Anwendernotizen zu Matthäus 11

Matthäus 11

Mt 11,1-6:     Ist Jesus der Erwartete?
Mt 11,7-15:   Die Rolle des Täufers
Mt 11,16-24: Die kindische Verstockung Israels
Mt 11,25-30: Jesus als Mittler und Vorbild


Mt 11,1-6: Ist Jesus der Erwartete?

Jesus lehrt und predigt in den galiläischen Städten. Johannes der Täufer lässt ihn vom Gefängnis aus durch seine Jünger fragen, ob er wirklich der Erwartete ist. Jesus weist auf sein Wirken in Evangeliumsverkündigung und Heilung hin und darauf, dass ein Segen darauf liegt, nicht Anstoß an ihm zu nehmen.

Detail

  1. Johannes muss sehr angefochten sein, denn einst hatte er die deutliche Offenbarung von Gott, dass Jesus der Messias sei und das Lamm Gottes, welches der Welt Sünde trägt. Doch er sitzt er im Gefängnis, und Jesus zieht umher, predigt und tut Wunder. Aber kein Königreich Gottes in Sicht, kein Aufrichten der Gerechtigkeit, im Gegenteil - er, der Prophet muss leiden. Es ist leicht, sich an Jesus zu ärgern, an ihm Anstoß zu nehmen: er entspricht nicht menschlichen Vorstellungen eines Messias, auch nicht den Vorstellungen manch eines geistlichen Menschen.
     
  2. Jesus zählt folgende Aspekte seines Dienstes auf:
     
    • Heilung von Blinden,
    • Heilung von Lahmen,
    • Heilung von Aussätzigen,
    • Heilung von Tauben,
    • Auferweckung von Toten,
    • das Evangelium wird den Armen gepredigt.

    Im Vergleich dazu der Auftrag Jesu in Lk 4,18-19:

    • Armen gute Botschaft zu verkündigen,
    • Gefangenen Befreiung auszurufen,
    • Blinde zu heilen,
    • Zerschlagene in Freiheit zu setzen,
    • das angenehme Jahr des Herrn auszurufen.

    Genau den Aspekt seines Dienstes, der Johannes wohl am unmittelbarsten interessiert hätte, nämlich Gefangenenbefreiung, Zerschlagene in Freiheit zu setzen, erwähnt Jesus den Jüngern des Johannes gegenüber nicht. Warum wohl? Vielleicht, damit Johannes und seine Jünger den Dienst Jesu nicht aus subjektiver Sicht beurteilen, d.h. was er ihnen nützt, sondern aus der Sicht des Volkes, dem Jesus dient. Wir müssen auch manchmal von uns selbst wegsehen, und schauen, was Jesus an anderen wirkt, um seine Erlöserrolle deutlich zu sehen. Er ist eben nicht nur mein Erlöser, er ist der Erretter der Welt. Und manches, was wir dulden müssen und wo wir uns nach Erlösung sehnen, dient gerade dem umfassenden Erlösungsplan Gottes.

Anwendung

  1. Auch ich nehme leicht Anstoß an der Nachfolge Christi und somit an Christus, weil ich mir die Dinge anders vorgestellt habe. im Besonderen habe ich mir mehr Kraft, mehr Wunder, mehr Befreiung vorgestellt, mehr sichtbare Auswirkungen des Reiches Gottes. Danke, Herr, dass du sehr wohl auch heute heilst, lebendig machst und das Evangelium verbreitest. Vergib mir meinen Kleinglauben, meine Kurzsichtigkeit, meine irdische Gesinnung. Schenke mir einen deutlicheren Blick für dein messianisches Wirken und gib mir Geduld, dass ich nicht Anstoß nehme, besonders da, wo ich für mich persönlich Befreiung erwarte und du nicht in der Weise antwortest, wie ich es mir wünsche. Danke, dass deine Pläne größer sind als meine und dass du nichts vergessen hast, auch nicht zu schwach bist, sondern zu deiner Zeit deine Gerechtigkeit und Befreiung wirken wirst.
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Mt 11,7-15: Die Rolle des Täufers

Jesus fragt das Volk, was sie über Johannes den Täufer denken: Er erklärt ihnen, dass er ein Prophet ist und noch mehr: der Wegbereiter des Messias, der verheißene Elia. Er ist der größte unter den Menschen aber kleiner als der Kleinste im Himmelreich, in das von nun an die Menschen hineindrängen.

Detail

  1. Johannes der Täufer war
    • "kein Rohr im Wind", er hat sich nicht dem Volk, den Trends der Zeit angepasst, war geradlinig und echt, das Gegenteil von einem, der sich mit dem Wind dreht,
    • "kein Mann in feinen Kleidern", er hatte keine irdische Herrlichkeit oder Attraktivität, im Gegenteil, hier war ein Mann, der aller Bequemlichkeit und Eitelkeit entsagt hatte,
    • "ein Prophet", und noch mehr als das,
    • "der Wegbereiter des Messias",
    • "der Größte des alten Bundes",
    • "kleiner als der Kleinste im Himmelreich",
    • "der letzte Prophet des alten Bundes",
    • "der verheißene Elia" (Mal 3,23).
       
  2. "Wer Ohren hat zu hören, der höre": Hier wird etwas äußerst Wichtiges gesagt, was aber bei oberflächlichem Hören nicht zu verstehen ist: Wenn er, Johannes, der Elia ist, so ist der große und schreckliche Tag des Herrn nicht mehr fern. Das ist die Chance umzukehren und nicht unter das Gericht Gottes zu fallen.
     
  3. Daraus erklärt sich auch der Ausdruck: "Gewalttätige reißen es an sich" oder laut Lk 16,16 "Jedermann drängt mit Gewalt hinein", nämlich ins Königreich der Himmel: Da der kommende Elia die letzte Warnung vor dem Zorngericht ist, drängen die Menschen durch die sich öffnende Tür des Evangeliums ins Reich Gottes, wie sich die Zeitgenossen Noahs in die Arche gedrängt hätten, wäre die Türe noch offen gewesen, als das Wasser stieg; wie sich Menschen auf der Titanic in die Rettungsboote drängten, wie sich die Soldaten in die letzten Flugzeuge drängten, die Stalingrad verließen. Diese rettende Flucht tritt einer an, der seine Verlorenheit begriffen hat, seine Schuld vor einem gerechten Gott, der seinen Zorn ausgießen wird.
    Und zwar drängt jedermann hinein: nicht im Sinn von "alle Menschen", sondern Menschen aller Art, aus jedem Volk, jeder Kultur, jeder Bildung, jeder sozialen Schicht. Nicht wie im alten Bund, wo nur auf wenigen Menschen der Geist Gottes war. Vgl. Hebr 8,10-12.
    "Reißen es mit Gewalt an sich": Vielleicht ist damit gemeint, dass sie, denen es von Rechts wegen eigentlich nicht zusteht, die Zöllner, Huren und anderen Sünder (Vgl. Mt 11,19) sich die Gerechtigkeit Gottes aneignen. Es ist wie ein Raub, weil sie ihnen von Natur aus nicht gehört. Ein Zöllner eignet sich die Gerechtigkeit Gottes in Christus an und ist darin größer als Johannes der Täufer, der Größte, was seine eigene Gerechtigkeit betrifft.
     
  4. Die Bedeutung von V.12 kann aber auch eine andere sein: Dem Reich Gottes wird Gewalt angetan durch die Menschenmassen, die sich um Johannes und um Jesus drängen. Sie sind nicht alle Kinder des Reiches, sie würden es gerne für sich einnehmen, aber die meisten haben völlig falsche Vorstellungen vom Reich. Entsprechend groß ist auch ihre Enttäuschung, als sie die harte Wahrheit des Evangeliums verstehen. Sie nehmen Anstoß an Jesus. Interessanter Weise kommt das Wort harpazo (mit Gewalt ergreifen) auch in dem Zusammenhang vor, wo sie Jesus zum König machen wollen: Joh 6,15
    Es könnte aber auch bedeuten, dass man Johannes, Jesus und seinen Jüngern Gewalt antut.

Anwendung

  1. Herr, bitte hilf mir, ein Mann Gottes zu werden, eine Persönlichkeit,
    • die sich nicht mit dem Wind dreht, sondern einen geraden Weg geht, um dir zu gefallen, nicht Menschen.
    • die nicht nach irdischen Reichtümern, nach Bequemlichkeit und einem möglichst angenehmen Leben trachtet, auch nicht nach irdischer Schönheit und Eitelkeit,
    • durch die du zu Menschen sprichst,
    • die deine Wiederkunft mitvorbereitet und beschleunigt: 2Petr 3,11-14
    • die Menschen auf die Aufnahme des Herrn vorbereitet.
       
  2. Der große und schreckliche Tag des Herrn ist nahe, viel näher als zur Zeit des Johannes und ich sehne ihn herbei, beschleunige ihn. Was für ein heiliges, göttliches Leben muss (sollte!) ich da führen. Sonst habe ich keine Freimütigkeit, diesen Tag zu beschleunigen. Denn er wird kommen wie des Läuterers Feuer, und wer kann den Tag seiner Ankunft ertragen? Er kommt, um die Zauberer, Ehebrecher, Meineidigen, Gewalttäter, Ausbeuter und die Gott nicht fürchten zu richten. Christus allein ist meine Hoffnung an jenem Tag.
    Herr, läutere mich noch vor jenem Tag von diesen Eigenschaften meines Fleisches, lehre mich, dich zu fürchten und deine Ankunft mit Freimütigkeit herbeizusehnen.
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Mt 11,16-24: Die kindische Verstockung Israels

Jesus vergleicht diese Generation mit Kindern, die nie mitspielen wollen, egal, was man spielt. Über Johannes, der asketisch lebt, sagen sie, er sei besessen, von Jesus, der isst und trinkt, sagen sie, er sei ein Fresser, Säufer und Freund der Sünder. Wer weise ist, erkennt die Wahrheit. Die Städte, die die meisten Wunder Jesu gesehen haben, und doch nicht Buße getan haben, werden ein härteres Gericht erleben als Sidon, Tyrus und Sodom, denn diese hätten angesichts solcher Wunder Buße getan.

Detail

  1. "Wie Kinder, die nicht mitspielen wollen": Menschen, denen man es nicht recht machen kann; es scheitert nicht an objektiven Einwänden, sondern am Unwillen; sie werden immer etwas auszusetzen haben, weil sie Gottes Wahrheit, Johannes, Jesus nicht anerkennen wollen. Sie wollen selbst wie Gott sein: unbeschränkt herrschen, Menschenehre nehmen. Für sie trifft Joh 5,44 zu. Im Grunde ist es eine sehr kindische, d.h. unreife Einstellung. Reife bedeutet, die Fakten anzuerkennen und ihnen gemäß zu handeln.
     
  2. "Die Weisheit ist durch ihre Kinder gerechtfertigt worden": Wer weise ist, wer reif ist, wer bereit ist, den Fakten ins Auge zu sehen, wer die Wahrheit wirklich erkennen will, dem wird Gott die Gnade schenken, sie zu erkennen und sein Reden und Wirken in Johannes und Jesus anzuerkennen; er wird sich nicht an Äußerlichkeiten stoßen, bevor er verstanden hat, was dahinter steckt, sondern er wird das Wahre, das Wesen, das Dahinterliegende suchen und auch finden.
     
  3. "Ein härteres Gericht als Sidon, Tyrus und Sodom": Was bedeutet das? Es wird nicht nur die Urteile verdammt und gerechtfertigt geben, sondern verschiedene Grade der Strafe. Für manche wird es erträglicher sein als für andere. Großteils wird es damit zusammenhängen, wie viel Erkenntnis, bzw. Chance zur Erkenntnis jemand hatte. Dieses Prinzip erklärt der Herr auch anderswo: Lk 12,47-48

Anwendung

  1. Ich muss mein Herz prüfen, ob manches, was mir nicht passt, woran ich mich stoße im Glaubens- und Gemeindeleben, nicht aus bloßem Unwillen entspringt. Herr, vergib mir solche Unwilligkeit und Undankbarkeit und hilf mir ganz im Gegenteil einer zu sein, der deinem Reden und Wirken gegenüber - auch wenn es sich durch andere ausdrückt - gutwillig und gutgläubig ist.
     
  2. Ich möchte zu den reifen Menschen und Gotteskindern gehören, die nach Wahrheit suchen und sie finden; die auch bereit sind, hinter die Oberfläche zu graben, um die Motive, um die Wahrheit zu sehen. Besonders bei Geschwistern und Dienern Gottes will ich mich nicht an Äußerlichkeiten stoßen, sondern lernen, das Reden und Wirken Gottes dahinter zu sehen.
     
  3. Wie treu müsste ich dem Herrn nachfolgen, wie streng werde ich beurteilt werden, bei allem was mir anvertraut wurde!
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Mt 11,25-30: Jesus als Mittler und Vorbild

Jesus preist den Vater, dass er sich nicht den Klugen, sondern den Unmündigen geoffenbart hat. Den Vater kennt nur Jesus und alle, denen er ihn offenbaren will. Das sind diejenigen, die zu ihm kommen und sich unter dem sanften Joch seiner Nachfolge Seelenruhe schenken lassen.

Detail

  1. Gottes und des Menschen Willen: Im vorigen Abschnitt tadelt Jesus die Unbußfertigkeit bestimmter Städte. Dabei stehen der freie Wille und die Eigenverantwortlichkeit des Menschen im Vordergrund. Der Mensch bekommt ein bestimmtes Maß an (Chance zur) Erkenntnis, und wird danach beurteilt, wie er diese Chance, dieses göttliche Licht nützt um Buße zu tun. Die Schuldhaftigkeit liegt darin, dass falsche Entscheidungen getroffen wurden, obwohl richtige möglich und erwartet gewesen wären.
    In diesem Abschnitt preist Jesus das souveräne Walten Gottes, als ob es nur darauf ankäme, wem Gott Offenbarung gibt und wem nicht. Auch der Ausdruck "Herr des Himmels und der Erde" betont die Souveränität. Beide Aspekte haben ihre Gültigkeit. Gott schenkt dem Unmündigen Offenbarung, dem Demütigen Gnade, aber es ist nicht Willkür. Vielmehr ist es Gericht über Stolz und gottlose Menschweisheit.
    Im Abschnitt über das sanfte Joch Jesu zeigt wieder deutlich, dass "wem irgend der Sohn ihn offenbaren will" nichts mit Willkür zu tun hat, denn der Sohn will ihn allen offenbaren, die mit ihrer Mühsal und Last zu ihm kommen und die bereit sind, sich unter sein sanftes Joch zu beugen und ihm in Demut nachzufolgen. Aber es hat doch wiederum viel mit dem Willen Gottes und dem daraus folgenden Willen Christi zu tun, der nicht als automatische Reaktion jedem Suchenden Offenbarung gibt sondern aus seinem bewussten Rettungswillen, aus seiner Barmherzigkeit und Liebe zu den Menschen heraus (Tit 3,4-5). So bilden der freie Wille des Menschen und der souveräne Wille Gottes keinen Widerspruch sondern sie konvergieren in jedem Menschen, der mit seiner Last zu Christus kommt, von ihm Offenbarung über den Vater bekommt und aus dieser Erkenntnis heraus die rettende Gnade in Anspruch nimmt.
    Vgl. Mt 13,10-15: Jesus sagt, dass es bestimmten Menschen nicht gegeben ist, die Geheimnisse des Himmelreiches zu wissen. Wer nicht hat, dem wird, selbst was er hat, genommen werden. Das klingt ungerecht, aber wenn man Jesu Worte weiterverfolgt, zeigt sich, dass sie ihre Augen geschlossen haben, um nicht zu sehen, zu verstehen, sich zu bekehren und geheilt zu werden. Wenn Gott seine Offenbarung zurückzieht, dann deshalb, weil sie zuvor verworfen wurde. Wie behutsam müssen wir mit Gottes Offenbarung umgehen!
     
  2. Ich preise dich Vater: Jesus ist (als der Erstgeborene) Vorbild in der Beziehung eines Gotteskindes zum Vater. Sie ist geprägt von Demut, Dankbarkeit und Freude über Gottes Weisheit und Wirken.
    Der ungöttliche Mensch ist Gott und seinem Wirken gegenüber misstrauisch: Sollte Gott wirklich gesagt haben, sollte er es wirklich gut meinen, sollte er wirklich gerecht sein? Sollte ich Gott wirklich mehr trauen als meinem Verstand (Spr 3,5)? So denken die Weisen und Klugen dieser Welt. Solches Denken ist verflucht.
    Der göttliche Mensch anerkennt demütig, dass Gott gerecht, gut und weise ist. Wenn etwas unverständlich oder ungerecht scheint, so liegt es bestimmt nicht an Gott, sondern am verfinsterten bzw. begrenzten Verstand des Menschen. Durch diese Einstellung sieht er auch immer besser die Weisheit und Güte Gottes, und er betet Gott in Freude und Dankbarkeit an. So denken die Unmündigen, die sich ganz von Gott abhängig wissen und darüber dankbar sind. Solches Denken ist gesegnet. Solchen Menschen vertraut Gott viel an.
     
  3. Ja, Vater, denn so war es wohlgefällig vor dir: Das ist die Einstellung, die den Dienst Jesu geprägt hat: Ein volles Ja zum Willen Gottes, zu dem, was ihm wohlgefällt.
     
  4. Alles ist mir übergeben von meinem Vater: Der Vater hat Jesus als Mittler, als Erlöser die so sehr geliebte Welt anvertraut. In seinen Händen lag und liegt es, ob irgendjemand gerettet wird, ob irgendjemand Anteil am ewigen göttlichen Leben bekommt. Und der Vater allein kannte (im Besonderen damals, bevor das Geheimnis der Gemeinde geoffenbart war) und kennt das volle Ausmaß des Verwalteramtes Christi. Jesus ist auch hier das große Vorbild. Ihm wurde am meisten anvertraut und er hat treu und gut "gewirtschaftet". Jedes Gotteskind hat ein Verwalteramt von Gott bekommen. In gewisser Weise ist es eine Erweiterung des Mittleramtes Christi (2Kor 5,18-20). Wie gehen wir damit um?
     
  5. Sanftmütig und von Herzen demütig: Die Demut des Herzens zählt, nicht eine zur Schau getragene, äußerliche. Jesus ist das große Vorbild für Sanftmut und Demut. Es sind die typischen Eigenschaften seines ersten Kommens. Es sind die Eigenschaften, denen die Gemeinde nacheifern soll. Die Zeit des Herrschens wird kommen, aber jetzt sind Sanftmut und Niedrigkeit angesagt. Es hat mit Glauben zu tun. Wer im Glauben auf die Belohnung sieht, der überwindet, der bleibt demütig und sanftmütig, weil er weiß, dass die jetzigen Trübsale verschwindend sind gegen die daraus resultierende Herrlichkeit.
     
  6. Mein Joch ist sanft: Es ist der große Betrug des Teufels, dass der Mensch ohne Joch leben könnte. Der Mensch, solcher Art belogen und verführt, wirft das Joch der Unterordnung unter Gott ab und findet sich mehr oder weniger bewusst unter dem grausamen Joch der Sünde wieder. Dazu gehören zwanghafte Begierden ebenso wie der Götzendienst des Materialismus mit all dem Sorgen, das er mit sich bringt. Erst wenn solch ein Mensch wie einst die Kinder Israel unter der Sklaverei ächzend zu Gott schreit und dieser sich gnädig herabneigt um zu erretten, kann der Mensch wieder zur Räson kommen, kann umkehren, Vergebung und Seelenfrieden unter dem sanften Joch Christi empfangen.

Anwendung

  1. Die Frage ist nicht: Will Gott oder will ich? Gott will, dass ich gerettet sei. Christus will mir den Vater offenbaren, und er tut es, weil ich mit meiner Mühsal und Last zu ihm kommen und von ihm lernen will. Christus ist mein Vorbild in der Konvergenz des eigenen Willens mit dem Willen Gottes. Gott will meinen (freien) Willen, ich will Gottes (guten) Willen.
     
  2. Vater, ich preise dich, dass du bist, dass du gut bist, dass du gerecht bist, dass du offenbarst und verhüllst, dass du der Herrscher Himmels und der Erde bist. Vergib mir, wie oft ich das aus den Augen verliere. Ich will als Unmündiger zu dir kommen, alles dankbar aus deiner Hand nehmen und mich über deine Pläne und Werke freuen.
     
  3. Vergib mir bitte, dass ich oft schon deine Offenbarung gering geschätzt habe, meine Augen vor deinem Licht verschlossen habe, wo sie doch das Kostbarste ist, was es auf dieser Erde gibt. Danke, dass du dein Licht noch nicht zurückgezogen hast, dass du noch sprichst, noch zur Umkehr rufst. Ich will dein Licht hochhalten, will dein Wort an den Beginn jeden Tages stellen und will darüber nachsinnen Tag und Nacht. Zeige mir bitte, wie das im normalen Tagesablauf von Arbeit und Freizeit möglich ist.
     
  4. Ich möchte ein treuer Verwalter des mir von Gott Anvertrauten sein. Dazu gehören im Besonderen die Geheimnisse Gottes (1Kor 4,1-2; Kol 1,25). Wie es Christus anvertraut ist, den Vater zu offenbaren, so ist es in gewisser Weise auch mir anvertraut, Christus den Menschen zu offenbaren, die noch keine Augen für die Geheimnisse Gottes haben. Ich bin Verwalter jeder Gnadengabe, die Gott mir gegeben hat (1Petr 4,10). Um ein guter Verwalter zu sein, muss ich verstehen, was mir anvertraut wurde und dann meine Pflicht erfüllen.
     
  5. Herr Jesus, ich möchte deiner Sanftmut und Demut nacheifern. Du weißt, dass solches Wesen meiner Natur fremd ist, egal wie es nach außen scheint. Rette mich von Rebellion und Stolz.
     
  6. Ich danke dir, dass ich dein Joch kennen lernen durfte. Es ist unvergleichlich besser als das Joch der Sünde. Es tut mir leid, dass ich so oft versucht habe, dein Joch abzuwerfen. Ich will darunter bleiben, will dir nachfolgen und will nie mehr unter das grausame Joch der Sündensklaverei zurück. Bewahre mich vor der Versuchung, wenn sie mich süß und verlockend betrügt und mir vorgaukelt, ich könne Freiheit und Freude gewinnen, wenn ich dein Joch abwerfe.
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