Anwendernotizen zu Matthäus 1-4

Matthäus 1-4

Mt 1,1-17: Das Geschlechtsregister des Messias
Mt 1,18-25: Marias Schwangerschaft
Mt 2,1-23: Die ersten Jahre Jesu
Mt 3,1-12: Die Wegbereitung für den Messias
Mt 3,13-17: Der Beginn des Dienstes Jesu (die Taufe Jesu)
Mt 4,1-11: Die Bewährungsprobe
Mt 4,12-25: In Galiläa geht ein großes Licht auf

Mt 1,1-17: Das Geschlechtsregister des Messias

Jesus wird von David und von Abraham hergeleitet: 14 Geschlechter von Abraham bis David, 14 von David bis zur Wegführung nach Babylon, 14 von der Wegführung bis Christus.

Detail

  1. Abraham - Isaak - Jakob - Juda - Phares (Perez) - Esrom (Hezron) - Aram (Ram) - Aminadab - Nahasson (Nachschon) - Salmon - Boas - Obed - Isai - David - Salomon - Roboam (Rehabeam) - Abia (Abijam) - Asa - Josaphat - Joram - Osia (Usiah, Asarja) - Joatham (Jotham) - Achas (Ahas) - Ezekia (Hiskia) - Manasse - Amon - Josia - Jechonja (Jehojakim) - Salathiel (Schealtiel) - Zorobabel (Serubbabel) - Abiud - Eliakim - Asor - Zadok - Achim - Eliud - Eleaser - Matthan - Jakob - Josef, der Mann Marias
     
  2. Alle Geschlechter von Abraham bis David sind 14. Die aufgezählten Geschlechter von (exkl.) David bis Jechonja sind 14. Einige wurden ausgelassen: Ahasja, Joas, Amazja (zwischen Joram und Usiah). Solche Auslassungen kommen in jüdischen Geschlechtsregistern vor; z.B. Esr 7,2, wo gleich 6 Generationen ausgelassen sind. Die aufgezählten Geschlechter von (inkl.) Jechonja bis Jesus sind 14. Auch hier wurden wahrscheinlich einige ausgelassen.
     
  3. 4 Frauen sind in dem Register erwähnt: Thamar, Ruth, Uriahs Weib, Maria
    Was sie gemeinsam haben ist ihre Zielstrebigkeit im Verfolgen ihres Rechts bzw. ihrer Verheißungen. Der Herr konnte diese Eigenschaft dazu verwenden, dass sie Vorfahren des Messias wurden - obwohl Thamar und Ruth Heidinnen waren.

Anwendung

  1. So wie die Vorfahren Jesu durch Glauben und Festhalten an Verheißungen hervorstachen, sollten es auch wir, seine Nachkommen bzw. Nachfolger tun. Auch wenn die Umstände dagegen sprechen, wenn die Erfüllung der Verheißungen, wenn die ersehnte Frucht lange ausbleibt, sollen wir mit Entschiedenheit auf unserem verheißenen "Recht" bestehen (vgl. Lk 18,1-8). Mit solchen Leuten baut der Herr sein Reich, verwirklicht er seine Pläne.
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Mt 1,18-25: Marias Schwangerschaft

Maria wird in der Verlobungszeit vom Heiligen Geist schwanger. Joseph will sie heimlich verlassen, wird aber durch die Erscheinung des Engels davon abgehalten, der ihn über die Zeugung des Erretters aufklärt. Joseph nimmt daraufhin Maria als seine Frau zu sich, jedoch berührte er sie erst nach der Geburt Jesu.

Anwendung

  1. Der heilige Geist konnte Maria deshalb verwenden, weil sie und Joseph noch nicht zusammengekommen waren. Das sollte auch unseren jungen Leuten ein Vorbild sein. Es ist gerade auch in sexuellen Dingen gut, sich an Gottes Gebote zu halten. Gott segnet diesen Gehorsam. Er ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Gott Menschen verwenden kann.
     
  2. Gott hat Maria als Mutter und Joseph als Ziehvater für Jesus gewählt. Sie waren beide gottesfürchtig und im alttestamentlichen Sinn gerecht. Joseph war aber nicht gerecht im Sinne des Buchstabens des Gesetzes - sonst hätte er Maria der Schande und Strafe preisgegeben - sondern er hat den Sinn des Gesetzes verstanden und befolgt (vgl. Mt 22,37-40; Röm 13,10). Er hat auch nicht überlegt, was die Leute sagen, sondern war dem Wort Gottes durch den Engel sofort gehorsam: sowohl was die Ehe mit Maria betrifft, als auch was die Namensgebung Jesu betrifft. Selbst für den Sohn Gottes war es wichtig, in einer intakten Familie aufzuwachsen, gottesfürchtige, gerechte, liebende Eltern zu haben. Es ist für die gesunde seelische Entwicklung eines Kindes notwendig. Möge Gott uns zu solchen Eltern machen, die selbst Gott gehorsam sind und damit ihren Kindern ein Vorbild des Gehorsams sind.
     

  3. Die Jungfrauengeburt war im Alten Testament prophezeit worden. Gott erfüllt sein Wort, seinen Plan, wenn auch oft anders, als wir es verstehen wollen.
     
  4. "Er wird sein Volk erretten von seinen Sünden": Nicht nur sein Volk Israel sondern auch sein Volk aus den Nationen. Das zeigt, was wirklich das Problem der Menschen ist. Wir dürfen uns auch bei aller Not, die wir in der Welt um uns sehen - sowohl materiell als auch psychisch und physisch - nicht darüber hinwegtäuschen lassen, dass das größte Problem die Sünde ist. Davon zu erretten, ist Gottes Ziel, und das soll auch unser Ziel sein. Wir können der Welt mit sozialem Engagement letztlich nicht helfen, es sei denn, auch dieses hat die Errettung von den Sünden zum Ziel. Das kann die Welt nicht verstehen, weil sie keine Augen für die geistliche Not dieser Welt hat. Deshalb muss der Geist von Sünde, Gerechtigkeit und Gericht überführen. Wenn ein Mensch seine geistliche Not vor Gott erkennt, so ist das ein Wirken des heiligen Geistes. Lasst uns das Wort Gottes von Sünde, Gericht und Gnade in Geradheit austeilen und zu Gott beten, dass er es verwenden möge.
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Mt 2,1-23: Die ersten Jahre Jesu

Jesus wird in den Tagen des Königs Herodes in Bethlehem geboren. Weise aus Persien kommen aufgrund eines Sterns, den sie gesehen haben, nach Jerusalem, um dem neugeborenen König der Juden zu huldigen. Herodes schickt sie nach Bethlehem, wo der Messias gemäß der Schrift geboren werden soll. Sie sollen Herodes am Rückweg über das Kindlein berichten. Der Stern führt die Weisen direkt zum Haus, in dem Jesus ist. Sie huldigen ihm mit Gaben und kehren dann auf göttliche Weisung hin in ihre Heimat zurück, ohne Herodes zu berichten. Joseph geht auf göttliche Anweisung mit seiner Familie nach Ägypten. Herodes lässt in Bethlehem alle Kindlein bis zu zwei Jahren umbringen. Nach seinem Tod kehrt Joseph nach Israel zurück. Auf göttliche Weisung lässt er sich in Nazareth in Galiläa nieder.

Detail

  1. Von den Juden kommt Ablehnung gegenüber dem Messias: Für seine Geburt findet sich nur ein Stall; der König will ihn umbringen. Von den fernen Nationen kommt Anbetung für den Messias: ein Vorschatten für den späteren Umgang mit dem Messias.
     
  2. Kopfglaube ohne Herzensglauben: Herodes glaubt offenbar den Propheten; er glaubt, dass der Messias, der göttliche Erlöser geboren wurde. Aber er will ihn umbringen. Es geht ihm nur um seine eigene Macht. Welch bösartiger Größenwahn: ein menschlicher König will den Messias, den großen, von Gott gesandten König umbringen.
     
  3. Gott kann auf verschiedene Weise sprechen: durch die Propheten bzw. die Schriften, durch Träume und selbst durch Sterne. Er spricht sowohl im Voraus (durch Weissagung), als auch aktuell (in der jeweiligen Situation) zu Menschen, die Weisung brauchen. Joseph erwies sich als der göttlichen Offenbarungen würdig, denn er gehorchte immer.
     
  4. Gott führt seine Pläne durch und bewahrt seine Diener, auch wenn der Feind und von ihm gesteuerte Menschen es böse meinen.

Anwendung

  1. Wie gehen wir mit Christus um? Geben wir ihm keinen Platz in unserem Leben, wollen wir seine Königsherrschaft in unserem Leben verhindern? Oder suchen wir ihn, lassen wir es uns Zeit, Mühe und Güter kosten, ihn zu finden, ihn anzubeten?
     
  2. Verlorene und Gerettete können geistliche Wahrheiten erkennen, ohne danach zu handeln. Das ist die Art von Glaube, von der Jakobus in Jak 2,19-20 spricht. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht zu Kopfgläubigen degenerieren; das kann leicht passieren. Im Kopf vergisst man nicht mehr, dass Jesus König ist, dass er wiederkommt, dass wir ihm alles verdanken, usw., aber in der Praxis passiert es leicht, dass wir leben, als glaubten wir diese Dinge nicht.
     
  3. Danke Herr, dass du auf vielerlei Weise sprechen und wegweisen kannst. Ich will es ganz dir überlassen, wie du mich führst, aber ich bitte dich, weise mir, Herr, deinen Weg. Ich möchte gehorsam sein wie Joseph.
     
  4. Ich danke dir, Vater, dass du mit deinen Erlösungsplänen zum Ziel kommst und dass du auch mich vor den bösen Anschlägen des Teufels bewahrst.
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Mt 3,1-12: Die Wegbereitung für den Messias

Johannes, der Täufer predigt in der Wüste die Nähe des Reiches der Himmel. Er ist der Wegbereiter des Messias, wie es die Propheten vorhergesagt haben. Viele Juden kommen zu ihm, bekennen ihre Sünden und lassen sich taufen. Die religiöse Elite, die zur Taufe kommt, warnt er davor, sich vor Gottes Zorn in Sicherheit zu wiegen und sich auf die Zugehörigkeit zum auserwählten Volk zu verlassen. Auch sie müssen echte Umkehr zeigen, um nicht dem Gericht anheim zu fallen. Johannes kündigt an, dass ein Stärkerer als er kommen wird, der einerseits im heiligen Geist taufen und andererseits das Feuer des Gerichtes bringen wird.

Detail

  1. Es ist unfassbar, wie wenige Jesus glaubten (zu Lebzeiten ein paar Dutzend, nach Pfingsten ein paar Tausend), wenn man bedenkt, wie viele Tausende sich durch die Bußtaufe des Johannes auf das Kommen des Messias vorbereitet hatten. Es hängt wohl damit zusammen, dass es leichter ist, einmal eine Reue zu spüren und zu zeigen, als dann die der Buße würdige Frucht zu bringen; d.h. den Wandel der Gesinnung in den praktischen Wandel umzusetzen. Ein äußeres Bekenntnis genügt nicht.
     
  2. Johannes lebte einfach und predigte in der Wüste - nicht in Jerusalem, wo die meisten Menschen waren. Sie kamen zu ihm in die Wüste. Er wirkte dort, wo Gott in hinsandte, und die Menschen kamen zu ihm. Die Wüste war der richtige Ort, um von allen irdischen Werten weg und auf den kommenden Tag des Herrn hinzublicken
     
  3. Biblische Buße:
  4. Jesus ist der Messias. Er erfüllt seine Mission in 2 Stufen:
    • Taufe im heiligen Geist
    • Taufe im Feuer = Gericht, Trennung von Spreu und Weizen

Anwendung

  1. Auch heute noch vollzieht sich eine echte Buße so:
  2. Das äußere Bekennen ist niemals eine Garantie für den Tiefgang des Gesinnungswandels. Einerseits will ich für mich selbst die Betonung auf den praktischen Vollzug der Buße legen, andererseits will ich auch in Bezug auf andere nicht blauäugig sein, mich von Lippenbekenntnissen beeindrucken lassen, sondern auf die Frucht der Buße Wert legen.
     
  3. Meine Predigt von Jesus soll auch
  4. Ich will nicht in erster Linie nach äußeren/menschlichen Kriterien meinen Dienst im Reich Gottes planen (z.B. nach Menschenmassen), sondern nach dem Plan und Auftrag Gottes. Ihn will ich ernstlich für mein Leben suchen, denn dort ist der beste Platz zur Verkündigung, wo der Herr mich hinsendet.
    Herr, zeige mir bitte deutlich, wo und wie ich für dich wirken soll - egal ob mir das auf Anhieb einleuchtet oder nicht.
     
  5. Herr, führe mich an diesen einsamen Ort, wo du mir in besonderer Weise begegnen willst. Hilf mir aber auch, andere dorthin zu führen, wo die Welt mit ihrer Lust und ihrem Betrug in den Hintergrund rückt und das Reich Gottes in den Vordergrund.
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Mt 3,13-17: Der Beginn des Dienstes Jesu (die Taufe Jesu)

Jesus lässt sich von Johannes taufen, um alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Der Geist Gottes kommt daraufhin über ihn, und der Vater äußerst sein Wohlgefallen an seinem Sohn.

Detail

  1. Obwohl Jesus die Taufe zur Buße persönlich nicht nötig hatte, ließ er sie geschehen, um zu zeigen, dass sein Dienst auf Erden das Tragen der Sünden der Menschen zum Ziel hat. Er drückt damit die Identifikation mit den Menschen und seine Stellvertreterrolle aus: Der von keiner Sünde wusste, wurde für uns zur Sünde. Der Beginn des Dienstes Jesu stellt das Ziel des Dienstes deutlich vor Augen.
     
  2. Johannes bereitet das Kommen des Messias vor. Dazu gehört, dass er die Leute zur Buße führt. Das genügt aber nicht. Das Geheimnis der Teilung des Kommens des Messias in ein 1. und ein 2. Kommen wird hier deutlich: Johannes muss den Messias selbst als denjenigen einführen, der die Sünde der Welt trägt, sonst hätten alle Bußbekenntnisse der Menschen nichts genützt. So hat Johannes auch das 2. Kommen des Messias in Herrlichkeit eingeleitet, indem er Jesus in seinen Dienst des 1. Kommens als Lamm Gottes einführte.
     
  3. Die Salbung des Geistes gesellt sich zum Gehorsam Jesu. Das Kommen des Geistes auf Jesus ist die Erfüllung von Jes 61,1 und ist eine sichtbare Bestätigung (jedenfalls für Jesus und Johannes, von denen ausdrücklich steht, dass sie es gesehen haben) für die Salbung und Sendung Jesu durch Jahwe zum Dienst der frohen Botschaft. Der Geist will zu dem Dienst befähigen - und zu keinem anderem -, den Gott für einen Menschen vorgesehen hat. Wenn der Mensch diesen Plan Gottes akzeptiert und gehorcht, so befähigt in der Geist, diesen Dienst in göttlicher Kraft zu tun.
     
  4. Der Vater hat Wohlgefallen an solchem Gehorsam (vgl. Jes 42,1). Noch einmal drückt der Vater das Wohlgefallen an seinem geliebten Sohn vor Zeugen aus - bei der Verklärung Jesu: (Mt 17; Mk 9; Lk 9), wo es einerseits um das Leiden Jesu in Jerusalem geht (Lk 9,31), andererseits um einen Vorgeschmack der Herrlichkeit des auferstandenen Christus.
     
  5. Der Vater hat Wohlgefallen am Sohn
  6. Auch die 3. Stelle in den Evangelien, wo wir von einer Stimme aus dem Himmel lesen (Joh 12,27-28), ist eine Bestätigung des bereitwilligen Gehorsams des Sohns in Bezug auf seine Mission.

Anwendung

  1. Danke, Vater, für deine vollkommenen Pläne: dass Jesus als Sündenlamm kam, um auch meine Sünde zu tragen, bevor er als König und Richter wiederkommt, um alle nicht vergebende Sünde ins Gericht zu bringen. Danke für die göttliche Gerechtigkeit, die in Christus erfüllt wurde; dass ich jetzt durch ihn im Glauben vor dir gerecht sein darf. Danke, Herr Jesus, dass du dich so sehr mit mir identifiziert hast und bereit warst, für meine Sünde den Zorn Gottes zu tragen.
     
  2. Ich will fleißig den Plan Gottes für mein Leben suchen, will erkennen, zu welchem Dienst er mich berufen hat. Wenn ich dann diesen Dienst tue - nicht aus Ruhmsucht oder anderen falschen Motiven, sondern aus Gehorsam zur Ehre Gottes - dann darf ich auch der Ausrüstung zu diesem Dienst gewiss sein. So wie bei Jesus das Kreuz und die Verherrlichung des Vaters das Ziel waren, so soll auch ich den Blick auf dieses Ziel haben: mein Kreuz auf mich zu nehmen und den Vater zu verherrlichen.
     
  3. Dann wird der Vater auch an mir Wohlgefallen haben. Er hat Wohlgefallen an den Nachfolgern Jesu, an seinen Kindern, die dem Erstgeborenen ähnlich sind: Röm 12,1; 14,17-19; Hebr 12,28; 13,16
    • 2Kor 5,9-10: Auch ich will darum eifern, Gott wohlgefällig zu sein.
    • Eph 5,8-10: Zu diesem Zweck muss ich ständig prüfen, was ihm wohlgefällig ist.
    • Hebr 13,21: Bei all meinem Bemühen muss Gott das ihm Wohlgefällige in mir schaffen.
    • 1Petr 2,19-20: Gott-gefallen hat mit Leiden um der Gerechtigkeit willen und mit Ausharren zu tun. Das war es, was Christus so wohlgefällig machte; das bedeutet für mich, mein Kreuz täglich auf mich zu nehmen; nicht Menschen gefallen zu wollen sondern Gott.
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Mt 4,1-11: Die Bewährungsprobe

Jesus wird nach langem Fasten in der Wüste vom Teufel versucht, seine Gottessohnschaft durch Missbrauch seiner Macht unter Beweis zu stellen und für alle Reiche dieser Welt ihn, den Teufel anzubeten. Jesus wehrt jede der 3 Versuchungen mit einem Bibelwort ab. Danach weicht der Teufel von ihm, und Engel dienen ihm.

Detail

  1. Der Teufel fordert Jesus heraus, seine Stellung als Gottes Sohn zu beweisen, indem er sie anzweifelt. Seine teuflische Logik sagt: Ich bezweifle, dass du Gottes Sohn bist. Wenn doch, so beweise es, indem du dies und das tust. Jesus steigt überhaupt nicht auf die Zweifel an seiner Gottessohnschaft ein.
     
  2. Der Teufel missbraucht die Schrift. Es ist kein Problem für ihn, seine Versuchung auf einem Bibeltext aufzubauen, denn aus dem textlichen und vor allem geistlichen Zusammenhang gerissen, kann man mit Bibelworten viel Ungöttliches begründen. Jesus begegnet diesem Schriftmissbrauch mit dem richtigen Schriftgebrauch, d.h. er wendet das richtige Bibelwort im richtigen geistlichen Zusammenhang für die Situation an.
     
  3. Nachdem es dem Teufel nicht gelingt, Jesus mit Zweifel an seiner Gottessohnschaft herauszufordern, geht er aufs Ganze; er kommt direkt zum Kern der Sache und bietet Jesus alle Reiche dieser Welt samt ihrer Herrlichkeit, wenn er ihn anbetet. Die Reiche dieser Welt gehören Jesus sowieso. Aber nach dem Plan Gottes muss er, um zur Königswürde zu gelangen, zuerst den Weg der Erniedrigung bis hin zum Tod gehen. Der Teufel schlägt Jesus hier eine Abkürzung vor; eine Umgehung des Kreuzes. Jesus kommt auch zum Kern der Sache; ohne sich auf Diskussionen einzulassen, gründet er seine Ablehnung der Versuchung auf das Bibelwort: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen." Auf dieser Wahrheit steht Jesus, auf dieser Wahrheit muss jeder Mensch Gottes stehen; sie ist nicht zu hinterfragen und zu diskutieren.
     
  4. Der Versucher lockt mit folgenden Gedanken:
    • Brot, materielle Güter, wenn ich es will
    • Gesundheit, Sicherheit, Unverwundbarkeit, wenn ich es will
    • Macht, Herrschaft, wenn ich es will
  5. Er will den Menschen subtil oder direkt in die Unabhängigkeit von Gott drängen. Das ist das Gegenteil der Demut des göttlichen Menschen; dieser sagt "Dein Wille geschehe!", weil er Gott liebt und ihm vertraut. Das größte Gebot ist: "Gott lieben ...". Jesus hat es vorgelebt, er ist der wahre Mensch.
     
  6. Jesus hat in seinem Dienst
  7. Der Teufel hat nicht versucht, Jesus zum Ehebruch, zum Saufen, usw. zu verführen, sondern zum geistlichen Missbrauch. Er wollte, dass Jesus sich Dinge, die ihm an sich zustehen, auf seine Weise holt, statt sich Gottes Plan unterzuordnen. Der Teufel wollte, dass Jesus Brot, Sicherheit und Macht für sich in Anspruch nimmt, statt für Gott und für andere. Die Brotvermehrung und die göttliche Bewahrung waren Werke Gottes zur Ehre Gottes und zum Heil der Menschen. Dass Jesus einmal herrschen wird, ist zur Ehre Gottes und zum Segen für die Menschen. Wenn er der Versuchung nachgegeben hätte, hätte er zwar die Herrschaft, aber kein Mensch wäre erlöst worden. Gottes Gaben sind zum Nutzen für andere und zum Gebrauch zu seiner Ehre gegeben. Der Teufel möchte uns bewegen, sie für uns einzusetzen.
     
  8. Der Geist führte Jesus in die Versuchung in der Wüste. Der Geist, der vor kurzem auf ihn gekommen ist als Ausdruck der messianischen Sendung und Salbung (Jes 61,1) - derselbe Geist wirkt nicht zuerst die Verkündigung der frohen Botschaft, die Befreiung der Gefangenen usw., sondern er wirkt zuerst die Bewährung des Gesandten, des Gesalbten. Es reicht nicht, die Salbung zu haben. Man muss sich in der Salbung zum Dienst bewähren. Wer Verantwortung im Reich Gottes tragen will, muss klare, geläuterte Motive haben. Für den Herrn und den Nächsten ist der Dienst. Im gesalbten Dienst haben versteckte egoistische Motive keinen Platz.

Anwendung

  1. Wenn mir der Teufel einflüstert, ich müsste durch bestimmte Gebetserhörungen oder Segnungen meine Gotteskindschaft beweisen, so soll ich diese Einflüsterungen abweisen und mich gar nicht erst auf Überlegungen einlassen. Die Gotteskindschaft ist eine Gabe Gottes, die allein auf dem Werk Jesu und meiner Annahme desselben beruht.
     
  2. Das Zitieren von Bibelversen allein soll mich nicht von einer Lehre überzeugen oder zu bestimmten Entscheidungen veranlassen. Ich muss den Zusammenhang der Schriftstellen prüfen und mir in der richtigen geistlichen Haltung von Gott das richtige Wort für die Situation zeigen lassen. Die richtige Haltung ist: "Zeige mir deinen Willen, damit ich ihn tun kann!" Ich muss das Wort Gottes gründlich kennen lernen und auch im Herzen mit mir tragen, damit ich es bereit habe - wie ein Schwert, das ich mit mir trage und aus der Scheide ziehe, wenn ich angegriffen werde. Ich will mich üben im Umgang mit dem Schwert des Geistes, damit ich im Bedarfsfall gewandt bin. Dazu gehört auch das Auswendiglernen.
     
  3. Ich will den Herrn, meinen Gott, anbeten und ihm allein dienen. Diese Gesinnung will ich festigen und nicht davon abweichen. Der Teufel bietet auch Kindern Gottes in der Welt vieles an, aber um einen viel zu hohen Preis: sich von Gott loszusagen und ihm zu huldigen - nicht offen und direkt, aber indirekt, indem ich mich von Gott weg zur Sünde hin ziehen lasse und damit bekenne: "Die Empfehlung Satans, nämlich die Sünde, ist besser als Gottesfurcht, die Empfehlung Gottes." Ich bin berufen, mich mit allem, was ich bin und habe, Gott zum Dienst der Gerechtigkeit zur Verfügung zu stellen. Ich will nicht länger der Sünde und damit dem Teufel dienen.
     
  4. Auch mich will der Teufel überreden, Materielles, Gesundheit/Sicherheit und Macht/Stellung nach meinem Willen zu begehren und mich aus der Abhängigkeit von Gott zu lösen. Der Herr wird mich erhöhen zu seiner Zeit, jetzt aber will ich nicht nach Hohem trachten, sondern mich vor dem Herrn demütigen. "Dein Wille geschehe und nicht meiner", soll auch meine Devise sein.
     
  5. Ich will die Gaben und Güter, alles was ich aus Gottes Gnaden bin und habe, einsetzen, um damit ihm und in seinem Willen dem Nächsten zu dienen.
    Herr bewahre mich davor, direkt oder indirekt mir selbst zu dienen, selbst unter geistlichem Deckmantel. Leite mich in die echte Demut, die weiß, dass sie selbst nichts vermag sondern ganz von dir abhängig ist, die sich nicht rühmt und nicht das ihre sucht.
     
  6. Herr, ich danke Dir, dass du mir deinen Geist gegeben hast. Ich bete auch um die besondere Salbung zu dem Dienst, zu dem du mich berufst. Und hilf mir, mich für diesen Dienst zu bewähren. Ich danke Dir, dass du die Versuchung zwar zulässt, aber nicht zum Schaden sondern zur Bewährung des Glaubens und zum Ausharren (Jak 1,2-4) und dass du auch wieder herausführst und stärkst. Ich will mich nicht drücken vor der Bewährungsprobe. Durchforsche mich Herr, zeige mir, wo verkehrte Motive in meinem Wandel sind, und läutere du mich.
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Mt 4,12-25: In Galiläa geht ein großes Licht auf

Nach der Gefangennahme des Johannes geht Jesus nach Galiläa. Er übersiedelt von Nazareth nach Kapernaum, womit er die Schrift erfüllt, und predigt, dass das Himmelreich nahegekommen ist. Er beruft Simon, Andreas, Jakobus und Johannes von den Fischernetzen weg in die Nachfolge. Sie verlassen alles und folgen ihm. Jesus lehrt und predigt das Evangelium vom Reich in und außerhalb der Synagogen, und heilt alle Kranken und Besessenen, die man ihm bringt. Er wird bekannt bis nach Syrien und große Volksmengen folgen ihm.

Detail

  1. Zwischen der Versuchung Jesu und der Gefangennahme Jesu ist einige Zeit vergangen. Matthäus berichtet nicht von Jesu Dienst bis zu diesem Zeitpunkt.
     
  2. Jesus hat Andreas und Simon und einige andere Jünger schon vorher kennen gelernt (Joh 1,40); sie folgten ihm schon damals, aber noch nicht in der endgültigen Art, wie es jetzt in Galiläa geschieht. Sie haben schon zuvor verstanden, dass Jesus der Messias ist, aber Jesus muss sie jetzt in die radikale Nachfolge rufen. Sie lassen alles liegen und stehen, um ihm zu folgen. Sie verstehen vieles noch nicht; es genügt zu wissen, dass dieser Jesus der von Gott gesandte Retter ist. Er stellt ihnen ein Ziel vor Augen, nämlich Menschenfischer zu werden. Alles was sie tun können, ist ihm zu folgen, ihm zu vertrauen.
     
  3. "Tut Buße, denn das Reich der Himmel ist nahe gekommen!" Johannes hatte schon dieselbe Botschaft. Die Gottesherrschaft ist in Jesus zum Greifen nahe. Wer auf ihn hört, ihn als Messias anerkennt, der ist ins Reich Gottes hineingegangen. Aber dazu ist Buße notwendig, d.h. ein Umkehren vom Bösen, eine Hinwendung zu Gottes Wort und zu seinen Geboten.
     
  4. Jesus untermauert seine Predigt vom Reich mit den Taten, die dem Messias entsprechen: Lk 4,18-19. Er beweist, dass er das große Licht ist, das im finsteren Galiläa scheint, indem er Blinde sehend macht. Er beweist durch Dämonenaustreibungen, dass er Gefangene befreit, durch Krankenheilungen, dass er Zerschlagene in Freiheit setzt. Aber bei all dem verliert er das Ziel nicht aus den Augen: dass Menschen Buße tun sollen. Wie leicht könnte sich ein Mensch an solchen Heilungserfolgen berauschen, doch Jesus verherrlicht damit den Vater, er verwendet seine Macht, um sich als Gesandter des Vaters auszuweisen.
     
  5. Jesus lehrt in den Synagogen; er nützt auch die etablierten, religiösen Institutionen, um das Wort Gottes zu reden. Aber er lehrt nicht nur in den Synagogen, sondern überall dort, wo Menschen sind, die es hören sollen.

Anwendung

  1. Auch heute noch ruft Jesus Menschen manchmal erst nach ihrer Bekehrung in die Nachfolge. Es ist gut zu erkennen, wer Jesus von Nazareth ist: der von Gott gesandte Erlöser. Vielleicht gehen wir mit dieser Erkenntnis irgendwann wieder zum Alltagsgeschäft über und dann kommt Jesus und ruft: "Folge mir nach, ich will, dass du mit deinen Fähigkeiten ab jetzt mir dienst!" Dann gilt es, die richtige Entscheidung zu treffen: Alles zu lassen und Jesus zu folgen. Dazu müssen wir nicht Theologie studiert haben, uns Jahre lang bewährt haben, alle Zweifel beseitigt haben, usw. Es genügt, dass wir glauben, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der Erretter und Herr. Wenn wir ihm nachfolgen, werden wir all das lernen, was uns mangelt.
     
  2. Auch heute noch gilt: Das Reich Gottes ist nahe, es ist mitten unter den Menschen, denen wir predigen und zwar in Form der Gemeinde Jesu. Auch heute noch ist es zum Greifen nahe - durch biblische Buße finden Menschen Eingang. Das soll unsere Predigt sein.
     
  3. Der Herr weiß, wie viel (bzw. wie wenig) er durch mich vollbringen kann, ohne dass ich mir dabei gut vorkomme. Herr, lehre mich bitte, dir in allem die Ehre zu geben und auch die Anerkennung, die ich von Menschen bekomme, in echtes Gotteslob umzuwandeln. Du allein bist würdig, Ruhm, Ehre, Lob, Anerkennung zu bekommen.
     
  4. Herr, lehre mich bitte, alle offenen Türen zu nützen, um dein Wort zu verkündigen. Zeige uns, wo wir religiöse Einrichtungen dafür verwenden können, damit die Religiösen Christus finden.
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