichts ihre Pflicht als Fürsprecher wahrnehmen. Das gilt auch heute. Sie werden aufgerufen,
    • sich selbst zu umgürten - d.h. nüchtern zu sein, die Gedanken nicht umherschweifen zu lassen, sondern sie auf das Wesentliche zu konzentrieren, sich zu heiligen, in der Furcht Gottes zu wandeln (1Petr 1,13-17).
    • Trauer und Betroffenheit zu zeigen über den schlimmen geistlichen Zustand des Volkes Gottes (der Gemeinde Jesu) und diese Trauer im Gebet vor Gott zu bringen (Joe 2,17).
    • die Betroffenheit über den geistlichen Zustand auch bei anderen auszulösen.
    • zuerst die Ältesten, die Reiferen, diejenigen, die mehr Verantwortung tragen, dann alle anderen zum Haus des Herrn zu versammeln, d.h. in die Gegenwart Gottes zu bringen.
    • gemeinsam mit den anderen zum Herrn zu schreien.
       
  5. In 1,15 wird eine Verbindung hergestellt zwischen der gegenwärtigen (oder jüngst vergangenen) Heuschreckenplage und dem nahenden Tag des Herrn, einem Gericht, das noch schlimmer sein wird als die fürchterliche Heuschreckenplage.
    Der Walvoord-Kommentar bemerkt zu diesem Vers:

    "Es ist verständlich, daß der Prophet die Plage als Vorzeichen eines außergewöhnlichen Ereignisses ansieht. In Ägypten war eine Heuschreckenplage (2Mo 10,1-20) den letzten beiden Plagen der Finsternis (2Mo 10,21-29; vgl. Joe 2,2) und des Todes (2Mo 11; 12,29-30) vorangegangen. Die Fluchandrohung 5. Mose spricht ebenfalls von Heuschreckenplagen (5Mo 28,38.42) in Verbindung mit Exil und Tod (5Mo 28,41.48-57.64-68)."
     
  6. Zu dir, Herr, rufe ich: Das Elend aufgrund der Heuschreckenplage bewirkt nicht nur Klagen, sondern auch den Hilfeschrei zum Herrn.

Anwendung

  1. Dies ist nur eines von vielen Klageliedern in der Bibel. Alles hat seine Zeit, auch das Klagen. Gott führt mich manchmal in Situationen, wo es angebracht ist zu trauern und zu klagen. Dies ist eine notwendige Voraussetzung für eine tiefgehende Buße.
    Jakobus fordert seine weltlich gesinnten Leser auf:

    Jak 4,9-10: Fühlt euer Elend und trauert und weint; euer Lachen verwandle sich in Traurigkeit und eure Freude in Niedergeschlagenheit! Demütigt euch vor dem Herrn! Und er wird euch erhöhen.

    Das Klagen hat die Wirkung, dass ich das (geistliche) Elend nicht ignoriere oder mich billig darüber hinwegtröste, sondern ihm ins Auge sehe. Ich betrachte es ganz genau, versuche nichts zu beschönigen - auf diese Weise kann ich das Elend wirklich fühlen. Und genau dies will Gott, damit ich von Herzen umkehre zu ihm, zu ihm um Hilfe rufe und Heilung bei ihm suche.
     
  2. Die Klage soll beide Aspekte beinhalten:
    • den Mangel an geistlicher Frucht und Freude im Herrn
    • den Mangel am Gelingen des Lebens insgesamt.
    Letztlich ist beides miteinander verwoben und kann nicht von einander getrennt werden. Wenn ich an den Folgen von Gottes Züchtigung leide, so betrifft dies mein ganzes Leben: Familie, Beruf und mein geistliches Leben.
    Die Psalmen sollen mir als Vorlage für Klage- und Bußgebete dienen, z.B. Ps 6; 32; 38; 102. In diesen Psalmen finde ich eine ähnliche Situation: Aufgrund von Sünde züchtigt Gott seinen Diener. Er klagt vor Gott über seine körperlichen und seelischen Schmerzen, und er tut Buße.
     
  3. Die Klage kann mein persönliches Leben betreffen oder das Gemeindeleben. Ps 102 ist ein Beispiel dafür, wie jemand unter dem Niedergang des Volkes Gottes leidet und es dem Herrn klagt. Auch in Neh 1 finden wir solch ein Beispiel: Nehemia erfährt den kläglichen Zustand der zurückgekehrten Juden und Jerusalems. Daraufhin weint, trauert, fastet und betet er tagelang. Die Trauer führte ihn zu einem bemerkenswerten Buß- und Fürbittegebet, das er kollektiv für Gottes Volk spricht.
    Ebenso soll auch ich trauern und beten, wenn die Gemeinde Jesu in großem Unglück und in Schmach (Neh 1,3) ist.
     
  4. Ich will selbst diese Art von "Priesterdienst" wahrnehmen, indem ich
    • nüchtern bleibe, die geistliche Lage ernst nehme,
    • ein ernster, inbrünstiger Beter und Mahner werde und
    • andere mitziehe, hinein in das Bußgebet.
    Dazu ist es notwendig, dass ich zuerst selbst von Herzen Buße tue.
     
  5. Wenn ich Gottes züchtigende Hand spüre, soll mich das an den Tag des Herrn erinnern, der in Feuer geoffenbart wird und an dem meine Werke geprüft werden (1Kor 3,12-15). Der Gedanke, dass ich dort Schaden leiden werde, wenn ich schlecht gebaut habe, soll mich mit Furcht vor dem Herrn erfüllen. 
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Joe 2,1-11: Der Tag des Herrn - Gericht über sein Volk

In der Bildersprache der Heuschreckenplage beschreibt der Prophet den großen und furchtbaren Tag des Herrn, den er über sein Volk bringt - wer wird ihn ertragen?

Detail

  1. Wenn man diesen Abschnitt liest, weiß man nicht recht, ob es sich um die Beschreibung einer gewaltigen Heuschreckenplage handelt oder um ein Kriegsheer. Die Sprache scheint Heuschrecken zu beschreiben, aber es geht wohl nicht um die Heuschreckenplage aus Kapitel 1, denn das in Kapitel 2 beschriebene drohende Gericht wird ja abgewendet (2,18-10). Außerdem ist dieses Gericht noch verheerender als das in Kapitel 1.
    2,20 deutet darauf hin, dass es sich nicht um Tiere, sondern um menschliche Angreifer handelt: Gott bestraft den angreifenden Feind für sein Großtun (2,20).
     
  2. Ob es nun Heuschrecken oder feindliche Krieger sind - es sind Gottes Gerichtsvollstrecker, denn es ist der Tag des Herrn, der Tag der Abrechnung, der Tag, an dem er nicht länger zusieht, sondern in Gerechtigkeit handelt, der Tag, an dem er seine Heiligkeit und Herrlichkeit verteidigt. Das bewirkt ein Beben und Zittern unter allen Bewohnern des Landes, denn der Tag des Herrn ist sehr furchtbar. Wer kann ihn ertragen? Vgl. Nah 1,6; Mal 3,2.

Anwendung

  1. Ist der Gott des Alten Testaments, der solch furchtbares Gericht über sein Volk übte bzw. androhte ein anderer als mein Gott? Nein, denn auch unser Gott ist ein verzehrendes Feuer (Hebr 12,29):

    Hebr 12,25-29 Seht zu, daß ihr den nicht abweist, der da redet! Denn wenn jene nicht entkamen, die den abwiesen, der auf Erden die göttlichen Weisungen gab: wieviel mehr wir nicht, wenn wir uns von dem abwenden, der von den Himmeln her redet! Dessen Stimme erschütterte damals die Erde; jetzt aber hat er verheißen und gesagt: «Noch einmal werde ich nicht nur die Erde bewegen, sondern auch den Himmel.» Aber das «noch einmal» deutet die Verwandlung der Dinge an, die als geschaffene erschüttert werden, damit die unerschütterlichen bleiben. Deshalb laßt uns, da wir ein unerschütterliches Reich empfangen, dankbar sein, wodurch wir Gott wohlgefällig dienen mit Scheu und Furcht! Denn auch unser Gott «ist ein verzehrendes Feuer».

    Es ist ein wunderbares Vorrecht, dass ich Gott als sein Kind im Neuen Bund so nahe kommen darf, aber ich darf nicht vergessen, mit wem ich es zu tun habe - es ist derselbe heilige Gott wie im Alten Testament, der ohne Ansehen der Person richtet:

    1Petr 1,17 Und wenn ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person nach eines jeden Werk richtet, so wandelt die Zeit eurer Fremdlingschaft in Furcht!

    Herr, lehre mich, mein irdisches Leben als Wandel in der Fremdlingschaft zu betrachten und diesen Wandel in Furcht vor dir zu führen. Lass mich verstehen, was es heißt, mein Heil mit Furcht und Zittern zu bewirken (Phil 2,12). Vergib mir, dass ich so wenig Sinn für deine Heiligkeit und für deine furchtbaren Gerichte habe.
      
  2. Ich danke dir Herr, dass ich an deinem Tag nicht vergehen muss, sondern bestehen darf, weil ich auf Christus vertraue. Selbst wenn vieles, was ich gebaut habe, verbrennen wird, so bleibt doch das Fundament, Christus, bestehen.
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Joe 2,12-17: Aufruf zur Umkehr angesichts des Tages des Herrn

Gott ruft sein Volk zu einer tiefgreifenden Umkehr auf. So kann des verheerenden Gericht vielleicht noch aufgehalten werden, denn er ist gnädig, barmherzig und langsam zum Zorn. Das ganze Volk soll sich versammeln und trauernd Buße tun, die Priester sollen an Gottes Erbarmen und an seine Ehre appellieren.

Detail

  1. Unmittelbar nach den furchtbaren und konkreten Gerichtsankündigungen, fordert er, der Richter selbst, sein Volk auf, sein gnädiges Angesicht zu suchen. Er ist langmütig und groß an Güte. Alles was er will ist eine Umkehr von ganzem Herzen. Alles andere muss zurücktreten, selbst die Freude der Braut und des Bräutigams. Tiefe Sündenerkenntnis, Trauer und Fasten sind angebracht. Wer sich so vor Gott demütigt, darf auf Gottes große Gnade hoffen. Man spürt, wie Gottes Drohen und Züchtigung nur dem einen Zweck dient: sein Volk zur Einsicht, zur Umkehr, zum Segen zu führen.
     
  2. In diesem Abschnitt betont Gott selbst seine Gnade und Barmherzigkeit:
    • Denn er ist gnädig und barmherzig, langsam zum Zorn und groß an Gnade, und läßt sich das Unheil gereuen. (2,13)
    • Die Priester, die Diener des HERRN, sollen ... sagen: HERR, blicke mitleidig auf dein Volk ... (2,17)
    Besonders 2,13 erinnert an die Selbstbeschreibung Gottes in 2Mo 34,6-7:

    Und der HERR ging vor seinem Angesicht vorüber und rief: Jahwe, Jahwe, Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und reich an Gnade und Treue, der Gnade bewahrt an Tausenden von Generationen, der Schuld, Vergehen und Sünde vergibt, aber keineswegs ungestraft läßt, sondern die Schuld der Väter heimsucht an den Kindern und Kindeskindern, an der dritten und vierten Generation. 

    Diese Charakterzüge Gottes waren seinem Volk bekannt (Ps 103,8; 145,8), selbst Jona kannte sie genau, obwohl er sie in Bezug auf Ninive missbilligte (Jon 4,2).
     
  3. Die ganze Gemeinde soll im Rahmen einer heiligen Versammlung Buße tun: Älteste, Kinder, Säuglinge, Bräutigam, Braut. Es handelt sich aus Gottes Sicht offenbar um eine Sache von äußerster Wichtigkeit, bei der es besonders auf die Einheit und Ernsthaftigkeit (Fasten und Weinen von Herzen) ankommt.
     

  4. Die Priester sollen weinen und für das Volk eintreten, indem sie sich auf Gottes Mitleid und auf seine Ehre berufen, die er untrennbar mit seinem Volk verknüpft hat. Daraus können wir viel über kollektive Buße und Fürbitte lernen. Auch Mose, Daniel und andere Diener Gottes beteten nach diesen Prinzipien für Gottes Volk:

    1. Ernsthaftigkeit, Trauer (Neh 9,1; Dan 9,3)
    2. Sündenbekenntnis
    3. Appell an Gottes Erbarmen (Neh 9,17.31; Dan 9,9.18)
    4. Erinnerung an die Ehre des Namens Gottes, der mit seinem Volk verbunden ist (2Mo 32,11-14; Dan 9,19)

Anwendung

  1. Ich danke Gott, dass er so langmütig und gnädig ist, dass er seine Züchtigung - auch bei mir - so lang als möglich zurückhält, und auf herzliche Umkehr wartet.
     
  2. Herr vergib mir, dass meine Umkehr und Demütigung vor dir oft nicht tief genug geht. Selten bin ich bereit, alle Freuden und Ablenkungen beiseite zu legen, um mein Herz vor dir zu zerreißen. Hilf mir, mein Gott, dass ich den würdigen Ernst finde, dass ich die angebrachte Trauer finde, um zu dir umzukehren, wo es notwendig ist.
     
  3. Danke Herr, dass du deinen heiligen Namen an mich gebunden hast. Ich bin dein Kind und du bist mein Vater. Danke, dass du zu dieser deiner Entscheidung stehst und mich um deines Namens willen ans Ziel bringen wirst.
     
  4. Ich will für Geschwister und für die Gemeinde insgesamt vor dem Herrn eintreten, indem ich an seine Verheißungen appelliere: Christus hat sich nicht geschämt, uns Brüder zu nennen. Wir sind nun einmal von seinem Samen, und so möge Gott helfen, dass wir seinem Namen nicht Schande sondern Ehre bereiten. Da er das Wollen und das Vollbringen schafft (Phil 2,13), darf ich ihn bitten, dass er seine Gemeinde heiligt, baut, stärkt, segnet - zur Ehre seines Namens.
     
  5. Es gibt auch Situationen in der Gemeinde, wo wir möglichst als ganze Gemeinde - ohne Ausnahmen - in Eintracht und Ernsthaftigkeit vor den Herrn treten, Buße tun und um Vergebung und Wiederherstellung beten. Allerdings haben einige die besondere Verantwortung, auf solch eine Versammlung vorzubereiten und sie einzuberufen. 
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Joe 2,18-27: Die Wendung zum Segen

Der Herr erhört das Bußgebet des Volkes, das an die Ehre seines Namens appelliert. Der Eifer und das Mitleid Gottes sind es, durch die sein Volk von den Feinden gerettet und mit Gutem gesättigt werden. Auch die Tier- und Pflanzenwelt atmet auf, wenn Gott sein Volk segnet und den Schaden wiedergutmacht, den er ihnen durch die Züchtigung zugefügt hat. Dann werden sie ihm danken für seine wunderbaren Taten, und werden nicht mehr beschämt werden, denn sie haben dann endlich erkannt, dass er allein ihr Gott ist.

Detail

  1. Der Herr eiferte für sein Land
    Der Herr erhört die Gebete, denn er ist ein liebender und ein eifernder Gott; er lässt es nicht zu, dass Schande über seinen Namen kommt. Das bedeutet auch, dass er nicht zulässt, dass Schande über sein Volk kommt - jedenfalls nicht in einem endgültigen Sinn. Immer wieder wurde sein Volk beschämt, weil sie sich von ihm abgewandt hatten. Aber durch Gottes Erziehung wird es letztlich zur Ehre Gottes dienen, und alle Schande und alle Verhöhnung werden dahin sein.
     
  2. Er hatte Mitleid mit seinem Volk
    Gott lässt sich erbitten, denn er ist ein Gott der Barmherzigkeit. Er ist nicht kalt oder hart gegenüber seinem Volk, selbst wenn er es immer wieder züchtigt. Wenn er sieht, dass aufrichtige Umkehr da ist, so vergibt er und segnet sein Volk.
     
  3. Die Segensverheißung Gottes an sein Volk:
    • er sendet Nahrung - körperliche Grundbedürfnisse, Wohlergehen, Freude
    • er lässt sie nicht verhöhnt werden - Wiederherstellung vor den Augen der Umwelt
    • er vernichtet den angreifenden Feind - Schutz vor Gefahr
       
  4. Jubelt und freut euch im Herrn, eurem Gott
    Mehrere Gründe für die Freude im Herrn werden aufgezählt:
    • er gibt Früh- und Spätregen
    • es wird Fülle an Nahrung geben
    • er wird den Schaden durch die Züchtigung wieder gutmachen
    • sie werden nie mehr zuschanden werden
    • sie werden erkennen, dass der Herr in Israels Mitte ist
    • sie werden erkennen, dass er der einzige Gott ist
       
  5. Und ich werde euch die Jahre wiedererstatten
    Der Herr schlägt und heilt (Hi 5,18; 5Mo 32,39; Ps 147,3; Jes 30,26). Er macht sogar den Schaden und die verlorene Zeit der Züchtigung wieder gut. Seine Schläge für sein Volk waren nur zum Guten, damit er es heilen und segnen kann.
     
  6. Und ihr werdet erkennen ...
    Vers 27 bildet den krönenden Abschluss dieses Abschnitts. Hier sehen wir das Ziel von Gottes (mitunter hartem) Handeln mit seinem Volk: dass sie das erkennen, was ein Mensch erkennen muss, um glücklich werden zu können:
    • dass der Herr in der Mitte seines Volkes ist
    • dass der Herr ihr Gott ist und keiner sonst

    Dies ist von Anfang an die Verheißung Gottes an sein Volk, und sie wird oft wiederholt:

    3Mo 26,12 Und ich werde in eurer Mitte leben und werde euer Gott sein, und ihr werdet mein Volk sein.


    Siehe auch Hes 20,42.44; 28,26; 34,27.30.

Anwendung

  1. Der Herr wird mein Gebet für die Gemeinde erhören, in dem ich ihn erinnere, dass es nicht nur um Menschen sondern um die Ehre seines Namens geht, dass sein Eifer und Erbarmen zur Heiligung seiner Gemeinde notwendig sind. Das ist eine Verheißung, die mir Vertrauen gibt.
     
  2. Danke Herr, dass du meine ganze Umgebung in deiner mächtigen Hand hast und dass sich dir nichts in den Weg stellen kann, wenn du segnen willst.
     
  3. Danke Herr, dass du sogar die Wunden deiner Züchtigung heilst, die ich selbst durch meine Widerspenstigkeit heraufbeschworen habe; danke, dass du alles gut machst.
     
  4. Danke Herr, dass du auch mir eines Tages den vollkommen klaren Blick für deine Taten, für deine Größe, für deine Einzigartigkeit geben wirst. Deine Gnade, die mich nicht loslässt, wird dies wirken.
     
  5. Ich will nicht versuchen, den Hunger meiner Seele mit den Freuden dieser Welt zu stillen, sondern mit dem Wachsen in der Erkenntnis Gottes. Nach ihm allein soll meine Sehnsucht sein, denn darin liegt mein Leben und Erfolg. Wenn ich an ihm vorbei lebe, ist das Ende meines Weges Schande.
     
  6. Bei allem, was Gott mir an Angenehmem oder Unangenehmem begegnen lässt, hat er nur ein Ziel: Dass ich erkenne, dass er allein mein Gott ist und sonst keiner; d.h. dass er derjenige ist,
  7. Deshalb will ich für Gottes Handeln dankbar sein.
    Ich will an diesem Ziel Gottes mitarbeiten, indem ich nicht auf Züchtigung warte, um ihn zu erkennen, sondern mich ihm freiwillig unterordne, ihm diene, ihn liebe, Rettung, Segen, Freude bei ihm suche und nirgends sonst.
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Joe 3,1-4,21: Der Tag des Herrn - Segen über sein Volk, Gericht über die Feinde

Bevor der große und furchtbare Tag des Herrn kommt, wird er seinen Geist über alle in seinem Volk ausgießen, und er wird große Zeichen am Himmel und auf der Erde wirken. Wer dann den Namen des Herrn anruft, wird gerettet werden.
In jenen Tagen, wenn er das Geschick seines Volkes wenden wird, wird er das Tun aller Nationen, die es misshandelt haben, auf ihren Kopf zurückbringen. Im Tal Josaphat wird er in der große Entscheidungsschlacht die Bosheit aller Nationen richten. Dann wird sein Volk erkennen, dass er der Herr, ihr Gott ist, und er wird für immer bei ihnen wohnen, sie heiligen und mit Nahrung und Wasser segnen. Aber das Feindesland wird zur Wüste werden.

Detail

  1. Und danach wird es geschehen, dass ich meinen Geist ausgießen werde über alles Fleisch
    Petrus zitiert diesen Text in Apg 2,16-21 und wendet ihn auf die Ereignisse zu Pfingsten an. Ist die Ausgießung des Geistes Gottes über alles Fleisch schon geschehen?
    William McDonald schreibt in seinem Kommentar zum Neuen Testament zu Apg 2,16-19:

    "Das Zitat aus Joel ist ein gutes Beispiel für mehrfache Erfüllung einer Prophezeiung, bei der eine Prophezeiung zu einem gewissen Zeitpunkt teilweise und zu einem späteren vollständig in Erfüllung geht.
    Der Geist Gottes wurde zu Pfingsten ausgegossen, jedoch nicht wörtlich auf alles Fleisch. Die Prophezeiung wird zum Ende der Drangsalszeit endgültig erfüllt werden. Vor der Wiederkunft Christi in Herrlichkeit wird es am Himmel 'Wunder' geben und 'Zeichen' auf der Erde (Mt 24,29.30). Der Herr Jesus Christus wird dann auf der Erde erscheinen, um seine Feinde zu besiegen und sein Königreich aufzurichten. Zu Beginn seiner tausendjährigen Herrschaft wird der Geist Gottes 'auf alles Fleisch' ausgegossen werden, sowohl auf Juden als auch Heiden, und dieser Zustand wird fast während des gesamten Tausendjährigen Reiches fortdauern. Verschiedene Merkmale des Geistbesitzes werden je nach Geschlecht, Alter oder sozialer Stellung auftreten. Es wird 'Gesichte' und 'Traumgesichte' geben, womit der Empfang von Wissen angedeutet wird, und 'Prophezeiungen', womit die Weitergabe des Wissens an andere gemeint ist. So werden die Gaben der Offenbarung für alle Menschen sichtbar. Das alles wird nach Joels Angaben 'in den letzten Tagen' geschehen (V.17). Das bezieht sich natürlich auf die letzten Tage Israels und nicht der Gemeinde."
     
  2. Der Tag des Herrn wird durch Wunderzeichen am Himmel und auf der Erde eingeleitet:
    • Blut
    • Feuer
    • Rauchsäulen
    • die Sonne wird finster werden
    • der Mond wird blutrot werden
    Siehe auch Mt 24,29; Lk 21,25; Offb 8,12; Hes 32,6-8
     
  3. der Tag des Herrn, der große und furchtbare
    Die Menschen fürchten sich vor allem Möglichen, nur nicht vor dem, was sie am meisten fürchten sollten, nämlich den Zorn Gottes, der am Tag des Herrn offenbar werden wird (Röm 1,18-23).
    Interessanterweise spricht Petrus in Apg 2,20 vom großen und herrlichen Tag des Herrn, als er diesen Joel-Text zitiert. Der Tag des Herrn offenbart ja beides: Gericht und Segen. Petrus betont durch das Prädikat herrlich den Segen, den der Tag des Herrn für diejenigen bringt, die den Namen des Herrn anrufen und Buße tun. Zeiten der Erquickung kommen vom Angesicht des Herrn über sie (Apg 3,19). Herrlich bedeutet eigentlich strahlend: Die strahlende Herrlichkeit des Herrn verzehrt letztlich alle Unreinen und segnet alle Glaubenden.
     
  4. Jeder, der den Namen des HERRN anruft, wird errettet werden
    Petrus wendet diesen Vers zu Pfingsten auf seine jüdischen Hörer an, Paulus bezieht ihn auf die Rettung von Juden und Heiden in der Gnadenzeit. Dies sind legitime Anwendungen dieses Verses, aber im ursprünglichen Zusammenhang spricht dieser Vers wohl von der zukünftigen Errettung der Juden, die während der großen Trübsal den Namen des Herrn anrufen werden.
    Unabhängig davon gilt ganz besonders heute in der Gnadenzeit diese großartige Wahrheit: Wer sich im Glauben an Jesus Christus wendet, wird gerettet werden. Damit sie glauben können, müssen Menschen aber erst einmal von Jesus hören, und damit sie von ihm hören, muss er ihnen verkündigt werden, und damit er ihnen verkündigt wird, müssen Verkündiger ausgesandt werden und sich aussenden lassen (Röm 10,13-15). Dies ist der Auftrag, den uns der Herr hinterlassen hat (Mk 16,15).
     
  5. Der Herr wird eines Tages die rebellischen Nationen zur großen Entscheidungsschlacht zusammenrufen. Der Name des Orts, wo der Herr über sie siegen und richten wird ist: das Tal Joschafat, d.h. der Herr richtet oder der Herr hat gerichtet. Die hier beschriebenen Ereignisse decken sich meinem Verständnis nach mit dem Krieg von Harmagedon (Offb 16,16), der durch die Wiederkunft Jesu mit seinen Heerscharen beendet werden wird (Offb 19,11-21). Dann wird Christus die Überlebenden aus den Nationen nach ihrem Verhalten gegenüber seinem Volk richten (Matth 25,31-46).
     
  6. Und ihr werdet erkennen, daß ich der HERR euer Gott bin
    Wie schon in 2,27 wird hier das Ziel des Handelns Gottes mit seinem Volk offenbar:
    Durch Gericht und Gnade sollen sie erkennen,
    • dass er allein ihr Gott ist,
    • dass er sich ein Volk erwählt hat, um in ihrer Mitte zu wohnen,
    • dass dies nur möglich ist, wenn er sie heiligt.
       
  7. Wenn diese Erkenntnis vorhanden ist, steht dem ewigen, überströmenden Segen Gottes nichts mehr im Weg. Solange diese Erkenntnis aber durch Versuchung und Verführung gefährdet ist, muss Gott Menschen mitunter hart anpacken, um ihnen zu zeigen, dass er allein
    • Gott,
    • das Objekt aller wahren Anbetung,
    • die Quelle aller wahren Freude ist.

Anwendung

  1. Was für ein wunderbares Vorrecht habe ich als Gotteskind des Neuen Bundes, dass ich den Vorgeschmack der großen Geistesausgießung in der Endzeit jetzt schon erleben darf! Der Geist Gottes wohnt und wirkt in mir. Vergib mir, Herr, wie wenig ich ihn wirken lasse. Ich will ein Kanal deines Geistes sein, um Gottes Wahrheiten kund zu machen.
     
  2. Gott lässt auch im Neuen Testament zu, dass seine Leute von finsteren Mächten bedrängt werden (Eph 6,12). Ich danke ihm, dass er unser Schicksal wenden, meiner und meiner Geschwister Bedrängung ein Ende setzen und mit den Peinigern ins Gericht gehen wird.
     
  3. Wenn ich irdische Herrlichkeit, Ruhm, Glanz, Reichtum, Lust sehe, die der Teufel seinen Vasallen verleihen kann, will ich nicht neidisch werden, sondern das Ende, die Wendung, die Abrechnung bedenken und Gott bitten, dass er mich vor dem Betrug der falschen Pracht und Macht bewahrt.
     
  4. Herr, ich danke dir, dass ich dich nicht als Feind erleben muss, sondern dass du mir Zuflucht bist und immer sein wirst - Beschützer, fester Grund, auf dem ich stehe.
     
  5. Herr, verwende mich als Werkzeug, um viele Menschen aus dem Lager deiner Feinde in das Lager deiner Erlösten zu bringen. Ich will ein Verkündiger sein - von dir selbst gesandt - den Namen Jesu bekannt zu machen, so dass Menschen ihn im Glauben anrufen.
     
  6. Danke Herr, dass du auch mit mir zu deinem Ziel kommst: Dass du mich völlig heiligen und mich mit dem Wasser des Lebens tränken wirst und dass ich für immer ungetrübte Gemeinschaft mit dir haben werde.
     
  7. Ich will jetzt schon
  8. D.h. das Ziel, das Gott mit mir erreichen will und wird, das will auch ich mit meiner ganzen Kraft zu erlangen suchen.
     
  9. Wenn ich den Tag des Herrn erwarte, der mit solch gewaltigen Begleiterscheinungen kommen wird und der soviel Verderben über Gottes Feinde bringen wird - was für ein heiliger und gottesfürchtiger Mann müsste ich dann eigentlich sein (2Petr 3,10-12)!

    1Petr 1,17 Und wenn ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person nach eines jeden Werk richtet, so wandelt die Zeit eurer Fremdlingschaft in Furcht!

    Vater, hilf mir, dass ich nicht vergesse, mit wem ich es zu tun habe. Du bist zwar mein gütiger himmlischer Vater, aber du bist auch derjenige, dessen strahlende Herrlichkeit eines Tages jede Unreinigkeit verzehren wird. Danke, dass ich an jenem Tag nicht vergehen muss, sondern dass ich die Gerechtigkeit des Glaubens an Jesus Christus haben darf.

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Fußnoten

[1]  Es gibt - im Gegensatz zu anderen prophetischen Büchern - nur sehr wenige und indirekte Hinweise auf die Sünden, die das Gericht Gottes über Israel heraufbeschworen:

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