Anwendernotizen zu Matthäus 6

Matthäus 6

Mt 6,1-4: Die rechte Hilfsbereitschaft
Mt 6,5-8: Die rechte Gebetshaltung
Mt 6,9-15: Der rechte Gebetsinhalt
Mt 6,16-18: Das rechte Fasten
Mt 6,19-24: Das rechte Schätze-Sammeln
Mt 6,25-34: Gegen das materielle Sorgen

Mt 6,1-4: Die rechte Hilfsbereitschaft

Wer Almosen gibt, Barmherzigkeit, Hilfsbereitschaft übt, soll es im Verborgenen tun, dann wird es ihm Gott vergelten, und nicht so, dass die Leute es sehen, sonst hat er keinen Lohn bei Gott.

Detail

  1. Einige alte Manuskripte haben in V.1 Gerechtigkeit statt Almosen. Einerseits könnte V.1 dann als Einleitung für V.2-18 gesehen werden, andererseits war aber das Wort Gerechtigkeit bei den Juden fast ein Synonym für Almosen-Geben (siehe John Gill zu V.1). Beide Interpretationen passen sehr gut in den Zusammenhang.
     
  2. Das Almosen-Geben an sich wird hier als Ausdruck der Gottesfurcht vorausgesetzt. Siehe auch Mt 5,42. Es war sowohl bei den Juden des alten Bundes als auch in der Urgemeinde etwas Selbstverständliches, etwas, das Gott wohlgefällig war (Jes 58,7; Lk 12,33-34; Apg 9,36; 10,2.4; 24,17; Röm 12,8; 2Kor 9,6-9.12; Gal 2,10; Eph 4,28; 1Tim 6,18; Hebr 13,16; 1Joh 3,17). Wir dürfen nicht denken, nur weil wir in einem Sozialstaat leben, dass dieses Gebot für uns keine Bedeutung hat.
     
  3. Die Aussage Jesu ist klar und einfach: Nicht vor den Menschen soll man gute Werke, im Besonderen Mildtätigkeit üben, sondern vor und für Gott. Dass die linke Hand nicht wissen soll, was die rechte tut, könnte bedeuten, dass wir unsere Gerechtigkeit auch nicht vor uns selbst üben sollen. Also weder, um von Menschen gerühmt zu werden, noch um uns bei uns selbst zu rühmen, sondern um damit Gott zu rühmen und von ihm allein den Lohn zu erwarten.
     
  4. Natürlich kann man, wenn es die Situation erfordert, auch vor Menschen Gutes tun (siehe z.B. Mt 5,16), es kommt aber auf die Einstellung an: nicht um Ehre für uns selbst zu bekommen, sondern für Gott.
     
  5. Es gibt einen Lohn von Gott für gute Werke, die aus der richtigen Herzenshaltung heraus kommen. Es ist also keinesfalls egal, wie man als Christ lebt ("Hauptsache, man kommt in den Himmel, dort ist es ja für jeden schön!"). Gott wird einem jeden vergelten (2Kor 5,9-10). Deshalb suchte Paulus seine Ehre darin, Gott wohlgefällig zu sein. Jeder Mensch hat einen Ehrbegriff, sucht Ehre. Der göttliche Mensch sucht vor Gott ehrenhaft zu sein, d.h. ihm wohlgefällig zu sein. Gerade Paulus, der die Gnade Gottes besser verstand als sonst jemand, war ein Eiferer, was den Lohn betrifft, den Gott den Treuen verheißen hat. Gnade und Lohn sind also keineswegs ein Widerspruch. Auf dem einen wollen wir stehen, nach dem anderen streben.

Anwendung

  1. Den Bedürftigen von meinem Überfluss zu geben, ist wesentlicher Bestandteil meines Christentums. Vergib mir bitte, Herr, wo ich diese Seite deines Willens bisher vernachlässigt habe, und zeige mir die guten Werke, die du für mich zuvor bereitet hast, dass ich darin wandeln soll. Ich will im Gutes-Tun nicht müde werden und möchte nach Gelegenheit gegen alle Gutes wirken, am meisten aber gegen die Geschwister (Gal 6,9-10).
     
  2. Es soll mir eine regelmäßige Übung werden, Gutes im Verborgenen zu tun, d.h. so, dass kein Mensch es weiß. Und dabei will ich mich hüten, mich bei mir selbst zu rühmen. Für Gott soll es sein, weil ich glaube, dass er ein Vergelter ist.
     
  3. Vergib mir bitte, wenn ich immer wieder Anerkennung bei Menschen suche. Bewahre mich davor, scheinen zu wollen, und hilf mir, meinen Wandel immer mehr nach dir, dem unsichtbaren Gott auszurichten, der ins Verborgene blickt.
     
  4. Ich danke dir Herr, dass ich auf dem Boden der Gnade stehen und wandeln darf, dass ich mir nicht den Himmel verdienen muss, dass du das für mich getan hast. Aber ich will mir doch an Paulus ein Vorbild nehmen und meine Ehre darin suchen, dass ich dir durch göttliche Werke wohlgefällig bin. Auch ich will mich von dem unvergänglichen Lohn anspornen lassen, den guten Kampf zu kämpfen.
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Mt 6,5-8: Die rechte Gebetshaltung

Wer betet, soll es im Verborgenen tun, zu Gott, dann wird Gott ihm vergelten, und nicht heuchlerisch, um von Menschen gesehen zu werden, sonst hat er keinen Lohn. Er soll auch nicht mit vielen Worten plappern wie die Heiden, denn Gott weiß, was er braucht, bevor er darum bittet.

Detail

  1. Beten ist Reden mit Gott, Ausdruck einer persönlichen Beziehung zu Gott. Das Beten im Verborgenen ist daher das natürlichste und wichtigste Gebet. Natürlich gibt es auch ein Gebet in Gemeinschaft, aber es muss trotzdem auf Gott hin orientiert sein und nicht auf die anderen Menschen - ebenso wie das persönliche Gespräch alleine mit der Ehefrau den Kern der Beziehung ausmacht. Natürlich redet man mit der Frau auch vor anderen Leuten, wenn das aber die einzige Kommunikation mit ihr wäre, so wäre das keine Ehe.
     
  2. Die Heiden machen viele Worte im Gebet, weil sie denken, von ihren Worten hängt es ab. Aber wir beten zu dem allmächtigen und allwissenden Gott, der nicht nur weiß, was wir bitten wollen, sondern sogar, was wir wirklich brauchen. Im Gebet geht es also mehr um die Haltung des Herzens, nämlich dem Glauben, in dem wir ihm nahen. Es geht darum, dass wir als Ausdruck unserer geistlichen und auch sonstigen Bedürftigkeit ihn suchen, von ihm erwarten, uns auf ihn hin orientieren. Andererseits gibt es auch den Aspekt des beharrlichen, wiederholten Flehens, wie Jesus es anhand des Gleichnisses von der Witwe und dem ungerechten Richter darlegt (Lk 18,1-8). Aber dort geht es nicht um viele Worte, sondern um die Beharrlichkeit, um die Geduld, auch wenn wir nicht sofort empfangen. Plappern heißt, mehr sagen, als notwendig, Inhaltsloses sagen. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht auch plappern, wenn wir Phrasen hervorbringen, ohne dabei zu denken, was wir sagen, ohne sie wirklich zu meinen.

Anwendung

  1. Vater, es tut mir leid, dass ich gerade den Kern meiner Beziehung zu dir, das Gebet immer wieder hintanstelle, hinauszögere und letztlich beschneide, so als wäre es einer der unwesentlichsten Teile meines Lebens. Es soll der wesentlichste Teil werden; nicht nur theoretisch, sondern praktisch, was sich besonders in der Zeit des persönlichen Gebets ausdrücken muss. Möge diese Zeit eine der schönsten und wertvollsten meines Lebens werden, vor der ich mich nicht drücke, sondern auf die ich mich freue.
     
  2. Vergib mir bitte, Herr, dass ich beim Gebet oft in Routine falle, gewisse Phrasen sage und gar nicht konzentriert und bewusst mit dir rede. Vergib mir auch, wo ich manchmal viele Worte mache, weil mir die rechte Glaubenshaltung fehlt. Ich will lernen, in einfältigem Glauben von dir zu erwarten, dich zu bitten in dem Bewusstsein, dass du besser weißt als ich, was ich brauche.
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Mt 6,9-15: Der rechte Gebetsinhalt

Wer betet, soll zu unserem Vater im Himmel beten

Jesus betont im Zusammenhang mit der Vergebung, dass wir selbst vergeben müssen, wenn wir Vergebung empfangen wollen.

Details

  1. Wir sollen zum "Vater" beten. Das ist etwas Besonderes; der allmächtige Gott, der Schöpfer Himmels und der Erde, der zu fürchten ist, kommt uns so nahe, dass er als Vater angesprochen werden will. Die Kind-Vater-Beziehung gibt dem Gebet eine bestimmte Richtung:
  2. "der du bist in den Himmeln": Jesus lehrt uns ein Gebet, das deutlich zum Himmel hin orientiert ist, nicht ein irdisches, das sich letztlich nur um sich selbst und die eigenen Wünsche dreht, zu einem selbstgebastelten und daher irdischen Gott.
     
  3. "geheiligt werde dein Name": Seinen Namen heiligen, heißt ihn heiligen, und das hat etwas mit Gottesfurcht zu tun (Jes 8,13; 29,23).
     
  4. Es ist letztlich der selbe Wunsch wie "dein Reich komme": Möge sich die Herrschaft Gottes in der Gnadenzeit
    • in mir,
    • in der Gemeinde Jesu,
    • in der Welt (durch Ausbreitung des Wortes) ausweiten,
    indem Menschen dem Evangelium gehorchen, und möge Christus bald wiederkommen, um seine absolute Herrschaft anzutreten.
     
  5. Und auch "dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden" schlägt in die selbe Kerbe: Wo Gottes Wille geschieht, da herrscht Gott, und da wird sein Name geheiligt. Im Himmel herrscht - abgesehen von Satan und seinen Engeln, die auch einen beschränkten Zutritt zum Himmel haben, siehe z.B. Hi 1,6 - vollkommener Gehorsam gegenüber dem Willen Gottes; wir sollen beten, dass es auch auf Erden so sein möge. Das betrifft
  6. "unser nötiges Brot gib uns heute" betrifft speziell die Nahrungs- und allgemein die materiellen Bedürfnisse. Wir dürfen für diese Dinge beten, aber nicht, um sie in unseren Lüsten zu verschlingen (Jak 4,3), sondern indem wir zuerst nach Gottes Reich und nach seiner Gerechtigkeit trachten. Dem Herrn muss unser Herz gehören, es darf nicht an der Materie hängen. Daher kommt die Bitte um das tägliche Brot erst nach den Bitten für die Sache des Herrn. Zu beachten ist auch das "heute". Wenn wir uns um die materiellen Nöte kümmern (nicht sorgen), sollen wir den Fokus auf dem Heute haben, nicht auf der Zukunft. Zu leicht kommt man dabei auf eine Schiene wie der reiche Kornbauer (Lk 12,15-21). Menschlich gesehen scheint das fast unmöglich, jedenfalls unvernünftig. Ja, hier ist Glaube gefragt, Vertrauen, dass der Herr tatsächlich für diese Dinge sorgt, wenn wir zuerst nach seinem Reich und nach seiner Gerechtigkeit trachten.
     
  7. "Vergib uns unsere Schulden": Diese Bitte darf nicht fehlen in einem Gespräch mit dem Herrn. Es entspricht der Waschung der Füße, die wir uns täglich schmutzig machen (Joh 13,10). Interessant ist, dass diese Bitte nicht zuallererst kommt. Intuitiv meinen wir, dass wir erst unsere Schulden beim Herrn abladen sollten, um dann freimütig mit ihm reden zu können. Vielleicht zeigt uns Jesus dadurch, dass zuerst die Ehre Gottes kommt, noch vor unserem Sündenbekenntnis, denn damit sind wir schon wieder bei uns selbst und könnten dort zu lange verharren. Wenn wir dagegen den Blick klar auf Gott haben, auf seiner Ehre, seinem Reich, seinem Willen, dann kriegen wir uns selbst richtig in die Reihe und werden uns angemessen, aber eben nicht übermäßig mit unserer Schuld vor Gott beschäftigen. Dann wird es uns auch leichter fallen, anderen zu vergeben, weil wir das Wesen Gottes vor Augen haben. Warum die Bitte um das tägliche Brot noch vor der Bitte um Vergebung kommt, weiß ich nicht; vielleicht damit nicht der Eindruck entsteht, man müsste vor Gott erst Bedingungen erfüllen, bevor man ihn um die täglichen Bedürfnisse bitten kann?!
     
  8. "wie auch wir unseren Schuldnern vergeben": Das ist ein sehr wichtiger Punkt, es ist der einzige Punkt im Gebet, den Jesus nachher noch erläutert. Wir müssen bereit sein, zu vergeben, sonst kann uns der Herr nicht vergeben. Wenn wir nicht dazu bereit sind, verharren wir in der Sünde, in der Finsternis und können nicht in das Licht Gottes kommen. Wenn wir denken, wir können nicht vergeben, so lasst uns einfach gehorsam sein, unseren Groll bewusst loslassen, um Vergebung bitten und um Gottes Hilfe beim Vergeben. Gott weiß, dass das Vergeben nicht etwas Menschliches ist sondern etwas Göttliches, daher brauchen wir Gottes Kraft dazu; er gibt sie uns sicherlich gerne, wenn wir gehorchen wollen.
     
  9. "führe uns nicht in Versuchung sondern errette uns von dem Bösen": Es gibt offenbar verschiedene Arten von Versuchung/Anfechtung. Es ist ja eine Prüfung "auf Herz und Nieren"; entweder ist das Ergebnis ein Qualitätszeugnis ("bewährt") oder ein schlechtes Urteil ("unbewährt", keine Qualität). Gott wird uns in die Prüfung führen, die göttliche Qualität zum Ziel hat; der Teufel will uns in die Prüfung führen, die unseren Fall zum Ziel hat. Dass Gott dem Teufel Letzteres nicht gewährt, dafür sollen wir beten. In diesem Zusammenhang ist mit der Bewahrung vor der Versuchung die Errettung von dem Bösen gemeint.
    Vgl. Lk 22,31-32; Mt 26,41: Der Satan will durch die Versuchung zu Fall bringen, Jesus betet dagegen und sagt den Jüngern, sie sollen selbst wachen und beten, damit sie nicht in Versuchung kommen. Sie haben es versäumt und sind in dieser Nacht alle in Versuchung gekommen und auch in Sünde gefallen (Mt 26,31), ganz besonders Petrus. Hier bestand die Versuchung in Kleinglaube, Angst, Traurigkeit, Verzweiflung, Flucht, Aufgeben. Durch Wachen und Beten hätten sie dieser Versuchung widerstehen können, weil sie sich wohl an Gottes Verheißungen und an die Worte Jesu erinnert hätten; aber so wurden sie von der Dunkelheit dieser Nacht und ihrer Gefühle fortgerissen.

Anwendung

  1. Vater, ich danke dir, dass ich dein Kind sein darf, dass ich wissen darf, dass du mich liebst, dass ich nur Gutes von dir zu erwarten habe. Ich will dich auch lieben, und ich will dich fürchten - nicht als jemanden, der mir Böses will, aber als jemanden, der absolut ernst zu nehmen ist.
     
  2. Ich will mein Gebet zum Himmel hin ausrichten und es nicht zum Mittel der Selbstverwirklichung, Selbstreflexion, Selbstbedienung machen.
     
  3. Weder den Namen Gottes, noch ihn selbst will ich missbrauchen oder gering achten. Er soll mir heilig sein über alles, ihn will ich fürchten als den Gott, der sich nicht spotten, nicht austricksen, nicht einlullen lässt. Diese Haltung muss zur Heiligung im praktischen Wandel führen. Vater, bitte lehre mich, dich in allen Bereichen meines Lebens zu heiligen, so dass die Sünde zurückweichen muss und der Geist Raum gewinnen kann. Möge dein Name auch in der Gemeinde Jesu geheiligt werden. Zerstöre die selbstgebastelten Vorstellungen über dich und erweise dich unter uns als mächtig, herrlich, heilig und zu fürchten.
     
  4. Deine Herrschaft möge sich ausbreiten in mir, in der Gemeinde, aber auch in der Welt. Lass mehr und mehr Menschen ihre Knie vor Christus, dem König beugen und seinen Willen suchen. Sende zu diesem Zweck Arbeiter in die Ernte; ja lass Gotteskinder verstehen, wozu sie berufen sind, was dein Wille ist. Und komme bald, Herr Jesus.
     
  5. Viel stärker muss mein Gottesvertrauen noch werden, auch was die materiellen Bedürfnisse anbelangt. Viel zu sehr glaube ich, diese Dinge selbst in der Hand zu haben. Ich will mich einerseits nicht mit unnötigen Sorgen belasten, sondern sie alle auf den Herrn werfen, der weiß, was ich brauche. Andererseits will ich die Befriedigung meiner alltäglichen Bedürfnisse in einer Gesellschaft des Überflusses nicht für selbstverständlich nehmen, sondern bewusst aus Gottes Hand empfangen und ihm auch dafür danken.
     
  6. Selbst in der Bitte um Vergebung muss ich aufpassen, dass ich mich nicht um mich selber drehe. Um Gottes Ehre muss es gehen; ich soll bei meinem Sündenbekenntnis nicht mehr Worte machen als dazu nötig sind. Zeige mir, Vater, welche Dinge es sind, die ich mir verzeihen lassen muss.
     
  7. Ich will bewusst jeden Groll gegen andere loslassen und von meiner Seite aus versöhnt sein. Zeige mir Herr, wo ich unbewusst unversöhnlich bin, und hilf mir auch dann, wenn ich einmal wirkliche Anfeindung erdulden muss, vergeben zu können.
     
  8. Bewahre mich davor, Vater, durch Versuchung zu Fall zu kommen; halte solche Versuchung von mir fern. Errette mich dagegen immer mehr aus der Gewalt des Bösen, heilige mich durch die Wahrheit, damit dein Geist mich mehr und mehr erfüllen kann. Nicht nur mein Sterben sondern mein ganzes Leben soll ein Zeugnis des vollkommenen Sieges Jesus Christi sein.
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Mt 6,16-18: Das rechte Fasten

Wer fastet, soll es im Verborgenen tun, dann wird Gott es ihm vergelten, und nicht so, dass die Leute es sehen, sonst hat er keinen Lohn bei Gott.

Detail

  1. Fasten - in der richtigen Art und Weise - hat auch im NT seinen Platz. Gott wird es vergelten, wenn es aus den richtigen Motiven geschieht, nämlich Demütigung und ernsthaftes Flehen vor Gott.
     
  2. Das Fasten darf nicht aus Gruppendruck oder irgendwelchen anderen Motiven geschehen sondern, um sich vor Gott zu demütigen. Der Fastende darf sich keinesfalls zu schlechter Laune hinreißen lassen, weder um Menschen auf sein Fasten hinzuweisen, noch weil er sich bemitleidet.

Anwendung

  1. Ich habe das Fasten ziemlich verdrängt aus meinem Leben. Es ist etwas Unangenehmes, und ich finde leicht Ausreden, es nicht zu tun: die Gelegenheit ist nicht günstig, weil ich arbeiten muss, weil ich am Abend zum Essen eingeladen bin, usw. Tatsache ist, dass Fasten bei Anlässen, wo eine besondere Demütigung vor Gott, ein besonderes Flehen um sein Eingreifen gefragt ist, äußerst angebracht ist. Ich will in solchen Fällen zu dieser segensreichen Praxis zurückkehren. Herr hilf mir bitte, nicht an praktischen Details zu scheitern, die richtige Art und Weise zu finden und mich keinesfalls damit vor Menschen zu rühmen.
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Mt 6,19-24: Das rechte Schätze-Sammeln

Man soll nicht Schätze auf Erden sammeln, wo sie verderben oder gestohlen werden, sondern im Himmel, wo sie unverderblich sind; denn wo der Schatz ist, dort ist das Herz. Wenn das Herz durch die Geldliebe verdorben ist, so ist der ganze Mensch finster in Bezug auf Gott, denn man kann nur entweder Gott lieben und ihm dienen oder dem Materialismus.

Detail

  1. Wir sollen und können uns Schätze im Himmel sammeln; was für eine einmalige Chance, Vergängliches gegen Unvergängliches eintauschen zu können.
     
  2. Der Umgang mit dem Geld zeigt, wo unser Herz ist: auf dieses irdische Leben oder auf das göttliche, himmlische Leben ausgerichtet.
     
  3. Man kann nicht Gott und dem Materialismus frönen. Wie das Auge die Handlungen des Körpers leitet, so leiten die Motive des Herzens die Gedanken, Worte und Handlungen der Seele und des Körpers. Ist das Herz in seinen Motiven durch die Liebe zum Mammon verdorben, so ist der ganze Mensch, sein ganzes Leben dadurch verdorben und finster in Bezug auf das Licht Gottes, die Liebe zu Gott. Der Mammon nimmt den Platz im Herzen ein, den Gott einnehmen sollte. "das einfältige Auge" bzw. "das böse Auge" waren in den jüdischen Schriften gebräuchliche Ausdrücke für Freigiebigkeit bzw. Habsucht.

Anwendung

  1. Bewahre mich davor, Vater, dass ich mein Herz an irdische Schätze hänge. Danke für den materiellen Überfluss, den du mir geschenkt hast, und zeige mir, wie ich ihn am besten nützen kann, um Schätze im Himmel zu sammeln. Möge mein Herz nie kalt und finster werden, durch den Mammon verblendet, sondern möge es ganz licht sein, ganz auf die göttlichen Dinge ausgerichtet, egal, was meine Umgebung dazu sagt.
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Mt 6,25-34: Gegen das materielle Sorgen

Man soll nicht um Nahrung und Kleidung besorgt sein, Leib und Leben sind wichtiger als Kleidung und Nahrung. Der Vater ernährt die Vögel und kleidet die Feldblumen, die doch weniger wert sind als wir. Durch Sorgen kann man sein Leben nicht verlängern. Das Sorgen um Essen, Trinken und Kleidung ist heidnisch, Gott weiß ja, was wir brauchen und wird es uns geben, ohne dass wir uns um die Zukunft sorgen, wenn wir nur zuerst nach seinem Reich und nach seiner Gerechtigkeit trachten.

Detail

  1. Sorgen um Kleidung und Nahrung stehen hier als symbolisch für das Sorgen um materielle Dinge. Damals waren das wohl die Hauptsorgen. Heute in der Wohlstandsgesellschaft sorgt man sich weniger um Kleidung und Nahrung als um den angestrebten Lebensstandard: Haus, Wohnung, Auto, Fernseher, Sportgeräte, Hobbies, Urlaube und damit zusammenhängend Arbeitsplatz, Geldanlagen, Sparpaket, Schulden, Wirtschaftskrisen usw. Wie kann man das Gebot Jesu in einer so komplexen Welt, wo man für so vieles Vorsorge treffen muss, erfüllen? Indem man sich um die Dinge kümmert, um die man sich kümmern muss, indem man plant was zu planen ist, tut, was zu tun ist, ohne dabei die höheren Dinge aus den Augen zu verlieren, die es zu planen und zu tun gibt, ohne uns unnötige, ängstliche Gedanken um unsere Zukunft, um unsere Sicherheit, um unseren Wohlstand machen. Das ist möglich, wenn man im Glauben steht, nach dem Reich Gottes trachtet, die Sorgen auf den Herrn wirft und sich geborgen weiß in Gottes Hand.
     
  2. Gott hat Leib und Leben geschaffen. Wird er nicht auch für die Erhaltung des Lebens sorgen, wenn man ihm vertraut? Wenn er sich um Tiere und um Pflanzen so wunderbar kümmert, wie viel mehr um die Menschen, die ihm vertrauen. Wir dürfen Gott vertrauen als einem, der weiß, was wir brauchen, und der uns nichts Gutes vorenthält, außer um eines höheren Guten willen.
     
  3. "Trachtet zuerst ...": Siehe dazu auch 1Kön 3,11-13. Das Trachten nach dem Reich Gottes, d.h. nach der Aufrichtung der Herrschaft Gottes im eigenen Leben und in der Umgebung und die Sehnsucht, vor ihm gerecht zu sein, zeichnet göttliche Menschen aus. Irdisch Gesinnte kümmern sich nicht viel darum, ihnen geht es mehr um die eigene Herrschaft und was Gerechtigkeit betrifft,
    • bestenfalls um die Gerechtigkeit vor ihrem eigenen Gewissen, das sich ihrer eigenen Herrschaft beugt,
    • meistens um die Gerechtigkeit in den Augen anderer Menschen,
    • oft geht es ihnen gar nicht um Gerechtigkeit.
    Die Reihung und Gewichtung der Bitten im Vater-Unser drückt auch die göttliche Einstellung aus.

Anwendung

  1. Danke Vater, dass ich keinen Anlass zu materiellen Sorgen habe, dass du mir alles so im Überfluss geschenkt hast. Ich will jeden Anflug von Sorgen auf dich werfen, will meine Energien nicht vergeuden, indem ich mich um Materielles sorge, sondern will alles einsetzen, nach deinem Reich zu trachten.
     
  2. Vergib mir, Herr, wenn ich oft nach der eigenen oder nach der Gerechtigkeit vor Menschen getrachtet habe, statt nach deiner. Sie allein zählt, vor dir will ich gerecht sein durch das Blut Jesu und durch seine Heiligung.
     
  3. Ich will täglich und in allen Lagen mit dem Gott rechnen, der alles weiß, was ich brauche, der mir auch alles geben kann, was ich brauche, und der mir nichts Gutes vorenthalten will, es sei denn um eines höheren Guten willen.
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