Anwendernotizen zu Matthäus 9

Matthäus 9

Mt 9,1-8: Heilung eines Gelähmten
Mt 9,9-13: Jesus ruft Sünder
Mt 9,14-17: Das Alte und das Neue
Mt 9,18-26: Jesu Macht über Krankheit und Tod
Mt 9,27-31: Jesus heilt zwei Blinde
Mt 9,32-34: Heilung eines stummen Besessenen
Mt 9,35-38: Die Ernte und die Arbeiter

Mt 9,1-8: Heilung eines Gelähmten

Jesus kommt zurück in seine Heimatstadt, wo sie einen Gelähmten zu ihm bringen. Aufgrund ihres Glaubens spricht Jesus ihn von seinen Sünden los. Er beweist den Schriftgelehrten, die das für Gotteslästerung halten, dass er die Vollmacht zum Sündenvergeben hat, indem er den Gelähmten heilt. Das Volk verherrlicht Gott, dass er Menschen solche Vollmacht gibt.

Detail

  1. Diejenigen, die den Gelähmten zu Jesus bringen, glauben für ihn. Jesus vergibt jemandem die Sünden, weil andere für ihn glauben. Das heißt nicht, dass er selbst nicht auch glaubte. Er war wohl traurig über seine Sünden, verstand wohl den Zusammenhang zwischen seinen Sünden und seiner Lähmung, denn Jesus sagte ihm: "Sei getrost, ...". Dennoch war es entscheidend, dass andere Menschen den Glauben hatten, Jesus würde ihn heilen.
     
  2. Die Schriftgelehrten haben Recht, dass niemand außer Gott sich anmaßen kann, Sünden zu vergeben. Aber sie ziehen nicht die Konsequenzen, nämlich dass Gott in Christus wirkt. Interessanter Weise betont Jesus aber nicht seine Göttlichkeit; er nennt sich der Sohn des Menschen. Es bleibt den Menschen überlassen, daraus die Göttlichkeit Jesu zu schließen. Vers 9 zeigt, dass sie es nicht verstanden haben.
     
  3. Das Volk hat zwar etwas verstanden, aber nicht das Wichtigste; sie erkennen, dass die Vollmacht von Gott kommt, und als Folge fürchten und verherrlichen sie ihn. Aber sie erkennen nicht, dass der Sohn des Menschen auch der Sohn Gottes, der Messias ist. Und sie staunen wohl mehr über die Heilung von der Lähmung als über die Vergebung der Sünden.
     
  4. Es ist leichter, äußerliche Heilung zu wirken - das kann auch der Teufel, wenn Gott es zulässt - als Sündenvergebung. Die Sünde ist die Wurzel aller Übel. Satan kann dazu verführen, aber er kann nicht davon heilen. Uns sollte innere Heilung wichtiger sein als äußere, denn die innere ist Gottes Wille, die äußere nicht unbedingt.

Anwendung

  1. Mein aktiver Glaube für andere kann sie zu Jesus und somit zur Heilung führen. Das ist im Besonderen dort notwendig, wo Menschen so gebunden sind, dass sie ohne Hilfe nicht zu Jesus kommen können. Herr zeige mir, wer diese Menschen sind und wie ich sie in deine rettende Gegenwart bringen kann.
     
  2. Herr Jesus, du kannst mich an Leib, Seele und Geist völlig heilen. Und du wirst es zu deiner Zeit tun. Jetzt aber bitte ich dich, dass du mich von meiner Sünde heilst: dass du mir vergibst und mir echte Reue und Umkehr in den Punkten schenkst, wo sie mir fehlen.
     
  3. Die beste Nachricht, die wir Menschen weitersagen können, ist, dass sie bei Jesus Vergebung ihrer Sünden finden können. Das ist noch viel großartiger, als die Möglichkeit gesund, reich, glücklich, usw. zu werden. Jetzt geht es darum, der Macht der Sünde und des Todes und dem Zorn Gottes zu entfliehen. Alles übrige wird Gott zu seiner Zeit wohl machen.
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Mt 9,9-13: Jesus ruft Sünder

Jesus ruft den Zöllner Matthäus in die Nachfolge. Die Pharisäer nehmen Anstoß daran, dass Jesus mit Zöllnern und Sündern Gemeinschaft hat. Er sagt, dass er gekommen ist, Sünder zu rufen, nicht Gerechte.

Detail

  1. Nicht nur, dass Jesus die Sünder liebt und sie zur Buße und Heilung bringen will - er liebt sie so, wie sie sind, und ist bereit, mit ihnen zu essen und zu reden, bevor sie noch Buße getan haben. Er ist ein wahrer Evangelist. Er fürchtet nicht, sich an Sündern zu verunreinigen, er fürchtet höchstens, dass sie in der Trennung von ihm verloren gehen.
     
  2. Gott will Barmherzigkeit, nicht Schlachtopfer. Selbst für uns im Neuen Testament gilt: Wenn wir unsere Leiber als lebendiges Schlachtopfer Gott hingeben, so hat auch das nur Wert, wenn es mit Barmherzigkeit gepaart ist. Sonst kommt es nicht aus Gott und ist nicht für Gott. Ein unbarmherziges Herz ist immer ein Produkt des Fleisches, wie fromm auch immer es sich tarnen mag.
     
  3. Ein Beispiel göttlicher Erwählung: Egal aus welchem Hintergrund, mit welcher Vergangenheit - wen Jesus vollmächtig in die Nachfolge ruft, der steht auf und folgt ihm nach.

Anwendung

  1. Wenn Jesus nicht herabgestiegen wäre auf diese elende Erde, zu den elenden Menschen, wenn er die Berührung mit Sündern, Schmutz und Elend gescheut hätte, so bliebe ich ohne Hoffnung - wie ein Kranker, der in so entsetzlichem Zustand ist, dass jeder - auch der Arzt - einen Bogen um ihn macht. Danke Herr, dass du dich nicht gescheut hast auch mich in meiner furchtbaren Krankheit zu berühren.
     
  2. Als Nachfolger meines Herrn bin auch ich berufen, zu den Sündern, zu den Elenden, zu den Kranken hinzugehen, Gemeinschaft mit ihnen zu haben, um sie zu Christus, zur Rettung, zur Heilung zu führen. Ein Christentum, das sich von der Welt abkapselt, mit dem Vorwand sich nicht verunreinigen zu wollen, geht am Ziel vorbei. Christus möchte uns so weit zubereiten, dass in der Berührung mit Sündern nicht wir unrein, sondern sie rein werden.
     
  3. Herr, lehre mich wahre Barmherzigkeit, und vergib mir, wo ich unbarmherzig war und bin. Nicht nach der Meinung von Menschen will ich barmherzig sein, sondern nach deinem unwandelbaren Maßstab.
     
  4. O Herr, rufe mich, rufe uns, rufe noch weitere Menschen aus der Sünde und Finsternis in das Licht deiner Nachfolge.
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Mt 9,14-17: Das Alte und das Neue

Auf die Frage der Johannesjünger, warum Jesu Jünger nicht fasten, antwortet Jesus: Weil der Bräutigam noch bei ihnen ist. Man flickt nicht ein altes Kleid mit neuem Stoff, noch füllt mein jungen Wein in alte Schläuche.

Detail

  1. Alles hat seine Zeit. Fasten darf kein Selbstzweck, keine religiöse Übung sein. Es begleitet geistliche Trauer und Buße oder besondere Gebetsanliegen. Die Zeit des Fastens wird für die Jünger kommen; und zwar in der Zeit
    • zwischen seinem Tod und seinem Erscheinen nach der Auferstehung,
    • zwischen seiner Himmelfahrt und Pfingsten,
    • ganz allgemein in der Zeit seit seiner Himmelfahrt.
    Die Jünger des Johannes erhielten eine klare Antwort auf ihre Frage, die sie wohl auch verstanden, da ihr Meister Johannes selbst das Bild des Bräutigams für Jesus verwendete (Joh 3,29-31). Er hat sogar selbst gesagt, dass sich der Freund des Bräutigams freuen muss, wenn er die Stimme des Bräutigams hört. In solch einer Situation ist Fasten nicht angebracht.
     
  2. "neuer Stoff auf alte Kleider": Johannes steht für den alten Bund, der im Abnehmen begriffen ist (Joh 3,30), Jesus für den neuen, der im Zunehmen begriffen ist. Es war nicht ein plötzliches Aus für den alten und ein Start von 0 auf 100 des neuen, sondern ein korrespondierendes Abnehmen des einen und Zunehmen des anderen. Deshalb lebte Johannes der Täufer sehr abstinent, und seine Jünger taten es ihm gleich. Das passt zu ihrer Mission: als Vorbereitung für den Messias zur Buße zu rufen. Das einzige, wozu der alte Bund, das Gesetz dienen kann, ist Menschen ihre Sünde vor Augen und sie in die Buße hinein zu führen. Das ist nun wahrlich keine fröhliche Sache, sondern eine todernste, mit Trauer verbundene. Daher passt das Fasten zu dieser Mission.
     
  3. Jesus ist nicht gekommen, um den alten Bund aufzumöbeln, zu flicken, sondern um ihn zu erfüllen und abzulösen durch den neuen. Teile des neuen auf den alten zu flicken, würde beiden schaden. Der alte ist überholt (Hebr 8,13), wie ein altes zerrissenes Kleid. Jes 64,6 ist eine treffende Rekapitulation und in gewissem Sinn Kapitulation des alten Bundes. Die Gerechtigkeit, die sich Gottes Volk durch Gesetzeswerke erworben hatte, war wie ein unflätiges Kleid. Denn kein Mensch kann durch Gesetzeswerke gerecht werden (Gal 2,14).
     
  4. So ist es auch heute noch. Christus will nicht die zerlumpte Gerechtigkeit sich bemühender Menschen aufmöbeln, er möchte nicht der Flicken und Lückenbüßer sein für eine fast perfekte Selbstgerechtigkeit, sondern er möchte reumütigen Sündern, die erkennen, dass ihre eigene Gerechtigkeit vor Gott nichts wert ist, ein völlig neues, reines Gewand geben: die vollkommene Gerechtigkeit Christi. Und auch für das Kind Gottes gilt: Wir fallen immer wieder in die eigene Gerechtigkeit zurück und müssen das rechtzeitig erkennen. Schnell fangen wir an Christus auf einen "kleinen" Riss in unserer Gerechtigkeit zu flicken, statt sie wegzuwerfen und ihn anzuziehen.
     
  5. Mit dem "neuen Wein in alte Schläuche" ist es ebenso: Es passt nicht zusammen und beides würde vergeudet. Der neue Wein, der neue Bund, passt nicht in die ausgedienten Schläuche des alten Bundes hinein. Während beim Bild mit dem rissigen Kleid die Betonung mehr darauf lag, wo das Neue nicht hingehört, liegt die Betonung beim Bild mit dem neuen Wein mehr darauf, wo das Neue hingehört; konkret auf die Jünger Jesu bezogen: wo sie nicht mittun sollen, nämlich mit den alten Bräuchen, und was sie tun sollen, nämlich den neuen Weg gehen, Jesus nachfolgen.

Anwendung

  1. Ich kann und soll fasten, wenn geistliche Trauer, Buße angesagt ist, wenn ich die Nähe des Bräutigams entbehre, oder wenn es für besondere Nöte zu beten gilt. Aber wenn ich von der Freude seiner Gegenwart erfüllt bin, dann brauche ich nicht als religiöse Übung (d.h. um mich Gott gefällig zu machen) zu fasten. Das wäre junger Wein in alte Schläuche. Im Gnadenbund brauche ich mich nicht durch Selbstkasteiung Gott zu nahen.
     
  2. Herr führe mich bitte immer wieder an den Punkt, wo ich erkenne, dass ich mich in Fetzen, nämlich in meiner eigenen Gerechtigkeit kleide. Ich möchte diese Fetzen wegwerfen und mir dein weißes Gewand schenken lassen. Da bleibt auch kein Rühmen für das Fleisch, weil diese Gerechtigkeit ganz in dir besteht, obschon sie durch Gnade mein wurde. Bewahre mich vor Gesetzeswerken, vor Eigendünkel, lehre mich ganz in Christus zu wandeln, mich täglich mit ihm zu kleiden, ganz aus seiner Gnade zu leben.
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Mt 9,18-26: Jesu Macht über Krankheit und Tod

Ein Synagogenvorsteher bittet Jesus, seine eben verstorbene Tochter lebendig zu machen. Auf dem Weg zu ihr berührt eine blutflüssige Frau sein Gewand. Jesus anerkennt ihren Glauben und heilt sie. Beim Haus des Vorstehers angekommen vertreibt Jesus die trauernde, lärmende Menge. Er geht mit 3 seiner Jünger hinein und macht sie lebendig. Das wird in der ganzen Gegend bekannt.

Detail

  1. Abweichungen von den Berichten in Markus und Lukas: Siehe Kommentar von John Gill. Das Mädchen war wohl kurz vor dem Tod, als der Vater wegging - was übrigens auch seinen großen Glauben zeigt, denn wenn möglich, wäre er sicher gerne in der Todesstunde bei seinem Kind gewesen - so dass der Vater zum Zeitpunkt, als er bei Jesus war, davon ausging, dass sie inzwischen gestorben war. Matthäus strafft die Geschichte, indem er die Boten auslässt, die vom Tod des Mädchens berichten und dafür Jairus vom Tod des Mädchens reden lässt. Ich könnte mir auch vorstellen, dass Jairus sowohl das eine als auch das andere gesagt hat. Er erzählte Jesus, dass sie im Sterben lag, als er wegging und dass sie jetzt wohl schon tot sei. Die einzelnen Evangelisten haben dann verschiedene Aussagen des Jairus wiedergegeben, ohne auch nur im geringsten von der Wahrheit abzuweichen.
     
  2. Der Vorsteher schert sich nicht um die Menschen um ihn herum. Er wirft sich zu Jesu Füßen und bittet um Hilfe. Er traut Jesus alles zu, auch dass er die Verstorbene lebendig macht. Im Gegensatz zu den Pharisäern und Religiösen (Johannesjüngern) interessiert den Vorsteher nicht, warum Jesus oder seine Jünger essen oder nicht essen. Er weiß nur eines: Er liebt seine Tochter, und dieser Jesus kann sie ihm wiedergeben. Er ist sogar bereit, die Trauergemeinde zu vertreiben, um für Jesus Platz zu machen. Sein Glaube muss groß sein, denn er hätte es sich mit der eigenen Familie verscherzt, wenn Jesus das Mädchen nicht tatsächlich auferweckt hätte. Er war bereit, sich vor allen zu blamieren - und das als Synagogenvorsteher. Oft muss Gott Menschen an den Rand er Verzweiflung bringen, bevor sie bedingungslos zu Jesus kommen, sich ihm anvertrauen und sich nicht mehr um das kümmern, was die Menschen denken oder sagen.
     
  3. Ähnlich ist es mit der blutflüssigen Frau: Auch sie hat schon alles versucht und möchte nach 12 Jahren Leid, Schande und Unreinigkeit nur noch eines: Heilung. Egal wie die Leute Jesus bedrängen - sie drängt zu ihm hin; egal, ob er Zeit für sie hat - sie glaubt, dass es genügt sein Gewand zu berühren; und sie hat Recht. Jesus belohnt solchen Glauben. Allerdings erspart er ihr nicht das Bekenntnis. Vielleicht hätte sie alles lieber sang- und klanglos "abgewickelt", aber bei Jesus ist es notwendig, Farbe zu bekennen. Sie ist bereit dazu. Jesus sieht auch, wie verzagt die Frau ist, und er spricht ihr guten Mut zu.
     
  4. Jesus hat Gewalt über den Tod. Wenn er Glauben findet, weckt er aus den Toten auf. Welch herrliches Bild für die Wiedergeburt und die Auferstehung. Eph 2,5: Gott hat uns mit Christus lebendig gemacht und er wird uns - wenn wir vor der Entrückung sterben - zu ewigem Leben auferwecken, indem er uns einen neuen, einen geistlichen, einen herrlichen Leib gibt. All das tut Gott für die, die glauben.

Anwendung

  1. Danke Herr, dass du auch mich schon mehrmals so weit gebracht hast, dass ich mich nicht mehr darum kümmerte, was die Menschen denken, sondern dass ich nur noch deine Hilfe wollte. Führe mich wieder dorthin, wo ich es nötig habe. Und wirke in unserer Umgebung so, dass die Menschen - Verlorene wie Gerettete - bis an diesen Punkt gebracht werden, wo sie sich dir bedingungslos ausliefern und wo sie bereit sind, dich vor allen zu bekennen.
     
  2. Ich danke dir, dass du mich durch Glauben lebendig gemacht hast zur Gemeinschaft mit dir, und dass du mir die Gewissheit gegeben hast, dass ich einst in einem neuen Leib ewig mit dir leben darf. Führe noch viele Menschen zu diesem rettenden Glauben. Und lass mich auch in diesem Leben durch Glauben immer mehr von dem Auferstehungsleben Christi erfahren, das für mich bereit steht.
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Mt 9,27-31: Jesus heilt zwei Blinde

Zwei Blinde folgen Jesus und bitten um Erbarmen. Jesus öffnet ihre Augen entsprechend ihrem Glauben. Obwohl er sie bedroht, es niemandem weiter zu sagen, machen sie es in der Gegend bekannt.

Detail

  1. Auch hier wieder zwei verzweifelte Menschen, die sich nicht um die Leute rundherum scheren, sondern um jeden Preis Jesu Hilfe wollen. Und auch hier Jesu Frage nach dem Glauben. Die Courage und der Glaube gehören zusammen; der Glaube macht mutig, bewegt zum Handeln, treibt zu Jesus, macht forsch im Bitten.
     
  2. Sie nennen ihn Sohn Davids, d.h. sie erkennen in ihm den Messias. Daher auch ihr Glaube an seine Fähigkeit, sie sehend zu machen.
     
  3. Jesus sucht nicht die Popularität, er will nicht durch Wunder bei den Massen bekannt werden. Darum heilt er sie nicht in der Öffentlichkeit sondern in einem Haus; und darum bedroht er sie, niemandem davon zu sagen. Gerade im Zusammenhang mit Zeichen und Wundern ist das Bekannt-Machen, Zeugnisgeben, usw. sehr heikel. Es ist nicht immer angebracht. Diese Tatsache scheint manchen christlichen "Heilern" verborgen.

Anwendung

  1. Auch heute noch ist das der Weg zur Rettung, für mich und für jedermann: Der Ruf "Jesus Christus, erbarme dich meiner!" verbunden mit Glauben. Diesen Ruf werde ich selbst immer wieder brauchen, und davon will ich auch zu den Ungeretteten reden. Ich muss ihnen Jesus so darstellen, dass sie ihn als Christus erkennen und dass sie verstehen, dass sie ihn brauchen, um von ihrer geistlichen Blindheit gerettet zu werden.
     
  2. Ich weiß nicht genau, wie weit das Verbot, über die Heilung zu reden, auf heute und auf mich übertragbar ist. Jedenfalls gilt, dass Jesus und Sensationslust nichts miteinander zu tun haben. Im Übrigen zeigt es, wie wichtig es ist, dauernd den Willen Gottes zu erkennen und zu gehorchen. Denn was gestern angebracht war, kann heute verkehrt sein und umgekehrt. Nicht um christliche Regeln geht es vor allem, sondern um Christi lebendiges Wort. Von seinem Reden leben wir täglich.
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Mt 9,32-34: Heilung eines stummen Besessenen

Jesus heilt einen Stummen, indem er einen Dämon austreibt - zur großen Verwunderung des Volkes und zum großen Ärgernis der Pharisäer; sie behaupten, er handle selbst in dämonischer Kraft.

Detail

  1. Der Besessene wurde zu Jesus gebracht. Es ist wichtig, Gebundene zu Jesus zu bringen, weil sie es von sich aus nicht können. Stummheit und Taubheit ist ein gutes Bild für den geistlichen Zustand vieler Menschen. Sie vernehmen nichts vom Geist Gottes und da sie ihn nicht haben, können sie Gott auch nicht im Geist und in der Wahrheit anbeten. Sie müssen durch Gebet, Zeugnis und Wort zu Jesus geführt werden, damit er ihnen die Zunge löst.
     
  2. Manche körperlichen Leiden sind auf Besessenheit zurückzuführen.
     
  3. Jesus hat Macht über die Dämonen.
     
  4. Jesus wurde verleumdet. Wo Gottes Kraft am Wirken ist, gibt es auch Neider, Verleumder, Feinde. Jesu Nachfolger müssen damit rechnen.

Anwendung

  1. Diese Begebenheit und etliche andere zeigen, dass wir einen Dienst an Gebundenen, geistlich Gelähmten, Stummen, Tauben haben. Wir müssen sie im Gebet zu Jesus bringen, müssen sie durch Wort und Werk zu ihm hinführen.
     
  2. Es ist schön zu wissen, dass mein Herr stärker ist als alle Finsternismächte. Wovor brauche ich Angst zu haben, wenn ich nur ihn fürchte?!
     
  3. Ich brauche mich nicht zu wundern, wenn mir Hass, Verachtung, Neid und Verleumdung begegnen werden. Es muss so kommen, wenn Gott mächtig wirkt. Wundern sollte ich mich, wenn mir diese Dinge nicht begegnen; ob es wohl daran liegt, dass auch Gottes Kraft durch mich nicht zum Ausdruck kommt?
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Mt 9,35-38: Die Ernte und die Arbeiter

Jesus lehrt, predigt und heilt im ganzen Land. Er ist innerlich bewegt über die verschmachtete hirtenlose Volksmenge und sagt seinen Jüngern, sie sollen den Herrn der Ernte bitten, Arbeiter in die große Ernte zu senden.

Detail

  1. Die Merkmale des Dienstes Jesu auf Erden:
    • Er zog umher durch alle Städte und Dörfer.
    • Er lehrte in den Synagogen, d.h. in den religiösen Zentren.
    • Er predigte das Evangelium des Reiches, nämlich dass die Menschen umkehren sollen, weil das Reich Gottes nahe gekommen ist: Mt 4,17
    • Er heilte jede Krankheit und jedes Gebrechen.
       
  2. Israel als Herde und seine Hirten sind ein großes Thema der Propheten des Alten Testaments: Jes 56,9-11; Jer 2,8; 10,21; 12,10; 23,1-2; 50,6; Hes 34,1-16; Sach 10,2-3.
    Jesus ist die Erfüllung der Verheißung, dass sich der Herr selbst seines Volkes annehmen wird, weil die Hirten versagt haben. Jesus war tief gerührt darüber, wie die Herde vernachlässigt und verschmachtet war. Das ist zwar eine geistliche Regung, aber sie drückt sich durch die Seele aus. Nachfolger Christi müssen dieselbe Regung spüren, wenn sie die Menschen als herumirrende, verlorene Schafe sehen.
     
  3. Aus dieser Regung heraus kommt die Aufforderung, um Arbeiter in der Ernte zu bitten. Aus dieser Regung heraus sollen wir darum bitten. Aus dieser Regung heraus sollen wir willig als Arbeiter in die Ernte gehen, wenn uns der Herr der Ernte schickt. Vielleicht denken wir, es ist die Verantwortung des Herrn der Ernte, Arbeiter auszusenden; aber er zieht uns mit in die Verantwortung, nicht nur indem er uns sendet, sondern indem er uns auffordert, um die Aussendung zu beten. Das heißt, er möchte nicht nur gehorsame Ausführer seiner Befehle, sondern er möchte Leute, die "unternehmerisch" denken, die sich der großen Sache des Reiches Gottes mitverpflichtet fühlen und mit Verantwortung tragen. Das ist das Geheimnis von Mitarbeitermotivation: Das Unternehmen muss ihr Anliegen werden; sie sind nicht nur Befehlsausführer sondern Mitunternehmer.

Anwendung

  1. Herr lass mich auch innerlich bewegt sein über die Verlorenen. Möge es mir ein großes Anliegen werden, dass der Herr der Ernte Arbeiter aussende und dass die irrenden Schafe zu dem Hirten ihrer Seelen finden, und möge ich auch selbst bereit sein, meinen Platz als Arbeiter in der Ernte zu erkennen und einzunehmen. Herr, sende Arbeiter in deine Ernte.
     
  2. Auch heute dürfen wir nicht den Missionsauftrag aus den Augen verlieren: Alle Menschen sollen das Evangelium hören, alle sollen zu Jüngern gemacht werden. Da reicht es nicht, an ein und dem selben Platz sitzen zu bleiben und immer wieder den selben Menschen zu predigen. Unsere Verantwortung gilt für die ganze, weite Ernte und dann natürlich im besonderen für den Teil der Ernte, wo Gott uns hinsendet. Doch mir scheint, aufgrund unserer Bequemlichkeit wollen wir nur einen kleinen Teil der Ernte sehen und kümmern uns nicht um den Rest. Das Muster der Missionierung sieht wohl nicht genauso aus wie zu Zeiten Jesu und der Apostel, aber es sollte uns in manchen Aspekten inspirieren:
    • Lehre in den religiösen Zentren, wo es Gelegenheit dazu gibt
    • Predigt des Evangeliums in allen Städten und Dörfern unseres Wirkungsgebietes