Anwendernotizen zu Matthäus 7

Matthäus 7

Mt 7,1-5: Das falsche Richten
Mt 7,6: Keine Verschwendung der Perlen
Mt 7,7-11: Der Vater erhört Gebet
Mt 7,12-14: Der breite und der schmale Weg
Mt 7,15-27: Die falschen und die wahren Jünger
Mt 7,28-29: Jesu Vollmacht

Mt 7,1-5: Das falsche Richten

Vorsicht beim Richten! Man wird mit demselben Maß gemessen werden, mit dem man selbst misst. Man soll nicht versuchen, den Splitter aus dem Auge des Bruders zu ziehen, solange man selbst einen Balken im Auge hat. In diesem Fall ist man nämlich gar nicht zu einem klaren Urteil fähig.

Detail

  1. Was Jesus hier verurteilt, ist eine bestimmte Art des Richtens: ein heuchlerisches Richten ohne Selbsterkenntnis und ohne Liebe, geprägt von Überheblichkeit, Verachtung und Kritikgeist.
    Röm 2,1-5: Auch hier spricht Paulus von dem selbstgerechten Richten, speziell der Juden über die Heiden. Sie dachten, sie wären etwas Besseres, weil sie das Gesetz hatten. Aber Paulus zeigt, dass Gott kein Ansehen der Person kennt und dass der Jude, der mit Gesetz sündigt, ein mindestens so schlimmes Gericht verdient wie der Heide, der ohne Gesetz sündigt. 
    Röm 14,3.4.10.12.13: Im Besonderen dürfen wir nicht in Gewissensfragen richten, in denen das Wort Gottes uns Freiheit lässt. Dieses Richten hat mit Überheblichkeit zu tun, und dafür darf kein Raum sein. Siehe dazu auch 1Kor 10,29; Kol 2,16; Jak 4,11-12.
     

  2. Exkurs über das Richten:
  3. Zusammenfassend kann man sagen: Der Vater richtet in der Gnadenzeit nicht; er hat Jesus nicht gesandt um zu richten; Jesus hat die Jünger nicht gesandt um zu richten. Aber eines Tages wird der Vater durch Jesus die Welt richten, und auch die Heiligen werden die Welt richten. Bis dahin sollen wir vor allem uns selbst richten, den Nächsten sollen wir niemals in Gewissensfragen richten, und wenn die Gemeinde über Geschwister richten muss, die gegen Gottes Gebote leben, so niemals mit dem Ziel, sich besser vorzukommen, sondern mit dem Ziel, sie zur Umkehr zu bringen. Außerdem müssen wir für uns selbst (nicht für die anderen) ständig Dinge, Argumente, Situationen beurteilen, um zu wissen, was wir denken und wie wir uns verhalten sollen. Die Gemeinde ist auch aufgerufen in "normalen" (d.h. profanen) Rechtsfragen zu urteilen.

Anwendung

  1. Die Urteilsfähigkeit ist eine Gabe Gottes, aber ich muss sie vor allem gegen mich selbst zum Einsatz bringen. Ich soll sie nie mit dem Ziel oder auch Nebeneffekt anwenden, dass ich mich über andere überhebe. Besonders in Gewissensfragen darf ich nicht für den anderen urteilen. Vielmehr soll ich für mich selbst urteilen und entsprechend handeln. Je besser ich mich selbst beurteile, desto klarer werde ich auch sehen, um dem Bruder behilflich zu sein. Das Wort und die Erkenntnis daraus muss ich immer zuerst an mir selbst anwenden, sonst pflege ich einen fleischlichen Umgang mit Gottes Wort, d.h. ich gehe mit dem Buchstaben um, nicht mit dem Geist.
     
  2. Herr zeige bitte mir und meinen Geschwistern, wann wir über andere urteilen sollen und wann nicht, und hilf uns dann recht zu urteilen. Und hilf uns auch in profanen Angelegenheiten recht zu urteilen aber mehr noch, zu lieben und uns lieber Unrecht tun zu lassen als zu streiten.
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Mt 7,6: Keine Verschwendung der Perlen

Nicht das Heilige den Hunden vorwerfen, die Perlen nicht den Säuen.

Detail

  1. Das Bild ist klar: Die Hunde wissen nichts anzufangen mit Heiligem, die Säue nichts mit Perlen. Entweder sie fressen es, was ihnen nicht bekommt, oder sie denken womöglich, man will ihnen Übles.
     
  2. Was aber ist die Bedeutung dieser Stelle? Offenbar gibt es geistliche Wahrheiten, die manche Menschen nicht zu schätzen wissen, ja womöglich sogar übel nehmen. Diese Wahrheiten soll man solchen Menschen erst gar nicht geben. Was aber sind diese Wahrheiten, wer sind diese Menschen? Eine Anwendung könnte im Zusammenhang des Textes liegen: Jemandem zu helfen, den Splitter aus dem Auge zu ziehen (vorausgesetzt natürlich, man hat zuerst den Balken aus dem eigenen Auge entfernt), ist etwas, was nicht alle Menschen zu schätzen wissen, daher soll man beim Zurechtweisen vorsichtig sein: Spr 9,7-8; Am 5,12-13

Anwendung

  1. Herr, gib mir bitte die Weisheit, zu unterscheiden, was die Perlen und wer die Säue sind.
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Mt 7,7-11: Der Vater erhört Gebet

Man soll Gott bitten, ihn suchen, bei ihm anklopfen, er wird erhören, sich finden lassen, die Türe aufmachen. Wenn schon irdische Väter ihren Kindern gute Gaben geben, wenn sie darum gebeten werden, wie viel mehr der Vater im Himmel.

Detail

  1. Diese Worte gelten dem Zusammenhang nach für die Jünger Jesu, bzw. wie aus dem Text direkt hervorgeht, für die Kinder Gottes. Sie dürfen wissen, dass ihr himmlischer Vater ihnen Gutes will und dass er ihnen auf ihr Bitten hin Gutes schenken wird.
     
  2. Aus dem großen Zusammenhang der Schrift ist klar, dass diese Worte Jesu nicht als Blankoscheck für jedes (ungöttliche) Bitten gelten kann. Siehe z.B. Jak 4,3. Vielmehr gilt es für das Bitten, Suchen, Anklopfen aus reinem Herzen, aus göttlichen Motiven. In dem Beispiel, das Jesus verwendet, wird um Brot und Fisch gebeten, d.h. um elementare Lebensmittel. So wird Gott uns auch geben, wenn wir um das bitten, was wir zum geistlichen, zum ewigen Leben benötigen. Gott sei Dank, dass er nicht jede ungöttliche Bitte erhört; wer würde uns vor der Verwirklichung unseren eigenen Wünschen retten?

Anwendung

  1. Danke, Vater, für diese Zuversicht, die ich im Gebet haben darf: dass du mir Gutes willst. Und danke, dass du mir nicht alles, was ich mir wünsche, gibst, sondern nur das, was für mich gut ist.
     
  2. Um geistliches Brot will ich bitten, um das, was ich zum göttlichen Leben brauche. Das wird der Herr mir bestimmt nicht vorenthalten. Den Herrn will ich suchen um zu leben, bei ihm will ich anklopfen, um Gemeinschaft mit ihm zu haben; das ist Leben.
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Mt 7,12-14: Der breite und der schmale Weg

Die Jünger Jesu sollen die Mitmenschen so behandeln, wie sie gerne von ihnen behandelt werden wollen. Das ist die Summe des Alten Testaments. Durch solch ein Leben sollen sie auf dem schmalen Pfad ins ewige Leben gehen und nicht auf dem breiten Weg der Masse, die ins Verderben geht.

Detail

  1. Auch das sagt Jesus zu den Jüngern. Ein Ungläubiger mag sich bemühen, so zu leben, aber ihm wird die Kraft dazu fehlen; denn was hat er davon, wenn er zu den anderen immer so gut ist, wie zu sich selbst? Im System dieser Welt bleibt er als der Dumme auf der Strecke. Allerdings, wenn er es ehrlich versucht, um Gott zu gefallen, so kann ihn das Gesetz zu Christus hin erziehen (Gal 3,24). Er wird erkennen, dass er selbst nicht imstande ist, so zu leben, sondern dass er Rechtfertigung aus Glauben, ohne Werke, allein aus Gottes Gnade, und göttliche Kraft braucht, um den schmalen Weg gehen zu können.
     
  2. "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füge keinem anderen zu!" Jesus geht weit hinaus über diesen edlen Leitsatz des Humanismus, der in vielen Religionen und Philosophien besteht: Er sagt nicht, tue dem Nächsten nichts Böses, lass ihn in Ruhe, sondern er sagt, tue dem Nächsten Gutes, kümmere dich um ihn. Es gibt nicht viel zwischen dem breiten Weg des Bösen und dem schmalen Weg des Guten. Es ist eine Illusion, man könne nur passiv gut sein, d.h. den Nächsten in Ruhe lassen. Damit ist man schon am Weg des Bösen. Ein Jünger Jesu muss sich bewusst für das Gesetz Gottes entscheiden, das ist das Gesetz des Guten, der Liebe.
     
  3. Im unmittelbaren Zusammenhang bedeuten die beiden Wege:
     
    1. Der natürliche, menschliche, fleischliche Weg: Jeder ist sich selbst der Nächste und sucht hauptsächlich seinen eigenen Vorteil. Dieser Weg ist leicht zu beschreiten, eigentlich braucht man gar nichts dazu tun, man wird geradezu hingezogen, man schwimmt mit der Masse. Die Gefahr dabei ist zu denken, dieser Weg sei normal und somit könne man ihn ruhig gehen, denn schließlich geht ihn alle Welt. Das stimmt eben nicht.
    2. Der übernatürliche, göttliche, geistliche Weg: Man sucht das Wohl des Nächsten wie sein eigenes Wohl. Man ist aktiv im Guten, d.h. man sucht den Nächsten. Dieser Weg ist erst einmal schwer zu finden, nur durch eine enge Pforte hindurch kann man ihn beschreiten. Man muss dazu bewusst dem Weg der Masse den Rücken kehren. Aber nicht nur der Eingang sondern der ganze Weg ist ein Weg der Überwindung, denn man kämpft ständig gegen die alte Natur, gegen das Fleisch, das einen hinab- und hinüberzieht zum breiten Weg. Aber Gott sei Dank braucht man nicht in eigener Kraft gegen diesen Zug des Fleisches zu kämpfen, sondern man darf es in der Kraft des Geistes, in der Kraft des neuen Lebens tun, das Gott geschenkt hat.

Anwendung

  1. Herr, ich danke dir, dass du mich auf den schmalen Weg geführt hast, der zum Leben führt, zu gutem, göttlichem Leben. Ich will mich neu entschließen, bewusst diesen Weg der Selbstverleugnung und der Nächstenliebe zu gehen. Ich will die Leute so behandeln, wie ich behandelt werden möchte. D.h., dass ich mich in ihre Lage versetzen, sie verstehen muss, um sie richtig behandeln zu können. Das ist die eine, die subjektive Seite, aber die andere, noch wichtigere objektive Seite ist, dass ich sie ebenso wie mich, mit den Augen Gottes, mit seinem Wort beurteilen muss, um ihnen wirklich Gutes tun zu können. Ich brauche geistliche Urteilskraft, um zu wissen, was Menschen wirklich brauchen. Herr, gib mir bitte dieses Urteilsvermögen, aber auch die Kraft, das Wohl der Menschen um mich zu suchen und nicht im Egoismus zu versacken.
     
  2. Ich will mich nicht davon irritieren lassen, dass die breite Masse anders ist, denkt, fühlt, lebt. Das muss so sein. Ganz im Gegenteil, ich muss alarmiert sein, wenn ich feststelle, dass ich angepasst bin, dass ich bin, denke, fühle und lebe wie meine Umgebung, wie die Welt.
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Mt 7,15-27: Die falschen und die wahren Jünger

Wenige sind es nur, die in Wahrheit den schmalen Pfad gehen, viele andere sind

Nur wer die Worte Jesu hört und tut, ist klug und einem zu vergleichen, der sein Haus auf Fels baut; das Unwetter kann ihm nichts anhaben.

Detail

  1. Wir sind aufgerufen, auf der Hut zu sein vor Wölfen im Schafspelz; sie sind gefährlich, sie schonen die Herde nicht;
    Apg 20,28-32: Sie reden verkehrte Dinge und wollen die Jünger hinter sich her abziehen. Was tun? Wachen, an die apostolischen Ermahnungen denken, auf Gott vertrauen und sein Wort der Gnade hochhalten - es vermag uns auf zu erbauen, damit wir gegen die Verführung gewappnet sind und in der Heiligung bis zu unserem Erbteil gelangen.
    Wir sollen solche falschen Propheten unterscheiden, und zwar an den Früchten: schlechte Frucht kommt immer von einem faulen Stamm, gute Frucht immer von einem guten Stamm. Wir sind zum Urteilen aufgerufen, möge Gott uns dabei helfen, gute und schlechte Frucht zu unterscheiden.
     
  2. Wir dürfen uns nicht täuschen lassen; falsche Propheten können den Namen Jesu häufig in den Mund nehmen, sie können weissagen, Dämonen austreiben und Wunder tun - jedenfalls können sie den Anschein erwecken; und das alles, ohne eine Beziehung zu Jesus zu haben. Diese Dinge dürfen uns also nicht beeindrucken. Das sind noch keine guten Früchte. Vielmehr muss ihr Leben vom Gebot Jesu (V.12) geprägt sein. Es ist Ausdruck eines guten Stamms, nämlich des Weinstocks Christus. Nur aus der Gemeinschaft mit ihm kann solch ein gottgefälliges Leben fließen.
     
  3. Der Herr wird sich selbst um die falschen Propheten und Bekenner kümmern: Sie werden abgehauen und verbrannt, Jesus nennt sie Täter der Gesetzlosigkeit (denn sie halten sich nicht an das Gebot Jesu in V.12, das doch den Inbegriff des Gesetzes darstellt; sie gehen nicht den schmalen Pfad), er hat sie nie gekannt und verstößt sie von seinem Angesicht. Für solche ist kein Platz im Himmelreich.
     
  4. Die Unwetter der Lebensstürme, des Todes und letztlich des Gerichtes Gottes werden herausbringen, auf welchem Fundament ein Mensch gebaut hat, das heißt, ob er einen guten Stamm besitzt oder einen faulen. Von außen mögen zwei Häuser, zwei Leben, gleich aussehen, vielleicht erkennt kein Mensch den Unterschied, aber Gott wird zu Fall bringen, was nicht auf dem Felsen des göttlichen Lebens gebaut ist. Das Fundament ist das Hören und Tun der Worte Jesu, das entspricht dem schmalen Pfad.

Anwendung

  1. Ich bin zur Wachsamkeit im Bezug auf falsche Propheten aufgerufen, denn sie können viel Schaden anrichten. Ich darf nicht blauäugig allen glauben, die sich Christen nennen, von Jesus reden und von seinem Wirken Zeugnis geben. Das Hauptkriterium für die Echtheit ist der Wandel, d.h. das praktische Ausleben des Gebotes der Liebe. Diese Wachsamkeit drückt sich aus durch:
  2. Vater, gib du mir diese Unterscheidungsgabe, und habe Dank, dass du eines Tages die Wahrheit ans Licht bringen wirst, dass kein Wolf im Schafspelz ungeschoren davonkommt.
     
  3. Wie weit baue ich mein Leben auf Felsen? Herr Jesus, ich habe oft auf den Sand des Ungehorsams gebaut und tue es immer noch. Vergib mir bitte und hilf mir, ein Täter deiner Worte zu werden. Mein Christsein soll vor allem eine enge Beziehung zu dir werden, damit du eines Tages sagst, ich kenne dich gut, und nicht, ich habe dich nie (oder kaum) gekannt.
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Mt 7,28-29: Jesu Vollmacht

Die Leute waren von Jesu Lehre wie vom Schlag getroffen, denn er redete mit Vollmacht, nicht wie sie es von ihren Schriftgelehrten gewohnt waren.

Detail

  1. Das Wort erstaunt heißt eigentlich betäubt, außer sich, aufgewühlt, bestürzt, erschreckt sein. Es kommt 13x im NT vor, davon
  2. So vollmächtig hat offenbar in der Regel nur unser Herr gewirkt. Selbst bei den Aposteln lesen wir nur einmal von solch einer Reaktion. Es ist interessant, dass es nicht hauptsächlich Macht-Taten sondern Vollmachts-Worte waren, die das Entsetzen bei den Zuhörern auslösten. Vollmacht ist also nicht an Zeichen und Wunder gebunden. Auch wenn die Worte des Herrn etwas Außergewöhnliches waren, so soll es doch ein Zeichen eines jeden gesalbten Wortes Gottes sein, ein Zeichen jeder göttlichen Verkündigung, dass es die Zuhörer nicht nur schön finden, sondern dass sie als Folge göttlicher Überführung entsetzt sind, dass es ihnen durchs Herz dringt (Apg 2,37). Man kann viel über die Bibel reden - wie es die Schriftgelehrten taten - und es mag gelehrtes Gerede sein und dennoch ohne Leben, geistloser Buchstabe. Wie viel besser ist doch die Torheit des Kreuzes in einfachen Worten aber mit der Salbung des Geistes als alles gelehrte, theologische oder philosophische Gerede ohne die Kraft des Geistes.

Anwendung

  1. Herr lass dein Wort immer wieder, wenn es nötig ist, so auf mich wirken: erschlagend, in dem Sinn, dass es mich aufdeckt, richtet und zur Buße führt. Der alte Mensch soll ruhig enttarnt und erschlagen werden. Sende solch vollmächtiges Wort in unseren Gemeinden aus.
     
  2. Mach auch mich zu deinem Mund; lass mich in der Kraft des Geistes dein Wort reden, und bewahre mich davor, trockenen, geistlosen Buchstaben zu predigen, wie gelehrt es auch scheinen mag.
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