Anwendernotizen zu Matthäus 12

Matthäus 12

Mt 12,1-13: Buchstabe und Geist des Gesetzes
Mt 12,14-21: Jesus, der "stille" Messias
Mt 12,22-37: Die Obersten lästern Gottes Geist
Mt 12,38-45: Israels Verstockung gegenüber Gottes Wort
Mt 12,46-13,1: Jesu wahre Verwandtschaft

Mt 12,1-13: Buchstabe und Geist des Gesetzes

Jesu Jünger pflücken und essen am Sabbat Getreide. Die Pharisäer klagen sie bei Jesus an. Jesus zeigt mit Beispielen aus der Schrift, dass es beim Sabbat - wie beim Gesetz überhaupt - nicht um den Buchstaben sondern um Barmherzigkeit geht. Er, Jesus, ist Herr des Sabbats. Die Pharisäer stellen ihm auch in der Synagoge eine Falle, indem sie ihn fragen, ob man am Sabbat heilen darf. Jesus erklärt, dass man am Sabbat Gutes tun darf und heilt den Mann mit der verdorrten Hand.

Detail

  1. Es war grundsätzlich erlaubt, mit der Hand von (fremden) Feldern zu pflücken und zu essen. Ob es am Sabbat erlaubt ist, steht nicht im Gesetz. Aber die Juden haben es in ihrer Überlieferung verboten. Das war typisch für ihre Art mit dem Gesetz umzugehen: Den Geist des Gesetzes haben sie nicht verstanden oder wollten sie nicht verstehen, so haben sie mit Buchstaben ein Gefängnis gebaut. Es entspricht dem menschlichen Wesen, sich eher an Buchstaben zu halten als an den Geist der dahinter steht. Das Lebendige, der Geist, die Barmherzigkeit ist schwerer zu fassen und zu leben als das Starre, der Buchstabe, die Zeremonien; ebenso wie ein Kind schwerer handzuhaben ist als eine Puppe, das Leben als ein Kinofilm. Das Lebendige hat immer eine Dynamik, fordert immer Kopf und Herz, zu erfassen und zu verwirklichen, ist immer anstrengender als das Leblose; aber was für eine Frucht bringt es hervor, der Mensch wächst daran, das Lebendige bringt wiederum Leben hervor.
    Ebenso ist es im Geistlichen; wir sind herausgefordert, statt wie tote Fische im Strom von religiösen Phrasen und Gewohnheiten mitzuschwimmen, Barmherzigkeit zu verstehen und zu leben, uns dem wirklichen geistlichen Leben zu stellen, über Gottes Wort nachzudenken und es in immer wieder neuen Situationen auf kreative Weise anzuwenden.
    Gott ist lebendig und barmherzig, und er ist nicht Routine und buchstabengetreuer Paragraphenerfüllung interessiert sondern an geistlichem Leben und Barmherzigkeit.
     
  2. Der Sabbat ist ein Bild für die dem Herrn geheiligte Zeit. Der Christ muss das rechte Lot finden zwischen festen Prinzipien und Entschiedenheit, diese Zeit heilig zu halten einerseits und dem Verständnis, dass Christus und der Geist der Barmherzigkeit darüber stehen andererseits. Die feste stille Zeit soll nicht zur Sklaverei des Buchstabens führen, sondern zur Förderung des Geistes der Barmherzigkeit. Sie dient dazu, ihm, Christus, zu begegnen, in Fürbitte und Danksagung und auf ihn hörend, um von ihm zu lernen. Dieses Ziel dürfen wir nie aus den Augen verliefen.
     
  3. Es gibt eine Schöpfungsordnung, eine Wertigkeit der Geschöpfe. Egal was Tierschützer, Grüne usw. behaupten: Der Mensch ist viel vorzüglicher, mehr wert als das Schaf. Der Mehrwert darf nie zu Stolz und Ausbeutung führen, denn er bedeutet schlicht: Verantwortung; d.h. dass der Mensch Verantwortung über die Schöpfung, auch über die Tiere bekommen hat.

Anwendung

  1. Ich muss meine Beziehung zu Gott prüfen. Wie leicht rutsche ich auf den bequemen Weg ab: ein paar fromme Worte und Gewohnheiten, aber keine Bereitschaft mehr, täglich über Gottes Wort nachzusinnen, wie ich es wohl im Geiste der Barmherzigkeit anwenden könnte. Und doch ist es genau das, was Gott von mir will.
     
  2. Ich will treu werden in meiner Zeit mit dem Herrn, ich will mich nicht durch unnötige Ablenkungen davon abhalten lassen, aber ich will sie nicht zu einem Gefängnis des Buchstabens werden lassen, in dem ich ohne Freude, Freimütigkeit und Barmherzigkeit festsitze. Ich darf bei allen Prinzipien auf körperliche Bedürfnisse Rücksicht nehmen und muss wegen höherer Prinzipien auf Menschen in meiner Umgebung Rücksicht nehmen.
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Mt 12,14-21: Jesus, der "stille" Messias

Jesus weicht den Pharisäern, die ihn umbringen wollen, aus. Er heilt viele von der Volksmenge, die ihm folgen, und verbietet ihnen, ihn bekannt zu machen. Damit erfüllt er die Weissagung Jesajas, dass der geliebte Knecht des Herrn, der der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen wird und auf den die Nationen hoffen werden, nicht laut und provozierend, sondern ein stiller Retter sein wird.

Detail

  1. Für die von Jesus überführten Pharisäer gibt es nur 2 Alternativen:
    • ihm Recht geben und umsinnen, ihre falsche Religiosität an den Nagel hängen und Gott das bringen, woran er Wohlgefallen hat, nämlich Barmherzigkeit oder
    • Jesus zum Schweigen bringen.
    Sie entscheiden sich für das letztere. Sie denken nicht einmal darüber nach, ob sie vielleicht im Unrecht sind, bzw. ob sie dieses eingestehen sollen, sondern nur darüber, wie sie ihn zum Schweigen bringen können. Wir müssen uns alle vorsehen, denn so ist der gefallene Mensch. Er will sich von Gott nicht bloßstellen lassen, also versucht er Gottes Stimme zum Schweigen, sein Licht zum Erlöschen zu bringen.
     
  2. Jesus sucht nicht die Konfrontation, er will nicht provozieren. Wie leicht könnte er von sich aus die Pharisäer bloßstellen, aber er tut es nur, wenn er von ihnen herausgefordert wird. Seine Mission ist es nicht, die Pharisäer bloßzustellen, sondern das Reich Gottes zu predigen und die Predigt mit Heilungen und Befreiungen zu begleiten. So zieht er einfach weg vom Streitplatz und geht seinem Auftrag nach.
     
  3. Der Knecht des Herrn ist still, er macht nicht unnötigen Rummel und viel Aufhebens, denn er sucht nicht die Ehre bei Menschen, er gefällt sich nicht selbst in seiner Messias-Rolle, sondern er will dem Vater gefallen und seinen Auftrag ausführen. Er will nicht, dass die Nachricht von und über ihn unautorisiert verbreitet wird. Das Evangelium aus 2. Hand schadet mehr als es nützt. Er will den Menschen selbst begegnen, und er sendet seine Jünger zur Vorbereitung aus, aber alles andere Gerede über ihn will er vermeiden. Wie viel Schaden bliebe der Gemeinde Jesu erspart, wenn ihre Leiter es Jesus nachmachten und sich nicht vom Reiz der Bekanntheit und des Ruhmes verführen ließen sondern allein bei Gott ihren Ruhm suchten.
     
  4. Jesu Stimme wurde weniger auf der Straße gehört als in den Synagogen, im Tempel und irgendwo am Feld, auf dem Berg oder in der Einöde. Er sprach mehr zu den Menschen, die kamen um ihn zu hören, als dass er sich ihnen irgendwo im Menschengetümmel aufdrängte.
     
  5. Jesus
    • der die Gerechtigkeit zum Sieg führt
    • die Hoffnung der Nationen
    Was gäbe es für eine Hoffnung für diese Welt, wenn wir nicht um einen wüssten, der die Gerechtigkeit zum Sieg führen wird und dabei nicht das geknickte Rohr brechen sondern heilen wird, d.h. er gibt den Demütigen Gnade: Jak 4,6-10. Der Retter-König, der Heiland-Richter, welch Hoffnung für die Welt!

Anwendung

  1. Vergib mir bitte, Herr, dass ich oft - von deinem Geist überführt - nicht umgekehrt bin, sondern deine Stimme zum Schweigen bringen wollte. Und habe herzlichen Dank, dass du dich nicht von mir aus meinem Leben vertreiben hast lassen, sondern weiter ermahnt hast bis zum heutigen Tag. Ich will deine Stimme, dein prophetisches Wort hochhalten, nicht nur, indem ich es studiere, sondern vor allem indem ich ihm gehorche.
     
  2. Herr, bewahre mich davor, unnötige Konfrontationen einzugehen. Es wird genügend Konfrontationen geben, in die du mich führst. Bewahre mich auch davor, diesen auszuweichen. Lass mich nicht mehr Ärgernis sein, als das Kreuz, aber auch nicht weniger. Ich will nicht streitsüchtig sein, auch nicht für die gute Sache, sondern vielmehr dorthin gehen, wo du mich hinführst, wo du einen Auftrag für mich hast.
     
  3. Herr, ich möchte ein stiller Knecht werden. Vergib mir, wie gerne ich mich oft reden höre, mir selbst gefalle, statt dein Gefallen zu suchen. Lass mich dir nicht Schande machen, indem ich unter geistlichem Deckmantel etwas anderes suche als deine Ehre. Und bewahre uns davor, das Evangelium mit falschen Mitteln und von falschen Leuten verbreiten zu lassen. Besser, es verkündigen die wenigen, denen du einen Auftrag gegeben hast als viele, die mehr schaden als nützen.
     
  4. Herr, zeige uns, wie weit wir den Menschen nachlaufen sollen, uns ihnen in gewisser Weise aufdrängen sollen und wo wir vielmehr warten sollen, bis sie zu uns kommen.
     
  5. Herr Jesus, ich danke dir für die Hoffnung auf wahre und endgültige Gerechtigkeit, die du dieser Welt gebracht hast, und dass du trotz deiner Gerechtigkeit den Demütigen Gnade gibst und sie erhöhst.
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Mt 12,22-37: Die Obersten lästern Gottes Geist

Als Jesus einen blinden und stummen Besessenen heilt, fragen sich die Leute, ob er etwa gar der Sohn Davids sei. Die Pharisäer kontern sofort, dass Jesus durch den Obersten der Dämonen die Dämonen austreibt. Jesus erklärt, dass ein Reich nicht bestehen kann, wenn es nicht einig ist und fragt, durch wen ihre Söhne die Dämonen austreiben.
Es ist Gottes Königreich, dem Jesus in der Kraft des Geistes Bahn bricht. Entweder man wirkt mit ihm oder gegen ihn. Zu behaupten dieser Geist sei der oberste Dämon, obwohl man das Zeugnis des Geistes hat, ist eine unverzeihliche Lästerung. Aber wie könnte aus dem Herzen der Pharisäer, das so voller Bosheit ist, ein gutes Zeugnis hervorkommen. Ihre Worte werden den Menschen am Gerichtstag zur Rechtfertigung oder zur Verdammung gereichen.

Detail

  1. Die einfachen Menschen erkennen an den Zeichen Jesu, dass er der verheißene Messias ist oder zumindest sein kann. Aber die gebildeten Religiösen bestreiten es sofort, denken gar nicht über die Möglichkeit nach - obwohl der Geist Gottes sie sicherlich in ihrem Gewissen überführt hat - sondern denken sich sofort irgendeine Lüge aus. Ihr böses Herz kann und will es nicht wahrhaben, dass hier einer kommt, der ihre ganze Fassade und Bosheit aufdeckt und sie ihrer Macht, ihres Einflusses und ihres Ansehens beim Volk beraubt.
     
  2. Jesus begegnet der Behauptung, er treibe die Dämonen durch deren Obersten aus, auf mehreren Ebenen (logisch und geistlich/moralisch):
    • Ein Reich kann nicht bestehen, wenn es nicht einig ist.
    • Wenn Jesus durch Beelzebul Dämonen austreibt, durch wen dann die Söhne der Pharisäer?
    • Muss nicht, wenn das Reich Gottes kommt, zuerst der Starke, Satan gebunden werden?
    • Die Ablehnung Jesu hat also überhaupt keinen sachlichen Hintergrund - die Beschuldigungen sind völlig unlogisch - sondern kommt aus der Bosheit ihrer Herzen heraus. Wie könnte aus den bösen, heuchlerischen Herzen etwas anderes als Bosheit und Heuchelei kommen.
    Jesus hätte auch gleich mit dem letzten Argument kommen können, aber er nimmt sich sehr wohl die Zeit, mit zwei logischen Argumenten die Absurdität ihrer Beschuldigung aufzudecken und mit einem logischen Argument die Notwendigkeit und Stimmigkeit der Dämonenaustreibung in der Kraft des Geistes Gottes. Danach erst spricht er direkt ihre Bosheit an.
     
  3. Das Reich Gottes ist mit Christus zu den Menschen gekommen und besteht in der Gemeinde Jesu weiter. Entweder wirkt, baut, sammelt man mit für Gottes Reich oder man wirkt dagegen, zerstört, zerstreut, ob man das nun bewusst will oder nicht. Letztlich geht es im ganzen Leben um diese Grenze zwischen dem Reich Gottes und dem Reich der Welt. Alles andere wird sich einmal als völlig unwichtig herausstellen, auch wenn es uns jetzt so wichtig scheint. Und jede Handlung eines Menschen kann daran beurteilt werden, ob sie für Christus, d.h. für das Reich Gottes war oder nicht. Wenn nicht, so war sie gegen Christus.
     
  4. Die Pharisäer haben den heiligen Geist gelästert, weil sie - nicht aus Unwissenheit sondern gegen das Zeugnis, d.h. die Stimme des Geistes, der durch Jesus sprach und sie überführte - das Wirken des Geistes als Wirken Satans deklarierten, nur um nicht ihr Gesicht, ihre Stellung zu verlieren, nur um nicht bloßgestellt zu werden. Manche Ausleger bezweifeln, dass man heute diese unverzeihliche Sünde überhaupt begehen kann, da Jesus nicht mehr auf der Erde wandelt. Ich persönlich denke, dass man sie auch heute noch begehen kann, denn der Geist ist ja auf Erden und wirkt. Allerdings weiß wohl Gott alleine, wann jemand diese Grenze überschritten hat, sodass es keine Umkehr mehr für ihn gibt.
     
  5. Die Worte des Menschen werden eines Tages beim Gericht für ihn oder gegen ihn sprechen. Er wird nicht nur über jedes böse Wort, sondern gar über jedes unnütze Wort (griech. rema) Rechenschaft (griech. logos) ablegen müssen. D.h. über jedes Wort wird noch einmal geredet werden. Gott hat immer das letzte Wort. Unnütz heißt ohne Nutzen, ohne Ertrag. Ganz im Sinn von "wer nicht für mich ist, ist gegen mich": Es reicht nicht, wenn ein Wort scheinbar nicht schadet. Es muss nützen, d.h. für Christus, für das Reich Gottes einen Nutzen haben. Was für ein heiliger Gott, wer kann in seinem Gericht bestehen?

Anwendung

  1. Wenn ich Gottes Stimme wirklich hören will, mit der Einstellung, seinen Willen zu tun, dann werde ich sie auch hören und unterscheiden können von anderen Stimmen. "Meine Schafe hören meine Stimme." Aber ich muss mein Herz sehr genau prüfen und von Gott erforschen lassen, damit ich mich nicht selbst betrüge, indem ich die Stimme meines Herzens mit der Stimme Gottes verwechsle. An Ausreden und Argumenten gegen die Stimme und das Wirken Gottes wird es mir nicht mangeln, wenn mein Herz nicht gehorchen will.
    Danke Herr, dass es nicht nur mein böses Herz gibt, aus dem aller möglicher Unrat und perverses Denken hervorkommt, sondern dass da auch Christus in mir ist, die Hoffnung der Herrlichkeit. Gib mir Weisheit, auf deine Stimme zu hören, die falschen Einflüsterungen zu erkennen und willig zurückzuweisen, und gib mir die Kraft zu gehorchen.
     
  2. Ich darf sehr wohl logische Argumente verwenden, um Christus, den Glauben und auch mich zu verteidigen. Aber mir muss dabei klar sein, dass die Hintergründe für Angriffe meist auf einer anderen, nämlich geistlich/moralischen Ebene liegen. Apologetik hat ihren berechtigten Platz, aber unser Kampf ist gegen geistliche Mächte der Bosheit (Eph 6,12).
     
  3. Was die unnützen Worte und Handlungen betrifft, d.h. alles was nicht zur Ehre Gottes und für Christus und sein Reich war, habe ich viel Vergebung nötig. Herr, lehre mich, diese Prinzipien im Alltag zu leben. Wie vermeide ich unnütze Gedanke, Worte und Taten, wie lebe ich zur Ehre Gottes in meiner Familie, in meiner Arbeit, in meiner Freizeit, in der Gemeinde? Gib mir einen klaren Blick für die Wertigkeiten, damit ich nicht von eitlen Dingen geblendet werde, sondern auf Christus und die ewigen Dinge schauen kann.
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Mt 12,38-45: Israels Verstockung gegenüber Gottes Wort

Etliche religiösen Führer wollen von Jesus ein Zeichen sehen. Jesus rügt sie als böse und ehebrecherisch und sagt, es wird ihnen nur das Zeichen Jonas gegeben: Der Menschensohn wird 3 Tage und Nächte im Herzen der Erde sein. Obwohl Jesus mehr ist als Jona und Salomo nimmt Israel Gottes Wort nicht an wie Ninive und die Königin von Saba. Darum werden diese im Gericht gegen Israel aufstehen. Israel ist einem Besessenen zu vergleichen, von dem der böse Geist ausfährt und nach einiger Zeit mit sieben schlimmeren Geistern zurückkehrt, weil er ein "leeres, geschmücktes Haus" vorfindet.

Detail

  1. Es ist tatsächlich ziemlich böse, von Jesus ein Zeichen sehen zu wollen, nachdem sie gerade eines gesehen haben und behaupten es sei durch die Kraft des Obersten der Dämonen gewirkt. Und es ist ehebrecherisch, weil ihre Liebe nicht mehr Gott gehört sondern ihrem eigenen Ansehen, ihrer Macht und ihrem Wohlstand. Das ist der wahre Grund für ihre Ablehnung des Gesandten Gottes. Vgl. das Gleichnis von den Weingärtnern: Mt 21,33
    In diesem Zusammenhang geht es auch um die Motive der Ablehnung Jesu (Mt 21,23-32). Es geht ihnen überhaupt nicht darum, was wahr ist, was wirklich von Gott ist, sondern um ihr Ansehen beim Volk und um die Wahrung ihrer Position und des Wohlstandes, den sie mit sich bringt. Sie sind es nicht wert, dass Jesus ihnen auf die Frage antwortet, mit welchem Recht er lehrt.
     
  2. Das Zeichen Jonas: Jona trug wohl Malzeichen (wahrscheinlich Verätzungen) von den drei Tagen im Fischbauch umher. Vielleicht wurde es in Ninive bekannt, dass dieser Prophet drei Tage in einem Fischbauch war. Vielleicht hat das die Menschen Gott fürchten und glauben gelehrt. Jedenfalls trug er die Zeichen eines von Gott durch Trübsal geschmiedeten, aus dem Tod zum Leben erweckten Menschen. So auch Christus. Wie sich später zeigt, wollen sie auch dieses so deutliche Zeichen nicht annehmen.
     
  3. Der Vergleich mit Jona und Ninive und Salomo und der Königin des Südens macht den hohen Grad der Verstockung der religiösen Führer des Volkes deutlich. Andere hörten Gottes Wort von Geringeren als Jesus und taten Buße. Wie verstockt muss ein Mensch sein, der Christus kennen lernt, ihn hört, sieht und ihn dennoch radikal ablehnt.
     
  4. Durch den Vergleich mit dem Besessenen erklärt Jesus, wie es zu solch einer Verstockung kommen konnte. Gott hat Israel aus der Sklaverei Ägyptens, aus der Satansherrschaft, aus dem Götzendienst befreit. Aber das Haus - als Bild für den Platz im Herzen Israels, wo Gott wohnen sollte - blieb leer. Israel gab Gott nicht den Platz, der ihm gebührte - obwohl es im Gegensatz zu den Heiden, die von anderen Mächten besessen waren, die Möglichkeit dazu hatte. Sie taten zwar so, als ob er in ihrer Mitte wohnte - der Tempel erstrahlte in Pracht, Priester- und Opferdienst gingen nach Vorschrift vonstatten - aber ihr Herz, eben der Platz, der Gott gehören sollte - war fern von Gott (Jes 29,13-14).
    Deshalb kann der Teufel umso mehr Besitz von diesen Menschen ergreifen, kann sie verblenden und verstocken, dass sie selbst ihren erwarteten Messias ablehnen.

Anwendung

  1. Wie leicht betrüge ich mich selbst und bin gar nicht an Wahrheit interessiert, sondern suche (und finde) Argumente zur Durchsetzung meines Willens. Vater, rette mich aus jedem solchem Selbstbetrug!
     
  2. Wie Christus, Jona und die Apostel (2Kor 4,10-11) muss auch ich lernen, das Sterben Jesu an meinem Leib umherzutragen, damit auch das Leben Jesu offenbar werde. Auf diese Weise wird das Zeugnis Jesu aufgerichtet. Auf diese Weise wird Gottes Auftrag ausgerichtet, sein Wort geredet - ob es nun befolgt wird oder nicht.
     
  3. Wie sehr muss ich aufpassen, dass ich nicht - nachdem Gott mir große Befreiung und die Möglichkeit ihm zu dienen geschenkt hat - ihm die Liebe, den Dienst, den ersten Platz in meinem Herzen versage. Aus der Sklaverei der Sünde bin ich berufen, um Gott zu dienen. Alles andere ist kein Christentum, kein Gottesdienst, keine wahre Frömmigkeit, sondern öffnet wiederum dem Feind Tür und Tor in meinem Leben. Wie schlimm kann es mit einem Gotteskind werden, das Gott nicht in seinem Herzen hat!
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Mt 12,46-13,1: Jesu wahre Verwandtschaft

Jesu Familie will mit ihm sprechen. Er sagt, seine Familie sind seine Nachfolger - jeder der den Willen des himmlischen Vaters tut.

Detail

  1. Hier ist ein Wendepunkt im Matthäusevangelium. Jesus wendet sich in gewisser Weise von seinem irdischen Volk, ja sogar von seiner irdischen Verwandtschaft ab. Das drückt sich auch in V.1 von Kap. 13 aus: Er geht aus dem Haus (Israel) und setzt sich an den See (Bild für die Nationen bzw. die Gemeinde aus allen Nationen). Von nun an redet er in Gleichnissen, die nur die Nachfolger verstehen, nicht aber diejenigen, die verstockt sind, die ihn abgelehnt haben. Sein Volk, seine Familie sind diejenigen, die den Willen des Vaters im Himmel tun. Sie alle sind Kinder Gottes und die geistlichen Verwandten Jesu. Israel und auch seine irdischen Verwandten hatten die erste Chance, ihn zu sehen, zu hören, und ihm zu glauben. Aus Mk 3,21 geht hervor, dass sie ihm zu diesem Zeitpunkt nicht glaubten, sondern ihn für verrückt hielten und ihn aufhalten wollten.

Anwendung

  1. Gottes Geduld mit denen, die sein Wort ablehnen, hat ein Ende. Das gilt auch für die Gemeinde Jesu.
    Röm 11,17-22: Wenn Gott Israel nicht verschont hat, wie viel mehr müssen wir aus den Nationen uns hüten, Gottes Wort abzulehnen und verstockt zu werden. Siehe auch Hebr 12,25.
     
  2. Herr Jesus ich danke dir, dass du dich nicht schämst, mich deinen Bruder zu denen, dass ich Mitglied einer geistlichen, göttlichen Familie sein darf.
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