Anwendernotizen zu Matthäus 5

Matthäus 5

Mt 5,1-12: Die wahren Glücklichen
Mt 5,3: Bettler Gottes
Mt 5,4: Die Trauernden Gottes
Mt 5,5: Die Sanftmütigen
Mt 5,6: Natürliches Verlangen nach Gerechtigkeit
Mt 5,7: Die Barmherzigen
Mt 5,8: Die inwendig Reinen
Mt 5,9: Die Friedensstifter
Mt 5,10: Die verfolgten Gerechten
Mt 5,11-12: Die um Jesu willen Verfolgten
Mt 5,13: Das Salz der Erde
Mt 5,14-16: Das Licht der Welt
Mt 5,17-20: Die Erfüllung des Gesetzes
Mt 5,21-26: Über das Töten in Gedanken und Worten
Mt 5,27-30: Über das ehebrecherische Herz
Mt 5,31-32: Über die Ehescheidung
Mt 5,33-37: Die Wahrhaftigkeit der Reichsbürger
Mt 5,38-42: Böses mit Gutem vergelten
Mt 5,43-48: Von der Feindesliebe

Mt 5,1-12: Die wahren Glücklichen

Wegen der großen Volksmenge geht Jesus auf einen Berg und lehrt dort seine Jünger die Regeln des Reiches Gottes: Ganz im Gegensatz zu den Gesetzmäßigkeiten der Welt sind aus der Sicht des Reiches Gottes diejenigen die Glücklichen, deren Tugenden Demut, Sanftmut, Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, Reinheit und Friede sind. Sie sind zwar hier verachtet, traurig, verfolgt, aber sie können sich freuen, denn ihr Lohn im Himmel ist groß. Seitenanfang

Mt 5,3: Bettler Gottes

Detail

Jesus stellt die Grundsätze dieser Welt auf den Kopf. Es bedarf Glauben, seine Aussagen zu verstehen, anzunehmen und anzuwenden.
  1. "Geistlich arm" ist jemand, wenn er seine Bedürftigkeit vor Gott, seine Abhängigkeit von Gott erkennt und anerkennt. Gute Nachricht Übersetzung: "... die nur noch von Gott etwas erwarten und nichts von sich selbst." Armut heißt Abhängigkeit, auf andere angewiesen sein. Wer sich in der geistlichen Dimension, d.h. was das Heil, das ewige Leben betrifft, von Gott abhängig erkennt, ist glücklich. Arme müssen ums Überleben kämpfen und betteln. Das geistliche Leben ist ein Überlebenskampf (z.B. Paulus, 2Kor 1,8; 4,7-11; 11,23-29) und "Betteln" im Sinn von Beten, was Jesus mit dem Gleichnis von der Witwe und dem ungerechten Richter veranschaulicht (Lk 18,1-8). Im Gegensatz zu den Armen im Geist stehen (Vgl. Jer 9,23-24):
  2. Es geht aber durchaus auch um die Armut in den Augen dieser Welt (Jak 2,5): materiell arm, hilflos, schwach, aber auch im Sinne von "armes Tschapperl", weil jemand der Torheit des Kreuzes anhängt, statt der Weisheit der Welt. Diese "Armen" hat Gott erwählt, dass sie reich sein sollen im Glauben (d.h. auf Erden) und Erben des Reiches (im Himmel). Wer in Christus ist, ist schon jetzt reich in den Augen Gottes, obwohl er - solange auf dieser Welt - auch immer arm sein wird in den Augen der Welt (2Kor 6,10). Auch an guten Werken kann er jetzt schon reich werden (1Tim 6,18; Apg 9,36). Aber eines Tages wird er dann sein Erbe im Himmel antreten, das ist sein Anteil am Reich Gottes - unvergänglich, unbefleckt, unverwelklich (1Petr 1,4).

Anwendung

  1. Herr, hilf mir, nicht nach weltlichem, seelisch-spirituellem oder religiösem Reichtum zu streben, nach irgendetwas, des ich mich rühmen kann, sondern nach der Erkenntnis Jesu Christi und nach seinem Ruhm. Bewahre mich davor, irgendetwas von dem, was du mir geschenkt hast, für mich besitzen zu wollen, mich damit rühmen zu wollen. Ich will lernen, noch viel mehr von dir abhängig zu sein; ich will das wahre Glaubensleben kennen lernen: täglich aus dem Vertrauen zu dir leben.
     
  2. Ich will mich nicht schämen, zu "betteln", d.h. beharrlich um Gottes Gnade und Segen zu flehen; ich will mit Freimütigkeit zum Thron der Gnade hinzutreten, um Barmherzigkeit und Hilfe zu suchen.
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Mt 5,4: Die Trauernden Gottes

Detail

Nicht die Trauernden allgemein sind gemeint, sondern die Trauernden Gottes, d.h. diejenigen, die um Gottes bzw. um Christi willen trauern. Die Trauer entsteht aus folgender Spannung: Wir wollen uns der Herrschaft Christi unterordnen, während wir in einer Welt leben, die diese Herrschaft ablehnt und selbst das Fleisch mit uns tragen, das diese Herrschaft ablehnt.
Wir trauern also erstens über den Mangel der Herrschaft Christi:

Wir trauern zweitens über die Folgen dieses Mangels:

Wir trauern drittens aufgrund der Anfeindungen als Diener Christi:

Besonders auf dem Trauern über die eigene Sünde und der daraus folgenden Buße liegt ein Segen (2Kor 7,8-10; Pred 7,2-4; Jak 4,7-10). Jakobus sagt: "Fühlet euer Elend, trauert und heulet!" Es ist Gnade das Elend, in dem man sich befindet, auch rechtzeitig zu fühlen, damit man sich davon befreien kann, und zwar durch Buße: "So unterwerfet euch nun Gott!"

Soweit es die Leiden Christi sind, in denen wir trauern, ist uns auch entsprechender Trost zugesagt: 2Kor 1,4-5

Anwendung

  1. Herr, lehre mich zu trauern über die Dinge, die dich traurig machen, im Besonderen die Sünde in meinem eigenen Leben.
     
  2. Ich will mich nicht scheuen vor der göttlichen Trauer, denn sie gehört zur Nachfolge Christi, zur Identifikation mit Christus.

    Ich will ihn erkennen, und die Gemeinschaft seiner Leiden und die Kraft seiner Auferstehung. Mit dem Maß des Mitleidens mit Christus werde ich auch die Auferstehungskraft erleben, mit dem Maß des göttlichen Trauerns auch den göttlichen Trost.
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Mt 5,5: Die Sanftmütigen

Detail

Zur Bedeutung des Wortes: Sach 9,9; Mt 21,5.
Das hebräische Wort bedeutet: arm, geplagt, niedrig, schwach, demütig, elend, sanftmütig.
Matthäus übersetzt es mit dem griechischen "praus": sanftmütig, von milder, freundlicher, ruhiger, zahmer und gelinder Gesinnung bzw. Geisteshaltung seiend.
Wenn man den hebräischen Hintergrund betrachtet, im Besonderen auch die Psalmstelle, an die sich Jesus hier anlehnt (Ps 37,11), so passt das Wort 100%ig in den Kontext der Seligpreisungen. Der Sanftmütige in diesem Sinne ist der Prototyp des von Jesus Seliggepriesenen. Es ist derjenige, der sich nicht selbst zu seinem Recht verhilft, sondern der mitten in einer feindseligen, gottlosen Umwelt aus Glauben lebt, in der Hoffnung auf das baldige Anbrechen der Gottesherrschaft. Dann wird er zu seinem Recht kommen, dann wird er sein Erbe bekommen, dann wird er das Land besitzen. Er sucht nicht hier auf dieser Welt eine bleibende Stadt, denn er weiß, das Reich Jesu ist nicht von dieser Welt. Der Sanftmütige/Demütige trägt die Schmach Christi außerhalb des Lagers, d.h. er weiß, dass er als Nachfolger Jesu im System dieser Welt nicht "in" sein kann; irdisch gesehen steht er im Abseits. Er sucht die zukünftige Stadt, das zukünftige Land (Hebr 11,13-16; 13,13-14).

Ps 37,1-11: Wir finden hier ein Beschreibung des Sanftmütigen:

Laut Ps 37 werden das Land besitzen:

Anwendung

  1. Vater, hilf mir bitte, stille zu sein, nicht auf menschliche Kraft, Größe, Sicherheit zu bauen, mir nicht selbst zu helfen, sondern alles dir anzubefehlen, auf dich zu vertrauen.
     
  2. Ich will mir neu bewusst machen, dass ich nicht von dieser Welt bin, auch keine bleibende Stadt hier habe, sondern eine zukünftige, von Gott bereitete, suche. Vergib mir Herr, dass ich oft so tue, als wäre ich hier zu Hause, als müsste ich es mir hier gemütlich machen. Zeige mir bitte, wo ich mehr als bisher die Schmach Christi außerhalb des Lagers tragen muss, wo ich zu angepasst bin; ich will mich des Evangeliums nicht schämen, sondern um der Gemeinschaft mit Christus willen auch die Gemeinschaft seiner Leiden in Kauf nehmen.
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Mt 5,6: Natürliches Verlangen nach Gerechtigkeit

Detail

Gerechtigkeit ist ein Wesensmerkmal Gottes. Wer sich nach Gott sehnt, muss sich auch nach Gerechtigkeit sehnen. Nach Gerechtigkeit zu hungern und zu dürsten heißt, ein natürliches Verlangen danach zu haben, das aus der neuen geistgeborenen Natur stammt. So wie Jesus in V.3 die geistliche Armut lobt, in dem Sinn, dass der Mensch sich vor Gott bedürftig sieht, so auch den Hunger nach der Gerechtigkeit in dem Sinn, dass der Mensch erkennt, dass er Mangel an Gerechtigkeit vor Gott hat und mit diesem Mangel zu Gott kommt. Im Weiteren kann der Hunger nach Gerechtigkeit aber die Sehnsucht nach dem Reich Gottes bedeuten, wo der Herr in Gerechtigkeit herrschen wird. Vor dem Antritt dieser Gottesherrschaft bei der Wiederkunft Jesu wird diese Sehnsucht nur in bestimmtem Rahmen erfüllt, nämlich in der Gemeinschaft mit Gott und den Geschwistern (und auch hier nur zum Teil), dann aber wird sie völlig gestillt werden.

Anwendung

  1. Das Verlangen nach Gerechtigkeit auf mein eigenes Leben bezogen heißt Heiligung. Einerseits die immer wieder neue Inanspruchnahme der Vergebung, andererseits die Abkehr von der Sünde, die Absonderung für Gott. Oft sehne ich mich nur wenig nach dieser Heiligung, dabei ist sie so natürlich wie Essen und Trinken für den Hungrigen und Durstigen. Doch diese Natürlichkeit entspringt dem Geist, und nur wo der Geist Raum hat, wird dieser Hunger wachsen; das ist da, wo ich auf Jesus blicke und seine Gemeinschaft suche.
     
  2. Herr, lass den Hunger und Durst nach Heiligung in mir wachsen. Lass mich nie zufrieden sein, wo ich dir nicht geheiligt bin, wo ich mir selbst lebe statt dir. Lass dieses Verlangen in mir so natürlich werden wie Hunger und Durst.
     
  3. Danke Herr, dass du eines Tages in Gerechtigkeit die ganze Welt regieren wirst; danke, dass das Unrecht nicht das letzte Wort hat, sondern du.
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Mt 5,7: Die Barmherzigen

Detail

Schon im AT fordert Gott Barmherzigkeit.: Dan 4,24; Hos 6,6; Am 1,11; Mt 23,23
Jesus zitiert die Stelle aus Hosea mehrmals: Mt 9,13; 12,7
Damit wird auch konkreter, was Jesus mit Barmherzigkeit meint:
  1. Sich mit Zöllnern und Sündern abgeben, um sie zur Nachfolge zu rufen; mit Kranken, um sie zu heilen.
     
  2. Nicht kleinlich sein bei formalen Verstößen gegen die Gebote, sondern immer den Herrn, der diese Gebote gegeben hat, vor Augen haben; die Gebote nicht nach dem Buchstaben, sondern nach dem Geist beurteilen.
     
  3. Am klarsten wird uns die Barmherzigkeit, wenn wir das Wesen Jesu und das Wesen Gottes im AT und NT betrachten - wir sollen barmherzig sein wie unser Vater (Lk 6,36):
  4. Wer Christi Herz der Barmherzigkeit in sich hat und die Barmherzigkeit nicht erstickt (Am 1,11), der wird auch selbst Barmherzigkeit erlangen, denn die Barmherzigkeit rühmt sich wider das Gericht (Jak 2,13). Dieses Prinzip von Saat und Ernte finden wir häufig in der Schrift (Lk 6,37-38; Mt 6,12.14; 7,1; 10,32-33; 18,33; Röm 2,6-10; Gal 6,7; 2Kor 5,10).
    Dieses Prinzip dürfen wir in einer einseitigen Betonung der Gnade Gottes nicht vernachlässigen. Auch wir, die Kinder Gottes, werden vor dem Richterstuhl Christi erscheinen, und dann wird mitunter entscheidend sein, ob wir Barmherzigkeit geübt haben oder nicht.

Anwendung

  1. Das Wichtigste ist wohl: Ich muss der Not, wo ich sie antreffe, angemessen begegnen. Das bedeutet u.a., dass ich nicht die Person ansehen darf, sondern gerade auf die Verachteten, auf die Sünder, die Gefallenen zugehen soll.
     
  2. Mein Motiv dabei muss immer Liebe sein, das Wohl des Anderen; nie darf ich Gedanken des Hochmuts, der Herablassung, der Suche nach Anerkennung bei Menschen Raum geben.
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Mt 5,8: Die innwendig Reinen

Detail

  1. In der damaligen jüdisch-religiösen Welt zählte die äußere, die kultische Reinheit: Waschungen, Speis- und Trank- Vorschriften, usw. Jesus macht deutlich, dass nicht, was von außen nach innen geht, sondern was von innen, vom Herzen hinausgeht, den Menschen verunreinigt (Mt 15,18-20; 23,25-28).
     
  2. Die äußere Reinheit ist von Menschen natürlich leichter beurteilbar als die innere. Aber es geht eben nicht darum, Menschen zu gefallen, sondern Gott, der das Herz ansieht (1Sam 16,7). Das ist das Wesen des Glaubens (Hebr 11,6).
     
  3. Die Reinheit des Herzens erlangt ein Mensch durch Glauben an Gott; indem er ihm zu gefallen sucht, wird er den Weg finden, d.h. den Weg zu Christus und in ihm wird er Gott schauen, denn er ist das Ebenbild seines Wesens (Kol 1,15; Hebr 1,3). In der Gemeinschaft mit Christus haben wir Umgang mit Gott. Je mehr wir uns heiligen, d.h. unsere Herzen reinigen, desto intimer (Spr 22,11) ist die Gemeinschaft.
    Hebr 12,1-2: In einem gewissen Maß ist die Schau Gottes durch den Blick auf Christus in der Heiligung des Geistes jetzt schon möglich. Eines Tages werden wir ihn in Vollkommenheit schauen, und eben diese Hoffnung ist es, die uns in der Heiligung vorantreibt (1Joh 3,2-3).
     
  4. 1Petr 1,22: Im Besonderen ist die Reinigung der Herzen eine Reinigung
    • durch den Gehorsam gegen die Wahrheit
    • zur ungeheuchelten Bruderliebe.
    Deshalb sollen wir uns mit Inbrunst aus reinem Herzen lieben.

Anwendung

  1. Ich will mich heiligen lassen im Aufblick auf Christus; d.h.
    • indem ich ihn jetzt im Wort und im Gebet besser kennen lerne,
    • indem ich mich ausrichte auf den Tag, wenn er offenbar werden wird und ich mit ihm.
    Nicht ich muss mich heiligen, der Vater heiligt mich durch seinen Geist, der mich in die Wahrheit des Wortes Gottes leitet, aufgrund der Fürsprache des Sohnes (Joh 17,17; 2Kor 3,18; 2Thess 2,13)
    Danke Vater, dass du mich heiligst, danke für dein Wort, danke für deinen Geist, danke für deinen Sohn, der sich für mich hingegeben hat und für mich eintritt. Danke, dass du für alles vorgesorgt hast, was ich zur Heiligung brauche.
     
  2. Ich will mich reinigen von aller Unsauberkeit, indem ich sie bekenne, um Vergebung bitte und mich im praktischen Wandel davon abwende. Ich habe meine Seele gereinigt durch den Gehorsam gegen die Wahrheit zur ungeheuchelten Bruderliebe und will es von neuem tun, wo es notwendig ist. Gottes Geist zeigt mir durch das Wort die göttliche Wahrheit, das Gebot der Liebe. Im Gehorsam bitte ich um Vergebung für alle Lieblosigkeit und richte meinen Sinn auf die Liebe. Sie muss praktisch, eifrig (w. angespannt), ungeheuchelt, rein sein.
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Mt 5,9: Die Friedensstifter

Detail

  1. Was heißt "Frieden stiften" oder eigentlich "Frieden machen"?
    • Eph 2,14-17: Christus ist der Friedensstifter, denn er hat die Feindschaft zwischen Gott und Menschen beseitigt. Gleichzeitig hat er damit auch Frieden zwischen verfeindeten Menschen geschaffen. In diesem Sinn heißt also Frieden stiften, Menschen zuerst zum Frieden mit Gott und dadurch zum Frieden mit den Mitmenschen zu führen (2Kor 5,20).
    • Kol 1,20-21: Frieden machen heißt aber im Besonderen auch, selbst den Preis zu bezahlen, um die Feindschaft aus dem Weg zu räumen. Für Christen bedeutet dies, zu vergeben, den ersten Schritt zur Versöhnung zu tun, nicht Rache zu üben, den Feinden Gutes zu tun (Röm 12,17-21; 1Petr 3,8-12).
       
  2. Friede ist ein Wesensmerkmal von Christen (Gal 5,22; Hebr 12,14; Röm 14,19).
     
  3. Jak 3,13-18: Wer göttlich weise ist, ist friedsam. Er wird Frieden stiften und Gerechtigkeit ernten.
     
  4. So wie der Sohn Gottes der Friedensstifter ist, so werden auch wir Söhne Gottes heißen, wenn wir ihm nacheifern und Frieden stiften. Es reicht nicht, passiv zu sein, selbst nicht aggressiv zu sein; es geht darum, aktiv und unter Opfern den Frieden herzustellen, soweit es an uns liegt.

Anwendung

  1. Herr, hilf mir, es dir gleich zu tun und ein Friedensstifter zu sein, indem ich selbst bereit bin, den Preis für den Frieden mit meinen Mitmenschen zu zahlen; hilf mir nicht nachtragend zu sein, sondern die Versöhnung zu suchen, zu vergeben, Gutes zu tun, auch wenn mir Böses getan wird.
     
  2. Ich will ein Friedensstifter in dem Sinn sein, dass ich als Botschafter an Christi Statt die Menschen zur Versöhnung mit Gott einlade.
     
  3. Ich will dem Frieden nachjagen. Wenn ich mich nicht anstrenge und beeile, wird er mir entwischen.
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Mt 5,10: Die verfolgten Gerechten

Detail

  1. Dieses ist das letzte "Glückselig die ...". Das erste (V.3) hat die Verheißung "ihrer ist das Reich der Himmel" und ebenso das 8. und letzte. Siehe auch Lk 10,20: es gibt viel Grund zur Freude im Dienst Gottes, aber das größte ist für die Kinder Gottes, dass ihr Name im Buch des Lebens im Himmel aufgeschrieben ist, dass sie Erben des Himmelreiches sind, dass sie ewiges Leben im Reich Gottes haben werden (Röm 6,22-23).
     
  2. Die erste Seligpreisung redet von der Beziehung zu Gott, nämlich der bewussten Abhängigkeit, der Bedürftigkeit vor ihm, die letzte Seligpreisung redet von den Auswirkungen der Nachfolge in der Welt, nämlich der Verfolgung. Siehe auch 1Petr 2,19-23.
     
  3. Hebr 12,2: Jesus selbst hat den Glauben begonnen (sein Kreuzesweg) und ist bis zum Ende des Laufes gekommen: die himmlische Freude, die er während des ganzen Laufes vor Augen hatte. Andererseits ist er aber auch der Vollender unseres Glaubens, d.h. er wird das Ende, die Errettung der Seelen bei unserem Tod - bzw. wenn er wiederkommt - wirken.

Anwendung

  1. Ich will mir erneut des Vorrechtes bewusst werden, dass ich ewiges Leben haben darf, ein unvergängliches Erbteil im Reich Gottes. Das ist Grund zur größten Freude. Dafür will ich Gott von ganzem Herzen danken.
     
  2. Für dieses Vorrecht lohnt es sich auch, Leid in Kauf zu nehmen. Zwar kenne ich die Verfolgung um der Gerechtigkeit willen kaum, aber der Herr Jesus redet ganz deutlich davon, und so will ich mich darauf einstellen, dass auf die eine oder andere Weise - im Beruf, in der Gesellschaft oder anderswo - Spott, Beschimpfung, Verleumdung, Leid oder Verfolgung auf mich zu kommen werden. Herr hilf mir bitte, dann nicht zurückzuziehen sondern mich zu freuen, dass ich würdig geachtet werde, für dich zu leiden.

Mt 5,11-12: Die um Jesu willen Verfolgten

Detail

  1. Jesus wendet sich jetzt direkt - in der 2. Person - an die Zuhörer. Die Aussage ist ähnlich wie die letzte Seligpreisung. Sind die Seligpreisungen allgemein gültig - d.h. in jeder Zeitepoche - macht Jesus hier den Übergang vom AT, wo auch schon die Propheten verfolgt wurden, zum NT, wo die Nachfolger Jesu um Jesu willen Schmähung, Verfolgung, Verleumdung zu ertragen haben. Sie sollen sich darüber freuen, weil sie einen großen Lohn im Himmel haben.
     
  2. Sieht man diese beiden Verse als Parallelismus zu V.10; so bedeutet der große Lohn im Himmel einfach, das Himmelreich zu besitzen, d.h. in der Errettung und im ewigen Leben liegt schon ein gewaltiger Lohn, obwohl es sich eigentlich um ein Geschenk handelt. Darüber hinaus aber wird der Herr einen jeden entsprechend seiner Arbeit belohnen.
     
  3. Paulus wendet diese Wahrheit für sein Leben so an (2Kor 4,16-18).

Anwendung

  1. Ich will mich darüber freuen, wenn ich um Jesu willen verspottet oder verleumdet werde, z.B. bei Freiversammlungen. Es ist ein Vorrecht, für Christus zu leiden.
     
  2. Mein Leben hier auf Erden will ich bewusst als Pilgerreise sehen und mir stets das Ziel der Reise vor Augen halten. Wie Mose will ich die Schmach Christi für größeren Reichtum halten als die Schätze dieser Welt, indem ich auf die Belohnung sehe. Herr, hilf mir bitte, Schätze im Himmel zu sammeln und nicht auf der Erde.
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Mt 5,13: Das Salz der Erde

Detail

  1. Salz war damals im Nahen Osten ein sehr wertvolles Handelsgut. Es gibt Geschmack und konserviert. Aber es wird immer in verhältnismäßig geringen Dosen verabreicht. So sind auch die Jünger Jesu auf Erden in der Minderzahl und doch konservieren sie die Erde, d.h. ihretwegen hält Gott das Verderben zurück. Und die Jünger Jesu sind es, die durch ihr Leben - wie es in der Bergpredigt beschrieben ist - und durch ihr Wort der Welt Würze bringen:
    • vor Gott, der an ihnen Gefallen hat,
    • vor den Menschen, die durch das Zeugnis der Jünger Jesu angesprochen werden; sie merken, dass ihr Leben und ihr Wort Kraft hat und nicht fad ist (Kol 4,6).
    Aber diese Kraft des Jüngers kommt aus Christus bzw. aus dem heiligen Geist. Der Jünger muss sich vom Geist füllen lassen, um den Worten der Bergpredigt gehorchen und kraftvolles Salz sein zu können.
     
  2. "Salz der Erde": Jesus deutet hier schon an, dass die Jünger ihren Wirkungskreis nicht auf Judäa beschränken sollten, sondern auf die ganz Erde. Es wäre sonst, wie wenn nur ein kleiner Bissen einer Speise gesalzen wäre und der Rest nicht. Salz soll aber gleichmäßig verteilt sein.

Anwendung

  1. Ich brauche mich nicht zu grämen, dass die Jünger Jesu in der Minderzahl sind. So hat es der Herr vorhergesagt, und es entspricht dem Wesen des Salzes.
     
  2. Herr Jesus, lass mich deine Worte so weit verstehen, dass ich ihnen gehorchen kann und hilf mir bitte dabei, sie umzusetzen. Ich möchte kraftvolles Salz sein, möchte durch mein Leben und durch meine Worte Gnade und den Geschmack des Salzes vermitteln. Bewahre mich davor, dass ich durch Anpassung an die Welt fade werde.
     
  3. Ich will mir neu die Bedeutung der Weltmission bewusst machen: Nicht nur wo ich lebe, bzw. in bestimmten Gegenden der Welt soll das Salz sein, sondern überall gleichmäßig verteilt. Wenn ich nicht selbst berufen bin, in andere "ungesalzene Gegenden" zu gehen, so will ich doch im Gebet und mit finanziellen Mitteln zur Verteilung des Salzes beitragen.
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Mt 5,14-16: Das Licht der Welt

Die Jünger Jesu sollen das Licht der Welt sein, das sie nicht verborgen sondern für alle sichtbar leuchten lassen sollen, indem sie die Menschen ihre guten Werke zur Ehre Gottes sehen lassen.

Detail

  1. Jesus war das Licht der Welt, solange er auf Erden war (Joh 8,12; 9,5). Diese Funktion geht (auch) auf seine Jünger über. Durch den heiligen Geist tragen sie das Zeugnis Jesu weiter.
     
  2. "eine Stadt, die auf einem Berge liegt": Nachfolger Jesu ragen durch ihr Zeugnis heraus, sie können nicht verborgen bleiben.
     
  3. "und setzt es unter einen Scheffel": Wie können das Zeugnis Jesu, die guten Werke des Christen offenbar werden? Indem er die neue geistliche Natur, die er bei der Neugeburt bekommen hat, nicht unter den Eimer der alten Natur, des Fleisches steckt, so dass die neue Natur verborgen bleibt. Daher soll das Gotteskind im Geist wandeln und die Frucht des Geistes hervorbringen statt die Werke des Fleisches. Dies geschieht dadurch, dass es sich bewusst macht, dass es Christus gehört und das Fleisch gekreuzigt hat (Gal 5,24).
     
  4. Die Betonung liegt hier nicht auf den Worten der Jünger, durch die sie die Welt erhellen sollen, sondern auf ihren Werken, d.h. auf dem Zeugnis ihres Lebens. Durch das Zeugnis der Jünger wirft Gott Licht auf das Leben der Menschen, so dass sie beschämt werden, sich als Sünder erkennen und danach fragen, was es ist, was Jesu Jünger haben und was ihnen selbst fehlt.
     
  5. Das Ziel des Zeugnisses der Jünger muss sein, dass der Vater verherrlicht wird. Alles andere, jeder Anflug von Ehre-für-sich-selbst-nehmen geht am Ziel vorbei und hat nichts mit dem Licht der Welt zu tun.

Anwendung

  1. Danke, Herr Jesus, für das unglaubliche Vorrecht, dein Nachfolger als Licht der Welt zu sein. Lass mich bitte dieser Verantwortung voll bewusst werden.
     
  2. Mache mir neu bewusst, dass ich dein bin und das Fleisch gekreuzigt habe. Es soll nicht länger das Licht des neuen Lebens verdecken, das du mir geschenkt hast. Lass mich ein helles Licht in dieser Welt werden, das von vielen gesehen wird. Gestalte mein Leben so um, dass Menschen die göttliche Kraft darin erkennen. Hilf mir auch heute, in den guten Werken zu wandeln, die du zuvor für mich bereitet hast.
     
  3. Bewahre mich davor, dass ich mich in guten Werken rühme, dass ich ein Stückchen Anerkennung für mich selbst zurückbehalten will. Möge mein Leben allein den Vater verherrlichen.
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Mt 5,17-20: Die Erfüllung des Gesetzes

Jesus ist nicht gekommen, um das AT aufzulösen, sondern um es zu erfüllen. Es wird bis zu seiner detaillierten Erfüllung bestehen. Kein Mensch hat das Recht, eines der Gebote in Lehre oder Praxis als unwichtig abzutun. Wer aber das ganze Wort Gottes lehrt und tut, der ist groß im Himmelreich. So wie die Schriftgelehrten und Pharisäer mit dem Wort Gottes umgehen, kommen sie erst gar nicht in das Himmelreich.

Detail

  1. Es soll uns nicht wundern, dass Jesus das AT hochhielt und seine Befolgung lobte. Zum Zeitpunkt, als er redete, hatte das AT seine volle Gültigkeit. Es gab für niemanden eine Ausrede, warum er es nicht bis ins Kleinste ernst nehmen sollte. Wer Gottes bis dahin geoffenbartes Wort nicht ernst nahm, der würde auch die neue Offenbarung Gottes, nämlich Christus nicht ernst nehmen. Es geht um die grundsätzliche Einstellung gegenüber Gottes Wort. Das Gesetz war als Zuchtmeister auf Christus hin gegeben (Gal 3,24). Wer es ernst nahm und zu erfüllen versuchte (nicht nur nach dem Buchstaben sondern nach dem Geist), der war für den Messias, für die Erlösung aus Gnaden vorbereitet. Wer den Zuchtmeister nicht annahm, war nicht bereit für Christus. Die Rabbiner lehrten, dass Propheten oder Schriftgelehrte das Recht hatten, bestimmte "minderwertige" Gebote, d.h. die sich nicht auf Götzendienst beziehen, eine zeitlang auszusetzen, wenn der Nutzen dies rechtfertigt. Darauf bezieht sich Jesus wohl, wenn er vom "Auflösen der kleinsten Gebote" spricht.
     
  2. Nachdem Jesus den alten Bund erfüllt und den neuen gestiftet hat (Hebr 8,6), konnten die Apostel aufgrund der ihnen von Christus verliehenen Autorität (Mt 18,18) Teile des AT als erfüllt und damit nicht mehr relevant im neuen Bund sozusagen "lösen". Siehe z.B. Apg 15,28-29: Das ist alles, was vom zeremoniellen Gesetz im neuen Bund übrig blieb, das moralische Gesetz (Liebe zu Gott und dem Nächsten) wurde von Jesus und den Aposteln bekräftigt und vertieft. Dazu gehören auch die 10 Gebote außer dem Sabbat-Gebot, das im NT nicht bekräftigt wird.
     
  3. Jesus kommt nicht einfach so in die Geschichte hinein und gründet einen neuen Glauben, sondern er kommt als Erfüllung des AT. Matthäus zeigt immer wieder auf, wie in Christus die Prophezeiungen des AT ihre Erfüllung finden. Lk 24,25-27 macht deutlich, dass das ganze AT auf Christus und sein Erlösungswerk hindeutet.
     
  4. Die Erfüllung des Gesetzes ist eigentlich eine Vollfüllung (griech.), wohl in dem Sinn, dass Jesus dem Gesetz die volle Bedeutung gab:
  5. Das Zeitalter des Gesetzes in seiner Form des Buchstabens, des Joches, als System von Bildern und Schatten hat mit Christus aufgehört. Der Geist, die Substanz des Gesetzes lebt im neuen Bund weiter in der Liebe zu Gott und zu den Menschen. Das ist die wahre Erfüllung des Gesetzes:
    Mt 22,37-40; Röm 13,8.10; Gal 5,14: So hat Christus es erfüllt, so sollen auch seine Jünger lehren und tun.
     
  6. Rede und Tat müssen zusammenpassen. Das ist ein allgemein gültiges Prinzip; alles andere ist Heuchelei; genau dieser haben sich die Pharisäer schuldig gemacht (Mt 23,3), und deshalb hat Jesus sie so scharf zurechtgewiesen.

Anwendung

  1. Ich muss Gottes ganzes Wort ernst nehmen. D.h. zuallererst den neuen Bund und dann den alten Bund im Licht des neuen Bundes. Auch die Gebote des neuen Bundes sind in gewisser Weise ein Zuchtmeister auf Christus hin. Indem ich versuche, sie zu halten, erkenne ich deutlich, dass ich das aus mir heraus nicht kann und fliehe zu Christus; nur in ihm kann ich das königliche Gesetz erfüllen. Wenn ich aber versuche seine Gebote so abzuschwächen, dass ich ihnen mit menschlicher Kraft genügen kann, dann mache ich Gottes Wort zunichte und beraube mich selbst sowohl der Wahrheit als auch der göttlichen Kraft.
     
  2. Herr, hilf mir bitte, integer zu sein, Wahrheit zu reden und Wahrheit zu tun, und nicht groß mit Worten zu sein und ein Versager in der Tat. Lehre mich, ein wahrhafter Lehrer zu sein, der das, was er lehrt, selbst tut.
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Mt 5,21-26: Über das Töten in Gedanken und Worten

Die religiöse Tradition sagt, wer tötet, verfällt dem Gericht. Jesus geht weiter und sagt, wer dem Bruder zürnt oder ihn beschimpft, hat nicht nur ein menschliches Gericht, sondern sogar die Hölle verdient. Wer Gott mit einer Gabe nahen will, soll sich zuerst mit seinem Bruder versöhnen, und wer jemandem etwas schuldig ist, soll es ihm rasch und freiwillig erstatten und nicht warten, bis es eingeklagt wird.

Detail

  1. Jesus hebt keineswegs das Gesetz auf, auch nicht in den folgenden Versen, er vertieft nur seine Bedeutung, indem er es gemäß seinem Endzweck - nämlich der Liebe - auslegt und anwendet. Er korrigiert die oberflächliche, traditionelle Auslegung.
     
  2. Jesus macht klar, dass es bei Gott nicht nur um die Taten geht, sondern auch um die Gedanken und Motive des Herzens und um Worte. Wer kann vor solch einem Richter bestehen?
     
  3. Damit führt Jesus das Gesetz seiner eigentlichen Rolle im Heilsplan Gottes zu: es soll dem Menschen zeigen, dass er nicht aus Gesetzeswerken sondern nur durch Christus vor Gott gerechtfertigt werden kann. Somit ist es ein Zuchtmeister auf Christus hin, d.h. eines Erziehers, der zu Christus hinführt (Gal 2,15-16; 3,24).
     
  4. Wer mit seinem Bruder unversöhnt ist - soweit es an einem selbst liegt -, der ist auch mit Gott unversöhnt. Die Sünde gegenüber dem Bruder steht auch zwischen ihm und Gott. D.h. jede Sünde am Mitmenschen ist auch eine Sünde an Gott. Ich kann nicht sagen, zwischen mir und Gott ist alles in Ordnung, wenn von meiner Seite aus etwas zwischen mir und meinem Bruder ist. Das gilt im Besonderen dann, wenn ich in seiner Schuld stehe, d.h. wenn er zurecht etwas gegen mich hat. Wenn ich nicht die Versöhnung suche, steht es zwischen mir und Gott (V.23-24) und zwischen mir und dem Bruder und wird mir aus dem heraus zum Schaden sein (V.25-26).

Anwendung

  1. Auch für mich gilt das Gesetz noch in dem Sinn, dass es mir Schuld aufzeigt; dass es mich davor bewahrt selbstgerecht zu werden. Jesu Worte machen mir klar, dass ich täglich seine Vergebung brauche. Danke Herr Jesus, dass ich dich habe, sonst gäbe es keine Hoffnung für mich vor einem so heiligen Gott, der bis auf den Grund meines Herzens sieht und all meine Gedanken und Motive kennt.
     
  2. Herr, zeige mir bitte, wo Dinge zwischen mir und dem Bruder stehen, die ich bereinigen muss und besonders, wo ich an jemandem schuldig geworden bin und die Schuld begleichen muss.
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Mt 5,27-30: Über das ehebrecherische Herz

Das traditionelle Verständnis des Gesetzes verurteilte bloß die Tat des Ehebruchs, Jesus aber erklärt, dass der Ehebruch schon mit den Augen und im Herzen stattfindet. Wäre damit der Anstoß zur Sünde beseitigt, so wäre es besser, sich von einem Auge oder von einer Hand zu trennen, als in die Hölle geworfen zu werden.

Detail

  1. Wieder zeigt Jesus, wonach im Gericht beurteilt werden wird: nicht nur nach äußeren Taten, sondern auch nach Blicken und Gedanken des Herzens.
     
  2. Wäre es wirklich das Auge oder die Hand, die den Anstoß zur Sünde gäben, und wäre man den Anstoß zur Sünde los, wenn man sich von dem Auge oder der Hand trennte, so würde es sich lohnen, dies zu tun. Es ist offensichtlich, dass man so der Sünde nicht Herr wird; eben weil sie im Herzen entsteht. Aus dem Herzen kommt alles Böse hervor (Mt 15,19). Mit dem Mittel der offensichtlichen Überzeichnung macht Jesus 2 Dinge klar:
    1. Wie schlimm die Sünde ist. Es ist furchtbar, sich ein Glied auszureißen, aber das ist noch viel besser als die Konsequenzen, die unsere Sünde mit sich bringt: den ewigen Tod, die Hölle.
    2. Dass der Mensch sein altes Herz loswerden muss. Darum geht es ja genau im Evangelium: dass Gott dem Menschen ein neues Herz anbietet, neues Leben aus Gott (Hes 11,19; 2Kor 5,17; Joh 3,5-6). Es mag wehtun, das alte loszulassen, aber es muss sein; und das neue, das Gott uns schenkt, ist es unbedingt wert.
       
  3. Mit dieser Aussage bringt Jesus das Gesetz zu seiner Erfüllung im Sinne seiner eigentlichen Bestimmung: Es zeigt, wie hoffnungslos verloren der Mensch ist, er kann aus Gesetzeswerken niemals gerechtfertigt werden, er braucht die Erlösung in Christus, er braucht Vergebung und ein neues Herz. So wirkt das Gesetz als Zuchtmeister auf Christus hin.

Anwendung

  1. Herr Jesus, ich danke dir, dass ich nicht an meinem ehebrecherischen Herzen zugrunde gehen muss, dass ich mir auch keine Glieder ausreißen brauche, sondern dass ich dein teueres Blut habe, in dem ich mich rein waschen darf. Ich danke dir auch, dass du mir ein neues Herz gegeben hast, dass ich mit dir der Sünde, auch den ehebrecherischen Gedanken, sterben durfte und jetzt mit dir und für dich leben darf, nicht aus meiner Kraft, sondern aus der Kraft des heiligen Geistes.
     
  2. Das soll auch der Inhalt meiner evangelistischen Botschaft sein, dass Jesus gekommen ist, um uns ein neues Herz zu geben, weil unsere alte Natur unfähig ist, vor Gott gerecht zu sein.
     
  3. Ich muss mir auch bewusst sein, welche Dinge mir Anstoß zur Sünde geben. Diese Dinge soll ich ganzherzig loslassen, aber auch das kann ich nur in der Kraft des Geistes.
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Mt 5,31-32: Über die Ehescheidung

Jesus verurteilt die Sitte, aus Willkür seine Frau zu entlassen. Nur Hurerei ist ein Grund zur Scheidung. So ist Scheidung in jedem Fall ein Bruch der Ehe. Entweder wird sie durch Hurerei gebrochen oder durch Scheidung.

Detail

  1. Die Rabbiner-Schule von Hillell und die Rabbiner-Schule von Schammai stritten über diesen Punkt. Die Pharisäer neigten zur Ansicht Hillells, dass ein Mann seine Frau entlassen darf, wenn er keinen Gefallen an ihr findet, aus welchem Grund auch immer. Schammai deutet 5Mo 24,1-2 so, dass Unreinigkeit (im sexuellen Sinn) vorliegen muss, um die Frau entlassen zu können. Jesus gibt dem letzteren Recht und verurteilt damit die Pharisäer.
     
  2. Jesus stellt damit kein neues Gesetz auf, sondern erklärt den eigentlichen Sinn des Gesetzes. Gott macht schon im AT klar, was er von Ehescheidung/Entlassung hält (Mal 2,15-16).
     
  3. Scheidung im NT: Mt 19,3-12; Mk 10,11-12; Röm 7,1-3; 1Kor 7,10-17
    Daraus ergibt sich auch für den neuen Bund, dass es Unrecht ist,
    1. sich scheiden zu lassen außer
      • wegen Unzucht oder
      • wenn der ungläubige Partner es will,
    2. wieder zu heiraten, wenn man geschieden ist, außer
      • man ist unschuldig geschieden oder
      • der geschiedene Partner ist tot oder
      • man heiratet wieder den geschiedenen Partner. Im AT durfte ein Mann nicht seine geschiedene Frau noch einmal heiraten, falls sie inzwischen einen anderen Mann hatte. Im NT steht darüber nichts Ausdrückliches.
    3. eine geschiedene Person zu heiraten, außer
      • sie ist unschuldig geschieden oder
      • ihr geschiedener Partner ist tot.
         
  4. Das ganze zeigt, wie heilig die Ehe in Gottes Augen ist. Sie ist von Gott als Lebensgemeinschaft gedacht, als höchstes Maß der Einheit, die zwei Menschen auf Erden erreichen können.
     
  5. Es zeigt auch, wie gnädig Gott ist, der die Menschen im Allgemeinen und sein Volk im Besonderen, die den Bund mit ihm verlassen haben, wieder annimmt, obwohl sie ehebrecherischen Götzendienst getrieben haben. Gott will die Gemeinschaft, die Einheit wieder herstellen. Er hat durch das stellvertretende Opfer Christi die Schande, die Unreinigkeit, den Ehebruch weggenommen, der unsere Wiedervereinigung mit Gott unmöglich machte. Ein Bild dafür gibt uns der Prophet Hosea, dem Gott befahl, seine Frau, die Ehebruch getrieben hatte, wieder zu sich zu nehmen. Gottes Ziel ist die Wiederherstellung seines Ehebundes mit seinem Volk und mit der Menschheit: Hos 2,19-20.

Anwendung

  1. Die Ehe ist heilig. Einheit ist göttlich, Trennung teuflisch. Herr, hilf mit bitte, dass unsere Einheit immer größer wird, besonders auch im geistlichen Bereich. Vergib mir bitte, wo ich oft Trennendes in die Ehe eingebracht habe.
     
  2. Danke Herr, für deine unglaubliche Liebe: dass du uns, die wir untreu waren, zurückgekauft hast vom Sklavenmarkt der Sünde. Besonders danke ich dir, dass du auch mich trotz oftmaliger Untreue immer wieder angenommen und abgewaschen hast. Du willst die Gemeinschaft mit mir, und deine Liebe hat alle Hindernisse überwunden. Dafür preise ich dich. Ich sehne mich auch nach der Gemeinschaft mit dir. Ich will dich lieben von ganzem Herzen, mit meiner ganzen Seele und mit meinem ganzen Verstand.
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Mt 5,33-37: Die Wahrhaftigkeit der Reichsbürger

Jesus wendet sich gegen die formalistische Anwendung des Gesetzes im Bezug auf Schwüre und Eide. Statt Schwurformeln zu finden, die Gott nicht beinhalten und somit vermeintlich nicht bindend sind, sollte man (in solchen Fällen) gar nicht schwören. Die Bürger des Reiches Gottes müssen glaubwürdig sein, so dass ein Ja ein Ja ist und ein Nein ein Nein.

Detail

  1. Über Schwüre und Eide:
    AT: 2Mo 20,7; 3Mo 19,12; 4Mo 30,2-16; 5Mo 5,11; 23,23; Ps 50,14
    NT: Jak 5,12
  2.  
  3. Die traditionelle Auffassung des Gesetzes ging auch in diesem Punkt am Sinn vorbei. Gott betonte, dass man nicht falsch schwören sollte, sondern wahrhaftig sein soll. Die Juden betonten, dass man nicht falsch beim Namen Gottes schwören sollte und folgerten daraus, dass es erlaubt war, ohne Bezug auf den Namen Gottes falsch zu schwören. Daher wurden Schwüre sehr häufig verwendet, wo es gar nicht notwendig wäre - gerade so als ob ein Wort erst Gewicht und Gültigkeit hätte, wenn es mit einem Schwur verbunden ist. Das ist eine zutiefst menschlich-fleischliche Eigenschaft, gegen die sich Jesus wendet.
     
  4. Jesu Leute, die Bürger seines Reiches, brauchen nicht zu schwören - jedenfalls nicht, wenn es nicht von ihnen verlangt wird ( z.B. vor Gericht), denn sie fühlen sich ohnedies der Wahrheit verpflichtet.
     
  5. Man könnte Jesu Worte in Mt 26,63-64 als Aussage unter Eid verstehen, und auch Paulus ruft Gott zum Zeugen über die Wahrheit seiner Aussagen auf: 2Kor 1,23; Gal 1,20. Daraus muss man schließen, dass Jesus nicht jede Art von Schwur verbietet, sondern in diesem Zusammenhang spricht er von der häufigen, unnötigen und heuchlerischen Anwendung. Also kann auch ein Christ, wenn es das Gesetz von ihm verlangt, guten Gewissens unter Eid aussagen.
     
  6. Dass Jakobus diese Lehre Jesu in seinem Brief ausdrücklich wiederholt (Jak 5,12), zeigt, dass die Judenchristen, an die er schrieb, noch immer der Praxis des leichtfertigen Schwörens frönten. Christen laufen überall Gefahr, in den sündhaften Bräuchen ihrer Kultur verstrickt zu bleiben, weil ihr Gewissen es als normal empfindet.

Anwendung

  1. Ich muss mich prüfen, wo ich - wenn nicht in diesem Punkt so anderswo - versuche Gottes Gebote auf eine falsche, menschliche Art zu erfüllen. Ganz besonders muss ich darauf achten, nicht sündhafte Sitten meiner Zeit, meines Landes, meiner Umgebung zu verharmlosen. Herr, hilf mir bitte, solche Dinge zu erkennen und dein Wort nach dem Geist zu verstehen und zu tun.
     
  2. Ich möchte wahrhaftig sein, ein Mann auf dessen Wort man sich verlassen kann, soweit es an mir liegt. Hilf mir dabei Herr, nicht nur in Worten, sondern schon in Gedanken und Motiven wahrhaftig zu sein, immer zu bedenken, dass ich nicht vor Menschen, sondern vor dir stehe.
     
  3. Ich will nicht von mir aus schwören, es sei denn, es wird von mir verlangt.
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Mt 5,38-42: Böses mit Gutem vergelten

Die Juden missbrauchten das Gesetz, um persönliche und kleinliche Rache zu rechtfertigen. Jesu sagt, man soll dem Bösen nicht widerstehen, sondern ihm mit Liebe begegnen: Ob man

man soll dem Angreifer noch entgegenkommen, und wenn man um Gaben oder Leihen gebeten wird, soll man geben.

Detail

  1. 5Mo 19,18-21: In besagter Stelle geht es nicht um persönliche Rache, sondern um Rechtsprechung. Strafen wurden von Richtern auferlegt, um das Böse aus der Mitte auszurotten, als abschreckendes Beispiel. Schon das AT ist gegen persönliche Rache, aber die Pharisäer und Schriftgelehrten haben das Wort Gottes so verdreht, dass sie persönliche Rache rechtfertigten (Spr 20,22; 24,29; 25,21-22; Hi 31,29-30; 3Mo 19,18).
     
  2. Was Jesus hier beschreibt, sind Auswirkungen des Gebotes der Liebe. Die Liebe lässt sich nicht beleidigen, sie ist nicht angerührt, weil sie sich selbst nicht so wichtig nimmt. Sie mag für andere kämpfen, aber nicht für sich selbst (1Kor 13,4-7). Sie sucht das Wohl des anderen, selbst dessen, der sie schlägt, beraubt, unterdrückt, anbettelt. Böses mit Gutem vergelten ist ein klares Prinzip im NT (Röm 12,17-21; 1Kor 6,7; 1Thes 5,15; 1Petr 3,9).
    Statt Erklärungen zu suchen, warum wir nicht so zu handeln brauchen, wie es Gottes Wort uns sagt, sollten wir also lieber betend nachdenken, wie wir es erfüllen können.
     
  3. Wie haben Jesus und Paulus reagiert, als sie auf die Backe geschlagen wurden?
    Joh 18,22-23; Apg 23,2-3: Ob Paulus richtig reagiert hat, weiß ich nicht, aber Jesus sicherlich. Er hat nicht direkt die andere Wange hingehalten, sondern sich ganz nüchtern verteidigt (was man von Paulus nicht behaupten kann). Jedenfalls hat er nicht zurückgeschlagen oder dem Schläger Übles gewünscht. Aber er hat ihn seines Unrechts überführt. Das ist durchaus legitim. In der Anwendung der Worte Jesu geht es also nicht so sehr um die wörtliche Erfüllung, sondern um das Prinzip, die Rache Gott zu überlassen und den Angreifern Gutes zu wollen und zu tun. Jesus verwendet eine starke lebendige Sprache, die sich manchmal des Stilmittels der Überzeichnung bedient. Das heißt nicht, dass er übertreibt in dem Sinn, dass er seine Zuhörer irreführt, sondern dass er etwas so überspitzt formuliert, dass kein Zweifel besteht, worauf er hinaus will.
     
  4. Man muss auch dazu sagen, dass der Schlag auf die rechte Wange (also mit dem Handrücken) in der Regel kein bedrohlicher Angriff auf Leib und Leben ist sondern eine Beleidigung. Es geht also in diesem Zusammenhang mehr um Beleidigung und Demütigung als um Verletzungen oder gar Lebensbedrohung.
     
  5. "wenn jemand dich zwingen wird, eine Meile zu gehen": Die römischen Besatzer pflegten Juden als Träger für sich einzuspannen.

Anwendung

  1. Herr, bewahre mich bitte, dein kostbares Wort falsch anzuwenden. Lehre mich, es durch den Geist, den du mir gegeben hast, geistlich zu beurteilen und zu verstehen, was du von mir willst.
     
  2. Herr, ich bekenne dir, dass ich diese deine Gebote unmöglich mit menschlicher Kraft und Weisheit erfüllen kann. Darum bitte ich dich, dass du mich lehrst, in der Kraft des neuen Lebens, das du mir geschenkt hast, göttliche Liebe zu leben; auch wenn ich Demütigungen, Übergriffen oder irgendwelchen anderen Angriffen ausgesetzt bin. Und hilf mir bitte, auch wenn ich um Gaben oder Leihen gebeten werde, zu geben und zu leihen, wie du es tun würdest.
     
  3. Und zeige mir bitte auch, wo die Grenzen sind, wo ich in Liebe überführen soll, wo ich an das Recht appellieren soll.
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Mt 5,43-48: Von der Feindesliebe

Die traditionelle Auffassung des Gesetzes sagt, liebe deinen Nächsten und hasse deinen Feind. Jesus sagt, man soll seine Feinde lieben und denen, die einem Böses tun, mit Gutem vergelten, damit man ein würdiges Kind des himmlischen Vaters ist, denn er macht es ebenso. Diejenigen zu lieben, die einen lieben, ist menschlich und nicht Besonderes; diejenigen zu lieben, die einen hassen, ist göttlich, und nicht weniger verlangt Jesus.

Detail

  1. Das Gesetz sagt zwar "liebe deinen Nächsten" nicht aber "hasse deine Feinde" (3Mo 19,18). Es war im Rahmen des alten Bundes wohl Raum für Hass, aber nicht für den Hass gegen die eigenen Feinde - und schon gar nicht im eigenen Volk - sondern gegen die Feinde Gottes (2Mo 17,14-16; 5Mo 23,3-7; Ps 81,1-2; 139,21-22).
    Das fiel oft zusammen (z.B. Amalekiter), und wenn es nicht zusammenfiel, war es Sünde:
    1Sam 15,7-11: Saul hasste die Feinde Gottes nicht, wie er sollte.
    1Sam 25,26.31-34: Gott hat David durch Abigail davor bewahrt, sich selbst Hilfe gegen seinen persönlichen Feind zu verschaffen.
     
  2. Jesus leitet mit diesen Worten über das Wesen des Vaters schon das Zeitalter der Nationen ein. Es ist nicht länger so, dass er nur der Gott Israels ist, sondern der Gott, der alle Menschen liebt, sogar diejenigen, die ihn nicht lieben. Zwar war Jesus selbst zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel gesandt, ebenso wie die ersten Jünger, die er aussandte (Mt 15,25; 10,6), aber er wirkte auch schon an den Heiden (Mt 15,28; 8,10.13), und er bereitete seine Jünger auf den Dienst an den Nationen vor. Doch es bedurfte noch einigen Nachhelfens, bis sie dazu bereit waren (Mt 28,19; Apg 1,8; 8,1.4; 10,15.28).
     
  3. Im NT lebt das Prinzip weiter, dass wir Gottes Feinde hassen sollen, aber das sind keine Menschen - selbst wenn sie sich als Feinde Gottes sehen, so sieht sie doch Gott in der Gnadenzeit nicht so - sondern unsichtbare Mächte (Eph 6,12). Gott hat nämlich in Christus die Welt mit sich versöhnt (2Kor 5,19-20), d.h. von seiner Seite aus ist die Feindschaft beseitigt. So sollen auch wir als Kinder und Botschafter Gottes in dieser Welt leben: Von unserer Seite gibt es keine Feindschaft (Röm 12,18), unser ganzes Leben und Reden soll das Versöhnungsangebot Gottes an die Menschen ausdrücken.

Anwendung

  1. Gottes Feinde sollen auch meine Feinde sein: Satan und seine Mächte, der Tod (1Kor 15,26), die Sünde. Ich will sie hassen und mithilfe der geistlichen Waffenrüstung gegen sie kämpfen: in Wahrheit, Gerechtigkeit, in der Bereitschaft des Evangeliums des Friedens, d.h. der Bereitschaft Friedensstifter zu sein, im Glauben, im Schutz des göttlichen Heils, mit dem Wort Gottes und bei all dem zu aller Zeit für alle Heiligen betend und flehend - das ist ein geistlicher Kampf, zu dem sich der Herr stellen wird.
     
  2. Danke Herr, dass du dein Wort der Versöhnung unter allen Völker aufgerichtet hast, dass du der Heiland aller Menschen bist, dass du sie alle liebst, dass du keinen als deinen Feind siehst sondern jedem die Hand zur Versöhnung entgegenstreckst.
     
  3. Lass mein ganzes Leben - in Gedanken, Worten und Taten - dein Versöhnungsangebot an alle Menschen ausdrücken. Bewahre mich davor, die Person anzusehen, manche für der Gnade würdiger zu halten als andere. Hilf mir besonders, diejenigen zu lieben, zu segnen, ihnen Gutes zu tun, die mich angreifen, die mir Böses wollen. Bewahre mich vor Rachegedanken.
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